Posts mit dem Label Walter Zoo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Walter Zoo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. September 2024

Nachdenklich

Ein Zitat

Ein Westafrikanischer Schimpanse im Walter Zoo Gossau.
Foto © Jörg Niederer
"Die Not vereinigt die Gemüter und macht die Menschen tätig und erfinderisch." Gerhard von Scharnhorst (1755-1807)

Ein Bibelvers - Hiob 2,11+13

"Drei Freunde Hiobs hörten von all dem Unglück, das ihn so schlimm getroffen hatte. Sie kamen zu ihm... Dann setzten sie sich zu ihm auf die Erde. Sieben Tage und sieben Nächte saßen sie da und sprachen kein einziges Wort. Denn sie sahen, wie heftig sein Schmerz war."

Eine Anregung

Würde ein Mensch so dasitzen wie der westafrikanische Schimpanse im Walter Zoo Gossau, man würde sich fragen, welcherlei Laus ihm wohl über die Leber gekrochen sei.

Im Mittelalter war man überzeugt, dass die Leber der Sitz der Leidenschaft und des Temperaments sei. Die Laus dagegen ist klein und unbedeutend. Damit wird diese Redensart klar. Irgend etwas Unbedeutendes lässt die Laune in den Keller sinken. Man könnte auch sagen: Kleine Ursache - grosse Wirkung.

Der Schimpanse jedenfalls macht einen deprimierten Eindruck wie er so dasitzt hinter dem Wasserfall, in sich zusammengekauert, die Arme verschränkt und leer vor sich hinstarrend. Vielleicht ist er auch einfach in Gedanken versunken. Dass Schimpansen denken, soll es geben. Vielleicht trauert er, oder hat eine Depression. Wie man ihn so sieht, möchte man ihn aufheitern, nachfragen, was in so griesgrämig sein lässt.

Vielleicht würde ich, wenn ich könnte, mich auch einfach neben ihn setzten, so wie die Freude Hiobs, als dieser im Elend versank, und erst einmal mitschweigen. Dann würden also ein Affe und ein Mensch nebeneinander so dasitzen, und alle anderen würden sich fragen: Welche Laus ist den beiden wohl über die Leber gekrochen.

Da wird mir doch mit einem Mal klar, warum sich Affen lausen. Das ist Vorbeugung gegen die Einsamkeit, den Frust, die Apathie, die Lustlosigkeit. Auch wir Menschen haben so Strategien, wie wir einander wieder aufmuntern. Also falls man dich "lausen" sollte, lass es mich wissen, dann setze ich mich mal hinter einen Wasserfall, und überlege, was man in deinem Fall so machen könnte. :-)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 16. September 2024

Löwen haben es nicht leicht

Ein Zitat

Berberlöwen-Paar im Walter Zoo Gossau.
Foto © Jörg Niederer
"Das Löwenmaul hat ein Hasenherz." Sprichwort

Ein Bibelvers - Offenbarung 5,5

"Da sagte einer von den Ältesten zu mir: 'Weine nicht! Der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids, hat den Sieg errungen. Er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen.'"

Eine Anregung

Zuerst: Meine YouTube-Predigt von gestern zum Thema "Geistlich entsorgen" wurde umplatziert. Neu findet man sie unter diesem Link. 

Nun zum Foto. Es wurde am vergangenen Samstag aufgenommen im Walter Zoo. Zu sehen sind zwei der Berberlöwen; ein prächtiges Männchen hinter dem nicht minder eindrücklichen Weibchen.

Zu biblischen Zeiten war der Löwe ein von vielen bewundertes, furchteinflössendes Tier. Kein Wunder, dass der Stammvater Jakob einen seiner Söhne als "jungen Löwen" bezeichnete. Dieser Sohn ist der erstgeborene Juda, der Stammvater von König David auch damit auch von Jesus.

Im Neuen Testament gibt es eine einzelne Stelle, die von Jesus als dem "Löwen aus Juda" spricht. In C. S. Lewis' "Chroniken von Narnia" steht Aslan, der Grosse Löwe, für den Schöpfer und König der Welt. Auch der Film "König der Löwen" zeichnet die Geschichte eines Löwen, der für den Frieden kämpft.

Im Gegensatz zu den Hyänen haben die Löwen ein positives Image. So wundert es nicht, dass Christus als Löwe bezeichnet werden kann. Er ist der, welcher die böse Welt besiegt und den Frieden mit Gott und untereinander bringen wird. 

Im Gegensatz zu den oben erwähnten Filmlöwen geht es den wirklichen Löwen nicht gut. Der Berberlöwe etwa ist in freier Wildbahn ausgestorben. Im Walter Zoo und an anderen Orten wird er in Gefangenschaft gezüchtet und gehalten. So können wir ihn noch bewundern. Der Lebensraum aller Löwen ist heute auf 7 Prozent des einstigen Verbreitungsgebiets geschrumpft. Ohne Schutzbemühungen wäre er wohl bald ausgestorben.

Bad News auch für die Löwen in Palästina. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es sie dort nicht mehr. Das Land des Löwen von Juda ist heute löwenfrei.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 31. August 2024

Heilige Vielfalt - Schöpfungszeit im Zoo

Ein Zitat

Portrait eines Grantzebras aus dem Walter Zoo in Gossau.
Foto © Jörg Niederer
"Herr, du liebst, was du geschaffen hast: jedes Korn, jeden Lichtstrahl, jeden Tropfen, jedes Tier, jeden Menschen. In deiner Schöpfung wollen wir dich suchen." Aus einem Gebet von Peter Bischofs

Ein Bibelvers - Jeremia 2,24

"Du bist wie eine wilde Eselin, die in der Wüste zu Hause ist. Voller Verlangen zieht sie die Luft ein. Wer kann sie in der Paarungszeit aufhalten? Wer sie haben will, muss nicht weit laufen."

Eine Anregung

Mit dem 1. September beginnt die weltweit und ökumenisch begangene Schöpfungszeit und dauert bis zum Franziskustag am 4. Oktober 2024. Die Arbeitsgruppe GFS (Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St. Gallen führen jeweils einen besonderen Anlass dazu durch.

In diesem Jahr besuchen wir am Samstag, 14. September den Walter Zoo in Gossau. Der Anlass ist bemerkenswert. Am Vormittag ab 10.40 Uhr gibt es Informationen und Führungen von Fachleuten, aber auch eine kleine Schöpfungsfeier für Erwachsene wird zelebriert. Kinder und Familien sind willkommen, und all das zu einem subventionierten Preis von CHF 12.- für Erwachsene und CHF 6.- für Kinder. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung.

Mit anderen Worten: So günstig kommt man nicht mehr so schnell in einen Zoo und erfährt dabei erst noch viel über Tiere, Biodiversität, Biologie und Glauben.

Eine Anmeldung ist erforderlich, da die Platzzahl begrenzt ist. Anmeldeschluss ist der 6. September. Es hat noch freie Plätze. Alles Weitere kann dem Flyer entnommen werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 16. Februar 2024

Fatale Tierliebe

Ein Zitat

Gelbbrustara im Walter Zoo Gossau.
Foto © Jörg Niederer
"Als Tierliebe wird eine generelle oder individuelle, bisweilen auch als übertrieben empfundene menschliche Zuneigung zu (bestimmten) Tieren bezeichnet." Wikipedia

Ein Bibelvers - Sprüche 12,10

"Ein Gerechter kümmert sich um das Wohl seiner Tiere. Was aber Frevler unter Mitleid verstehen, ist nichts als Grausamkeit."

Eine Anregung

Ein Gelbbrustara. Die wunderschönen Vögel aus Südamerika werden gerne als Haustiere und in Zoos gehalten. Sie sehen in ihrer Farbenpracht atemberaubend aus.

Als ich ein Kind war, kauften wir unsere Zierfische in einer Zoofachhandlung. Sie lag direkt neben einem kleinen Schlachthaus. Als besondere Attraktion sass im Ladenlokal ein ähnlich schöner Papagei, ein Hellroter Ara, auf einer Holzstange, an diesen Ort fixiert durch eine kurze Kette. Um ihn herum wuselte die Kundschaft und kaufte sich lebende Wesen. Mir tat der exotische Vogel schon damals leid. Ein Tier, geboren um in höchste Baumkronen zu fliegen, mit seinesgleichen zu interagieren, sass also da, ganz allein in Einzelhaft, als Maskottchen und Aushängeschild in der Tierhandlung. Wenn ich mich recht entsinne, war die Tierhandlung auch nach diesem Ara benannt.

Ausgerechnet ein Fachgeschäft, das Tiere verkauft, hielt sich also ein Tier in einer Weise, wie sie heute zum Glück verboten ist. Heute dürfen die Aras in der Schweiz nur Paarweise gehalten werden. Es gibt Mindeststandards bei der Temperatur und der Grösse der Aussen- und Innenvolliere. 

Doch auch der schönste goldene Käfig ist immer noch ein Käfig für ein Lebewesen, das in der freien Natur ein selbstbestimmtes Leben führen könnte. Tierliebe kann für die Tiere fatal sein. Echte Tierliebe dagegen setzt alles daran, dass die Geschöpfe Gottes dort leben können, wo sie von Natur aus ihren Platz haben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen