Donnerstag, 19. Mai 2022

Als würden wir unseren Kindern den Boden unter den Füssen abgraben

Ein Zitat

Symbolbild: Erosion im Bergsturzgebiet Gnipen oberhalb von Goldau. Der Klimawandel bedroht das Leben vieler Menschen.
Foto © Jörg Niederer
"Das Flugzeug, in dem ich sitze, ist wie eine Rakete, gerichtet auf zukünftige Menschen." Dominic Roser, in einem Beitrag von Sternstunde Philosophie

Ein Bibelvers - Psalm 55,7-9

"Da sprach ich: 'Wenn ich doch Flügel hätte! Wie eine Taube wollte ich davonfliegen und mich woanders niederlassen. Siehe, weit in die Ferne würde ich fliehen und die Nacht in der Wüste verbringen. Sela. Ich würde mich eilig in Sicherheit bringen, vor dem Sturmwind, der über mich hinwegfegt.'"

Ein Anregung

Maria Bienentreu ist Präsidentin im Ausschuss "Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung", kurz GFS. Dahinter steht die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Kantone Appenzell und St. Gallen. Mit folgendem Text verweist Maria Bienentreu auf den GFS-Anlass "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" vom Freitag, 20. Mai, 19-21 Uhr. 

"Alle leiden unter dem Klimawandel, aber nicht alle tragen in gleichem Mass dazu bei. Die verursachende Generation überlässt den Jungen das Ausbaden des Schadens. Die wohlhabende Welt produziert weitaus mehr CO2 als die Menschen in den Armutszentren dieser Erde. Die massiven Proteste der Klimajugend und das Bewusstsein um die Dringlichkeit der Situation mag durch die Krisen der letzten Jahre aus dem Bewusstsein vieler etwas verschwunden sein. Doch die neuesten Prognosen über die Schnelligkeit des Ansteigens der Temperaturen, die unabsehbaren Folgen der Kriegshandlungen, die geplanten Investitionen in fossile Energien zeigen: Die Dringlichkeit des Themas hat sich eigentlich noch einmal verschärft.

Was also heisst Klimagerechtigkeit und wie kann sie erreicht werden? Welche Massnahmen sind unerlässlich? Braucht es Einsicht oder Zwang?

Unter der Leitung von Altnationalrätin und Klimaseniorin Pia Hollenstein diskutieren am 20. Mai der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser (Universität Freiburg), Bischof Markus Büchel (St. Gallen) und die bekannte St. Galler Klimaaktivistin Miriam Rizvi."

Ort: Evangelisch-methodistische Kirche, Kapellenstr. 6, St Gallen

Nach der Diskussion sind alle zum Apéro eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 18. Mai 2022

Mit Fotos Geschichten erzählen

Ein Zitat

Fotograf Peter Frei (links) mit Dompfarrer Beat Grögli an der Ausstellung in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin ein 'Aufräumer'. Struktur und Ordnung befreien mein Denken." Leitspruch von Peter Frei, Bilderjäger und Musiker aus Frauenfeld

Ein Bibelvers - Hebräer 1,3a

"Der Sohn ist der Abglanz von Gottes Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens. Durch sein machtvolles Wort trägt er die ganze Welt."

Ein Anregung

Fotografieren gehört zum Leben von Peter Frei. Nebst der Musik ist es seine zweite grosse Leidenschaft. Als er dann nach der Pensionierung endlich Zeit hatte, besuchte er ein Fotostudium und schloss es erfolgreich ab.

Heute um 14.30 Uhr wird er nun von diesem Werdegang erzählen, auch was ihn an der Fotografie begeistert, wie er an die Sache herangeht und warum ihn die Streetfotografie besonders fasziniert. Diese Ausführungen verbindet er mit praktischen Tipps, und wie man mit einfachen Mitteln, der Handykamera zum Beispiel, faszinierende Ergebnisse erzielt. In dieser Zeit kann natürlich auch die Fotoausstellung besichtigt werden, die wesentlicher Teil der Jubiläumsfeier "161 Jahre Methodistenkirche in St. Gallen" ist. Anschliessend an den Mini-Workshop gibt es auch noch süsse Spezialitäten und Getränke. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. 

Zu der Jubiläumszeit in der EMK St. Gallen gehören auch die folgenden weiteren Anlässe: 

  • Sonntag, 14. bis Samstag, 21. Mai, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke" 
  • Freitag, 20. Mai, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in den Kantonen AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi. 
  • Sonntag, 22. Mai, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny und untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun. 

Alle Anlässe sind öffentlich und kostenlos zugänglich.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 17. Mai 2022

Spurloses auf Fluchtspuren

Ein Zitat

Bildausschnitt aus der reformierten Zeitschrift bref zur Rubrik 'Kuratiert von Patrick Streiff'
Foto © Jörg Niederer
"Nicht alle schaffen den Weg..." Samuel, ein Flüchtling aus Biel

Ein Bibelvers - Psalm 77,17+20

"Die Wasser sahen dich, Gott. Die Wasser sahen dich und bebten... Durch das Schilfmeer führte dein Weg und dein Pfad durch gewaltige Wasser. Doch niemand hat deine Spuren erkannt."

Ein Anregung

"bref" heisst das Magazin der Reformierten. In jeder der Ausgaben stellt eine Person ein Kunstobjekt vor. Meist sind es Personen, welche schon beruflich viel damit zu tun haben. So wurde in der Ausgabe 2/2022 der künstlerische Leiter am Theater Gessnerallee in Zürich, Armin Kerber, für diese Rubrik "Kuratiert von..." angefragt. Und in der allerneusten Ausgabe ist es Köbi Gantenbein, der Verleger von Hochparterre, der Zeitschrift für Architektur und Design. 

Dazwischen, in der Ausgabe 3/2022, kuratiert einer, den man nicht dem Kunstbetrieb zuordnen würde. Bischof Patrick Streif zeigt ein Aquarell von Samuel, einem Flüchtling, den seine Frau und er in der methodistischen Gemeinde in Biel kennengelernt hatten. Wohltuend geht es in seinem Beitrag nicht um die Avantgarde der Kunst, sondern um einen Menschen, der seine oft schwierigen Erfahrungen mit dem Malen von Bildern verarbeitet.

Das im Heft vorgestellt Bild von Samuel ist ein Geschenk an den Bischof, und hängt nun in Ehepaar Streiffs Wohnung an der Wand. Es ist farbenfroh. Dazwischen finden sich Linien; die meisten - ja alle - ziehen sich nicht über die gesamte Breite des Aquarells. Samuel selbst erklärte es Patrick Streiff: "Das sind die Spuren der Flüchtlinge, die durch die Wüste und über das Meer ziehen... Nicht alle schaffen den Weg, darum verschwinden manche Spuren im Nirgendwo. Eine der Spuren gehört zu mir."

Genau diesen auf der Flucht "verschwunden" Menschen ist die Aktion "Beim Namen nennen" gewidmet. Mehr zur St. Galler Ausgabe findet sich auf dieser Webseite.


Bei den Methodistinnen und Methodisten in St. Gallen kann in dieser Woche jeweils von 14-20 Uhr die Ausstellung mit Fotos und Bildtafeln von Peter Frei besichtig werden. Am Mittwoch um 14.30 Uhr wird der Fotograf selbst anwesend sein, und Einblicke geben in sein Schaffen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 16. Mai 2022

Verlieren können muss gelernt sein

Ein Zitat

FC-St.Gallen-Fans eilen an einem improvisierten Bierverkaufsstand vorbei.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Mensch kann viele Male versagen, aber ein Versager ist er erst, wenn er den Fehler dafür bei anderen sucht." John Burroughs (1837-1921), US-amerikanischer Künstler und Schriftsteller

Ein Bibelvers - Lukas 19,10

Jesus über sich: "Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten."

Ein Anregung

Sonntagmorgen, zu einer Zeit, in der sonst der Bahnhof St. Gallen verwaist dem Tag entgegendämmert. Überall stehen sie in grünen Trikots herum. Die Hoffnungen sind gross, dass es diesmal gelingt, den Cup-Fussballpokal nach St. Gallen zu holen. Extrazüge bringen die Fans an diesem Final-Sonntag nach Bern.

Am Abend wissen es alle besser. Zum fünften Mal verliert der FC St. Gallen einen Cupfinal, zum zweiten Mal in Serie. Ich bin enttäuscht. Es wäre zu schön gewesen. Auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre mir ein Sieg der St. Galler recht gewesen. Denn jedes Mal wenn die Espen verlieren, besteht die Gefahr, dass irgendwelche Fans auf dem Weg nach Hause aus Frust unsere Kirchenmauer verschmieren. Schlechte Verlierer, die Dampf ablassen.

Später dann sehe ich die Bilder im Internet, wie Clubpräsident Matthias Hüppi den aufgebrachten Fans aus dem Espen-Block entgegentritt, als diese das Spielfeld entern und Pyrofakeln Richtung Spieler des FC Luganos werfen.

Verlieren muss gelernt sein. Manche können es, und andere nicht. In manchen Situationen kann ich es, in anderen nicht. Darüber werde ich heute nachdenken.


Übrigens: Die Predigt zum Jubiläum "161 Jahre Methodistenkirche in St. Gallen" kann als PDF-Datei heruntergeladen werden. Die Fotos von Peter Frei, die dabei als Illustration dienten, können täglich von 14-20 Uhr in den Kirchenräumen an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen angeschaut und auch gekauft werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 15. Mai 2022

Jubiläumspredigt mit fotografischem roten Faden

Ein Zitat

Peter Frei und Sabina Stoller spielen und singen an der Vernissage
Foto © Jörg Niederer
"Die Gemeinde hat uns gut aufgenommen. Ich fühlte mich von Anfang an wohl und zuhause. Natürlich gab es auch Misstöne, aber ich hätte zu keiner Zeit die Gemeinde verlassen können. Meine Hoffnung ist, dass mir diese Gemeinde noch lange erhalten bleibt." Rose Loosli auf einer der Bildtafeln von Peter Frei

Ein Bibelvers - Hebräer 12,2

"Dabei wollen wir den Blick auf Jesus richten. Er ist uns im Glauben vorausgegangen und wird ihn auch zur Vollendung führen."

Ein Anregung

Was soll eine christliche Gemeinde, die auf eine 161-jährige Geschichte zurückschauen kann, in der Predigt zu hören bekommen? Was soll einer christlichen Gemeinde gepredigt werden, die in den letzten Jahren viel an ihrer früheren Bedeutung verloren hat? Was soll ein Kirchenjubiläum prägen?

Im Festgottesdienst vom Sonntag ist genau dies die Herausforderung. Pfarrer Jörg Niederer lässt sich bei der Beantwortung dieser Fragen von der Bibel leiten, aber für einmal auch von einer Serie von 15 Fotografien von Peter Frei, die seit gestern in der Kirche hängen. Dieser Jubiläumsgottesdienst kann um 10.15 Uhr nur vor Ort an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen miterlebt werden. Alle die kommen, dürfen sich auch auf Livemusik von Peter Frei und Sabina Stoller freuen, und darüber hinaus auf einen süssen, reichhaltigen Kirchenkaffee. 

Zu dieser Jubiläumszeit in der EMK St. Gallen gehören auch die folgenden weiteren Anlässe: 

  • Sonntag, 14. bis Samstag, 21. Mai, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke
  • Mittwoch, 18. Mai, 14.30 Uhr: Im Gespräch mit Peter Frei über Fotografie und Leben
  • Freitag, 20. Mai, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in den Kantonen AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi.
  • Sonntag, 22. Mai, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny und untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun.

Alle Anlässe sind öffentlich und kostenlos zugänglich.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 14. Mai 2022

Das Jubiläum und die Fotoausstellung

Ein Zitat

Distriktsvorsteher Serge Frutiger (rechts) und Textilkünstlerin Ivonne Berther, lasst sich vom Fotografen Peter Frei eines seiner Werke erklären.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin stolzer Familienvater von vier Töchtern. Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Familie und Freunde. Ich lege sehr viel Wert auf Loyalität, Gesundheit und Frieden. Dies wünsche ich allen Menschen." Zitat von Manfred (Jimmy) Frick auf einer der Bildtafeln in der Ausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke".

Ein Bibelvers - Psalm 106,1

"Halleluja! Dankt dem Herrn, denn er ist gut! Ja, für immer bleibt seine Güte bestehen."

Ein Anregung

Der Auftakt zum Jubiläum der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in St. Gallen am Freitagabend, 13. Mai, war die Vernissage zur Ausstellung: "St. Galler Menschen und Eindrücke". Seit 161 Jahren wirken Methodistinnen und Methodisten in St. Gallen. Im Jahr 1861, als sie in St. Gallen ihre ersten Versammlungen hielten, sah die Welt noch ziemlich anders aus: Am Tröckneturm im Quartier Lachen wehen die rot gefärbten Tücher im Wind. Seit 14 Jahren residiert wieder ein Bischof der römisch-katholischen Kirche in St. Gallen. In den Vereinigten Staaten sieht sich der im Vorjahr gewählte Abraham Lincoln mit einem Bürgerkrieg konfrontiert. Die Schweiz befindet sich im Aufbruch. Banken wie die Schweizerische Kreditanstalt und Versicherungen wie Swiss Life werden gegründet um den Bahnbau sowie den wirtschaftlichen Aufschwung zu finanzieren und abzusichern.

Damals wie heute geht es den Methodistinnen und Methodisten darum, den Menschen einen sinnstiftenden Glauben an Gott zu vermitteln. Für das Jubiläum erstellte daher der Fotograf und Musiker Peter Frei aus Frauenfeld neun Bildtafeln von Menschen aus der Region St. Gallen. Darunter mehrere Gemeindeglieder der heutigen EMK in St. Gallen, aber auch die Stadträtin Sonja Lüthi liess sich ablichten, oder der Pfarrer Matthias Wenk. Die Portraits ergänzen Fotos von Orten in und um St. Gallen, welche den Abgebildeten lieb und wichtig sind. Ein kurzes Zitat bildet den dritten Teil der Bildtafeln. Diese Tafeln werden im Jubiläumsjahr im Kirchenraum verbleiben. Nachher gehen sie in den Besitz der Portraitierten über. 

Peter Frei zeigt an der Ausstellung, die bis zum 21. Mai jeweils in der Zeit von 14 bis 20 Uhr besichtigt werden kann aber noch weitere Arbeiten aus seinem Schaffen. "Karmin" heisst eine von ihm erdachte imaginäre Zeitschrift, zu der er in der Coronazeit Titelseiten entworfen hat. Inhaltlich scheinen Bild und Text glaubwürdig, realistisch. Aber oft ist das Bild in einem total anderen Zusammenhang entstanden, und die Schlagzeile der Wirklichkeit nur nachempfunden. "Alternative Fakten"; der Realität zum Verwechseln ähnlich, und doch ist nichts so, wie es zu sein scheint. Mit einer Ausnahme: Der Zeitschriftentitel "Karmin" prangt tatsächlich karminrot auf jeder der Titelseiten.

Peter Frei, ein pensionierter Lehrer, betreibt die Fotografie in sehr ambitionierter Weise als Hobby. Dass kann ihn auch schon einmal an seine Grenzen bringen. So bestieg der nicht schwindelfrei Neunundsechzigjährige über verschlungene Wege das Dach der Kirche von Pfarrer Matthias Wenk, um sich dort ein Bild von der Stadt zu machen und den weiten St. Galler Himmel abzulichten. Ambitioniert spielt er auch die Gitarre. Davon konnte man sich am Abend genauso überzeugen. Die wunderschöne Stimme von Tochter Sabina Stoller, virtuos begleitet von Peter Frei... es war ein Genuss, den Liedern zu lauschen, darunter Gospel und Blues. So malt Peter Frei gleich in zweierlei Weise, einmal - in der Fotografie - mit Licht, und in der Musik mit Tönen. Seine Beziehung zur Kirche und noch mehr zum christlichen Glauben ist ihm dabei und im Leben Korrektiv und Halt.

Beim abschliessenden Apéro war dann noch Zeit, in Ruhe die Fotografien und Bildtafeln zu betrachten, miteinander ins Gespräch zu kommen und an Erinnerungen anzuknüpfen.

Die Jubiläumszeit der EMK St. Gallen geht weiter. Im folgenden ein Überblick über die weiteren Anlässe während der Zeit der Ausstellung in den kirchlichen Räumen an der Kapellenstrasse 6: 

  • Samstag, 14. bis Samstag, 21. Mai, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke" 
  • Sonntag, 15. Mai, 10.15 Uhr: Festgottesdienst mit Musik von Peter Frei und Sabine Stoller
  • Mittwoch, 18. Mai, 14.30 Uhr: Im Gespräch mit Peter Frei über Fotografie und Leben
  • Freitag, 20. Mai, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in den Kantonen AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi. 
  • Sonntag, 22. Mai, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny und untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun.

Alle Anlässe sind öffentlich und kostenlos zugänglich.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 13. Mai 2022

Eine Vernissage nach 161 Jahren

Ein Zitat

Jimmy misst aus, wo die Nägel für die Bilder hingehören
Foto © Jörg Niederer
"Ich sage jeweils: Das was ich mache, ist Fotohandwerk." Peter Frei, Fotograf und Musiker

Ein Bibelvers - Jakobus 1,17

"Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben: von dem Vater des Lichts."

Ein Anregung

Zugegeben, das Foto vom Einrichten der Fotoausstellung sieht nicht spektakulär aus. Aber es soll ja auch nicht zu viel verraten. Kein Spoiler Alarm, also. Soviel sei gesagt über die Ausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke" mit Fotografien und Bildtafeln von Peter Frei: Besucherinnen, die zufällig vorbeigekommen sind, hat es gut gefallen.

Das Aufhängen der Bilder war eine Präzisionsarbeit. 32 Nägel mussten ganz genau platziert werden. Es dauerte gut zwei Stunden, bis die 14 Fotografien und 9 Bildtafeln platziert waren.

Die Ausstellung ist zweiteilig. Da sind die Bildtafeln mit Portraits von Menschen aus St. Gallen. Diesen Fotos sind Lieblingsorte der Abgebildeten beigesellt. Auch zu Wort kommen die Frauen, Männer und Kinder, in Form eines kurzen Textes.

Der zweite Teil der Ausstellung ist das Ergebnis einer kreativen Zeit während des Corona-Lockdowns. 14 illustrierte Titelseiten einer ausgedachten Zeitschrift sind über die Monate entstanden. Da finden sich Seiten zur makellosen Schönheit, zur heiligen Verzückung, über einen singenden Hund und auch die Frage wird gestellt: "Wer bin ich?"

Heute Freitag sind alle herzlich zur Vernissage eingeladen. Ab 19.30 Uhr gibt es viel Musik, Inspiration, Gespräche, zu essen und zu trinken, und auch die Neugier über den Fotografen und Musiker Peter Frei wird befriedigt. Mit diesem Anlass beginnt die Jubiläumswoche "161 Jahre Methodistenkirche in St. Gallen". Im Folgenden eine Übersicht aller Festanlässe: 

  • Samstag, 14. bis Samstag, 21. Mai, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke"
  • Sonntag, 15. Mai, 10.15 Uhr: Festgottesdienst mit Musik von Peter Frei und Sabine Stoller
  • Mittwoch, 18. Mai, 14.30 Uhr: Im Gespräch mit Peter Frei über Fotografie und Leben
  • Freitag, 20. Mai, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in den Kantonen AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi.
  • Sonntag, 22. Mai, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny und untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun.

Alle Anlässe finden an der Kapellenstrasse 6 in den Räumen der Methodistenkirche statt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 12. Mai 2022

Nur noch 36 Stunden bis zum Jubiläumsauftakt

Ein Zitat

Material fürs Jubiläum und die Vernissage der Fotoausstellung.
Foto © Jörg Niederer
"Ich freue mich riesig auf meine erste Fotoausstellung. Es wäre schön, dich/euch dabei zu haben!" Peter Frei, Musiker und Fotograf

Ein Bibelvers - Psalm 118,24

"Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasst uns jubeln und uns freuen über ihn!"

Ein Anregung

Ich gebe es zu: die Nervosität steigt. Heute wird die Ausstellung mit Fotografien und Bildtafeln über "St. Galler Menschen und Eindrücke" fertig eingerichtet. Peter Frei, Musiker und Fotograf wird da sein und dann werden letzte Fragen geklärt und die Räume entsprechend gestaltet. Die Gemeinde ist gespannt, wer alles sich zu den verschiedenen Angeboten unseres Jubiläums "161 Jahre Methodistenkirche in St. Gallen" einfinden wird. So fragen sich einige, wie viele der ehemaligen Pfarrpersonen hineinschauen werden, und wie die Beziehungen zu den Nachbargemeinden und in die Ökumene von St. Gallen sich niederschlagen werden in Begegnungen während der Jubiläumswoche vom 13. bis 22. Mai.

Zur Ausstellung und dem Fotografen: Ich habe Peter Frei in meiner kirchlichen Arbeit kennengelernt, und festgestellt, dass wir nur wenige hundert Meter voneinander entfernt wohnen. Die Begegnungen mit ihm wahren stets anregend und herzlich. Also: Wer ist Peter Frei, der speziell für diesen Anlass einige Bildtafeln erstellt hat und weitere seiner Fotografien ausstellt?

Er hat während seines ganzen Berufslebens als Lehrer und Journalist Musik und Fotografie als faszinierende Hobbies betrieben. Nach der Pensionierung war endlich genug Zeit für beide Leidenschaften. Das Fotografiestudium hat er bei der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) abgeschlossen. Weiter tritt er regelmässig solo als Gitarrist und Sänger sowie mit einer Band zusammen auf. An der Vernissage am Freitagabend um 19.30 Uhr sind es nicht nur seine Fotos und Bildtafeln, die uns begeistern werden, sondern auch ein halbstündiger Auftritt als Musiker. Alle sind dazu herzlich eingeladen. 

Im Folgenden eine Übersicht der Festanlässe, die allesamt öffentlich sind: 

  • Freitag, 13. Mai 2022, 19.30 Uhr Vernissage der Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke" 
  • Samstag, 14. bis Samstag, 21. Mai, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke" 
  • Sonntag, 15. Mai, 10.15 Uhr: Festgottesdienst mit Musik von Peter Frei und Sabine Stoller
  • Mittwoch, 18. Mai, 14.30 Uhr: Im Gespräch mit Peter Frei über Fotografie und Leben 
  • Freitag, 20. Mai, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der ACK AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi. 
  • Sonntag, 22. Mai, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny und untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun.

Alle Anlässe finden an der Kapellenstrasse 6 in den Räumen der Methodistenkirche statt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 11. Mai 2022

Die schöne, neue klimafreundliche Welt von 2050

Ein Zitat

Der Igl-Rutsch oberhalb von Brinzauls im Jahr 2011
Foto © Jörg Niederer
"Wenn wir die Natur weiter in gleichem Mass übernutzen, ist der Klimawandel nicht zu stoppen." Aus einem Blog von Dr. Daniela Pauli & Dr. Sascha Ismail

Ein Bibelvers - Offenbarung 22,1

"Der Engel zeigte mir einen Fluss mit dem Wasser des Lebens. Der Fluss war klar wie Kristall und entsprang dem Thron Gottes und des Lammes."

Ein Anregung

Vor 11 Jahren bin ich am Igl-Rutsch ob Brienz/Brinzauls GR vorbeigewandert. Es verging dabei keine Minute, ohne dass irgend ein Stein vom Berg herunterkullerte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. An diesem Ort ist der Berg permanent in Bewegung. Um das Dorf Brinzauls zu retten, werden nun Stollen gebohrt, in die das unterirdische Hangwasser gesammelt und abgeführt werden soll. Denn man vermutet, dass das Wasser der Schmierstoff im Bergrutsch ist.

Der Igl-Rutsch ist ein Beispiel dafür, was in höheren Lagen geschehen wird, wen der Permafrost aufgrund des Klimawandels wegschmilzt. Dann werden noch mehr Dörfer und Städte von Bergstürzen und Hangrutschen bedroht.

Aber muss es soweit kommen? Der Verein Klimaschutz Schweiz hat sich gründlich damit befasst und sich vorgestellt, wie die Schweiz im Jahr 2050 ohne weitere Klimaerwärmung aussehen würde. Die Klimawende dazu ist möglich und nötig, basiert sie doch auf wissenschaftlichen Modellrechnungen und Prognosen, wie die interessante Webseite dazu verdeutlicht. Die Lebensqualität würde dabei sogar noch steigen.

Auf der Webseite kommen auch Klimapionierinnen und Klimapioniere zu Wort und werden ins Bild gesetzt. Wie sähe 2050 die Energiegewinnung aus, wie die Landwirtschaft, die Mobilität, das Reisen und Wohnen? Vieles dieser "Utopie" ist schon heute ansatzweise da. Ob dann aber wirklich die Langsamferienreise so beliebt sein wird, wie auf der Webseite behauptet, wage ich zu bezweifeln. Wie auch immer: Ich könnte mir das Leben in dieser schöneren, neuen Welt vorstellen.

Übrigens: Am 20. Mai 2022 ab 19.00 Uhr findet eine Podiumsdiskussion statt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen (Kapellenstrasse 6). Daran beteiligen sich Dominic Roser, Sozialethiker und Ökonom an der Universität Freiburg, der römisch-katholische Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi. Unter der Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren sie über das Thema: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang". Durchgeführt wird der Anlass von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Kantone Appenzell und St. Gallen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 10. Mai 2022

Fliehen vor dem Tod

Ein Zitat

"Die Menschen sind plötzlich nicht mehr fremd und das macht die ganze Situation noch viel unerträglicher." Aussage zu den Kurzbiografien von auf der Flucht getöteten Menschen.

Ein Bibelvers - Jeremia 48,19

"Stellt euch an den Weg, ihr Bewohner von Aroer, und haltet Ausschau! Fragt den Flüchtling und die Frau, die entkommen ist: 'Was ist denn passiert?'"

Ein Anregung

Frosch in einem Teich des Robenhauserriets
Foto © Jörg Niederer
"Sei kein Frosch!" heisst eine Redensart. Frösche sind Fluchttiere. Sie haben allen Grund dazu. Ihnen wird vielfältig nachgestellt. Wehren können sie sich kaum. Also gilt es, das Weite zu suchen, oder eben den Boden des Teichs, um sich dort zu verstecken.

Bei einem Gespräch von kirchlichen Mitarbeitenden aus verschiedenen Kirchen stellten wir uns der Frage, wie wir im Krieg handeln würden. Ich wäre wohl ein Frosch. Ich würde zu den Menschen zählen, die das Weite suchen, die dem Elend der Gewalt zu entfliehen versuchten. Lieber Gut und Geld verlieren, als das Leben? So denke ich heute, während ich in Sicherheit lebe. Wie es dann wirklich ist... wer weiss das schon.

Eine Flucht kann nur erfolgreich sein, wenn das nicht alle tun. Ohne Widerstand, ohne den Mut der andern gäbe es wohl keinen Ort auf der Welt, an dem ein Mensch in Frieden leben könnte.

Jeden Tag fliehen Menschen. Seit 1993 sind auf der Flucht nach Europa 48'000 Menschen ertrunken oder wurden auf andere Weise getötet. Am 17./18./19. Juni wird in St. Gallen bei der Aktion "Beim Namen nennen" an deren Namen und Leben erinnert. Dazu werden wieder viele Helferinnen und Helfer gesucht. Also sei kein Frosch und mach mit!

Nachdenkliches von Markus Nagel zur Flucht von Menschen und zur Frontex-Abstimmung gibt es in seinem aktuellen Blog zu lesen. Der Schreiber arbeitet im Ausschuss Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche mit. Auch hier ist eine Entscheidung gefordert. Also: Sei kein Frosch!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 9. Mai 2022

Ohne Glauben keine Wissenschaft

Ein Zitat

Reto Gubelmann
Foto © Jörg Niederer
"Gerade die christlichen Subkulturen befinden sich in einem intellektuellen Dornröschenschlaf. Zeit, neues Leben in die Bude zu bringen!" Dr. Reto Gubelmann

Ein Bibelvers - Prediger 1,8

"Alle Dinge sind im Fluss, doch kein Mensch kann sie in Worte fassen. Kein Auge wird satt vom Sehen, und kein Ohr hat genug vom Hören."

Ein Anregung

Kein Mensch ist ohne Weltanschauung. Kein Mensch nimmt die Welt nur objektiv wahr. Immer spielen Ansichten und Vorstellungen mit hinein in das, was wir für wahr und richtig halten. Diese Subjektivität ist immer Teil eines wissenschaftlichen Nachdenkens. Würde sie ausgeblendet, wäre Objektivität nicht möglich. So ist die Ablehnung von Glaubensüberzeugungen genauso Weltanschauung wie die Glaubensüberzeugung selbst.

Für Reto Gubelmann, Doktor der Philosophie und Mitglied in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen muss die Weltanschauung auch deshalb auf den Tisch, weil sie nur so zu einer Ressource für die Wissenschaft werden könne. Über seine Lehrtätigkeiten hinaus an den Universitäten in St. Gallen und Zürich engagiert er sich daher auch im "Forum christliche Studien" (foXs). An Anlässen und in lesenswerten Blogbeiträgen wird dort religiöser Glaube und säkulare Vernunft miteinander ins Gespräch gebracht. Das ist spannend, anspruchsvoll und faszinierend.

Davon kann man sich überzeugen im aktuellen Blogbeitrag von Reto Gubelmann, oder am nächsten öffentlichen Symposium vom 11. Juni zum Thema: "Mensch und Natur - Das Ebenbild Gottes im wissenschaftlichen Weltbild".

Mehr erfährt man über Reto Gubelmann und foXs auch in einem Beitrag der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Sonntag, 8. Mai 2022

Anforderungen an das Leiten

Ein Zitat

Deckengemälde der Heiligen Familie in der Kirche von Coglio
Foto © Jörg Niederer
"Meine Mutter hatte einen Haufen Ärger mit mir, aber ich glaube, sie hat es genossen." Mark Twain

Ein Bibelvers - Lukas 5,3

"Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte. Er bat Simon, ein Stück vom Ufer wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte die Leute vom Boot aus."

Ein Anregung

Die Heilige Familie. So hat sie ein Volksmaler an der Decke der Kirche in Coglio dargestellt. Maria wird ganz in der Rolle der Erzieherin gezeigt. Josef steht daneben und hört zu.

Es war wohl nicht so, damals, als die heilige Familie in Israel lebte. Was aber vermutlich schon damals galt: Eine Mutter spielte innerhalb der Familie eine anforderungsreiche Rolle. Sie hatte die Familie und den Haushalt zu managen. Sie war die Leitungsverantwortliche.

Vom Leiten und der Berufung des Petrus handelt die heutige Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen. Sie kann ab 10.30 Uhr auf Youtube mitverfolgt werden. Für die, welche vor Ort an der Kapellenstrasse 6 dabei sein wollen, beginnt der Gottesdienst schon um 10.15 Uhr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 7. Mai 2022

Schweine mit Aussicht

Ein Zitat

Ein Schwein neben dem Futterautomaten auf der Weide beim Massnahmenzentrum Kalchrain.
Foto © Jörg Niederer
"Lass dem Bauern sein Schwein." Sprichwort

Ein Bibelvers - Matthäus 8,30

"In einiger Entfernung von ihnen weidete eine große Schweineherde."

Ein Anregung

Von Zuhause aus sehe ich in der Ferne das Massnahmenzentrums Kalchrain. Männliche Jugendliche und junge Erwachsene erhalten dort die Möglichkeit einer Massnahme nach dem Jugendstrafgesetz oder nach dem Strafgesetzbuch. 

Bei Ausbildungsgängen in der Landwirtschaft, welche einige der Jugendlichen absolvieren, kommen sie bestimmt auch mit den glücklichen Schweinen auf dem Hofacker in Kontakt. Glücklich sind die Schweine, weil sie draussen sein dürfen auf einer grossen Wiese. Glücklich ist auch der Bauer, weil genau dieser Freilauf nach 15 Monaten nun wieder möglich ist. Denn das Schutzzelt für die Schweine, eine längliche Kuppel, hätte als nicht bauzonenkonform weichen müssen (und damit auch die Schweine). 

Darauf kam es zu einer Petition gegen diesen Entscheid. Die 3123 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner hatten Erfolg. Es wäre ja schon traurig gewesen, wenn die Bauordnung glückliche Freilandschweine zu unglücklichen Boxenschweinen gemacht hätte. Mit einem "Tarnanzug" versehen stört diese lange Kuppel nun nicht mehr das Auge der Hüterin des Baugesetzes. 

Die Schweine aber haben wieder freie Sicht auf Säntis und Thurtal. 

Auch wenn es nicht so aussieht: Auf dem Foto ist eines dieser glücklichen Schweine abgebildet. Ich habe es im Mai 2020 fotografiert, genauso, wie zwei andere Schweine in einem früheren Blogbeitrag.

Wann hast du das letzte Mal "Schwein gehabt"?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 6. Mai 2022

Seit 161 Jahren in der Stadt St. Gallen

Ein Zitat

Peter Frei, Fotograf und Musiker, prägt das Programm an de Jubiläumsfeier '161 Jahre Methodistenkirche in St. Gallen'
Foto © Peter Frei

"Wer seine Vergangenheit kennt, kann bewusst die Zukunft gestalten."
Anke Knetemann, Leiterin KiEl Bethanien, St. Gallen

Ein Bibelvers - Galater 5,6

"Denn wenn wir zu Christus Jesus gehören, spielt es keine Rolle, ob jemand beschnitten ist oder nicht. Es zählt nur der Glaube, der sich in Liebe auswirkt."

Ein Anregung

Vom 13.–22. Mai feiert die Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) an der Kapellenstrasse 6 ihr 161. Jahr in St. Gallen. Damit ist sie eine der ältesten Freikirchen in der Stadt und hat über diese Zeit hinweg einige Spuren hinterlassen und auch markante Veränderungen erlebt. 

Coronabedingt ein Jahr später als geplant wird das Jubiläum mit verschiedenen Angeboten gefeiert. Zentral ist die Ausstellung von Fotografien und Bildtafeln des pensionierten Lehrers, Musikers und Fotografen Peter Frei. Seine Bildtafeln sind speziell auf diesen Anlass hin entstanden. Darauf werden Menschen aus St. Gallen und der Umgebung portraitiert; so eine Stadträtin, ein Pastoralassistent der römisch-katholischen Kirche, die Leiterin einer sozialen Einrichtung mit methodistischen Wurzeln, ein Baufachmann, eine multikulturelle Familie und auch Persönlichkeiten, die Teil der methodistischen Gemeinde in St. Gallen sind.

In dieser Auswahl der Menschen spiegelt sich die ökumenische und weltoffene Ausrichtung der Methodistinnen und Methodisten. Getreu den Prinzipien John Wesleys – ein anglikanischer Geistlicher, der vor 300 Jahren mit weiteren Frauen und Männern die methodistische Bewegung in England gründete – definieren sich die Gläubigen dieser Kirche nicht durch Abgrenzung, sondern durch die Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens.

Das gilt auch bei der starken sozialen Ausrichtung. So kennt die Evangelisch-methodistische Kirche, die weltweit mehr als 13 Millionen Mitglieder zählt, ein Soziales Bekenntnis und Soziale Grundsätze. Darin wird deutlich Stellung bezogen zu fast allen ethisch relevanten Themen unsere Zeit.

In der Geschichte der St. Galler Methodistinnen und Methodisten gab es eine Zeit, in der eine Abteilung des heutigen Kantonsspitals in den Händen von methodistischen Diakonissen war. Auch das Haus KiEl Bethanien in St. Gallen, ein Schutz- und Lebensraum für Kinder und ihre Eltern, wurzelt in der methodistischen Diakonie.

Zur Gemeinde in St. Gallen gehört auch die einzige koreanische EMK-Gemeinde in der Schweiz. Sie wird betreut durch Pfarrer Jin Ho Kim und geht auf eine Arbeit von Jeongsoo Lee zurück, der lange Zeit als Opernsänger am Stadttheater St. Gallen angestellt war. In der deutschsprachigen Gemeinde wirkt seit 5 Jahren Pfarrer Jörg Niederer. Aktuell ist er auch der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in den Kantonen Appenzell und St. Gallen.

Im Folgenden eine Übersicht der Festanlässe, die allesamt öffentlich sind: 

  • Freitag, 13. Mai 2022, 19.30 Uhr Vernissage der Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke"
  • Samstag, 14. bis Samstag, 21. Mai 2022, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung
    "St. Galler Menschen und Eindrücke" 
  • Sonntag, 15. Mai 2022, 10.15 Uhr: Festgottesdienst mit Musik von Peter Frei und Sabine Stoller
  • Mittwoch, 18. Mai 2022, 14.30 Uhr: Im Gespräch mit Peter Frei über Fotografie und Leben
  • Freitag, 20. Mai 2022, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der ACK AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi.
  • Sonntag, 22. Mai 2022, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny, untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun.

Alle Anlässe finden an der Kapellenstrasse 6 in den Räumen der Methodistenkirche statt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 5. Mai 2022

Heilsame Fotografien

Ein Zitat

Mann in Militäruniform mit seinen beiden Schwestern
Foto © Jörg Niederer
"Mit einem Bild möchte ich etwas Tröstliches sagen, so wie Musik tröstlich ist." Vincent van Gogh

Ein Bibelvers - 1. Mose 1,27

"Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie."

Ein Anregung

Das Foto muss wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg entstanden sein. Mein Vater, militärisch eingekleidet, umrahmt von seinen beiden älteren Schwestern. Das Bild ist keine fotografische Meisterleistung. Es sind aber wohl genau solche Bilder, mit denen eine Pilotstudie aus den USA gearbeitet hat, welche die Wirkung von durch Fotos ausgelöste Erinnerungen bei Demenzpatienten untersuchte. 

Durchgeführt wurde die Studie vom National Institute for Dementia Education (NIDE). Dabei wurden den demenzkranken Frauen und Männern Fotos vorgelegt. Einmal waren es Fotos aus dem eigenen familiären Umfeld, das andere Mal Fotos mit Bildern von unbekannten Familien. Bei den Fotos aus dem familiären Umfeld kam es zu erstaunlichen Erinnerungsleistungen: Im Fazit der Studie heisst es: "Obwohl es sich um eine Pilotstudie handelte, kommen wir zu dem Schluss, dass die Beschäftigung mit persönlichen Fotos in Verbindung mit einem qualitativ hochwertigen Pflegecurriculum und Lebensumfeld die Lebensqualität von Demenzkranken verbessern kann... und in einigen Fällen die Demenzsymptome während der Therapiesitzungen vorübergehend" verringert wird. (Übersetzung aus dem Englischen durch DeepL)

Ich kann mir gut vorstellen, dass bei meinem Vater, er litt in den letzten Lebensjahren an Demenz, etwas geschehen wäre, wenn wir mit ihm Fotos wie das Abgebildete betrachtet hätten. Und so kann ich mir auch die heilende Wirkung von Bildern vorstellen, wie sie bei der untersuchten Foto-Reminiszenz-Therapie (pRT) beobachtet wurden: Verringerung der sozialen Isolation und Medikamenteneinnahme und die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit der Erkrankten. 

Sollte ich also selbst einmal an Demenz erkranken, hätte ich mit vielen Tausend familiären Fotos eine gute Basis für manche heilsame Stunde – falls ich diese Bilder in den Tiefen der Clouds, Festplatten und Mobiltelefonspeicher dann noch finden sollte.

Schliesslich frage ich mich noch dies: Welche Wirkung hat das betrachten religiöser Bilder auf die geistliche Gesundheit der Betrachterin, des Betrachters? Erfolgt dabei eine Reminiszenz, eine Querverbindung zwischen "Himmel" und "Erde", zwischen göttlicher und menschlicher Welt?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 4. Mai 2022

Der Friedenspfahl auf dem Berg der Wahrheit

Ein Zitat

Friedenspfahl auf dem Monte Verità bei Ascona
Foto © Jörg Niederer
"Grossi Chraft vom Friede, du allei bisch üsers Ziel. Loss Liebi wachse und Friede entstoh. Mir, mir oh mir." Friedenslied der Gemeinschaft Herzfeld Sennrüti. "Mir" ist Russisch und bedeutet "Frieden".

Ein Bibelvers - Lukas 24,35

"Während sie [die Jünger] noch redeten, stand der Herr plötzlich mitten unter ihnen. Er sagte: 'Friede sei mit euch!'"


Ein Anregung

Berg der Wahrheit: Was auf dem Monte Verità geschehen sei, könne man am besten als "privat-besitzfreie urchristlich-kommunistische Gemeinde" umschreiben. So steht es auf der Webseite dieses Sehnsuchtsorts so vieler berühmter Menschen. Sie verbrachten einen Teil ihres Lebens auf dem unscheinbaren Hügel und bauten an einem neuen Gesellschaftsmodell. Erich Mühsam erklärt Ascona zur "Republik der Heimatlosen". Otto Gross plant dort eine "Hochschule zur Befreiung der Menschheit". Namen wie Raphael Friedeberg, Fürst Peter Kropotkin, August Bebel, natürlich Hermann Hesse - wie könnte es anders sein, Else Lasker-Schuler, D.H. Lawrence, Isadora Duncan, Hans Arp, Arthur Segal und viele weiter mehr sind untrennbar verbunden mit dem Monte Verità und Ascona. Entsprechend sind es heute die Bildungseliten, die zu diesem Berg pilgern. Menschen, denen man ansieht, dass sie das "Glasperlenspiel" gelesen haben oder gar "Das Kapital" von Marx. Mit ihren gelangweilten Teenagern ziehen sie durch die Historie und den Teegarten.

Dort auf dem kleinen Berg bei Ascona finden sich Namen wie Parsifalwiese, Walkürefelsen und Harrassprung. Und dort findet sich auch einer von 250'000 Friedenspfählen, die weltweit schon aufgestellt wurden. "Che la pace regni sulla terra" steht in noch drei weiteren Sprachen auf den vier Seiten des einfachen weissen Balkens. "Möge Frieden auf Erden sein", oder auch: "Mer wünschet Friede of Erde".

Von den Friedenspfählen in der Schweiz wird derjenige auf dem Monte Verità immer als erster genannt. "Erfunden" wurden sie vom japanischen Dichter und Philosophen Masahisa Goi (1916-1980). Er wollte, dass sich unter diesem einfachen Friedensgebet, dem "kleinsten gemeinsamen Nenner", die Menschheit zusammenfindet. 

Friedenspfähle gibt es an bedeutenden und weniger bedeutenden Plätzen der Welt, so in Hiroshima, bei den Vereinten Nationen in New York, bei der Internationale Atomenergiebehörde in Wien, beim Friedenspalast in Den Haag, beim Mauerpark in Berlin, am See Genezareth in Israel, in der Inkazuflucht Machu Picchu in Peru, vor der Weltbank in Washington und im Gorki-Park in Moskau. Im Kanton St. Gallen stehen zehn dieser aus Lindenholz von der Gemeinschaft Herzfeld Sennrüti gefertigten Friedenspfähle in Degersheim auf dem Friedensweg, der von der katholischen Kirche zu ihrem 250-jährigen Bestehen initiiert wurde.

"Möge Friede auf Erden sein", ein Gebet, das nie dringender war als heute.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde   

Dienstag, 3. Mai 2022

Das verbotene Symbol an der Wegkapelle

Ein Zitat

Trifrons am 1760 entstandenen Bildstock bei Someo im Tessin
Foto © Jörg Niederer
"Was also unsere Frage betrifft, so wollen wir glauben, dass der Vater, Sohn und Heilige Geist der eine Gott ist, der Schöpfer und Lenker des geschaffenen Alls, dass der Vater nicht der Sohn ist, und dass der Heilige Geist nicht der Vater oder der Sohn ist, sondern dass es ist die Dreieinigkeit der aufeinander bezogenen Personen und die Einheit des gleichen Wesens." Augustinus (354-430 n.Chr.)

Ein Bibelvers - 2. Korinther 13,13

"Ich wünsche euch allen die Gnade, die der Herr Jesus Christus gewährt. Ich wünsche euch die Liebe, die Gott schenkt, und die Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt."

Ein Anregung

Bei Someo im Maggiatal, auf der anderen Seite der über 300 Meter langen Hängebrücke, kommt man dem Flussverlauf folgend nach kurzer Zeit zu einem Bildstock aus dem Jahr 1760, auf dem das auf der Fotografie abgebildete Dreigesicht als Symbol der Trinität Gottes zu sehen ist. Diese skurrile Darstellungsform gibt es auch mit drei Gesichtern, die in die selbe Richtung schauen und sich 4 Augen teilen. Doch ein solches "vultus trifrons" (dreistirniges Antlitze) war zum Zeitpunkt, als die Künstlerin oder der Künstler es malte, bereits seit 130 Jahren verboten. Papst Urban VIII. untersagte eine solche Wiedergabe der Trinität als unwürdig, und auch Papst Benedikt XIV. missbilligte sie.

Das Verbot überrascht nicht. Die ersten solchen Abbildungen zeigen nämlich die uns heute als Shiva bekannte Gottheit, abgebildet auf einer kleinen Tontafel aus der Ausgrabungsstätte Mohenjo-daro (3250-2750 vor Christus) im Industal. In Reims in Deutschland wurde die älteste in Europa gefundene solche Darstellung gefunden. Auf einem 40 cm grossen Opferstein, der ins Jahr 44 n. Chr. datiert wird, findet sich eine gallo-römische Variante. In dieser Zeit standen Gottheiten aus dem afrikanischen und indischen Raum bei den Römern hoch im Kurs. In der christlichen Kultur tauchte diese Darstellung ab ca. 200 n. Chr. als Bildnis des Teufels auf, der die Trinität Gottes nachzuäffen versucht. 

Die Übertragung einer Symbolik von einer auf eine andere Gottheit ist nicht aussergewöhnlich. Aber dass eine Teufelsdarstellung auf Christus und die Trinität übertragen wird, ging natürlich nicht. Die Verwechslungsgefahr war viel zu gross. Es war, als würde ein verkehrtes Kreuz nicht nur für die Ablehnung des christlichen Glaubens, sondern auch für denselben stehen. Genau solches geschah erstmals im 8.-9. Jahrhundert in Nubien. Den Höhepunkt hatte das Dreigesicht als Bild des christlichen Gottes dann zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. 

Was hat also den frommen Künstler, die fromme Künstlerin geritten, als er oder sie dieses längst verbotene Symbol zuoberst am Bildstock als Darstellung des dreieinigen Gottes anbrachte? Wusste er/sie nichts vom päpstlichen Verbot? Kopierte sie/er ein bestehendes Symbol aus der Zeit, als es noch erlaubt war? Hatte er/sie gar böse Absichten, oder war Synkretist, Synkretistin?

Ich weiss es nicht. Für mich ist eine solche Darstellung der Dreieinigkeit / Dreifaltigkeit Gottes einfach nur skurril und seltsam. Aber wie kann man schon die Trinität Gottes darstellen? Wie kann man sie auch so ganz und gar verstehen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 2. Mai 2022

Voll den Überblick

Ein Zitat

Zweimal denselben Feldhasen an der Thur bei Frauenfeld, einmal von hinten und einmal von vorn.
Foto © Jörg Niederer
"Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht." Christian Morgenstern (1871-1914)

Ein Bibelvers - Lukas 24,30+31

"Später ließ er [Jesus] sich mit ihnen [den Emmausjünger] zum Essen nieder. Er nahm das Brot, dankte Gott, brach das Brot in Stücke und gab es ihnen. Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen, und sie erkannten ihn. Im selben Augenblick verschwand er vor ihnen."

Ein Anregung

An der Thur bei Frauenfeld bin ich gestern dem österlichen Symbol, dem Feldhasen begegnet. Natürlich stand ich ganz still, und so bemerkte das von Natur aus kurzsichtige Tier mich nicht, obwohl ich ohne Deckung war. Er spazierte bis auf 5 Meter heran, bevor er sich für eine andere Richtung entschied.

Der Hase ist ein Bewegungsseher. Dabei hat er den totalen Überblick, genauer, den Rundumblick. Das sieht man gut, wenn man ihn von hinten betrachtet. Selbst dann sind beide Augen zu sehen. Hätte ich mich bewegt, er hätte mich gesehen, auch als er von mir weg davonhoppelte.

Wir Menschen sehen scharf, aber nur in eine Richtung. 214 Grad beträgt das horizontal Sichtfeld und das vertikale im besten Fall 150 Grad. Was direkt in unserem Rücken geschieht, bleibt uns meist verborgen. Wir sehen also einseitig. Um den Überblick zu wahren, müssen wir den Kopf drehen, müssen uns bewegen, müssen aktiv hinschauen, die Position ändern.

Das ist auch im übertragenen Sinn so. Wir positionieren uns in sozialen Bubbles. Gemeint ist ein Umfeld, in dem wir nur noch mit Gleichgesinnten verkehren. Andere sprechen dabei von "Milieus". Unser soziales Umfeld bestimmt, was wir zu sehen bekommen und was wir glauben. Das ist aber nie die ganze Wahrheit. Das ist nur der Teil, den wir ohne Anstrengung erkennen können.

Die beiden Emmausjünger sind dafür ein gutes Beispiel. Sie sahen erst nur das, was sie glauben wollten: "Jesus ist am Kreuz gestorben". Dass er schon die ganze Zeit bei ihnen war, passte nicht in ihre Weltsicht. Doch dann kam es zur entscheidenden Sichtveränderung. Sie wurde durch eine Bewegung von Jesus ausgelöst. Er brach das Brot. Da sahen und erkannten ihn die beiden Männer. Sie änderten umgehend ihre Bewegungsrichtung, kehrten um, voller Hoffnung. Mit andern Worten: Um die ganze Wahrheit von Ostern erkennen zu können, müssen wir uns bewegen, müssen wir umkehren.

Übrigens: Der (Oster-)Hase ist in Sachen "umkehren" ein grosser Meister. Keiner ist wie er Experte bei hackenschlagenden Richtungsänderungen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 1. Mai 2022

Der Auferstandene begleitet uns

Ein Zitat

Wandgemälde in der Kirche St. Pietro in Cadenazzo
Foto © Jörg Niederer
"Wir preisen deinen Tod. Wir glauben, dass du lebst. Wir hoffen, dass du kommst zum Heil der Welt. Komm, o Herr! Bleib bei uns! Komm, o Herr, Leben der Welt!" Christiane Gaud-Descouleurs

Ein Bibelvers - Matthäus 13,43

Jesus: "Aber alle, die nach Gottes Willen leben, werden im Reich ihres Vaters strahlen wie die Sonne."

Ein Anregung

Dieser Tage stand ich im Seitenschiff der Kirche St. Pietro in Cadenazzo vor diesem Bild und musste an die Worte der Liederdichterin und Autorin Christiane Gaud-Descouleurs denken: "Wir glauben, dass du lebst. Wir hoffen, dass du kommst zum Heil der Welt"

Christus, leuchtend wie die Sonne über dem Lago Maggiore. Christus, in den Tod getauft, zu neuem Leben erweckt. Christus, der Strahl Gottes in die Dunkelheit der Welt.

Es geht um das Heil der Welt. Darum: "Komm o Herr! Bleibe bei uns! Komm o Herr, Leben der Welt!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde