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Mittwoch, 4. Juni 2025

Quickfidel im jüngsten Gericht

Ein Zitat

Ausschnitt aus dem Jüngsten Gericht am Hauptportal des Berner Münsters.
Foto © Jörg Niederer
"Du kannst nicht wehren, dass die Vögel hin und her in der Luft fliegen; aber dass sie dir in den Haaren nisten, das kannst du ihnen wohl wehren. Ebenso wird keiner sein, dem nicht böse Gedanken einfallen; aber man soll sie wieder ausfallen lassen, damit sie nicht tief in uns einwurzeln." Martin Luther (1483-1546)

Ein Bibelvers - Matthäus 10,29

"Kann man nicht zwei Spatzen für eine Kupfermünze kaufen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde, ohne dass euer Vater es zulässt."

Eine Anregung

Zwei Bilder sind es diesmal, die es braucht, damit man diesen Beitrag ganz verstehen kann. Wieder einmal war ich vor und im Berner Münster. Über dem Hauptportal befindet sich das Tympanon. Es zeigt das Jüngste Gericht in drastischer Darstellungsweise. Mittendrin finden wir den Erzengel Michael mit der Seelenwaage und dem Schwert der Gerechtigkeit. Die spätgotische Darstellung will die Kirchgänger auf den Ernst der Lage hinweisen, und dass es bei der Religion immer um Alles oder Nichts geht. Besonders die Seite der Verdammten ist in üblichem Stil drastisch ausgeformt und ausgemalt. Auch fehlt es dort an "Himmelsgold", das reichlich vorhanden ist auf der rechten Seite der Seligen.

Früher hat das Werk die Gläubigen wohl erschaudern lassen. Heute ist es ein gern fotografierter Selfie-Hintergrund.

Ein Haussperling singt auf dem Schwert des Gerechtigkeits-Engels. Jüngstes Gericht am Berner Münster.
Foto © Jörg Niederer
Schon beim Betreten des Münsters sind mit einzelne Haussperlinge aufgefallen, die sich – ich weiss nicht ob auf der Seite der Verdammten oder der Seite der Gesegneten – nistend niedergelassen haben. Später dann hat sich ein Spatz frech auf das Schwert des Erzengels gesetzt um dort seinerseits den Touristen den Marsch zu blasen.

Faszinierend, wie wohl und zuhause sich die Spatzen im Endgericht fühlen. Mir scheint, es macht ihnen nichts aus, auf welcher Seite der Tragödie sie ihre Jungen grossziehen. Wo immer sie sind und auf welchen Köpfen sie gerade nisten, sie sind in Gottes Hand geborgen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 2. Juni 2025

1700 Jahre Bekenntnis von Nizäa

Ein Zitat

Nationalratspräsidentin Maja Riniker spricht anlässlich der Vesper zu 1700 Jahre Bekenntnis von Nizäa zur Festgemeinde im Berner Münster, während ein Band der Versöhnung in Korbtaschen auf den Altartisch gestellt wird.
Foto © Jörg Niederer

"Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine heilige, katholische und apostolische Kirche."
Aus dem Glaubensbekenntnis von Nizäa

Ein Bibelvers - Epheser 4,5-6

"Es gibt nur den einen Herrn, den einen Glauben und die eine Taufe. Und ebenso gibt es nur den einen Gott, den Vater von uns allen. Er regiert über alle, wirkt durch alle und erfüllt alle."

Eine Anregung

Es war alles dabei, was man von einer ökumenischen Vesper anlässlich von 1700 Jahren Bekenntnis von Nizäa erwarten konnte, gestern Sonntag um 17.00 Uhr in Bern. Das wunderschöne Ambiente des Berner Münsters; vier hervorragende Chöre; Repräsentanten der unterschiedlichen Kirchen; viele Gäste; sinnige Grussworte; die Predigt von Pfarrer Jerry Pillay, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen; Gebete; Fürbitten; natürlich das von allen gesprochene Glaubensbekenntnis von Nizäa; eine Zeichenhandlung: ein gelbes Band wurde durch die Reihen geführt, das Band des Friedens, und schlussendlich wieder aufgesammelt und auf dem Altartisch platziert, genau in der Zeit, in der die Nationalratspräsidentin Maja Riniker vom Bergsturz in Blatten sprach, und an die Interreligiöse Ökumene erinnerte, und was die Kirchen so alles gut machen in der Gesellschaft. Ganz gefehlt hatte natürlich auch das Sündenbekenntnis nicht, angesichts der beschworenen Einheit, die durch das Nizäanische Glaubensbekenntnis einst gegeben war, und heute eben nicht mehr ist; gerade auch durch die Schuld der einzelnen Kirchen.

Danach gab es einen Apéro in der Christkatholischen Kirche, mit der Möglichkeit zu Begegnungen, Gesprächen und Selfies mit Freund:innen.

Es war eben alles dabei, was man von einer ökumenischen Vesper erwarten konnte. Und das meine ich nur positiv.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen