Posts mit dem Label Haut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Haut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 10. Juli 2025

Zum aus der Haut fahren

Ein Zitat

Die Mauereidechse ist dabei, die alte Haut abzuwerfen; sie häutet sich.
Foto © Jörg Niederer
"Versuch's und steck einen Esel in eines Löwen Haut, es schreit doch immer daraus des Esels Laut." Frank Schätzing (*1957)

Ein Bibelvers - Jeremia 13,23

"Kann etwa ein schwarzer Mensch seine Hautfarbe ändern oder ein Leopard die Flecken auf seinem Fell? Genauso wenig könnt ihr euch ändern und Gutes tun. Ihr seid doch an das Böse gewöhnt!"

Eine Anregung

Für die Reptilien ist es eine regelmässige Erfahrung. Sie fahren aus der Haut, total friedlich, vielleicht etwas unruhiger, weil die alte Haut doch etwas stört, solange sie noch in Fetzen am Körper haftet.

Für uns Menschen ist es unwahrscheinlich, dass wir aus der Haut fahren. Wobei jetzt gerade wieder ist die Zeit der Sonnenbrände. Da stossen wir dann eben doch endzündete Haut ab. Wobei, dies sollte möglichst vermieden werden, da durch Sonnenbrand Hautkrebs gefördert wird.

Die Redensart: "Es ist zum aus der Haut fahren" meint, das jemand die vor Umwelteinflüssen schützende Haut verlassen wird, was sich in grosser Wut und viel Ärger zeigt. So ein Mensch lässt Dinge zu nahe an sich heran, die seinem Frieden schaden.

Ich merke, dass ich diese Redensart wohl nicht ganz ernst nehme. Wenn ich sie verwende, hat sie oft einen ironischen Beiklang.

Aktuell fühle ich mich wohl in meiner Haut, und das soll auch so bleiben. Also: Immer schön ruhig bleiben, und sich nicht zu sehr aufregen. Der Teint wird es dir danken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 4. Januar 2025

Niele und Strubabuaba

Ein Zitat

Die Samen der gewöhnlichen Waldrebe sind im Winter oft mit Eiskristallen überzuckert.
Foto © Jörg Niederer
"Keiner kennt die Menschen so gut wie die Bettler, Beichtväter und Banker." Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Ein Bibelvers - Lukas 17,12+13

"Er kam in ein Dorf. Dort begegneten ihm zehn Männer, die an Aussatz erkrankt waren. Sie blieben in einiger Entfernung stehen und riefen laut: 'Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!'"

Eine Anregung

Schon mein Vater hat sie geraucht, die verholzten Stängel der Gewöhnlichen Waldrebe. Mit leicht verschmitzten Blick hat er uns diese Jugenderinnerung gerne erzählt. Da mussten wir Kinder es doch heimlich ausprobieren. Damals war das eines unserer Waldabenteuer. "Niele" nannten wir sie in der Schweiz. 

Viel später, als Erwachsener, habe ich es noch einmal ausprobiert, einfach um zu schauen, was wir uns da als Kinder angetan haben. Vom Nielerauchen wird wohl niemand süchtig. Das war und ist beileibe kein Genuss. Den beissende Rauch einzusaugen ist eher schon so etwas wie eine Selbstkasteiung, bei der die Übelkeit auf dem Fuss folgt.

Aktuell sind die federbehafteten Samen an den bis 12 Meter langen wuchernden und rankenden Lianenpflanzen aus der Gattung Clematis nicht zu übersehen. Ihres bärtigen Aussehens wegen wird die Gemeine Waldrebe im England "Old man's beard" genannt. Im deutschsprachigen Raum ist sie auch als Bettlerskraut bekannt. Der Saft der Pflanze ist giftig. Wird er auf die Haut gerieben, bilden sich darauf Bläschen. So "behandelt" haben sich Bettler früher ein für ihre Arbeit bedauernswertes Hautbild und Aussehen verschafft. Negative Kosmetik, sozusagen. Darum wird die Pflanze wohl auch Teufelszwirn genannt, eben ein richtiges Teufelszeug. Wieder einmal muss also der Angstprotagonist der Menschen und Gegenspieler von Gott für die Bezeichnung einer Pflanze herhalten. 

Einfach schon als Wort schön und lustig anzusehen ist die im Vorarlberg geläufige Bezeichnung "Strubabuaba". Übersetzt heisst das wohl "Wilder Knabe".

Ihren wuscheligen Samensträngen begegne ich im Winter fast täglich, zum Beispiel auch am Hauptbahnhof St. Gallen, wo das Rankengewächs Geleiseabsperrungen überwuchert. Besonders schön sind diese luftigen Samenbällchen, wenn sie ein Kleid aus winzigen Eiskristallen tragen. So wie auf dem zu diesem Text gehörenden Foto. Da muss ich doch wieder einmal über ein kleines Naturwunder staunen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 18. April 2023

Charakterhaut

Ein Zitat

Detail der Weinbergschnecke mit Haut und Augenfühlern.
Foto © Jörg Niederer
"Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur." Max Frisch

Ein Bibelvers - Epheser 5,27

"Denn er [Christus] wollte seine Gemeinde wie eine strahlende Braut zu sich führen – ohne Flecken, Falten oder sonst etwas Derartiges. Vielmehr sollte sie heilig und makellos sein."

Eine Anregung

"Glatte Haut wird überbewertet", meint die Weinbergschnecke. Charakter entsteht mit den Runzeln. Zudem kann die Haupt der Weinbergschnecke sehen. Sie reagiert auf Helligkeit. Fällt Schatten auf die Schnecke, zieht sie sich zurück.

Und noch etwas hat die Weinbergschnecke. Sie ist von Natur aus päpstlich ausgezeichnet. Der Papst nämlich vergibt an römisch-katholische Metropoliten das sogenannte Pallium. Das ist eine Art Stola in Ringform. Jede Weinbergschnecke hat ein Pallium. Sie trägt diese auch "Mantel" genannte Hautfalte als Schutz der Inneren Organe.

Zurück zur Schneckenhaut. Ist sie nicht wunderschön. Hätte sie es nicht schon, der Papst müsste der Schnecke für dieses Wunderwerk der Schöpfung ein Pallium verleihen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen