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Dienstag, 11. März 2025

Queers methodistisch

Ein Zitat

Der Regenbogen ist das Symbol der LGPTQI+-Gemeinschaft
Foto © Jörg Niederer
"Bei uns sind alle willkommen. Queers und Non-Queers. Alte und Junge. Gläubige und Skeptische. Gewinnertypen und Losers." Quelle: Webseite von "Bärg u Tal"

Ein Bibelvers - Markus 2,16

"Die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass Jesus mit Leuten, die als Sünder galten, und mit Zolleinnehmern ass. Da sagten sie zu seinen Jüngern: 'Wie kann er mit Zolleinnehmern und Sündern essen?'"

Eine Anregung

Unlängst strahlte das Fernsehen SRF eine "rec."-Reportage von Simon Reinker aus, die sich mit queeren Menschen in Freikirchen beschäftigt. Reinker war selbst viele Jahre engagiert in Freikirchen. Deren ablehnende Haltung gegenüber queeren Menschen führte in aus der Kirche hinaus.

Die Reportage zeichnet sich durch einen sensiblen Umgang mit den portraitierten Menschen und den Freikirchen aus. Hinzu kommt, dass gleich zwei methodistische Kirchen zu sehen sind und mit Eve Urech ein Mitglied der methodistischen Gemeinschaft "Bärg u Tal", in welcher wirklich alle Menschen willkommen sind.

Später dann geht Reinker zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder in einen Freikirchen-Gottesdienst. Er besucht die Regenbogenkirche, eine weitere methodistischen Kirche in der Schweiz. Auf deren Webseite steht: "Bist du lesbisch, schwul, heterosexuell, bisexu­ell, trans, inter­ge­schlecht­lich, queer oder… Bei uns bist du willkommen, denn wir glauben, dass Gott uns so geschaffen hat, wie wir sind". Eine transsexuelle Person aus dieser Gemeinde erzählt im Film, wie es sie besonders berührte, als sie gleich beim ersten Besuch in der Gemeinde am Abendmahl teilnehmen durfte. Etwas, das ihr in ihrer früheren Gemeinde nicht erlaubt worden war.

Die Reportage zeigt eindrücklich, was es bedeutet, von christlichen Menschen abgelehnt zu werden, und was Annahme bewirken kann für queere Menschen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 13. August 2024

Kirchen und die Regenbogengemeinschaft

Ein Zitat

Regenbogen beim Ägelsee in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Die Regenbogenkirche ist mir ein Ort geworden, wo ich mich wohl fühle und mich als Person und mit meinen Gaben einbringen kann. Hier darf ich aber auch von der bunten Schar an Leuten lernen, mich über den Glauben auszutauschen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Mir gefällt der offene und respektvolle Umgang untereinander und dass wir einen Safe Place sind für Leute, die in anderen Kirchen nicht willkommen sind." Aus dem Statement von Andy auf der Webseite der Regenbogenkirche

Ein Bibelvers - Römer 15,7

"Daher bitte ich euch: Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird."

Eine Anregung

Die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz (IRAS COTIS) steht hinter einer Reihe von Podcasts, in denen Fragen von 11-13-jährigen Jugendlichen beantwortet werden. Die aktuelle Frage in diesem Format "Religion im Kreuzverhör" lautet: "Weshalb darf die Kirche irgendwelche Regeln aufstellen, wie z.B., dass man nicht gay sein darf?"

Ich nehme den Regenbogen von gestern Abend im Raum Frauenfeld zum Anlass, auf diesen Beitrag hinzuweisen. Der Regenbogen ist ja das Symbol der LGBTQI+-Community.

Dass die Antwort auf diese Frage auch noch von der methodistischen Pfarrerin Nicole Becher kommt, ist ein weiterer Grund, hineinzuhören. Nicole Becher ist Pfarrerin in der Regenbogenkirche. Auf der Webseite dieser Gemeinde heisst es: "Bist du lesbisch, schwul, heterosexuell, bisexu­ell, trans, inter­ge­schlecht­lich, queer oder… und suchst Gemein­schaft mit anderen Christ:innen? Bei uns bist du willkommen, denn wir glauben, dass Gott uns so geschaffen hat, wie wir sind."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 30. September 2021

Wie weiter in Freikirchen mit der Ehe für alle

Ein Zitat

Pfarrer Stefan Zolliker, einer der Gesprächspartner im Livenet-Talk zur Ehe für alle
Foto © Jörg Niederer
"'Es sind alle Willkommen, aber das Ziel ist die Ehe.' Nach diesem Kriterium vom ICF hätten auch Jesus und Paulus das Ziel verfehlt. Keiner war verheiratet. Keiner hatte Kinder." Ann Dällenbach, Theologin

Ein Bibelvers - Psalm 139,14-16

"Ich danke dir und staune, dass ich so wunderbar geschaffen bin. Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind. Nichts war dir unbekannt am Aufbau meines Körpers, als ich im Verborgenen geschaffen wurde – ein buntes Gewebe in den Tiefen der Erde. Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen schon mein Wesen."

Ein Anregung

Kurz nachdem die Stimmberechtigten in der Schweiz die Ehe für alle angenommen haben, stellt sich in den Freikirchen die Frage, wie nun damit umzugehen sei. Sollen nun auch Homosexuelle den kirchlichen Segen für die Ehe erhalten? 

In einem Livenet-Talk unter der Leitung von Chefredaktor Florian Wüthrich diskutierten Ann Dällenbach, Theologin und ehemalige Pfarrerin in der Evangelisch-methodistischen Kirche (sie weiss seit drei Jahren, dass sie Queer ist); Christian Haslebacher, Vorstandsmitglied im Dachverband Freikirchen.ch und Regionalleiter Ostschweiz bei der Chrischona; sowie Stefan Zolliker, Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Winterthur und in der Regenbogenkirche Zürich Wollishofen. 

Was am Gespräch auffällt, ist der sorgfältige, wertschätzende Umgang miteinander, bei dem gleichwohl auch klare Positionen vertreten wurden. 

Eindruck gemacht hat Ann Dällenbach. Angesichts der auch medizinischen Realität von queeren Menschen sprach sie von ihrer Identität als Schöpfung Gottes. Homosexuelle würden nicht nur so "empfinden" sondern sie sind es. Homosexualität ist ihre Identität, die sich in keiner Weise ändern lasse. Wenn dann in Kirchen diese Identität als Sünde eingeordnet werde, fühle sie sich eben z.B. als Homosexuelle nicht willkommen, auch wenn das Kirchen immer wieder so formulieren würden. 

In sympathischer, persönlicher Art vertrat Christian Haslebacher die Gegenposition und versuchte zu erklären, warum es für ihn und die Chrischona nicht möglich sei, gleichgeschlechtliche Ehen zu segnen. 

Stefan Zolliker dagegen hofft, dass dies bald auch in seiner Arbeit in einer LGBTQ-Gemeinschaft möglich sein kann. Zurzeit wird die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare noch verunmöglicht durch das Kirchenrecht der weltweiten EMK. 

Den ganzen Livenet-Talk kann hier angeschaut werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 23. Juni 2021

SavePlace und Regenbogenkirche: Engagement der Solidarität

Ein Gedanke

Pfarrerin Chae Bin Kim informiert über das Seelsorgenetzwerk SafePlace
Foto © Jörg Niederer
"In unserer Seelsorge wollen wir besonders für dich da sein, wenn du zu der LQBTQIA-Gemeinschaft gehörst und dir Seelsorge wünschst, wenn du mit deiner sexuellen Identität ringst und/oder wenn du Fragen zu 'Sexualität und Christ:in sein' hast." SafePlace

Ein Bibelvers - Matthäus 11,28

Jesus: "Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken."

Eine Anregung

Die anhaltenden Diskussionen zur Frage des Umgangs mit menschlicher Sexualität in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) hat unter Methodist*innen in der Schweiz zu einer Bewusstseinsbildung geführt, aus der verschiedene Initiativen für Menschen entstanden, welche lesbisch, schwul, bisexuell, trans, intergeschlechtlich oder queer (LGBTQI) sind.

Während auf weltweiter Ebene eine Spaltung der Kirche ob dieser Frage immer wahrscheinlicher wird, und die Generalkonferenz von 2019 die ausgrenzenden Bestimmungen der Kirchenordnung noch verschärft hat, regt sich dagegen gerade in der Schweiz auch Widerstand. Dieser Widerstand ist kreativ und regenbogenbunt.

An der Jährlichen Konferenz (Synode) der Methodisten von vergangener Woche präsentierte Pfarrerin Chae Bin Kim das neue inklusive Seelsorgenetzwerk "SavePlace". Daran beteiligt sind aktuell acht Pfarrpersonen. "SafePlace ist ein Angebot für alle Personen, die sich mit Fragen der menschlichen Sexualität auseinandersetzen und dabei vor Ort keine Gesprächsmöglichkeit haben, um sich mit den aufgeworfenen Fragen, Nöten und Freuden auseinanderzusetzen." So steht es auf der Webseite des Netzwerks.

Schon etwas länger gibt es die Regenbogenkirche an der Mutschellenstrasse 188 in Zürich. Hervorgegangen ist diese Arbeit aus Erfahrungen in der EMK Adliswil. Was dort schon viele Jahre gelebt wird, nämlich ein Miteinander von Menschen mit unterschiedlicher sexueller Ausrichtung, hat mit der Regenbogenkirche ein klares Profil bekommen. In den Anlässen treffen sich regelmässig zwischen 30 und 60 Menschen und feiern einen inklusiven Gottesdienst.

An der Jährlichen Konferenz wurde das pastorale Team verstärkt. Nebst Pfarrer Daniel Eschbach wirkt nun auch Pfarrer Stefan Zolliker bei der Regenbogenkirche mit. Damit hat diese Arbeit auch die Rückendeckung der leitenden Gremien der Kirche.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde