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Samstag, 7. Januar 2023

Ablaufdatum

Ein Zitat

Teezubereitung in der Küche.
Foto © Jörg Niederer
"Der Weg zum Himmel führt durch eine Teekanne." Sprichwort aus England

Ein Bibelvers - Lukas 15,1

"Alle Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, kamen zu Jesus, um ihm zuzuhören."

Eine Anregung

06/2013, 25.08.2014, 11.03.2015. Diese Daten stehen auf drei Teebeutel-Boxen unter "Mindestens haltbar bis...". Die Tees sind also schon lange in unserem Besitz. Sie ruhten die ganze Zeit in einer Tragetasche in meinem Büro. Seit einigen Wochen versuche ich, diesen beachtlichen Vorrat aufzubrauchen. Ich verwende also Teebeutel, die schon seit fast 10 Jahren nicht mehr verkauft werden dürfen. Und der Tee ist gut, bekömmlich, schmeckt. Auch Jahre, nachdem er geerntet und verarbeitet worden ist.

Der Tee wird noch einige Wochen unsern Durst löschen. Gut, habe ich ihn nicht entsorgt. Zu früh sollte man Lebensmittel nicht abschreiben. Und Menschen sollte man schon gar nicht abschreiben. Gerade das scheint mir eine der wichtigsten Botschaften von Jesus gewesen zu sein. Wie gehst du mit abgelaufenen Lebensmitteln um? Und wie ganz generell mit Menschen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 22. September 2021

Wer flickt schon Nylons?

Ein Zitat

Wolford-Strassenwerbung in Bregenz aus dem Jahr 2011
Foto © Jörg Niederer
"Wir leben immer länger, aber alles wird immer kurzlebiger." Ernst Reinhardt (?)

Ein Bibelvers - Markus 4,16+17

"Ein anderer Teil [der Aussaat] fällt auf felsigen Boden. Er steht für die Menschen, die das Wort hören und es sofort mit Freude annehmen. Aber es schlägt keine Wurzeln in ihnen, weil sie ihre Meinung schnell wieder ändern. Wenn ihnen das Wort Schwierigkeiten oder Verfolgung bringt, lassen sie sich sofort davon abbringen."

Ein Anregung

Wie radikal sich die Welt doch verändert. Vor 50 Jahren, da kam es vor, dass meine Mutter mich mit defekten Nylonstrümpfen zu einem bestimmten Haus unweit der Friedenskirche in Olten schickte. Jedes Mal öffneten Frauen die Tür und sogleich entströmte der Wohnung der beissende Geruch von Katzenpisse. Überall so erinnere ich mich, schauten mir die Tiere aus einem unordentlichen Wohnzimmer entgegen. Auch wenn die Frauen die Sauberkeit nicht im Griff hatten, eine ausserordentliche Fähigkeit besassen sie. Sie konnten die Fallmaschen der Nylons wieder reparieren, und das so gute, dass danach nichts mehr vom einstigen Schaden zu erkennen war. Es war mir ein grosses Rätsel, wie sie das hinbekamen.

Auch anderes wurde damals repariert, was heute nur zu oft auf dem Müll landet: Schuhe, Strümpfe, Unterwäsche, selbst zerbrochenes Geschirr - von Feng Shui sprach damals kein Mensch. Die Güter des täglichen Lebens waren teurer. Also mussten sie länger ihre Dienste tun.

Doch dann nahm die Wegwerfgesellschaft an Fahrt auf. Und heute kaufen sich Menschen Kleider, die sie gerade noch ein einziges Mal tragen und dann entsorgen. Bei Wohnungswechsel werden nicht selten auch die Möbel "ausgetauscht". 

Nun frage ich mich: Welchen Einfluss hat dieser Mentalitäts- und Lebensstilwechsel auf unseren Glauben? Ist er wie ein Lieblingsstück, das sich zu reparieren lohnt, wie schäbig und abgetragen es auch aussehen mag? Oder wird er bei der kleinsten Irritation ausgetauscht, landet auf dem Müll der eigenen kleine Geschichte? 

Ist dein Glaube der wertvolle Nylonstrumpf von einst, oder das kurzlebige Modeaccessoire von heute?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 9. Juli 2021

Die Schleimspur des "Homo Covid-19"

Ein Gedanke

Eine Schnecke kriecht über eine weggeworfene Hygienemaske
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt kein 'weg'. Wenn wir etwas wegwerfen, muss es irgendwo hingehen." Annie Leonard, US-amerikanische Kritikerin

Ein Bibelvers - Philipper 3+8

"Aber alles, was mir damals als Vorteil erschien, sehe ich jetzt – von Christus her – als Nachteil. Ja wirklich: Ich betrachte es ausnahmslos als Nachteil. Dahinter steht die überwältigende Erkenntnis, dass Jesus Christus mein Herr ist! Verglichen mit ihm ist alles andere wertlos geworden, ja, in meinen Augen ist es nichts als Dreck! Mein Gewinn ist Christus."

Eine Anregung

Was denkt sich wohl die kleine Schnecke, während sie über diese weggeworfene Hygienemaske kriecht? "Gefährliches Terrain, da kann mich ja jede Krähe sehen." Weggeworfene Hygienemasken; paradoxer Weise haben die mit Hygiene nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. 

Nun, mir ist es im vergangenen Jahr auch schon passiert, dass ich eine Hygienemaske unterwegs verloren habe. Gut, die meisten davon werden absichtlich auf den Boden geworfen. Aber nehmen wir einmal an dass jede*r der 8,67 Millionen Bewohner*innen der Schweiz einmal im Jahr eine Hygienemaske verliert. Das wären pro Tag 23'754 herumliegende Masken auf einer Fläche von 41'285 Quadratkilometern. Werden sie nicht weggeräumt, liegt alle zwei Tage eine Maske mehr pro Quadratkilometer herum, und innerhalb eines Jahres finden sich auf dieser Fläche 210 Hygienemasken. Das ist die übliche Schleimspur des "Homo Covid-19". Ich rechne aber mit dem Drei- bis Vierfachen bei den bewusst auf der Strasse entsorgten Masken, was innerhalb eines Jahres dann zu etwa einer Maske pro Quadratmeter führen würde.

So sieht unsere Corona-Schleimspur aus. Und welche geistliche Schleimspur lassen wir hinter uns zurück. Oder wie es Adam Hamilton einmal in einer Predigt fragte: Was kann diese Gesellschaft aus meinen geistlichen Hinterlassenschaften herauslesen, so wie ein Jäger aus dem Dung oder Kot der Tiere? Und ist das lebensförderlich, oder behindert es das Vertrauen der andern in Gottes Güte?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde