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Mittwoch, 25. Juni 2025

Wunderlich wurzelig

Ein Zitat

Lindenbäume beim Vögeligarten in Olten. Das Foto steht auf dem Kopf.
Foto © Jörg Niederer
"Ist ein Baum auch tausend Zhang [ca. 3333 Meter] hoch, seine Blätter fallen doch zur Wurzel." Chinesisches Sprichwort

Ein Bibelvers - Hiob 14,7-9

"Ja, für einen Baum gibt es Hoffnung. Wenn er gefällt wird, treibt er wieder aus. Es fehlt ihm nicht an neuen Trieben. Das gilt selbst für einen alten Baumstumpf, dessen Wurzelstock in der Erde abgestorben ist. Sobald er ein wenig Wasser spürt, treibt er aus und blüht wieder auf wie ein junges Bäumchen."

Eine Anregung

An der Jährlichen Konferenz (Synode) der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika, die vergangenen Sonntag in Langenthal zu Ende gegangen ist, wurde schon viel über Wurzeln gesprochen. Thema der Konferenz war ja: "Verwurzelt. Wie im Himmel so...".

Über ein Konferenzthema wird meist recht gründlich und vielfältig nachgedacht, aber natürlich nicht erschöpfend. Darum hier noch vier interessante Hinweise.

Wurzeln wachsen aufgrund der Erdanziehungskraft nach unten. Nur im schwerelosen Raum des Weltalls können Wurzeln nach oben wachsen. Wobei, was ist im Weltall schon oben.

"Im Himmel verwurzelt sein" also die Wurzeln nach oben wachsen lassen, das ist ein schönes Bild. Wir waren aber nicht die ersten, die darüber nachgedacht haben, wie man anhand einer rumänischen Ikonenmalerei an einem Gebäude der Universität von Fribourg (siehe Beitrag vom 17. Juni 2022!) sehen kann. Dort wächst der Baum, durch Wurzeln mit Maria und Jesuskind verbunden, nach unten. Die Wurzeln sind also oben.

An der Tagung der Jährlichen Konferenz wurden auch die drei häufigen Wurzelformen vorgestellt: Pfahlwurzeln, Flachwurzeln und Herzwurzeln. Beim Türkenbund, einer Lilienart, (Siehe Beitrag vom 10. Juni 2025!) gibt es auch noch Zugwurzeln. Dabei handelt es sich um längliche Wurzeln, welche von der Knollenwurzel der Pflanze nach unten wachsen. Bei ungünstiger Witterung können diese Zugwurzeln die Knolle tiefer in die Erde hinunterziehen. Nun stelle ich mir vor, wie es bei einer Verwurzelung im Himmel geschieht, dass ich von den Wurzeln hinaufgezogen werde, näher zu Gott.

Zuletzt noch das hier abgebildete Foto. Vielleicht hast du erkannt, dass es auf dem Kopf steht. Auch so funktioniert es. Wie das Foto richtig herum aussieht, und was meine Gedanken dazu sind, kannst du dir im Beitrag vom 9. Juli 2024 zu Gemüte führen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 21. Juni 2025

Verwurzelt im Humor

Ein Zitat

Jörg Niederer und Matthias Fankhauser hatten sichtlichen Spass als Jubilare. Foto: Sigmar Friedrich
Foto © Sigmar Friedrich
"Wisst ihr, welche Turnübung die Schwierigste von allen ist? Sich selbst auf den Arm nehmen." Bischof Stefan Zürcher an der Jährlichen Konferenz 2025

Ein Bibelvers - Psalm 24,1

"Dem Herrn gehört die Erde mit allem, was sie erfüllt. Ihm gehört das Festland mit seinen Bewohnern."

Eine Anregung

In diesem Jahr wurde ich gleich zweimal gefeiert an der Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Einmal stand mein 40-Jahr-Jubiläum im Zentrum, und dann auch noch die Pensionierung. 

Es waren eine ganze Reihe von Menschen, die entweder jubilieren konnten oder sich in den Ruhestand verabschiedeten. Alle hatte Fotos eingereicht und sich Gedanken gemacht zum Thema: "Verwurzelt im Glauben und Hoffen"

Die vielen guten Gedanken der andern kann ich nicht mehr wiedergeben. Aber meine kleine Geschichte dazu soll auch hier Freude bereiten. Hier also das Erlebnis.

Im Studium am theologischen Seminar war ich einige Semester lang Gartendienstchef. Zudem begann ich als erster, auf dem Dreiecksgrundstück ein Gemüsebeet anzulegen. Gegen die Schnecken säte ich um das Beet herum Senf, was der Pflanzung einen formellen Charakter bescherte. In jener Zeit trug ich Vollbart und war meist etwas nachlässig alternativ gekleidet, was mir den Übernahmen "Wurzelsepp" eintrug. Unglücklich darüber war ich nicht, verstand ich doch Glauben und Hoffen durchaus auch als Auftrag zu ökologischem Handeln. Denn im konkreten Tun schlägt der Glaube und die Hoffnung tiefere Wurzeln, als wenn sie nur Theorie bleiben.

Die Geschichte ging aber noch weiter. Eines Tages wurde zu einer Beisetzungsfeier eingeladen auf dem Dreiecksgrundstück. Der Wurzelsepp sollte daselbst zu Grabe getragen werden. Die Feier fand bei meinem Gemüsebeet statt. So erhielt die Pflanzung auch noch ein Grabkreuz. Diese Feier war, wenn auch nicht ernst gemeint, doch ein gutes Übungsstück praktischer Theologie. Mit einem Nachspiel. Ein zwei Tage später sprach mich ein Nachbar an, und ermahnte mich unter Androhung einer Anzeige, dass es in Deutschland nicht gestattet sei, Verstorbene ausserhalb von Friedhöfen zu bestatten.

Das ist nun schon über 43 Jahre her. Aber die Liebe zur Natur, (theologisch gesprochen: zu Gottes Erde) ist mir geblieben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 19. Juni 2025

Himmlische Wurzeln

Ein Zitat

Stefan Pfister, Pfarrer in der Methodistenkirche Langenthal, predigt am Gebetsabend der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika.
Foto © Jörg Niederer
"Atmen ist wichtig. Alles andere hat Zeit." Mika Gustavson

Ein Bibelvers - Epheser 3,17

"Denn Christus soll durch den Glauben in euren Herzen wohnen. Und ihr sollt in der Liebe verwurzelt und fest auf ihr gegründet bleiben."

Eine Anregung

Nach himmlischen Wurzeln fragte Pfarrer Stefan Pfister in der Eröffnungspredigt zur Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika der Evangelisch-methodistischen Kirche. Darin äusserte er auch, dass der Atem von himmlischer Herkunft sei. Anknüpfend an den zweiten Schöpfungsbericht (1. Mose 2,7), in dem Gott den Menschen aus dem Staub des Erdbodens formte und ihm dann Lebensatem einhauchte, meinte er: "Gott nimmt Staub, um den Menschen zu formen. Irdischer geht es gar nicht". Doch dann kommt dazu auch der Lebensatem aus Gottes Welt. Man könne den Menschen, so Stefan Pfister, als "hybrides Wesen" bezeichnen. Irdisch und himmlisch zugleich.

Stefan Pfister praktiziert, um sich dessen bewusst zu sein, immer wieder das Atemgebet. Darin kommen Gott und Mensch zusammen. Beim Einatmen bete er zum Beispiel: "Du Gott bist in mir...", und beim Ausatmen: "...und ich in dir". Beim Einatmen: "Du Gott hältst mich..." und beim Ausatmen: "und ich halte dich."

Mit dieser Anregung wünsche ich uns allen einen himmlisch verwurzelten, irdischen Tag.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 28. Juni 2024

Wurzeln

Ein Zitat

Wurzel und Stamm eines Mammutbaums in Romanshorn.
Foto © Jörg Niederer
"Gütige Herzen sind die Gärten. Gütige Gedanken sind die Wurzeln. Gütige Worte sind die Blüten. Gütige Taten sind die Früchte." Kirpal Singh (1894-1974)

Ein Bibelvers - Sprüche 12,3

"Kein Mensch, der Unrecht tut, hat einen sicheren Stand. Der Gerechte aber hat Wurzeln, sodass er nicht wankt."

Eine Anregung

Wurzeln schlagen oder in die Ferne schweifen? Wenn der Sommer naht, stellt sich diese Frage. Bin ich ganz wohl hier bei mir zuhause. Oder will ich weit weg, um etwas Neues zu erleben?

Meist sind wir nur kurzzeitig auf Reisen. Danach, wenn die Ferien vorbei sind, wollen wir wieder nach Hause, zurück zu unseren Wurzeln.

Meine Wurzeln sind mir wichtig. Sie geben mir Sicherheit und Halt. Ich kann mich auch in der Fremde auf die Vertretungen meines Landes verlassen. Wenigstens meistens.

Wurzeln. Da gibt es die Bäume, die mitten in der Wüste über ihre Wurzeln Wasser in grosser Tiefe fassen können. Einer der wohl grösste Organismen, der auf Erden lebt, ist ein Verbund von 47'000 genetisch identischen Zitterpapeln, die alle über das Wurzelwerk miteinander verbunden sind. Längst wissen wir, dass Kraut, Pilze und Bäume über das Wurzelwerk kommunizieren. Und auch das gibt es: Ein Baumstrunk bleibt am Leben, weil die Bäume aus der Nachbarschaft ihn mit Nährstoffen versorgen.

Genauso ist es doch auch in unserem Leben. Wenn ich verwurzelt bin in einer Gemeinschaft, dann finde ich mitunter die Muse, tiefer zu dringen, Kultur zu schaffen. Ich finde Halt bei anderen, die wie ich ihre Wurzeln ausstrecken. Selbst in schweren Zeiten, wenn ich mich nicht mehr selbst am Leben halten kann, bin ich getragen und geborgen.

Verwurzelt bin ich nicht zuletzt in der Kirche. In Washington oder Kinshasa erlebte ich etwas von diesem weltumspannenden Wurzelgeflecht, als ich dort Glaubensgeschwistern begegnete. Irgendwie matchte es. Das ist wohl auch der Grund, warum Migrationsgemeinden überall aus dem Boden schiessen. In der christlichen Gemeinschaft suchen und finden sie gemeinsame Wurzeln, werden heimisch, sind zuhause.

Heute könnt ihr in St. Gallen mit uns auch über eure Wurzeln ins Gespräch kommen. Von 10-15 Uhr kann man Frauen und Männer der Methodistenkirche St. Gallen auf dem Bärenplatz antreffen. Es gibt auch Kuchen, Kaffee, Sirup und Spiele.

Am Sonntag dann spielen "The Millers" Bluegrass in der Kirche an der Kapellenstrasse 6. Alle sind dazu um 10.15 Uhr herzlich willkommen. Anschliessend offerieren wir Burger (auch Vegi), Kuchen und Kaffee.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 26. September 2023

Fest und flexibel

Ein Zitat

Cosmeablüte im Wind
Foto © Jörg Niederer
Wer fest verankert ist, muss den Zeitgeist nicht fürchten.

Ein Bibelvers - Kolosser 2,6+7

"Ihr habt Christus Jesus, den Herrn, angenommen. Richtet also euer Leben an ihm aus! Bleibt in ihm verwurzelt und gründet euch als Gemeinde ganz auf ihn. Werdet fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid. Und hört nicht auf, Gott zu danken."

Eine Anregung

Die meisten Pflanzen sind gehalten von einem fixen Verankerungspunkt, bleiben aber über Stängel oder Stamm flexibel und anpassungsfähig. So können sie dem Winddruck standhalten, gar Stürmen trotzen. Sie geben nach, und bleiben trotzdem fest.

Diese Verbindung von tiefer, sicherer Verwurzelung und gleichzeitiger Beweglichkeit erscheint mir auch für unser geistiges Leben und das Leben von Kirchgemeinden wegweisend. Gehalten von Gottes Liebe können wir einen klaren Standpunkt vertreten, auch verteidigen, aber auf eine sanfte Art, flexibel und offen dafür, wenn der Wind einmal aus einer anderen Richtung wehen sollte.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen