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Donnerstag, 31. Juli 2025

Trüber Tag in bunter Stadt

Ein Zitat

Das Gemälde am Rathaus von Stein am Rhein zeigt den dort predigenden Huldrych Zwingli.
Foto © Jörg Niederer
"Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge." Wilhelm Busch (1832-1908)

Ein Bibelvers - Prediger 7,21

"Beachte nicht das Gerede, das es überall gibt! Dann wirst du auch nicht hören, wie dein eigener Sklave über dich flucht."

Eine Anregung

Gestern landeten wir unerwartet in Stein am Rhein, in diesem touristisch überlaufene Schweizer Städtchen auf deutscher Seite des Rheins. Es war ein trüber Tag, doch die Fassadenmalereien des Ortes machten ihn abwechslungsreich.

Wer aus der Stadtkirche Stein am Rhein durchs Hauptportal ins Freie tritt, sieht vor sich auf der rechten Strassenseite das Rathaus mit einem seiner Gemälden. Das Fresko stellt den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli dar, wie er in diesem Städtchen predigte.

Stein am Rhein war eine der ersten Städte, welche sich der Zürcher Reformation anschlossen. Dies führte in der Folge zum Sturm auf die Kartause Ittingen (Siehe dazu Blogbeitrag vom 19. Juli!).

Auch in Stein am Rhein wurde die Reformation kürzlich gefeiert. Auf einer Webseite kann man sich einen Überblick verschaffen. Besonders die Videos sind aufschlussreich.

Am Gemälde fallen mir die aufmerksam zuhörenden Menschen aus allen Ständen auf.

Mögen auch wir heute aufmerksam durch den Tag gehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 1. Februar 2025

Countdown

Ein Zitat

Das angefangene Puzzle auf dem Stubentisch.
Foto © Jörg Niederer
"Das Leben ist ein Puzzle, in dem der Herrgott das erste und das letzte Teil einlegt." Willy Meurer (1934-2018)

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,12

"Es ist wie beim menschlichen Körper: Er bildet eine Einheit und besteht doch aus vielen Körperteilen. Aber obwohl es viele Teile sind, ist es doch ein einziger Leib. So ist es auch mit Christus."

Eine Anregung

Seit Silvester ist unser Stubentisch puzzlebeding nur eingeschränkt nutzbar. 3000 Teile gilt es in richtiger Ordnung zu einem Bild zusammenzufügen. Würde ich jeden Tag 3 Teile an der richtigen Stelle einsetzen, würde es nicht ganz drei Jahre dauern, bis es fertig ist. Bei 30 Teilen pro Tag sind es dagegen nur wenig mehr als drei Monate. 

Solche Puzzle könnte man wunderbar gebrauchen als Countdown bis zu einem bestimmten Ereignis. Zum Beispiel dauert es vom 1. Januar (als ich mit dem Puzzle begann) 242 Tage bis zu meiner Pensionierung. Würde ich jeden Tag 12 oder 13 Teile einsetzten, dann wäre das Puzzle genau zur richtigen Zeit fertig.

Aus welchen Teilen setzt sich mein Lebensbild zusammen? Was soll auf dem Bild zu sehen sein? Wird es ungeschönt, oder zensuriert im Sinn von: "Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die schönen Stunden nur"? Sollte ich meinen abschliessenden und endgültigen Lebenslauf selbst schreiben, oder lasse ich andere mein Leben beurteilen? Noch eine andere, ganz wichtige Frage: Wo in dieser vierdimensionalen Welt ist mein Platz?

Solche Gedanken kommen mir, wenn ich ein Puzzle zusammenfüge. Zeit dazu habe ich ja bei 3000 Teilen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 2. April 2024

Wachsam

Ein Zitat

Eine wachsame Graugans auf einer landwirtschaftlichen Brache.
Foto © Jörg Niederer
"Holzauge, sei wachsam!" Redensart

Ein Bibelvers - Psalm 123,1+2

"Meine Augen sehen auf zu dir, der du im Himmel thronst. Siehe, auch Sklaven sehen auf zu ihrem Herrn, wenn sie auf ein Handzeichen warten. Auch die Sklavin sieht auf zu ihrer Gebieterin, wenn sie auf wohlwollende Behandlung hofft. Genauso sehen wir auf zum Herrn, unserem Gott, bis er sich uns gegenüber barmherzig zeigt."

Eine Anregung

Wachsamkeit ist ein oft beschworener Wert. Nur so erhalte man sich die Freiheit und Unabhängigkeit. Wachsamkeit ist für viele Tiere überlebenswichtig. Gefahren und Fressfeinde lauern überall.

Nun kann jemand sehenden Auges blind sein für seine Umgebung, seine Mitmenschen. Andererseits gelingt es Menschen, selbst mit ganz wenig Einsicht tief zu blicken.

Vielleicht haben wir die Aussage: "Holzauge, sei wachsam!" ja diesem Umstand zu verdanken. Es könnte also Menschen geben, die selbst blind und holzäugig mehr sehen, als Sehende.

Andererseits sind Holzaugen Astlöcher in einem Brett. Beim Bearbeiten des Holzes sind es die Stellen, an denen man beim Hobeln des Bretts auf einen harten Astansatz stösst. Alle, die schon einmal gehobelt haben, wissen, dass da besondere Vorsicht geboten ist, will man auch an dieser Stelle das Brett gleichmässig flach bekommen. 

Vorsicht, Wachsamkeit, offene Augen, Aufmerksamkeit; heute will ich besonders aufmerksam auf die unauffälligen Dinge achten, denen ich auf meinem Weg durch den Tag begegne. Also: "Holzauge sei wachsam!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 28. Dezember 2023

Tannenmeisen lehren mich das Staunen

Ein Zitat

Tannenmeise bei Bussnang.
Foto © Jörg Niederer
"Oft müssen wir zu unserer Verwunderung erfahren, dass die Welt schon vor uns gescheit gewesen ist." Johann Jakob Mohr (1824-1886)

Ein Bibelvers - Psalm 139,14

"Ich danke dir und staune, dass ich so wunderbar geschaffen bin. Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind."

Eine Anregung

Tannenmeisen lieben Fichten. Aber ihre Nester bauen sie oft in Bodennähe, auch in Erdlöcher. Tannenmeisen gehören zu den Vögeln, von denen ich bis vor ein, zwei Jahren noch nichts wusste. Dabei gibt es von ihnen in der Schweiz 600'000 Brutpaare.

Da laufe ich also viele Jahre über manche Wege und Strassen, durch mancherlei Wälder und vorbei an vielen Viehweiden, ohne etwa zu merken von diesen kleinen Vögelchen. Wieder einmal merke ich, wie viel ich nicht weiss und wie unachtsam ich immer wieder sein kann. 

An einer Beringungsstation hat mir eine der Helferinnen erklärt, dass die Tannenmeisen sich oft total im Fangnetz verheddern, so dass sie auch schon 30 Minuten gebraucht habe, um diese Tierchen wieder zu befreien. Zudem setzen sich die Vögel mit Picken und Beissen zur Wehr. Und ihre Füsschen sind oft mit hartgewordenem Baumharz überzogen, der ihren bevorzugten Lebensraum verrät.

Schön, dass man auch nach über 60 Jahren noch längst nicht alles gesehen hat. Ich will in diesen letzten Tagen des Jahres deshalb besonders aufmerksam sein. Es gibt noch viel zu bestaunen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen