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Montag, 16. Juni 2025

Thurbo-Katze

Ein Zitat

Eine schwarze Katze treibt sich auf dem Bahnhof Romanshorn herum.
Foto © Jörg Niederer
"Psychologisch betrachtet wirken Katzenfotos oft stressreduzierend und stimmungsaufhellend." Behauptung von der Künstlichen Intelligenz

Ein Bibelvers - Sprüche 3,7

"Halte dich nicht selbst für klug! Begegne dem Herrn mit Ehrfurcht und meide das Böse!"

Eine Anregung

Nein, die Thurbo-Katze ist nicht besonders schnell. Dann hätte ich von der "Turbo-Katze" gesprochen. Auch die Thurbo-Züge sind nicht sonderlich schnell. Überhaupt sind beide, die Katze und der Thurbo-Zug nicht in Bewegung. Vielmehr ist das, was ich da fotografiert habe, ein Stillleben. Der Katze gefällt es auf dem Prellbock. Wozu sich dann regen.

Hat diese Szene irgend einen tieferen Sinn, so dass es sich lohnt, darüber zu schreiben? Ich glaube nicht. Halt ein Katzenbild. 

Bekanntlich gibt es ja nichts Unnötigeres als ein Katzenfoto. Doch manchmal ist Unnötiges nötig, damit wir Menschen uns nicht in zu viel Nötigem unnötigerweise verlieren.

Ich wünsche uns heute einen guten Mix aus Sinnvollem und Sinnlosem. Die Katze kann sowohl für das eine stehen wie auch für das andere.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 17. November 2024

Im Katzenhimmel

Ein Zitat

Eines meiner letzten Fotos von Hank, einem rötlich gefärbten Kater, der einige Zeit auch in unserer Wohnung lebte.
Foto © Jörg Niederer
"Eine dösende Katze ist das Abbild perfekter Seligkeit." Jules Champfleury (1821-1889)

Ein Bibelvers - Hiob 10,12

"Leben und Liebe hast du mir eingehaucht. Du hast dafür gesorgt, dass ich lebendig bin."

Eine Anregung

Nun ist er im Katzenhimmel, wenn es denn diesen geben sollte.

Hank kam zusammen mit Chester aus einer Tierauffangstation in unsere Wohnung. Mit den beiden störten bald zwei Katzenkisten, ein riesiger Katzenbaum, eine zusätzliche Plexiglasabschrankung am Balkongeländer und noch weiteres Zeug mein Wohlbefinden. Zumindest waren es Katzen, die nie einen Vogel fangen geschweige denn eine Maus töten konnten. Aufgrund einer ansteckenden Krankheit waren sie ausserhalb von Wohn- und Balkonfläche nicht erwünscht. Gut, einmal versuchten sie, auf der Aussenseite des Hauses vom einen Fenstersims zum nächsten zu kommen. Hank gelang es problemlos, doch Chester verlor das Gleichgewicht und segelte vier Stockwerke tief für wenige Minuten in die unbekannte weite Welt. 

Hank, der ausser von mir von allen liebevoll "Hanky" genannt wurde (ich nannte ihn "Katze"), war nicht von der Sorte, die sich dir ans Bein wirft. Er gehörte zu den zurückhaltenden, einzelgängerischeren Typen. Das wiederum versöhnte mich mit der Zeit mit diesem Hausgast. Und dann sein Blick! Als würde er dir mitten in die Seele schauen, (was er vermutlich auch tat, und darum mehr von mir wusste, als ich selbst).

Dann zogen die beiden Katzen mit ihrem Besitzer in eine eigene Wohnung. Was war ich froh. Aber die beiden Schnurrhaarträger fehlten mir bald auch irgendwie.

Am Freitag ist Hank nun heimgegangen, einem Tumor erlegen. Vor drei Wochen habe ich ihn das letzte Mal besucht. Unsere drei Söhne waren wieder einmal gemeinsam an einem Ort, eben da, wo Hank wohnte. Eine gute Gelegenheit, sie alle zusammen zu treffen. Das hatte irgendwie auch den Charakter eines Krankenbesuchs bei Hank, dem geheimnisvollen, reservierten, philosophisch wirkenden, faszinierenden Kater.

Hank gehörte zur Familie meines Sohnes. Entsprechend schwierig war der Abschied. Da wurde auch über die Beisetzung in einem Urnengrab gesprochen. Manche mögen nun sagen, das sei übertrieben bei einer Katze. Doch geht es wirklich um die Katze? Geht es nicht darum, selbst Frieden zu schliessen damit, dass alles, was lebt, auch wieder stirbt, dass alles was kommt, auch wieder geht?

Hank ist nun im Katzenhimmel, wenn es denn diesen geben sollte. Er hat es verdient. Er, der nie einer Maus oder einem Vogel ein Haar, eine Feder krümmte. Er, der genau wusste, wann er mich in Ruhe lassen sollte, und wann nicht.

Ich muss sagen, diese Katze, jetzt wo sie nicht mehr da ist, fehlt auch mir.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 15. Juli 2024

Montag, es geht wieder los!

Ein Zitat

Eine Katze streckt und dehnt sich nach der Siesta, um sich dann wieder hinzulegen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das ganze Jahr über Urlaub wäre, wäre das Vergnügen so langweilig wie die Arbeit." William Shakespeare (1554-1616)

Ein Bibelvers - Sprüche 10,26

"Wie Essig für die Zähne und Rauch für die Augen – so schädlich ist ein fauler Mensch für die, die ihn mit einem Auftrag losschicken."

Eine Anregung

Montag. Es geht wieder los. Müdigkeit abschütteln, einige Dehn- und Streckübungen, und du bist bereit für die neue Woche. Es gibt viel zu tun. Du wirst gebraucht. Also reiss dich zusammen, geh an die Arbeit, auch wenn alle anderen Ferien geniessen, und freue dich an deiner Schaffenskraft. 

Oder vielleicht: Freue dich an deiner Fähigkeit, den Tag zu verschlafen. Wenn du dich gedehnt hast, brauchst du doch bestimmt wieder Erholung. Die Ferien der andern sind Motivation genug, sich wieder hinzulegen, ausgiebig zu Gähnen, und die nächsten paar Stunden auf dem Liegestuhl zu verbringen.

Frage: Ist es eher motivierend für dich, zu arbeiten wenn andere in den Ferien sind, oder macht der weniger hektische Alltag in der Ferienzeit zu Hause dich eher schläfrig und lässt dich demotiviert sein?

(Bitte jetzt nicht aus diesem Text auf meine Arbeitsbereitschaft schliessen. Ich bin gerade voll motiviert, und gleiche in keiner Weise der Katze auf den Fotos.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 30. März 2024

Tierisches auf dem Kreuzweg

Ein Zitat

Ein Büsi freut sich auf der Treppe des Scheffelsteinwegs in St. Gallen über die vielen Menschen der Kreuzwegsprozession.
Foto © Jörg Niederer
"Aus der Tiefe / meiner Zerrissenheit / reiche ich Dir / meinen kleinen Finger – / – ach nähmest Du doch / meine ganze Hand." Aus dem Gedicht "Eine Leiter" von Jutta Schmidt

Ein Bibelvers - Psalm 104,27-29

"Mensch und Tier halten Ausschau nach dir [Gott], damit du ihnen Essen gibst zur richtigen Zeit. Du gibst es ihnen, sie sammeln es auf. Du öffnest deine Hand, sie essen sich satt an deinen guten Gaben. Wendest du dich ab, erschrecken sie. Nimmst du ihnen den Lebensatem, dann sterben sie und werden zu Staub."

Eine Anregung

Auf dem gestrigen Kreuzweg der Gegenwart in St. Gallen war die Natur meist auf die Vorgärten beschränkt. Überraschend die Katze, welche sich auf der Treppe des Scheffelsteinwegs über die vielen Menschen sichtlich freute und deren Nähe suchte. 

Der nächste Kreuzweghalt am Nestweiter fragte nach der Natur. Mathias Wenk gab zu bedenken:

"Hier oben am Nestweiher scheint die Natur noch natürlich. Organisch geht Stadt in Land über. Natürlich, möchte man meinen. Bei uns in der Schweiz hat es doch so viel schöne Natur!? Sehen wir mal von ein, zwei Gletscherbeerdigungen ab, ist sie immer noch recht gut zu weg.

Der Schein trügt. Der Schlüssel zu einer nachhaltig intakten Natur ist die Vielfalt – Biodiversität. Der Zustand der Biodiversität aber ist schlecht. Auch bei uns. Ein Drittel aller Schweizer Arten sind bedroht und weitere 10% gelten als potenziell bedroht. Dies entspricht dem höchsten Wert aller OECD-Länder. Aber nicht nur die erschreckend grosse Anzahl der bedrohten Arten ist bedenklich, sondern auch die teilweise deutliche Abnahme der Anzahl Individuen. Diese Abnahme ist oft der Einstieg in den sog. 'Aussterbestrudel', der letztendlich zum Verschwinden dieser Arten führt.

Ein guter Zustand der Biodiversität ist aber für alle wichtig. Viele Untersuchungen zeigen auf, dass Ökosysteme mit einer hohen Artenvielfalt produktiver und stabiler sind. Sie reagieren damit resilienter auf Störungen, die mit dem Klimawandel tendenziell zunehmen werden. Biodiversität braucht natürliche Lebensräume. Ohne natürliche Lebensräume: keine Biodiversität. Ohne Vielfalt kein Leben – auch nicht für uns Menschen. Die Natur leidet – unter uns Menschen. An sie wollen wir hier denken. Wir verbinden uns mit ihrem Leid im Gebet."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 19. Oktober 2023

Die eigene Bestimmung finden

Ein Zitat

Eine Hauskatze trägt die erbeutete Wühlmaus nach Hause.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin hier, Herr. / Meinst du mich, Herr? / Deinen Ruf vernahm ich in der Nacht. / Ich will gehn, Herr. / Führe du mich! / Leg dein Volk mir tief in Herz und Sinn!" (Auszug aus dem Lied: "Ich, der Meer und Himmel schuf" von Daniel L. Schutte / Deutsch: Annegret und Walter Klaiber)

Ein Bibelvers - Jesaja 61,1

"Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen gute Nachricht zu bringen und gebrochene Herzen zu heilen. Den Gefangenen soll ich zurufen, dass sie frei sind und ihre Fesseln gelöst werden."

Eine Anregung

Eine Hauskatze trägt fette Beute nach Hause. Jagen war schon immer die Bestimmung dieser Tiere. Gestern auf einer Wanderung sahen wir wohl an die 40 verschiedene Katzen auf den Feldern lauern. Genau dadurch verdienten sich die Samtpfoten wohl einst das Vertrauen der Menschen. 

Den Bäuerinnen und Bauern war die Katzen eine echte Hilfe. Heute, in den Städten, haben viele das Jagen nicht mehr nötig. Ihre Bestimmung hat sich geändert. Nun helfen sie durch einsamen Zeiten, das Schnurren wirkt beruhigend auf die Stimmung der Menschen, sie legen sich in Altersheimen zu Sterbenden. Doch immer noch steckt in ihnen die Jägerin. Und wenn die Katze kann, dann trägt sie auch einmal eine Maus oder ein Vogel in die fein eingerichtete Stadtwohnung, meist nicht zur Freude der dort lebenden Menschen. 

Die Hauskatze hat ihre Bestimmung gefunden. Wie geht es mir? Habe ich meinen Ort gefunden, an dem ich für diese Welt hilfreich und nützlich sein kann? Oder ändern sich die Umstände, etwa nur schon dadurch, dass wir alle älter werden? Brauchen ich eine neue Bestimmung?

Gott leite mich, damit ich tun kann, wozu du mich geschaffen hast. Führe mich, damit ich ein Segen sein kann für meine Mitmenschen und alles Leben auf der Erde. Schenke mir Fähigkeiten, die dieser Welt gut tun. Lass mich ein Werkzeug deines Friedens sein. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Dienstag, 1. August 2023

Die Hoffnung der ägyptischen Katzen

Ein Zitat

Katze in Sierre
Foto © Jörg Niederer
"Eine dösende Katze ist das Abbild perfekter Seligkeit." Jules Champfleury (1821-1889), Schriftsteller

Ein Bibelvers - Baruch 6,20-22

"Ihr [Der Götzen] Angesicht ist schwarz vom Rauch im Tempel. Und die Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel setzen sich auf ihre Leiber und Köpfe, ebenso auch die Katzen. Daran könnt ihr merken, dass sie keine Götter sind. Darum fürchtet sie nicht!" (Kommentar: Das ist die einzige Stelle in einem biblischen Buch, in dem die Hauskatze vorkommt.)

Eine Anregung

Ägyptens Katzen mussten voller Sehnsucht die römischen Besatzungstruppen und damit die ersten Christen erwartet haben. Denn diese beendeten die griechisch-ägyptische Zeit und damit eine Praxis, die den Haustigern gar nicht gut getan hat. Denn damals ging die Katzenliebe über den Tod hinaus.

Ägypterinnen und Ägypter verehrten schon seit vielen Jahrhunderten Bastet, die als Katzengöttin dargestellte Tochter des Sonnengotts Ra. Sie stand für Fruchtbarkeit und Liebe. Bis zur Unterwerfung Ägyptens (332-331 v.Chr.) unter Alexanders dem Grossen war das für die Katzen von grossem Vorteil. Denn damit standen sie unter besonderem Schutz, und durften nicht getötet werden. Verstorbene Katzen wurden oft mumifiziert und als Grabbeilage oder im Tempelbereich der Bastet beigesetzt.

Doch die Griechen brachten die Tieropfer ins Land der Pharaonen. Zugleich waren sie fasziniert vom Totenkult der Ägypter und ihren Fähigkeiten, verstorbene Menschen und Tiere durch Mumifizierung für die Ewigkeit herzurichten. Und so begann das Unglück für die Katzen. Die griechische Opferung und die ägyptische Mumifizierung wurden verbunden. Katzen wurden im Tempel Bubasteion, dem ptolemäisch-römischer Tempelbezirk der Bastet in der Totenstadt Sakkara, zu tausenden rituell geopfert und dann mumifiziert. Diese Katzenmumien wurden von den Priestern an die Gläubigen verkauft und durch diese auf dem Katzenfriedhof beigesetzt. Dahinter stand vielleicht die Vorstellung, man tue den Tieren etwas Gutes, wenn man sie für das Leben nach dem Tod herrichte, das als weitaus wesentlicher verstanden wurde als das kurze Leben auf der Erde.

Während die griechischen Eroberer sich weitgehend in Ägypten assimilierten und bald mehr als Ägypter galten denn als Griechen, war das unter den nachfolgenden römischen Herrschern ganz anders. Diese zwangen die Ägypter, ihre religiösen Bräuche aufzugeben und sich den römischen Gottheiten zuzuwenden. Mit den Römern fand auch der noch ganz neue christliche Glaube Einzug in Ägypten und löste mit der Zeit den Tieropferkult vollständig ab. Die tödliche Verehrung der Katzen kam zum Erliegen, ein Segen für die sanften Tiere auf vier Pfoten und das Ende ihres Leidenswegs im Land am Nil.

Heute, am Nationalfeiertag der Schweiz, werden keine Katzen mehr geopfert. Aber deren Freude an diesem besonderen Tag wird getrübt sein durch die Knallerei und das Feuerwerk. Das mag Tiere und mache Menschen herausfordern, doch zumindest endet es nicht einbalsamiert und mumifiziert in einer Gruft der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Bastet.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 2. März 2023

Die Katze und die Trauernden

Ein Zitat

Eine Katze besucht die Urnengräber auf dem Friedhof Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Dann kam er an. / Die Tür des Hauses stand offen, / ohne in den Angeln zu quietschen. / Dort war es. Der Hafen der Gnade. // Niemand fragte ihn / nach seinem letzten Wohnort, / nach seiner Geburtsurkunde. / Niemand drängte ihn zu gehen, / bei Sonnenaufgang." Georges Rouault, Maler und Grafiker (1871-1958)

Ein Bibelvers - 4. Mose 6,24-27

"Der Herr segne dich und beschütze dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden!"

Eine Anregung

Die Katze geht ganz unbefangen über den Friedhof. Für manche ist ihr Anblick zwischen den Urnengräbern tröstlich. Ob sie auch an diesem Tag uneingeladen die Trauernden begleitet?

Segensworte habe ich gesucht für diesen Tag. Gefunden habe ich die schöne Worte in einem Facebook-Eintrag einer Pfarrkollegin. Es ist ein Text von Georges Rouault über das Sterben. Geboren wurde er im Französisch-preussischen Krieg in einem Bunker. Ich habe seine Gedanken in einen Segen verwandelt. 

Ewiger
Wir wollen ankommen,
da, wo die Tür des Hauses immer offen steht,
wo sie geschmeidig dem Druck nachgibt,
ohne in den Angeln zu quietschen. 
Genau dahin zieht es uns. In den Hafen deines Erbarmens. 

Gesegnet sind wir,
Wenn nicht die eigene Sichtweise das Mass unserer Zuwendung und Akzeptanz bestimmt. 

Gesegnet seid ihr,
Wenn nicht die Geburtsurkunde das Mass der Zugehörigkeit bestimmt.

Gesegnet bist du,
vom einen Sonnaufgang bis zum nächsten Tageserwachen.
Denn du wirst bleiben im sicheren Hafen des göttlichen Erbarmens. 

So geh in Frieden!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 28. August 2022

Einander Gutes tun

Ein Zitat

Ein Katze an einem sonnenbeschienenen Platz auf einer Steinmauer geniesst Streicheleinheiten.
Foto © Jörg Niederer
"Nicht alle Engel haben Flügel, manche haben Schnurrhaare." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 16,11

"[Gott,] du zeigst mir den Weg zum Leben. Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer."

Ein Anregung

Auf der Steinmauer geniesst die Katze die wärmenden Sonnenstrahlen und das Kraulen einer Passantin. Und wohl auch die Passantin geniesst das Vertrauen des Büsis, die Vibrationen seines Schnurrens.

Der Sonntag ist so ein Tag voller Streicheleinheiten. Er ist wie ein Sonnenstrahl in der Schattenzeit. Wie Wärme in kalten Augenblicken. Wie ein sanftes Streicheln zwischen all den Schicksalsschlägen. 

Der Sonntag, das ist der Tag, an dem wir einander zuerst und vor allem Gutes tun können. Damit die Sonne aufgeht. Damit es warm wird in unseren Herzen. Damit die sanfte Gegenwart Gottes sich in Vibrationen des Glück manifestiert.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Dienstag, 20. Juli 2021

Vom Pfundskerl an die hohe Kante geführt

Ein Zitat

Katze an der Kante
Foto © Jörg Niederer
"Der Kreis ist eine geometrische Figur, bei der an allen Ecken und Kanten gespart wurde." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Römer 10,6b-8a

"Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? – So als müsste man Christus von dort herabholen! – Auch nicht: Wer wird in die Unterwelt hinabsteigen? – So als müsste man Christus von den Toten holen! – Sondern wie heißt es doch? Das Wort Gottes ist dir ganz nahe. Es ist in deinem Mund und in deinem Herzen."

Ein Anregung

Sie setzt sich immer so hin, als würde sie an einem Rand in den Abgrund schauen. Die Katze könnte sich in die Mitte des Teppichs oder der Sportmatte platzieren. Aber das ist nicht ihr Stil. Sie will an den Rand, an die Kante, da wo es runter geht, wenn auch nur wenige Millimeter. Oder ist es ein Tick? Muss das Büsi sich an Linien orientieren, um sich wohl zu fühlen?

Die Katze ist damit da, wo man früher das Wertvollste versteckte, das Geld. Es wurde auf die Hohe Kante (von Betten oder Schränken) gelegt oder gestapelt, da, wo es scheinbar sicherer war als auf Augenhöhe. So handhabte es etwa König Friedrichs Kutscher Pfund, einer, der nicht auf den Kopf gefallen war, und der sprichwörtlich als "Pfundskerl" weiterlebt. Das sei seine finanzielle Sicherheit, sagte Pfund zum König, falls er von diesem entlassen werde. Darauf bekam er von König Friedrich weiter 10 Taler mit der Bemerkung: "Lege er es ebenfalls auf die hohe Kante. Aber mache Er sich keine unnützen Flausen". Gemeint sind mit den Flausen "unnötige Sorgen".

Es gibt weitere kantige Redensarten: "Nach allen Kanten loben" = in jeder Hinsicht loben. "Auf der Kante stehen" = etwas ist absturzgefährdet. "Einen an die scharfe Kante kriegen" = jemanden zu einer Entscheidung drängen. "An der Kante gehen" = es geht mit jemandem zu Ende. "Hinter die Kanten giessen" = Gemeint sind Bierkannen. Wer also etwas hinter die Kann(t)en giesst, ist mit Trinken zu weit gegangen.

Die Katze jedenfalls zeigt Kante, hat ihr klares Profil, selbst wenn sie sich setzt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde