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Sonntag, 29. Dezember 2024

Die Heilige Familie und das Bundeserneuerungsgebet

Ein Zitat

Der heilige Josef von Nazareth mit Lilie als Zeichen der Keuschheit hält das Jesuskind auf dem Arm. Jesus seinerseits hat den Reichsapfel bei sich. Die Statue findet sich am ehemaligen Kapuzinerkloster in Bremgarten.
Foto © Jörg Niederer
"Josef von Nazareth, hat es dich nie gestört, dass du in der Geschichte von Jesus nur eine Randerscheinung bist?" Fiktive Frage an Josef, den Ziehvater von Jesus

Ein Bibelvers - Lukas 1,38

"Da sagte Maria: ‘Ich diene dem Herrn. Es soll an mir geschehen, was du gesagt hast.’"

Eine Anregung

Könntest du das folgende Gebet mitbeten?

"Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir. Stelle mich, wohin du willst. Geselle mich, zu wem du willst. Lass mich wirken, lass mich dulden. Brauche mich für dich, oder stelle mich für dich beiseite. Erhöhe mich für dich, erniedrige mich für dich. Lass mich erfüllt sein, lass mich leer sein. Lass mich alles haben, lass mich nichts haben.

In freier Entscheidung und von ganzem Herzen überlasse ich alles deinem Willen und Wohlgefallen.

Herrlicher und erhabener Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist: Du bist mein, und ich bin dein. So soll es sein. Bestätige im Himmel den Bund, den ich jetzt auf Erden erneuert habe.

Amen." 

Um dieses Gebet geht es heute im Gottesdienst in der Methodistenkirche St. Gallen. Dabei schauen wir auch das Beispiel der Heiligen Familie an. Bei jedem Satz aus dem Gebet findet sich eine Parallele entweder im Leben von Jesus, Josef oder Maria.

Nur ein Beispiel: Zum Satz aus dem Gebet: "Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir", passt doch eindrücklich die Aussage von Maria "Ich diene dem Herrn. Es soll an mir geschehen, was du [der Engel, der ihr mitteilt, dass sie Gottes Sohn gebären wird] gesagt hast." 

Mehr dazu heute um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 31. Dezember 2023

Stelle mich wohin du willst!

Ein Zitat

Bürostuhl auf der Tannwaldstrasse beim Bahnhof Olten. Leicht verfremdet.
Foto © Jörg Niederer
"Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und Besitzen. Du hast es mir gegeben; dir, Herr, gebe ich es zurück. Alles ist dein, verfüge nach deinem ganzen Willen. Gib mir deine Liebe und Gnade, denn diese genügen mir." Hingabegebet des Ignatius von Loyola (1491-1556)

Ein Bibelvers - Lukas 22,42

"Er [Jesus] sagte: 'Vater, wenn du willst, nimm diesen Becher weg, damit ich ihn nicht trinken muss! Aber nicht, was ich will, soll geschehen, sondern was du willst!'"

Eine Anregung

In methodistischen Kirchen wird oft zum Jahresende die Feier zur Erneuerung des Bundes mit Gott gefeiert. Im deutschsprachigen Raum ist diese Liturgie als Nummer 776 im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche zu finden. Die Texte gehen auf den Gründer der methodistischen Bewegung, auf John Wesley zurück. Zentral ist dabei ein Gebet, das es in eine Sammlung der hundert schönsten Gebete der Weltreligionen geschafft hat: Das Bundeserneuerungsgebet. Darum dreht sich alles. Es lautet: 

"Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir. / Stelle mich, wohin du willst. / Geselle mich, zu wem du willst. / Lass mich wirken, lass mich dulden. / Brauche mich für dich, oder stelle mich für dich beiseite. / Erhöhe mich für dich, / erniedrige mich für dich. / Lass mich erfüllt sein, lass mich leer sein. / Lass mich alles haben, / lass mich nichts haben. / In freier Entscheidung und von ganzem Herzen überlasse ich alles deinem Willen und Wohlgefallen. / Herrlicher und erhabener Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist: Du bist mein, und ich bin dein. So soll es sein. / Bestätige im Himmel den Bund, den ich jetzt auf Erden erneuert habe. Amen."

Ein herausforderndes Gebet, indem man sich ganz in die Hände Gottes legt. Diesen Sonntag werden wir in St. Gallen dieses Gebet beten und dieser Liturgie folgen. Dabeisein kann man entweder um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen, oder dann per Youtube um ca. 10.30 Uhr. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 7. November 2021

Überflieger oder Abtaucher

Ein Zitat

Rotmilan am Winterhimmel
Foto © Jörg Niederer

"Hab keine Angst, allein zu fliegen. Finde deinen eigenen Weg! Die Liebe wird jede Tür öffnen... Worauf wartest du noch? Breite deine Flügel aus und schwing dich in die Höhe!"
Christina Aguilera im Lied "Soar"

Ein Bibelvers - Philipper 2,8+9

"Er [Jesus Christus] erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz. Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht: Er hat ihm den Namen verliehen, der hoch über allen Namen steht."

Ein Anregung

Ob jemand zum Überflieger wird, oder einen Taucher hinnehmen muss, hat für viele damit zu tun, wie man sich selbst in einer Sache engagiert. Für Christinnen und Christen stellt sich darüber hinaus die Frage, wie viel Gott damit zu tun hat.

John Wesley formulierte einst im Bundeserneuerungsgebet die Bitte, dass Gott das eigene Leben erhöhen oder erniedrigen solle. 

Darüber denken wir heute im Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen nach: "Erhöhe mich für dich, erniedrige mich für dich". 

Von Jesus wird gesagt, dass er erhöht sei über alle Namen. Zugleich wird mit dem selben Wort auch die Erhöhung am Kreuz, und damit der Tiefstpunkt von Jesu Leben bezeichnet. Lässt sich in Beidem der Wille Gottes erkennen? Mehr heute ab 10.30 Uhr in der Predigt auf YouTube.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 12. September 2021

Eine gefährliche Bitte

Ein Zitat

Menschen tauschen sich in Bregenz auf der Molo aus
Foto © Jörg Niederer
Die wichtigsten Menschen in meinem Leben habe ich mir nicht ausgesucht.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 8,26+27

"Philippus dagegen erhielt vom Engel des Herrn den Auftrag: 'Steh auf! Geh nach Süden zu der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt und menschenleer ist.' Philippus stand auf und ging zur Straße. Dort war ein Mann aus Äthiopien unterwegs. Er war Eunuch und ein hoher Beamter am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien."

Ein Anregung

Im Bundeserneuerungsgebet von John Wesley gibt es die gefährliche Bitte: "Geselle mich, zu wem du willst!" Das ist ein Blankoscheck mit faszinierenden, erschreckenden, herausfordernden oder befreienden Folgen. Denn die Erfahrung zeigt, das wir meist nicht zu den Menschen geführt werden, die uns besonders sympathisch sind, sondern zu denen, die Gott gerade besonders wichtig sind. Und diese Menschen sind oft "gewöhnlich", aber manchmal auch schräg. Sie riechen nicht immer gut, und ihre Fragen können verstören. Und dann sind wir an der Reihe, und lernen Sie kennen, und sie lernen uns kennen. 

Mehr zu dieser Gebetsbitte gibt es in der heutigen Predigt ab 10.15 Uhr in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen an der Kapellenstrasse 6 oder ab 10.30 Uhr auf Youtube.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 29. August 2021

Spielerisch Herausforderndes verstehen

Ein Zitat

Das Faltpuzzle ist nicht einfach, aber faszinierend
Foto © Jörg Niederer
"Es ist schön, wenn man sich aussuchen kann, welchen Zwängen man folgt." Erik Demaine in einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen 

Ein Bibelvers - Galater 2,20

"Deshalb lebe ich also nicht mehr selbst, sondern Christus lebt in mir. Zwar lebe ich noch in dieser Welt, aber ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes. Er hat mir seine Liebe geschenkt und sein Leben für mich hingegeben."

Ein Anregung

Der kanadisch-amerikanische Doppelbürger Erik Demaine ist der jüngste je ans MIT berufene Professor, Computerwissenschaftler, Mathematiker und Künstler. Ich bin vor 15 Jahren auf ihn und seinen Vater Martin gestossen. In besonderer Weise haben sich die beiden mit Papierfaltkunst beschäftigt, und diese mathematisch untersucht und weiterentwickelt. Jedes Jahr veröffentlichen die beiden ein Faltpuzzle. Was einfach aussieht, ist meist recht knifflig. Gelegentlich gibt es dazu auch keine Lösung. So wird ersichtlich, dass nicht alles machbar ist. Oder dann sind da die Schriften, die sie computergeneriert und -animiert kreieren. Eine der Schriften besteht aus Buchstaben, die je für sich genommen und aneinandergefügt eine geschlossene Fläche bilden. Oder dann dienen Bücher als Bausteine für allerlei Möbel.

Auf der Webseite findet sich Anregendes für viele Stunden.

Als Illustration zur heutigen Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen habe ich mir ein Faltpuzzle von Erik und Martin Demaine ausgeliehen und gestalterisch angepasst. Das beidseits zu bedruckende A4-Blatt soll zugeschnitten und so gefaltet werden, dass das selbe Bildchen auf beiden Seiten durch ein Papierfenster sichtbar wird. Klingt einfach, ist es aber nicht. Hier kannst du die Vorlage mit Anleitung herunterladen.

In der Predigt geht es um das Bundeserneuerungsgebet von John Wesley. Das ist in seinen Aussagen sehr herausfordernd. So beginnt das Gebet mit den Worten: "Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir".

Heute ab 10.30 können meine Ausführungen dazu auf Youtube oder vor Ort an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen mitgehört und diskutiert werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 10. August 2021

Eines von 100 schönsten Gebeten

Ein Zitat

Sich faltende Hände auf dem Friedhof Villars-sur-Glâne
Foto © Jörg Niederer
"Kranken Herzen sende Ruh', / nasse Augen schliesse zu! / Lass den Mond am Himmel stehn / und die stille Welt besehn!" Luise Hensel (1798-1876)

Ein Bibelvers - Römer 14,7+8

"Keiner von uns lebt nur für sich selbst und keiner stirbt nur für sich selbst. Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn. Und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Ob wir nun leben oder ob wir sterben – immer gehören wir dem Herrn!"

Ein Anregung

Auf der Suche nach den bedeutendsten Gebeten der christlichen Tradition habe ich mir ein Buch gekauft mit dem unbescheidenen Titel: "Erhelle meine Nacht - Die 100 schönsten Gebete der Menschheit" (herausgegeben von Bernhard Lang, 5. Auflage, München 2018). Darin finden sich Gebete aus verschiedenen Religionen und Weltgegenden. Zu Lesen gibt es etwa das Gebet "An die Wiesenmaus" der Dakota-Ureinwohner Nordamerikas oder Echnatons Hymnen an den Sonnengott. Natürlich finden sich in dieser Sammlung das Vaterunser, der Sonnengesang von Franziskus von Assisi und das kurze und sehr bekannte Gebet von Nikolaus von Flüh: "Nimm alles von mir".

Gebete von Martin Luther, Blaise Pascal, Matthias Claudius ("Der Mond ist aufgegangen") Edith Stein, Dag Hammarskjöld und vielen mehr dürfen nicht fehlen. An meine Kindheit werde ich erinnert beim Gebet "Müde bin ich, geh zur Ruh'" von Luise Hensel. Und dann ist da auch ein Gebet aus der methodistischen Tradition. Eingereiht nach Matthias Claudius und vor Novalis lese ich das sogenannte Bundeserneuerungsgebet von John Wesley (1703-1791). Traditionell wird es am Jahresende gebetet. Mit sehr herausfordernden Worten übergibt der oder die Betende sein Geschick Gott, und zwar ganz, mit Haut und Haar. Bei jeder Zeile fragt man sich: Will ich das wirklich? Vertraue ich Gott wirklich so ganz und gar. Will ich für Christus in dieser Weise verfügbar sein? Und zugleich stellt mich diese Gebet hinein in eine Gemeinschaft von Menschen, denen Gott so wichtig ist, dass er an erster Stelle kommen soll, noch vor allem anderen.

Erneuerung des Bundes mit Gott
"Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir. Stelle mich, wohin du willst. Geselle mich, zu wem du willst. lass mich wirken, lass mich dulden. brauche mich für dich, oder stelle mich für dich beiseite. Erhöhe mich für dich, erniedrige mich für dich. Lass mich erfüllt sein, lass mich leer sein. Lass mich alles haben, lass mich nichts haben. In freier Entscheidung und von ganzem Herzen überlasse ich alles deinem Willen und Wohlgefallen.
Herrlicher und erhabener Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist: Du bist mein, und ich bin dein. So soll es sein. Bestätige im Himmel den Bund, den ich jetzt auf Erden erneuert habe. Amen."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde