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Montag, 8. Januar 2024

Noch ein letztes Mal Weihnachten

Ein Zitat

Ausschnitt aus dem Glasfenster von August Wanner in der Pfarrkirche St. Pankratius in Bolligen zur Geburts- und Jugendgeschichte von Jesus: Die heilige Familie.
Foto © Jörg Niederer
"Auf der ganzen Welt feiern Orthodoxe Christen Weihnachten. Ihr 25. Dezember, berechnet nach dem dem julianischen Kalender, beginnt mit der Mitternacht vom 6. auf den 7. Januar des allgemein benutzten gregorianischen Kalenders." Quelle: Euronews

Ein Bibelvers - Jesaja 1,3

"Ein Ochse kennt seinen Besitzer und ein Esel die Futterkrippe seines Herrn."

Eine Anregung

Gestern feierte ein Teil der orthodoxen Welt das Weihnachtsfest. Bei uns wartet immer noch ein angebrochener Dreikönigskuchen auf den dazugehörigen König oder die dazugehörige Königin. Untrügliche Zeichen, dass die Weihnachtszeit nun wieder für ein Jahr ein Ende finden wird. Das Foto von der Heiligen Familie aus der Kirche St. Pankratius in Bolligen will noch einmal an die Geburt des Erlösers erinnern.

Zum Dreikönigskuchen folgen hier einige Gedanken von einer Berufskollegin, der Pfarrerin Nicole Becher. Ihr fiel in der Bahn ein weggeworfener kleiner Plastikkönig auf, wie er in die Dreikönigskuchen gesteckt wird. Dazu schreibt sie auf Facebook:

"Auch in diesem Jahr Gedanken aus der SBB: ein einsamer König auf dem Weg nach...? Wer ist nicht vielleicht alles auf dem Weg heute und ich sehe in dieser Person nur jemanden, der alleine irgendwo hinreist? Dabei handelt es sich um einen König, eine Königin - einen Menschen, der die für andere Verantwortung übernimmt, sich einsetzt und zurücknimmt, immer wissend, dass auch er sie lebt aus der Liebe Gottes. Den einsamen König habe ich vom Boden genommen und so gelegt, dass er nicht mit Füssen getreten wird. Das ist das mindeste, was ich tun kann."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 6. Januar 2023

Drei-Weisen-Kuchen

Ein Zitat

Krönungsmaterial am Dreikönigstag.
Foto © Jörg Niederer
"Weisheit ist eine goldige Krone." Sprichwort

Ein Bibelvers - Sprüche 4,8+9

"Schätze die Weisheit hoch, sie verleiht dir Ansehen. Sie bringt dich zu Ehren, wenn du sie umarmst. Sie setzt dir einen Lorbeerkranz auf den Kopf und schmückt dich mit einer prächtigen Krone."

Eine Anregung

Nein, es waren keine Könige. Nein, auch Kronen trugen sie nicht. Nein es waren auch nicht sicher drei; es könnten auch fünf oder zwanzig gewesen sein. Nein, sie trugen kein Kreuz mit sich (wie der kleine weisse König auf dem Foto). Nein, auch die Fleur-de-lis, die heraldische Lilie, hätte die Kronen nicht geziert, selbst wenn es diesen Kopfschmuck gegeben hätte. Aber Ja: Gestern in Weinfelden beim Kaffeetreff fand sich in meinem Dreikönigskuchenstück der kleine Mann, und so wurde ich für kurze Zeit zum Papierkronenkönig befördert.

Es wahren Wissenschaftler, Sternkundige, die sich auf die Suche nach dem neuen König machten. Aber es klänge halt nicht so gut, wenn wir sagen würden: "Drei-Wissenschaftler-Kuchen", oder "Drei-Astrologen-Kuchen". Ein schöner Brauch ist der Dreikönigskuchen so oder so. Seit 1561 wurde das Fest Epiphanias mit Kuchen gefeiert. Also ein süsses Fest. Die Fleur-de-lis hat dann wenigstens indirekt doch noch etwas zu tun mit der Geburt von Jesus; sie wird als Symbol der Muttergottes, also der Maria zugewiesen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 15. Februar 2022

Der königlicher Fischer

Ein Zitat

Fliegender Eisvogel
Foto © Jörg Niederer
"Angeln ist die einzige Art von Philosophie, von der man satt werden kann." Peter Bamm, deutscher Schiffsarzt, Chirurg, Journalist und Schriftsteller (1897-1975)

Ein Bibelvers - Markus 1,17

"Jesus sagte zu ihnen [den Fischern Simon und Andreas]: 'Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern!' Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm."

Ein Anregung

Auf Deutsch nennt man ihn Eisvogel. In Frankreich und Italien wird er "Martinsfischer" genannt. und im Englischen ist es der "Königsfischer". 

Der schillernde Vogel bleibt auch im Winter, bei Eis und Schnee in unseren Breiten. Kein Wunder, dass der leuchtende Farbfleck im Weiss und Grau dieser Zeit öfter wahrgenommen wird als im farbenreichen Sommer. Eben ein Vogel im Eis.

Auch dass er in England Königsfischer genannt wird, ist nicht verwunderlich bei seinem prunkvollen Federkleid, und Fischen - ja das kann er. 

Aber warum "Martinsfischer" in Frankreich und Italien? Es gibt da eine weiter hergeholte und zugleich plausible Erklärung. Im Französischen nennt man den Mauersegler "martinet". Diese Vögel kommen so um das Fest des Heiligen Martin (11. November) auf ihrer Reise nach Afrika in Nordfrankreich vorbei. Daher wurde er dort "MARTINet" genannt. Nun könnte es gegen Ende des 16. Jahrhunderts gewesen sein, dass man die Bezeichnung "martinet" des einen flinken Vogels auf die Bezeichnung des andern übertrug, ergänzt durch den Hinweis auf seine Fischerkünste. Also ein "martinet", ein "Mauersegler", der fischen kann.

Auf Rätoromanisch wird der Eisvogel "pestgaderin" genannt (von "pestgader" = Fischer).

So gibt es beim Eisvogel gleich mehrere Verbindungen zur Religion. Da wäre der heilige Martin, und da wären die Fischer in der Jüngerschaft von Jesus.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Mittwoch, 26. Januar 2022

Winzling ganz gross

Ein Zitat

Ein Zaunkönig sucht die Bachränder nach Futter ab.
Foto © Jörg Niederer
"Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht." Friedrich II. der Grosse (1712-1786 König von Preussen und Brandenburg)

Ein Bibelvers - 1. Samuel 15,17

"Und Samuel sprach weiter [zu Saul]: 'Du bist doch der Anführer der Stämme Israels, obwohl du dich für unbedeutend gehalten hast. Der Herr hat dich zum König über Israel gesalbt.'"

Ein Anregung

In Europa ist er die Nummer 3 bei den Miniaturen unter den Vögeln. Die noch kleineren gefiederten Mitbewohner gibt es auch in der Schweiz. Spitzenreiter in Sachen "Winzigkeit" ist das Wintergoldhähnchen, dann das Sommergoldhähnchen und dann kommt auch schon der Zaunkönig. Alle drei sind ungefährdet, wobei man dem Zaunkönig wohl am Öftesten begegnet. 

Wie eine kleine braune Maus wuselt er durchs Unterholz, mit Vorliebe in Bachnähe, wo es mehr Mücken und Larven gibt. Für einen so kleinen Vogel hat er ein recht grosses Maul, kann laut trällern und pfeifen.

Aesop hat von ihm schon eine Fabel gekannt, und die Gebrüder Grimm haben diese Geschichte bekannt gemacht. Sie handelt im Wesentlichen davon, warum ein solcher Winzling "König" genannt wird. 

Das hat mit List zu tun. So soll der Zaunkönig sich beim Wettkampf um den Königstitel, bei dem es darum ging, am höchsten zu fliegen, im Gefieder des Adler verborgen haben, um diesen an dessen höchster Stelle noch zu überflügeln. Doch die anderen Vögel misstrauten dem Winzling zu recht und verlangten nun in einem weiteren Wettkampf, dass Vogelkönig werde, wer am tiefsten in die Erde fallen könne. Nun, da hatte natürlich dieses gefiederte Mäuschen klare Vorteile, und verschwand unter der Erde in einem Mauseloch, aus dem es seinen Sieg mit lauter Stimme kundtat. Doch statt inthronisiert wurde der Zaunkönig dort in diesem Loch nun - von der Eule bewacht - gefangen gehalten, was nichts half, denn natürlich gelang dem Piepmatz in seinem angestammten Territorium die Flucht. Jedoch gilt seine Königswürde unter den Vögeln nur im Unterholz, in den Hecken. Ein Zaunkönig halt, aber einer mit grosser Persönlichkeit.

Ich, für meinen Teil lerne, dass ein jeder König oder Königin sein kann, wenn er da bleibt, wo er hingehört; also nicht nach Höherem strebt, sondern das tut, was er oder sie besonders gut zu tun versteht. Den zutrauen kann man sich da am Meisten, wo man sich auch wohl und sicher fühlt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde