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Samstag, 17. Mai 2025

Fenster

Ein Zitat

Fenster an einem baufälligen Haus in Montmirail.
Foto © Jörg Niederer
"In Wahrheit gibt es nur ein einziges Licht, das durch unterschiedliche Fenster scheint und uns durch die Person jedes einzelnen Propheten erreicht." Rumi (1207-1273)

Ein Bibelvers - Daniel 6,11

"Als Daniel von der Vorschrift erfuhr, ging er in sein Haus. Im oberen Stockwerk hatte es offene Fenster, die in Richtung Jerusalem zeigten. Dreimal am Tag kniete er dort nieder, um zu beten und Gott zu preisen. Das machte er schon immer so."

Eine Anregung

Manche kaputten Dinge funktionieren nicht mehr. Bei den Fenstern ist das anders. Selbst aus kaputten Fenstern kann man schauen, und Licht dringt durch ihre Öffnungen in die Räume dahinter. Fenster bleiben Fenster.

Vielleicht ist das auch ein Bild für uns Menschen. Wir sind vielfältig versehrt, haben manche Macken, können grausam sein und selbstzerstörerisch, doch bleiben wir geschaffen nach dem Bild Gottes. Doch kann das göttliche Licht uns erhellen und verzaubern.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 25. Mai 2024

Ins Leben kriechen

Ein Zitat

Wandfries vom Künstler Spigar am Bahnhofsgebäude Rheineck
Foto © Jörg Niederer
"Das Thema Mensch ist für mich so nah wie das Spiegelbild meiner selbst. Eigentlich ist das was ich male, ein Selbstbildnis in Situationen, da ich mich liebe und da ich mich hasse. Diese zwei Gegensätze zu harmonisieren ist meine Aufgabe und soll Ausdruck meiner Bilder sein." Norbert "Spigar" Spirig, (*1948) Rheinecker Künstler

Ein Bibelvers - Jesaja 51,12

"Gott sagt: Ich bin es, der dich tröstet. Wieso fürchtest du dich vor Menschen, die sterben und vergehen wie Gras?"

Eine Anregung

Gestern, auf dem Weg an eine Beisetzungsfeier in Berneck, fotografierte ich in Rheineck aus dem Zug heraus, da wo jeweils die Bergbahn nach Walzenhausen losfährt, ein Detail am historischen Bahnhofsgebäude, das mir so bisher noch nie aufgefallen ist. Da kriechen menschliche Gestalten der Flachdachkante entlang. Auf mich wirken sie wie Figuren aus einem Totentanz. Noch haben sie sich nicht in ihr Schicksal ergeben. Der Tanz des Lebens ist zwar zu Ende, die Unbeschwertheit ist dahin, aber solange man noch kriechen kann, besteht noch Hoffnung.

Oder ist das gar nicht so zu verstehen? Kriechen werdende Menschen hier dem Leben entgegen? Suchen sie einen Gebärausgang an die Sonne?

Geschaffen wurde der Wandfries vom bekannten Rheinecker Künstler Norbert "Spigar" Spirig im Jahr 1999. Im Internet lese ich, dass das Grundthema seiner Werke Ursprung und Tod des Menschen sei. Ich würde sagen, meine Interpretationsversuche des etwas versteckten Werks von Spigar passen. Es geht um den Menschen auf der Lebensreise zwischen Werden und Vergehen.

Nun kann es sein, dass du auf deiner Lebensreise gerade kriechen musst. Dann wünsche ich dir, dass sich der Raum um dich weitet, und dir die Möglichkeit gibt, dich wieder aufzurichten. Helfende Hände, wie bei den ersten Gehversuchen eines Babys, sind dir durch Gott, der uns Mutter und Vater, ja die uns alles ist, gewiss.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen