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Montag, 25. August 2025

Anziehungskraft

Ein Zitat

Muslima mit blauem Kopftuch betrachtet am Internationalen Photo Festivals Olten Fotos, auf denen Menschen mit blauen Handschuhen Vögel und Fledermäuse füttern.
Foto © Jörg Niederer
"Farbharmonie ist die Kombination von Farben, die ein ästhetisch ansprechendes und ausgewogenes Design schaffen. Sie ermöglicht es, mit Farben ein Gefühl von Ordnung, Einheit und Ausgewogenheit in deinen Designs zu schaffen." Webdesign Journal

Ein Bibelvers - Psalm 133,1

"Seht, wie gut es ist und wie wohltuend, wenn Menschen beisammen wohnen – als wären sie Bruder und Schwester."

Eine Anregung

Passt. Im Rahmen des Internationalen Photo Festivals Olten fand auch der Fotowettbewerb photoville4600 statt. Die Gewinner konnten ihre Werke im öffentlichen Raum ausstellen, darunter in der Kategorie NATURE auch die Solothurner Fotografin Sara Affolter. Auf ihren Fotos finden sich Tiere, die von Menschen in blauen Plastikhandschuhen medizinisch behandelt oder gefüttert werden.

Diese Bilder weckten wohl auch das Interesse einer jungen Frau mit blauem Kopftuch. Farblich passte dies wunderbar zusammen.

Ist sich die junge Frau dieser Kongruenz bewusst? Oder geschah da eine unbewusste Annäherung. Die Vorliebe für Blau liess sie einerseits zum entsprechenden Kopftuch greifen, andererseits wurde sie unter allen Fotos gerade besonders von diesen "blauen" Bildern angezogen. Sind Farben wie Magnete, denen wir Menschen uns nicht erwehren können?

Für einen Moment taucht die junge Frau in diese blaue kleine Welt ein. Daneben schmerzt eine gewohnt inkonsequent vielfarbige Szenerie die Harmonie. Schön, wenn einmal alles zusammenpasst, in einer Welt, in der oft nichts zusammenpasst.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 10. Juli 2024

Frieden statt Krieg

Ein Zitat

Werk "Farben des Friedens" von Sarath Maddumage.
Foto © Jörg Niederer
"Dir kann nicht genommen werden, was du in deinem Kopf hast." Singhalesisches Sprichwort

Ein Bibelvers - Judas 1,2

"Ich wünsche euch Barmherzigkeit, Frieden und Liebe in immer größerem Mass!"

Eine Anregung

Am 13. Juli 2024 um 16.00 Uhr findet die Finissage einer Bilderausstellung am Altweg 15 in Frauenfeld statt, die den Frieden thematisiert. Gezeigt und verkauft werden Werke von Sarath Maddumage, Gründer von "Hope Squad Sri Lanka". Die Ausstellung in den Räumlichkeiten der "Projekt Werkstatt" wird mitorganisiert von der "Amnesty International Gruppe Thurgau". 

Die Werke haben autobiografischen Zusammenhang. Einige sind entstanden bei der Aufarbeitung der Flucht von Sarath Maddumage aus Sri Lanka. Aus politischen Gründen musste er 2009 das Land verlassen und konnte in der Schweiz dank guter Bildung eine neue Existenz aufbauen.

Über Hope Squad Sri Lanka kann man mehr aus einem Bericht in der Thurgauer Zeitung erfahren. Der Flyer zur Ausstellung kann hier heruntergeladen werden.

Gabriella Clerc, die Leiterin der Projekt Werkstatt kennt Sarath Maddumage als einen Mann des Ausgleichs. Er meide die extremen Positionen und suche den Frieden. Auch der christliche Glaube sei eine verbindende Kraft, die auf Hoffnung setze.

Der 13. Juli ist noch der einzige Tag, an dem man die Bilder besichtigen und mit Sarath Maddumage darüber ins Gespräch kommen kann.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 13. September 2023

Fotografinnen und Fotografen im Visier

Ein Zitat

Fotos von Fotografinnen und Fotografen, welche Franz Hohler fotografieren. Zu sehen auf der Empore der Stadtkirche Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre." Robert Bresson (1901-1999), Filmregisseur

Ein Bibelvers - 2. Mose 20,4

"Du sollst dir kein Bild von Gott machen! Nichts, was im Himmel und auf der Erde ist und im Wasser unter der Erde, kann ihn darstellen."

Eine Anregung

Es gehört zu den Highlights, wenn eine Profi-Fotografin oder ein Profi-Fotograf einen prominenten Zeitgenossen ablichten darf. Kein Wunder, dass daher bei jedem Interview mit Franz Hohler ein neues Bild aus der Hand einer Foto-Meisterin oder eines Foto-Meisters entstand ist. Doch Franz Hohler kehrte den Spiess jeweils um und fotografierte nun seinerseits Fotografin oder Fotografen dabei, wie sie ihn gerade ablichten. Anlässlich seines 80. Geburtstags sind diese Aufnahmen ausgestellt, und zwar auf der Empore der christkatholischen Stadtkirche Olten.

Ich war da, und defilierte an diesen knieenden, stehenden, sitzenden, auf Tische kletternden Fotografinnen und Fotografen vorbei. Dabei kam ich mir wohl mehr noch als Franz Hohler ins Visier genommen vor. Seine Aufnahmen geschahen ja seriell, doch ich sah sie in der Ausstellung alle zusammen auf einmal. Paparazzi im Quadrat bzw. Rechteck vieler Fotografien. Was aber bedeutet es, wenn ich das Foto eines fotografischen Prozesses abfotografiere? Was wird durch mein Bild mehr gesagt, als nicht durch vorliegende Bildsprache schon gesagt wäre?

"Du sollst dir kein Bildnis machen", steht in der Bibel. Franz Hohler hat es jeweils freundlicher gesagt: Es gäbe schon genug geeignete Fotos von ihm. Es brauche wohl nicht noch eines mehr. Und doch haben sie alle fotografiert, was die Kamera hergab. Manche dieser Fotos werden irgendeinmal in nachhohlerschen Zukunft zu Kunst-Ikonen. Dank Franz Hohler ist sogar der Moment der Entstehung dieser Werke festgehalten.

Ich stelle mir vor, wie das gewesen wäre bei der Erschaffung der Welt. Es kommt der Moment, wo Gott dem Menschen den Atem einhaucht, und dieser zu leben beginnt. Das Erste, was der neugeschaffene Erdling tut: er greift zur Kamera (die ist halt einfach da) und fotografiert Gott, wie er gerade Leben schenkt. Das wäre ein unglaubliches Bild. Dabei würde ein Werk entstehen, bei dem der Prozess des Lebendigwerdens bildlich erstarrt, just in dem Moment, als das "Abbild Gottes" (der Mensch) laufen und knipsen lernte. Oder anders gesagt: Der Mensch lässt Leben zu einem Bild erstarren. Gott aber kann das Bild zum Leben erwecken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 12. September 2023

Das vergessene Weinglas

Ein Zitat

Ein vergessenes Weinglas steht in der Stadtkirche Olten neben der Emporentür zur Ausstellung mit Fotos von Franz Hohler.
Foto © Jörg Niederer
"Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele, und niemand kommt, um sich daran zu wärmen." Vincent van Gogh (1853-1890)

Ein Bibelvers - Hiob 7,4

"Wenn ich mich schlafen legte, fragte ich mich, wann ich endlich wieder aufstehen kann. Doch dann zog sich die Nacht endlos hin. Bis zum Morgen wälzte ich mich unruhig im Bett."

Eine Anregung

Die beiden hölzernen Treppen führen steil hinauf zu den Emporen in der christkatholischen Stadtkirche Olten. Dort oben, auf beiden Seiten des Kirchenschiffs, sind Fotos ausgestellt. Sie zeigen einerseits das Leben von Franz Hohler, andererseits Aufnahmen aus dem Fundus des vielfältig begabten Künstlers. Doch davon später.

Mir ist das Weinglas ins Auge gestochen. Es steht in einem Winkel, gleich aussen bei der Emporentür, welche aktuell ins Universum von Franz Hohler führt. Das Weinglas ist leer. Es zeugt wohl von der Vernissage. Die fand irgendeinmal um den 6. Mai statt, also vor mehr als drei Monaten. Zwischenzeitlich ist der verbliebene Rest im Glas längst verdunstet und eingetrocknet. Geduldig wartet das Glas auf seine Rückführung in den Lebenszyklus eines Trinkgefässes.

Oder ist es gar Teil der Ausstellung? Ein ironischer Blick auf die Vergänglichkeit. Davon wäre noch mehr zu sehen bei den Fotos die Franz Hohler ausstellt. Etwa, wenn die Medikamentensammlung im Halbkreis fotografiert überschrieben ist mit "Die Freuden des Alters". Soll das Glas mir, dem einsamen Besucher sagen: "Du kommst zu spät, der Wein ist längst ausgetrunken!" Zum Abendmahl gehört das Weinglas wohl wirklich nicht. Das wird in der christkatholischen Kirche anders gefeiert. Jedenfalls habe ich mit dem hiesigen Pfarrer Daniel Konrad schon das eine oder andere Glas Wein getrunken, als er noch in der Stadt St. Gallen die dortige Gemeinde beseelsorgte.

Da steht es also, dieses leere Weinglas. Abgestellt und vergessen. Sein Schicksal: Warten; auf bessere Zeiten hoffen.

Abgestellt und vergessen. 39% der Bevölkerung in der Schweiz geben an, dass sie sich einsam fühlen. Bei ihnen ist aktuell keine Lebensparty angesagt. Vermutlich kennst du mindestens eine solche einsame Person. Wie wäre es mit einem Besuch bei ihr, vielleicht mit einem guten Wein unter dem Arm oder einem selbstgebackenen Kuchen in der Tasche. Irgend ein Trinkglas lässt sich dann schon finden, irgendwo in einen vergessenen Winkel, wartend auf Besuch, der endlich gekommen ist.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 31. Juli 2023

Jesus: 'Kei Luscht!'

Ein Zitat

Werk 'Lassitude' von Floriane Tissières. Mischtechnik.
Foto © Jörg Niederer
"Floriane Tissières leistet in der modernen Kunst Erinnerungsarbeit, indem sie mit ihren Werken eine vergangene Welt heraufbeschwört." Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin

Ein Bibelvers - Psalm 121,4+5

"Sieh doch: Der über Israel wacht, der schläft und schlummert nicht. Der Herr wacht über dich. Der Herr ist dein Schutz, er spendet Schatten an deiner Seite."

Eine Anregung

An einem Regentag der vergangenen Woche besuchte ich die Stadt Leuk und dort das Beinhaus (Siehe Blogbeitrag vom 25. Juli 2023) und andere Besonderheiten. Natürlich verschlug es mich auch ins Schloss Leuk, ein genial von Mario Botta restauriertes, altes Gemäuer. In der dort gerade laufenden Ausstellung hat mich ein kleines Werk von der Künstlerin Floriane Tissières angesprochen. Die Frau mischt Altes und Neues auf überraschende Weise. 2002 waren ihre Werke Teil einer Ausstellung zum 1. August der Schweizer Botschaft in Berlin.

Das kleine Werk mit dem Titel "Lassitude" passt ganz gut zum Beitrag von Gestern. Zu sehen ist ein einfaches Kruzifix. Die Künstlerin hat nicht viel daran verändert. sie hat lediglich die Arme des Gekreuzigten vom Leib abgetrennt, mit den schwerkraftbedingt zu erwartenden Folgen. Auf dem Sockel der Installation steht das Wort "Lassitude".

Für dieses eine französische Wort gibt das Übersetzungsprogramm "DeepL" eine Vielzahl an deutschen Entsprechungen wieder. Hier die ganze Liste: Erschöpfung, Ermüdung, Überdruss, Langeweile, Lustlosigkeit, Lassen, Müdigkeit, Mutlosigkeit, Lebensmüdigkeit, Mattigkeit, Abstumpfung, Gelassenheit, Lebensüberdruss, Müssiggang, Abgespanntheit, Lassitude, Erschöpftheit, Abgestumpftheit, Abgeschlagenheit, Lebensmüde, Müssigkeit, Abgedroschenheit, Abgedrosselt.

Jedes dieser Worte könnte nun zu einer kleinen Predigt führen. Gestern schrieb ich, dass mit der Kreuzigung Jesu weitere Opfer ein Affront gegen Gottes Willen sind. Angesichts der in den letzten 2000 Jahren unglaublich hohen Zahl sinnlos geopferter Menschen, Naturräume, Tiere und Pflanzen, könnte ich verstehen, dass der Gekreuzigte seinen Halt verliert, dass sich "Erschöpfung", "Ermüdung" und "Überdruss" bei ihm einstellen. Haben wir wirklich verstanden, wenn wir wieder einmal vor einem Wegkreuz, oder in einer Kirche vor einem Kruzifix stehen? "Kei Luscht!", meinte einst ein Bundesrat. Mich würde nicht überraschen, wenn der Gekreuzigte in zunehmender Weise unter "Lustlosigkeit" leiden würde. (Was für ein skurriler Satz und Gedanke: "Kei Luscht" aufs Weiterleiden am Kreuz, für eine Menschheit, die das Leiden nicht beenden will.)

Dieses Werk von Floriane Tissières kann aber auch als Gleichnis für den Niedergang des Christentums in der westlichen Welt stehen. Unsere Gesellschaft ist "abgestumpft", kann die "abgedroschenen" Floskeln nicht mehr hören. Der eigentlich Sinn des Glaubens ist für viele nicht mehr ersichtlich. In ihren Augen hat der Heiland der Kirche den Halt am Kreuz verloren. Mehr und mehr Menschen setzen in der Steuererklärung bei der Frage nach der Konfession ihr Kreuz (!) neben "keine" oder "andere". Das ist die Realität. Dagegen möchte ich glauben, dass Gott sich weiter für uns Menschen interessiert, dass er unser nicht überdrüssig geworden ist, dass er die Lust nicht verloren hat, uns nahe zu bleiben, gerade auch im Leiden. Ich möchte glauben, dass er noch nicht "abgestumpft" vom Unsinn und Unfrieden sich einfach hängen lässt und sich lebensmüde aus unserem Alltag davonschleicht. Ich möchte glauben... und so übe ich den Glauben weiterhin.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 1. April 2023

Farbenfroh und tiefsinnig

Ein Zitat

Bild von Hedi Fussenegger aus der Ausstellung im Domzentrum St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich frage Jesus: Was kochen wir heute? Was machen wir jetzt? / Oder ich schlage ihm etwas vor, / was immer wir tun, eins fliesst aus dem andern heraus – alles auf IHN / zu – in die Ewigkeit hinein." Hedwig (Hedi) Fussenegger, als sie für eine Woche als Eremitin in der Wiborada-Zelle St. Gallen wohnte.

Ein Bibelvers - 1. Samuel 3,18+19

"Christus hat einmal für die Sünden gelitten: Der Gerechte litt für die Ungerechten. So sollte er euch zu Gott führen: Sein Körper wurde zwar am Kreuz getötet, aber durch den Geist Gottes wurde er wieder lebendig. Dabei ging er auch zu den Geistern ins Gefängnis und verkündete die Gute Nachricht."

Eine Anregung

Endlich bin ich dazu gekommen, die Bilder von Hedi Fussenegger, die sie bis Anfangs April im Domzentrum St. Gallen ausstellt, anzuschauen. Sie zeigen abstrakte Figuren, Kreise, Linien, Bänder, Kleckse, die sich harmonisch zusammenfügen. Es gibt Berührungen, Gabelungen, Strukturen, Dinge, die wie Pflanzen aussehen. Mir gefallen die Farben. Besonders die Farben. 

Hedi Fussenegger wohnt seit einigen Monaten im Kapellen-Wohnhaus der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen. Sie ist mit Leib und Seele Katholikin, mit ökumenischer Weite und Offenheit.

2022 war sie die 11. Inklusin für das Wiborada-Projekt. Die 11. Inklusin – das bedeutete, dass sie überzählig war, quasi auf der Ersatzbank, in Warteposition. Aber nicht nur. Statt dessen zog sie im April als Eremitin in die Wiborada-Zelle, eine weitere Möglichkeit, sich mit der St. Galler Stadtheiligen zu beschäftigen und mit dem eigenen Glauben. In einem Blog fasste sie Gedanken aus dieser Zeit zusammen; verdichtet, aufs Wesentliche bezogen:


In der kalten Nacht, am Anfang, war ich in Gedanken in einem Bunker
in der Ukraine – in einem Flüchtlingslager
Die Decken waren dünn, Kinder weinten
Die Bomben liessen die Zelle zittern. Dann wieder unheimliche Stille.
Ich überlegte, was ich noch teilen könnte, wie in diesen Umständen Leben geht … wie Liebe sein ?

Ich glaubte, dass Gott da hineingeht! In das ganze Chaos.
ich wollte es mit aller Kraft glauben 

Hinabgestiegen zur Hölle – Was tut er in der Unterwelt (fragt Hans Urs v. Balthasar in seinem Credo)
ER BRINGT LIEBE HIN. Er geht überallhin, bringt überall Liebe hin!
Wissen wir das? Glauben wir das?
Das gilt es zu glauben! Ich glaube!

Am Morgen bin ich nicht müde nicht gerädert 
wundre mich nur, dass ich überlebt habe. 


Zurück zu den Bildern. Auf einem handgeschriebenen Zettel zur Ausstellung steht: "Anlässlich meines Umzugs in eine kl. Wohnung habe ich keinen Platz mehr für diese Bilder - Ich möchte sie weitergeben oder verkaufen, um in Zukunft nur noch Ikonen zu malen." Einige Bilder sind schon verkauft. Ich aber möchte nun gerne auch die Ikonen von Hedi Fussenegger sehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 6. Mai 2022

Seit 161 Jahren in der Stadt St. Gallen

Ein Zitat

Peter Frei, Fotograf und Musiker, prägt das Programm an de Jubiläumsfeier '161 Jahre Methodistenkirche in St. Gallen'
Foto © Peter Frei

"Wer seine Vergangenheit kennt, kann bewusst die Zukunft gestalten."
Anke Knetemann, Leiterin KiEl Bethanien, St. Gallen

Ein Bibelvers - Galater 5,6

"Denn wenn wir zu Christus Jesus gehören, spielt es keine Rolle, ob jemand beschnitten ist oder nicht. Es zählt nur der Glaube, der sich in Liebe auswirkt."

Ein Anregung

Vom 13.–22. Mai feiert die Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) an der Kapellenstrasse 6 ihr 161. Jahr in St. Gallen. Damit ist sie eine der ältesten Freikirchen in der Stadt und hat über diese Zeit hinweg einige Spuren hinterlassen und auch markante Veränderungen erlebt. 

Coronabedingt ein Jahr später als geplant wird das Jubiläum mit verschiedenen Angeboten gefeiert. Zentral ist die Ausstellung von Fotografien und Bildtafeln des pensionierten Lehrers, Musikers und Fotografen Peter Frei. Seine Bildtafeln sind speziell auf diesen Anlass hin entstanden. Darauf werden Menschen aus St. Gallen und der Umgebung portraitiert; so eine Stadträtin, ein Pastoralassistent der römisch-katholischen Kirche, die Leiterin einer sozialen Einrichtung mit methodistischen Wurzeln, ein Baufachmann, eine multikulturelle Familie und auch Persönlichkeiten, die Teil der methodistischen Gemeinde in St. Gallen sind.

In dieser Auswahl der Menschen spiegelt sich die ökumenische und weltoffene Ausrichtung der Methodistinnen und Methodisten. Getreu den Prinzipien John Wesleys – ein anglikanischer Geistlicher, der vor 300 Jahren mit weiteren Frauen und Männern die methodistische Bewegung in England gründete – definieren sich die Gläubigen dieser Kirche nicht durch Abgrenzung, sondern durch die Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens.

Das gilt auch bei der starken sozialen Ausrichtung. So kennt die Evangelisch-methodistische Kirche, die weltweit mehr als 13 Millionen Mitglieder zählt, ein Soziales Bekenntnis und Soziale Grundsätze. Darin wird deutlich Stellung bezogen zu fast allen ethisch relevanten Themen unsere Zeit.

In der Geschichte der St. Galler Methodistinnen und Methodisten gab es eine Zeit, in der eine Abteilung des heutigen Kantonsspitals in den Händen von methodistischen Diakonissen war. Auch das Haus KiEl Bethanien in St. Gallen, ein Schutz- und Lebensraum für Kinder und ihre Eltern, wurzelt in der methodistischen Diakonie.

Zur Gemeinde in St. Gallen gehört auch die einzige koreanische EMK-Gemeinde in der Schweiz. Sie wird betreut durch Pfarrer Jin Ho Kim und geht auf eine Arbeit von Jeongsoo Lee zurück, der lange Zeit als Opernsänger am Stadttheater St. Gallen angestellt war. In der deutschsprachigen Gemeinde wirkt seit 5 Jahren Pfarrer Jörg Niederer. Aktuell ist er auch der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in den Kantonen Appenzell und St. Gallen.

Im Folgenden eine Übersicht der Festanlässe, die allesamt öffentlich sind: 

  • Freitag, 13. Mai 2022, 19.30 Uhr Vernissage der Fotoausstellung "St. Galler Menschen und Eindrücke"
  • Samstag, 14. bis Samstag, 21. Mai 2022, 14 – 20 Uhr: Fotoausstellung
    "St. Galler Menschen und Eindrücke" 
  • Sonntag, 15. Mai 2022, 10.15 Uhr: Festgottesdienst mit Musik von Peter Frei und Sabine Stoller
  • Mittwoch, 18. Mai 2022, 14.30 Uhr: Im Gespräch mit Peter Frei über Fotografie und Leben
  • Freitag, 20. Mai 2022, 19 Uhr: "Klimagerechtigkeit: Einsicht oder Zwang" Ein Anlass der ACK AI/AR/SG. Unter Leitung von Alt-Nationalrätin Pia Hollenstein diskutieren der Sozialethiker und Ökonom Dominic Roser, der St. Galler Bischof Markus Büchel und die Klimaaktivistin und Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi.
  • Sonntag, 22. Mai 2022, 9.30 Uhr Brunch / 10.30 Uhr Lesung von Texten des protestantischen Dichterpfarrers Kurt Marti, vorgetragen von Dorothea Marti-Henny, untermalt mit Gitarrenklängen von Daniel Jaun.

Alle Anlässe finden an der Kapellenstrasse 6 in den Räumen der Methodistenkirche statt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 3. Oktober 2021

"Balsam für die Seele"; Appenzeller Bilder von Silvia Wegmann

Ein Zitat

Bild von Silvia Wegmann aus dem Jahr 2014
Foto © Jörg Niederer
"Die Kreativität ist mir von Gott gegeben worden." Silvia Wegmann

Ein Bibelvers - Psalm 126,3

"Ja, der Herr hat Großes an uns getan! Wir waren in einem Freudentaumel."

Ein Anregung

Silvia Wegmann lebt heute im Alters- und Pflegeheim Lindenhof. Und obwohl ich erst 4 Jahre in St. Gallen arbeite, ist sie mir auch schon über den Weg gelaufen. Ich erinnere mich, dass sie mir gegenüber von ihren Bildern erzählte. Und diese Bilder sind toll, fröhlich, modern. "Moderne Appenzeller Malerei" nennt denn auch Brigitta Holenstein vom Katholischen Sozialdienst Zentrum den Stil. 

Bis zum 19. November 2021 sind die Werke der Künstlerin im DomSaal des Domzentrum an der Gallusstrasse 34 ausgestellt. Silvia Wegmann erstellte ihre Bilder in ihrer früheren Wohnung am Pic-o-Pello-Platz, mitten im kleinen, feinen Künstlerquartier St. Gallens. Aktuell malt Silvia Wegmann nicht mehr. Schade. Die Welt braucht noch viel mehr der Freude, die diese Bilder ausstrahlen. "Balsam für die Seele" sind sie eben nicht nur für die Künstlerin, sondern auch für jene, die sich auf diese Werke einlassen.

Mehr zu der Ausstellung und zu Silvia Wegmann erfährt man hier. 

Und wer die Ausstellung besuchen möchte: Ob sie heute Sonntag zugänglich ist, weiss ich nicht, aber in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen predigt eine andere geniale Frau. Anna Shammas ist beteiligt an der Leitung eine arabische Gemeinde, motiviert andere Kirchgemeinden und unterrichtet an der Höheren Fachschule für Theologie, Diakonie und Soziales TDS Aarau.

Der Gottesdienst an der Kapellenstrasse 6 beginnt um 10.15 Uhr. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 1. Juni 2021

Ausstellung über Jakob und Elisabeth Künzler, Retter*innen armenischer Christen

Ein Gedanke

Die Kirche in Hundwil
Foto © Jörg Niederer
"Je mehr Verfolgung, umso offensichtlicher wird die Wahrheit." Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi (1828-1910)

Ein Bibelvers - Matthäus 5,44

"Ich sage euch aber: Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!"

Eine Anregung

Jakob Künzler wurde am 18. März 1871 in Hundwil geboren. In ärmlichen Verhältnissen in Appenzell Ausserroden aufgewachsen, liess er sich 1893 im Diakonenhaus der Basler Mission zum evangelischen Diakon in Krankenpflege ausbilden. 1899 reiste er mit der Christlichen Orientmission, einem armenischen Hilfswerk, das von Johannes Lepsius mitgegründet wurde, nach Urfa im Südosten des Osmanischen Reichs. 1905 heiratete er Elisabeth Bender, eine Tochter eines deutschen Chrischona-Missionars und Enkelin einer äthiopischen Prinzessin, mit der er fünf eigene Kinder hatte. Während eines Urlaubs in der Schweiz 1919 absolvierte er noch die Fähigkeitsprüfung zum Arzt an der Universität Basel mit Auszeichnung.

Während der Zeit in Urfa wurde er zum Zeitzeugen des Völkermords an den Armeniern, Aramäern und Assyrern im Osmanischen Reich. Zugleich retteten er und seine Frau tausende armenische Waisen und Witwen. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_K%C3%BCnzler

Bis zum 30. September 2021 wird in der Kirche Hundwil eine interessante Ausstellung zu diesem bemerkenswerten Mann gezeigt. Ein Besucht lohnt sich. Dort kann man zum Beispiel lesen: "Jakob Künzler ist im Juni 1915 kaum aus einer schweren Typhuserkrankung genesen, als das Unheil unübersehbar wird. Züge von Deportierten aus dem Norden treffen in Urfa ein. Nur Frauen und Kinder. Die Männer sind schon getötet. Bald lässt sich die Erkenntnis nicht unterdrücken: Es handelt sich nicht um spontane Massaker. Die moderne Technik macht ein systematisches Morden möglich... Alle nichttürkischen Volksgruppen werden 'entfernt': zuerst die armenischen, später die syrischen und griechischen Christen, und zuletzt auch die Kurden.
Künzler sammelt Berichte, informiert den deutschen Konsul in Aleppo, notiert die eigenen Beobachtungen und konstatiert, dass er kaum etwas gegen das grauenvolle Unrecht zu tun vermag. Am 10. Oktober 1915 bricht der Widerstand des armenischen Quartiers in Urfa zusammen. Künzlers Freund Leslie nimmt sich verzweifelt das Leben. Mit kühlem Mut gelingt es, die Klinik offen zu halten und einige wenige Menschen zu retten. Ihre zahlreichen Verbindungen in die Frauenwelt Urfas bietet Elisabeth Künzler die Möglichkeit, Kinder und Frauen nach Aleppo zu schleusen..."

Ab Oktober 1922 läuft eine zweite Rettungswelle für Christ*innen in der Türkei an. "Auf dramatische Weise gelingt es etwas 8000 Waisenkinder über den Euphrat in Syrien und im Libanon in Sicherheit zu bringen. Für etwa 1400 von ihnen übernimmt das Ehepaar Künzler die Leitung eines Waisenhauses."

Hier geht es zu den Hinweisen über die Ausstellung: https://kirchehundwil.ch/?page_id=4029

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde