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Samstag, 21. Dezember 2024

Engelswege

Ein Zitat

Der tonnenschwere Schutzengel von Niki de Saint Phalle wacht über dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder möchte sich beim Reisen beschützt fühlen. Und in der Welt, in der wir heute leben, brauchen wir erst recht einen besonderen Schutz." Niki de Saint Phalle (1930-2002)

Ein Bibelvers - Lukas 1,30

"Da sagte der Engel zu ihr: 'Fürchte dich nicht, Maria. Gott schenkt dir seine Gnade...'"

Eine Anregung

Im Advent sind die Engel wieder allgegenwärtig. Einzelne von ihnen bleiben auch das ganze Jahr, wie etwa der Schutzengel der Künstlerin Niki de Saint Phalle in der grossen Halle des Hauptbahnhofs Zürich. Zurzeit passt der Nana-Engel optisch recht gut in die weihnachtliche Szenerie.

Andernorts haben die Engel sich im Wald breitgemacht. So etwa auf dem Engelweg in Bischofszell. Auf kinderwagentauglichen Wegen geht es 900 Meter rundherum zu verschiedenen Engelsstationen. Da gibt es märchenhafte Lichterketten, eine Engel-Aufwärmstation mit warmen Getränken, und nach vielfältig kunsthandwerklich gestalteten Engeln landet man auch hier bei einem Schutzengel, dessen Botschaft, so das St. Galler Tagblatt, die Gäste auf den Heimweg begleitet.

Ein anderer Engelsweg findet sich in Dietfurt. Dort zumindest gibt es auch eine Krippe, eine Festwirtschaft und ein WC. Es ist also für alles gesorgt.

Wer weitere Engel sehen möchte, muss nicht zwingend nach Bischofszell oder Dietfurt. Achte dich doch einmal, wo sie in deinem Umfeld zu finden sind! Vielleicht wirst du ja gar nicht fertig damit, sie alle zu zählen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 16. Dezember 2024

Pastell-Christbäume

Ein Zitat

Die untergehende Sonne zaubert rosa Wölkchen in die kahlen Winterbäume.
Foto © Jörg Niederer
"Das Licht der Herrlichkeit scheint mitten in der Nacht. Wer kann es sehn? Ein Herz, das Augen hat und wacht." Angelus Silesius (1624-1677)

Ein Bibelvers - 1. Johannes 1,5

"Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus gehört haben und die wir euch verkünden: Gott ist Licht, in ihm gibt es keine Spur von Finsternis."

Eine Anregung

Die untergehende Sonne schmückt die Bäume auf dem Feld mit pastellfarbig leuchtenden Wölkchen. Selbst der Himmel macht mit bei der diesjährigen Adventserhellung und zaubert Weihnachtsbäume an Orte, an denen man sie gar nicht erwartet.

Für mich ist das eine 16. Adventsentdeckung dieses Jahres.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 15. Dezember 2024

Haltestelle Advent

Ein Zitat

Die neu erstellte Postautohaltestelle Illighausen Dorf ist das Adventsfenster vom 13. Dezember 2024.
Foto © Jörg Niederer
"Die Idee ist eine Haltestelle des Gedankens." Henri Bergson (1859-1941), Literaturnobelpreisträger

Ein Bibelvers - Jesaja 51,5

"Meine Gerechtigkeit ist nahe, meine Rettung ist schon auf dem Weg. Mit starker Hand schaffe ich Recht unter den Völkern. Auf mich hoffen die Bewohner der fernsten Inseln. Sie warten darauf, dass ich meine Stärke zeige."

Eine Anregung

Die Postauto-Haltestelle "Dorf" in Illighausen wurde diesen Sommer ganz neu gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes ausgebaut. Sie sieht noch ziemlich jungfräulich aus, womit wir passend bei der Weihnachtsgeschichte angelangt sind. Zudem wurde sie zum Adventsfenster vom 13. Dezember 2024. Für uns war sie am Samstag Adventsentdeckung und Fluchtort vor dem kalten Regen zugleich.

Ein Haltestelle im Verlauf der Woche kann auch der Gottesdienst am Sonntag in der Kirche sein. Heute werde ich in der Methodistenkirche in Weinfelden noch einmal über die Flucht von Lot und seiner Familie predigen. Beginnen wird der Anlass um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10. Dazu sind alle ganz herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 14. Dezember 2024

Christbaum auf dem Klo

Ein Zitat

Der Schriftzug von "Laufen Bathrooms" enthält anstelle des Buchstabens A ein Tannenbäumchen.
Foto © Jörg Niederer
"Auf dem Gelände wird eine Kantine eingerichtet, in der den Arbeitern hochwertige Mahlzeiten für 40 Cent angeboten werden." Der Eintrag zum Jahr 1905 aus der Geschichte des Unternehmens "Laufen"

Ein Bibelvers - Jesaja 41,19

"Ich lasse Zedern in der Wüste wachsen, Akazien, Myrtenbüsche und Olivenbäume. Im wasserlosen Land pflanze ich Kiefern, zusammen mit Pinien und Zypressen."

Eine Anregung

Gestern habe ich dabei geholfen, den Weihnachtsbaum in der Kirche aufzustellen und mit elektrischen Kerzen zu bestücken. Vielleicht dieser Arbeit wegen ist mir dann auf dem Herrenklo zum ersten Mal der kleine Tannenbaum im Schriftzug des Keramik- und Toilettenproduzenten "Laufen Bathrooms" aufgefallen. Vor über 130 Jahren gegründet ist das Unternehmen heute Teil der Roca-Gruppe und bekannt für sehr ästhetische Keramik auf dem Klo.

Wenn ich das erste Foto auf der Seite zur Unternehmensgeschichte anschauen, fallen mir jedoch auch die Kinder auf, die da als Teil der damaligen Mitarbeitenden zu sehen sind. Nun, diese Zeiten, als Kinder arbeiten mussten, sind zumindest in der Schweiz glücklicherweise vorbei. Dafür dürfen wir dankbar sein.

Das Tannenbäumchen im Namenszug "Laufen" jedenfalls ist meine heutige Adventsentdeckung. Ob ich jetzt jeweils dann, wenn ich auf die Toilette muss, an Weihnachten denke?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 13. Dezember 2024

Flötenklänge

Ein Zitat

Installation mit Musiknoten auf den Weissenstein bei Solothurn.
Foto © Jörg Niederer
"Die C-Flöte ist aller Laster Anfang." Abgewandeltes deutsches Sprichwort

Ein Bibelvers - Psalm 150,1.4

"Halleluja. Lobt Gott in seinem Heiligtum! … Lobt ihn zur Handtrommel und tanzt im Kreis! Lobt ihn mit Saitenspiel und Flötenmusik!"

Eine Anregung

Die Musiklehrerin hatte den adventlichen Auftritt ihrer Schülerinnen und Schüler im Altersheim eingefädelt. Ich war damals in der 4. Primarschulklasse, und der wohl mit Abstand unmotivierteste und unbegabteste Flötenspieler überhaupt. So kam es, wie es kommen musste. Mein Spielen war unterirdisch, ein Störfaktor der Harmonie. Es war das letzte Mal, dass ich öffentlich auftreten musste. Wobei dies wohl nicht an der Musiklehrerin lag. Nein, ich entzog mich dem Flötenunterricht, zu einer Zeit, als ich das Wort "Schulschwänzen" noch gar nicht kannte.

Flöten habe in der Advents- und Weihnachtszeit einen ihrer Einsatzhöhepunkte. Und dann werden sie noch einmal mit Leidenschaft in der Fastnachtszeit vorgeführt. Dann aber ist es das Piccolo und die Pfyffe, die in den Gassen von Basel und anderswo erklingen. In den übrigen Zeiten könnte man meinen, die Flöten seien "flöten gegangen", seien abhanden gekommen.

Kein Wunder also, dass gerade jetzt im Advent wieder geflötet wird was das Zeug hält, und anders als bei mir klingt es auch noch gekonnt und gut.

Meine 13. Adventsentdeckung ist das Woodpeckers Recorder Quartet. Zu viert spielen sie das Weihnachtslied "Hark, the herald angels sing". Die Melodie geht auf Felix Mendelssohn Bartholdy zurück, der Hauptteil des Textes auf den Methodisten John Wesley. Später wurde dieser Text dann noch von einem weiteren bekannten Prediger und Zeitgenossen Wesleys bearbeitet und in die heutige Form gebracht, von George Whitefield. Viel Freude beim Reinhören.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 7. Dezember 2024

Märchenhaft

Ein Zitat

Im Froschpärkli in St. Gallen findet sich der Froschkönig als Brunnenfigur.
Foto © Jörg Niederer
"Da sagte der König [zur Prinzessin]: 'Was du versprochen hast, das musst du auch halten; geh nur und mach ihm [dem Froschkönig] auf.'" Zitat aus dem Märchen "Der Froschkönig" nach den Gebrüdern Grimm

Ein Bibelvers - 2. Mose 26,28

"Der Nil wird von Fröschen wimmeln. Sie werden heraufkriechen und in dein Haus dringen. Sie werden in dein Schlafzimmer kommen und auf dein Bett."

Eine Anregung

Meine siebte Adventsentdeckung ist der Froschkönig-Brunnen. Er steht heute im Froschpärkli, unweit des Bahnhofs St. Fiden in St. Gallen. Die schöne, ausserhalb der Winterzeit wasserspeiende Bronze erinnert mich daran, dass im Advent die Märchen in den Fernsehprogrammen Hochkonjunktur haben. Allerdings sind es meist Versionen von Aschenputtel oder Cinderella, die gezeigt werden, oder der Nussknacker flimmert über den Bildschirm. An das Märchen vom Froschkönig kann ich mich weniger gut erinnern. Als ich es wieder einmal im Original gelesen habe, musste ich staunen.

Frage: Weisst du, wie der Froschkönig erlöst wird? Bisher dachte ich immer, dass es durch einen Kuss der jüngsten und schönsten Tochter des Königs geschehen sei. Nun aber lese ich, dass es ganz anders war. Erlöst wurde der Froschkönig dadurch, dass die Prinzessin, als der Frosch zu ihr ins Bett wollte, diesen an die Wand warf. Also durch einen aggressiven Akt wird aus dem garstigen Frosch ein schöner Prinz, und den liess die Prinzessin dann, nachdem sie ihn geheiratet hatte, doch noch in ihr Bett.

Bleibt zu sagen, dass ich kein Problem hätte, einen Frosch zu küssen, solange er nicht aus dem Tropen ist und Pfeilgift aus seinen Poren ausscheidet. Dagegen habe und würde ich wohl nie einen Frosch essen.

Übrigens wird der Frosch in der Bibel nur als Plage erwähnt. Man stelle sich vor, die Frösche, die damals dem Nil entstiegen waren, wären alles verwunschene Prinzen gewesen. Ganz Ägypten wäre nun voller Aristokraten.

Zurück zum Märchen. Was ist dein liebstes Märchen in dieser Weihnachtszeit?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Der andere Christbaum

Ein Zitat

Gartenarbeiter pflanzen einen Baum in der neuen Erweiterung des Areals Bach beim Bahnhof St.Gallen-St.Fiden.
Foto © Jörg Niederer
"Wer Bäume pflanzt, liebt nicht nur sich selbst, sondern auch andere." Thomas Fuller

Ein Bibelvers - 1. Korinther 3,6

"Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen. Aber Gott hat es wachsen lassen."

Eine Anregung

Zwar habe ich nicht gesehen, wie der aktuelle Christbaum für den Domplatz St. Gallen eingeflogen und aufgerichtet wurde. Dafür war ich gestern Zeuge, wie ein anderer Weihnachtsbaum eingepflanzt wurde. Aktuell wird das Areal Bach erweitert. Die Erdbewegungen dazu erfolgen im Winter zu einer für die Vegetation idealen Zeit. Jetzt ist die günstige Gelegenheit, einen Baum zu pflanzen. Das geschah mit einem Kleinbagger.

Ich habe mich darüber sehr gefreut, ist doch jeder Baum im Stadtgebiet besonders wertvoll. Und dieser Weihnachtbaum wird nicht so schnell wieder abgeräumt, sondern darf im Frühjahr in neuem Blätterkleid erstrahlen. Möge er Frucht bringen und kühlen Schatten. 

Dieser besondere Christbaum ist meine fünfte Adventsentdeckung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 4. Dezember 2024

Randsteinkunst

Ein Zitat

Ausschnitt der Strasse vor der Post St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Das Kunstwerk ist eine imaginäre Insel, die rings von Wirklichkeit umbrandet ist." José Ortega Y Gasset (1883-1955)

Ein Bibelvers - 2. Mose 36,8

"Alle Fachleute unter den Handwerkern bauten die Wohnung für Gott. Sie bestand aus zehn Zeltbahnen. Man webte sie aus feinem Leinengarn, violetter, purpurroter und karmesinroter Wolle und bestickte sie mit Kerubim."

Eine Anregung

Es sind die flüchtigen Momente, wenn beim Blick auf den Boden sich Freude einstellt. So geschehen auf dem Bahnhofplatz St. Gallen, am Trottoirrand neben der Hauptpost.

Ich liebe diese spontanen Strukturen, Farbspiele und Texturen. Eis, Eisen, Stein, Rost, und Einschlüsse wechseln sich rhythmisch ab, bilden den Querschnitt eines ganz besonderen Regenbogens. 

Abstrakte Kunst, ohne Absicht entstanden. Meine vierte Adventsentdeckung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 3. Dezember 2024

Adventskugel

Ein Zitat

Frucht eines Amerikanischen Amberbaums.
Foto © Jörg Niederer
"Einkehren möchte ich in den / Kommenden Tagen des Advents / In die Mitte meines Lebens, / in die Stille meines Herzens, / in die Tiefe meiner Seele, / in die Gegenwart Gottes." Paul Weismantel (*1955)

Ein Bibelvers - 1 Timotheus 6:17

"Gib denjenigen, die in dieser Welt reich sind, die Anweisung, nicht überheblich zu sein. Sie sollen ihre Hoffnung nicht auf etwas so Unsicheres wie Reichtum setzen, sondern auf Gott. Er gibt uns alles in reichem Mass, und wir dürfen es genießen."

Eine Anregung

Nein, das ist kein in die Jahre gekommenes, ergrautes Corona-Virus. Das ist meine Advents-Weihnachtskugel. Ein natürliches Produkt, von einem Baum, der in unseren Innenstädten zunehmend zu finden ist. 

Der Amerikanische Amberbaum kommt mit nassen und trockenen Böden bestens zurecht. Seine Äste werden gerne als Wünschelruten verwendet. Das Holz duftet gut, auch die Blätter, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Aus dem Harz wurde früher in den USA Kaugummi produziert.

Solche Bäume wachsen bei der Bushaltestelle vor meiner Wohnung. Diese kleine Kugel ist mir buchstäblich vor die Füsse gerollt. Und weil sie so pittoresk ist, habe ich sie mitgenommen und zu meinen anderen Kuriositäten gelegt.

Hast du Sammlungen von Dingen, die dir besondere Freude bereiten?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 2. Dezember 2024

Frieren und feiern

Ein Zitat

Glühweinstand beim Bahnhof Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn dir kalt ist, stell dich doch in die Ecke, da hat es 90 Grad." Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Offenbarung 3,15

"Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiss. Ach, wärst du doch kalt oder heiss!"

Eine Anregung

Dezember: Nun poppen sie wieder auf, die Glühweinstände und die Raclette-Hütten.

Morgens steht der Stand von HP Meier in Frauenfeld wie ausgestorben da. Aber wenn ich abends beim Bahnhof Frauenfeld ankomme, dann überquellen die Tische mit Feiergelaunten. Sie trinken ihren heissen Punsch, Glühwein oder auch sonst etwas und geniessen es offensichtlich in dieser Runde. 

Immer dann frage ich mich, was daran so attraktiv ist, sich im Winter in die Kälte zu stellen, und stundenlang zu frieren. Vielleicht muss ich es halt doch einmal ausprobieren. Möchte vielleicht jemand mit mir mitkommen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 17. Dezember 2023

Die Friedenskerze am Adventskranz

Ein Zitat

Weihnachtsschmuck in der Evangelischen Kirche von Bussnang.
Foto © Jörg Niederer
"Wir zünden Kerzen der Hoffnung, der Freude und der Liebe an, während wir uns auf das Anzünden der Christuskerze vorbereiten, die den Höhepunkt unserer jährlichen Reise bildet. Jedes Jahr zünden wir auch eine Kerze des Friedens an. Doch in diesem Jahr ist es viel schwieriger, diese Kerze anzuzünden." Bischof Thomas J. Bickerton

Ein Bibelvers - Kolosser 3,15

"Und der Friede, den Christus schenkt, lenke eure Herzen."

Eine Anregung

Für alle, welche sich am vergangenen Sonntag über den Beitrag zur zweiten Adventskerze geärgert haben, sei eine deutsch untertitelte Ansprache zu Advent und Weihnachten empfohlen von Bischof Thomas J. Bickerton. Er ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche. Sehenswert und feinfühlig nimmt er sich der Frage des Friedens an. Auch er entzündet vorerst die zweite Kerze nicht, die sogenannte Friedenkerze. Doch am Ende brennen dann nicht nur drei Kerzen, sondern gar fünf an seinem Adventskranz.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 11. Dezember 2023

Advent mit Markus

Ein Zitat

Das Markusfenster von Albin Engeler in der katholischen St. Markus-Kirche in Schönholzerswilen.
Foto © Jörg Niederer
"Act Now – 'Handelt jetzt': Mit einem sofortigen Umsteuern in der Klimapolitik soll der Ausstoß sämtlicher fossiler Treibhausgase beendet sowie weitere Emissionen massiv reduziert werden." Zweites Ziel der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion

Ein Bibelvers - Markus 1,2+3

"Schon im Buch des Propheten Jesaja steht: 'Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her. Der wird dir den Weg bereiten. Eine Stimme ruft in der Wüste: Macht den Weg bereit für den Herrn, ebnet ihm die Straße."

Eine Anregung

Das Evangelium nach Markus gilt als ältestes Evangelium. Wenn es um Advent und Weihnachten geht, spielt sein Bericht über Jesus keine Rolle. Da gibt es weder Weise noch Könige, weder Hirten noch Engel, weder Krippe noch Stall, weder Josef noch Maria, auch nicht Herodes oder die Jungfrauengeburt. Die adventlichsten Worte bei Markus beziehen sich auf den Täufer Johannes und seine Rolle bei der Ankündigung einer kommenden Zeit der Erlösung.

Wer mit Markus Advent feiert, taucht in die Welt eines Asketen ein, der in der Wüste lebt, sich von Heuschrecken und Honig ernährt und dessen frohe Botschaft die ist, dass man umkehren und dies besiegeln könne durch die Taufe. Dann, nach Einführung des Täufers, erscheint im Markusevangelium der erwachsene Jesus wie aus dem Nichts, lässt sich von Johannes taufen und von einer Stimme aus dem Himmel als "geliebten Sohn" Gottes benennen, wird dabei vom Heiligen Geist erfüllt und in die Wüste geführt um dort 40 Tage den teuflischen Versuchungen zu widerstehen; und als Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen wird, tritt Jesus in dessen Fussstapfen und verkündet: "Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich kommt jetzt den Menschen nahe. Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht." (Markus 1,15) 

Advent, das bedeutet nach dem Evangelium von Markus Sinnes- und Lebensveränderung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Sonntag, 10. Dezember 2023

Die 2. Kerze

Ein Zitat

Der herbstlich-winterliche Waldboden zeigt selbst in der dunklen Zeit viel Farbe.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn auf der Erde die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich." Aristoteles (384-322 v.Chr.)

Ein Bibelvers - Jesaja 40,1

"'Tröstet, tröstet mein Volk!', spricht euer Gott."

Eine Anregung

Ich gebe zu, das Foto vom Waldboden ist ein Verlegenheitsbild. Wie soll man auch einen Adventskranz darstellen, an dem an diesem zweiten Advent die zweite Kerze nicht entzündet wird?

In der christlichen arabischen Welt haben die vier Kerzen am Kranz je ihre eigene Bedeutung. Die 1. Kerze ist die Kerze der Prophetie und bedeutet "Hoffnung" und Christuserwartung. Die 2. Kerze ist die Bethlehem-Kerze und steht für die Liebe, die in der Weihnachtskrippe sichtbar wird. Die 3. Kerze ist die Hirtenkerze und repräsentiert die Freude, welche von den Engeln den Hirten auf dem Feld verkündet wurde. Und die 4. Kerze ist die Kerze der Engel. Sie steht für Frieden auf Erden.

Nun rufen die Christen im Nahen Osten dazu auf, die zweite Kerze, also die Bethlehem-Kerze, nicht anzuzünden, in Solidarität mit den Menschen, die im aktuellen Krieg in Israel und dem Gazastreifen unter Not und Tod leiden.

Diesem Aufruf haben sich auch methodistische Werke angeschlossen, so die Methodistenkirche in Grossbritannien, das Missionswerk der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche und der Weltrat methodistischer Kirchen. Dies wird auch begründet. So heisst es im Aufruf: "In diesem Advent laden wir methodistische Kirchgemeinden in aller Welt ein, etwas 'Aussergewöhnliches' zu tun und die Adventskerze am zweiten Adventssonntag (10. Dezember) und an den darauf folgenden Sonntagen nicht anzuzünden." Die Bedeutung des Geschehens solle durch entsprechende Formulierungen in der Liturgie hervorgehoben werden. Weiter heisst es: "Diese unangezündete Kerze wird uns stets daran erinnern, dass wir mit allen, die im Heiligen Land leiden, solidarisch sind."

Persönlich fällt es mir schwer, diese Kerze nicht anzuzünden. Es ist wie ein Einbruch der Not in meine heile, auf Freude, Liebe, Hoffnung und Frieden ausgerichtete Adventswelt. Aber gerade darin, dass es mich nicht kalt lässt, ob die zweite Kerze brennt (oder auch nicht), zeigt sich die Kraft, die in dieser Symbolhandlung steckt.

Zum Aufruf siehe auch den Beitrag in den News der Evangelisch-methodistischen Kirche der Schweiz.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 3. Dezember 2023

Christbaum - Lebensbaum

Ein Zitat

Der Weihnachtsbaum auf dem Domplatz in St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Am Baum des Lebens wachsen viele Augenblicke. Jeder einzelne davon ist kostbar." Jochen Mariss

Ein Bibelvers - Offenbarung 2,7

"Wer ein Ohr dafür hat, soll gut zuhören, was der Geist Gottes den Gemeinden sagt: 'Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, dem gebe ich vom Baum des Lebens zu essen. Das ist der Baum, der in Gottes Paradies steht.'"

Eine Anregung

Wir feiern den 1. Advent. Nun stehen wieder überall die erleuchteten Christbäume in den Parks und an den Strassen. Lebensbäume sind es, meist immergrünes Nadelgehölz. Was es mit den Bäumen des Lebens auf sich hat, dem wird heute Morgen in der Methodistenkirche St. Gallen in der gottesdienstlichen Feier nachgegangen. 

Vor Ort geht es um 10.15 Uhr los. Auf Youtube kann man die Predigt ab 10.30 Uhr miterleben oder auch später anschauen. Für Kinder von 3-10 Jahren beginnt der Sonntagmorgen schon um 09.40 Uhr mit der Sonntagschule und danach wird gebastelt und gespielt. 

Im Anschluss an Gottesdienst und Kinderprogramm, so ca. um 11.30 Uhr, sind alle zu Spaghetti und Tischgemeinschaft eingeladen.

Wir freuen uns über alle, welche mit dabei sind am Kapellenweg 6 in St. Gallen oder auch per Internet.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 1. Dezember 2023

Adventskalender mit Dialekt-Weihnachtsliedern

Ein Zitat

Die evangelisch-methodistische Kirche in Huttwil, als es die Gemeinde noch gab.
Foto © Jörg Niederer
"Die Adventszeit ist eine Zeit, in der man Zeit hat, darüber nachzudenken, wofür es sich lohnt, sich Zeit zu nehmen." Gudrun Kropp

Ein Bibelvers - Römer 8,25

"Wir aber hoffen auf etwas, das wir noch nicht sehen. Darum müssen wir geduldig warten."

Eine Anregung

Musikalisch kann ich kaum mit einer anderen Person mithalten, geschweige denn mit dem Musiker Christof Fankhauser. Doch eines haben wir gemeinsam. Seine Wohnadresse ist mir sehr gut bekannt. Sie war für drei Jahre auch meine Adresse, als ich Pfarrer in Huttwil war.

Zum Auftakt in den Advent verweise ich gerne auf den Adventskalender von Christof Fankhauser. Das besondere daran: An jedem Tag gibt es ein bekanntes Weihnachtslied in Mundart. Wer einfach so hören möchte, wie zum Beispiel das Lied "Macht hoch die Tür" auf Schweizerdeutsch klingt, findet hier einige geschenkte Beispiele.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 26. Dezember 2022

Perfekte Weihnachten

Ein Zitat

Hinter der sich auflösenden luftigen Hülle der gewöhnlichen Blasenkirsche leuchtet die rote, essbare Beere hervor.
Foto © Jörg Niederer
"Man braucht eine Weile um festzustellen, dass die Nonperfektion die eigentliche Perfektion ist." Christian Lenz

Ein Bibelvers - Maleachi 3,20

"Marias Mann Josef lebte nach Gottes Willen, aber er wollte sie nicht bloßstellen. Deshalb wollte er sich von ihr trennen, ohne Aufsehen zu erregen. Dazu war er entschlossen."

Eine Anregung

Hinter vielen von uns liegen eine oder zwei Familienweihnachtsfeiern. Waren es die erwarteten konfliktfreien, ja vielleicht sogar perfekten Festivitäten? Oder war es ein durchlittenes Fest mit Menschen, mit denen man früher oder später Stress bekommt? Der Wunsch nach dem vollkommenen Frieden, der heilen Welt ist an keinem anderen Tagen grösser als an Weihnachten. Die hohen Erwartungen müssen fast schon unausweichlich enttäuscht werden. Tröstlich, dass es selbst bei der Geburt von Jesus nicht besonders harmonisch zu und her ging, auch wenn wir oft daran vorbeischauen auf die jubilierenden Engel. 

Heute um 10.15 Uhr wird es um diese Erwartungen nach Vollkommenheit gehen im weihnachtlichen Gottesdienst in der Methodistenkirche in St. Gallen. Ab 10.30 Uhr wird die Predigt dann auch auf Youtube zu hören sein.

Es wird ein perfekter Gottesdienst – oder auch nicht. Aber schön, wenn du dabei bist auf die eine oder andere Weise.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Samstag, 24. Dezember 2022

Panettone-Wallfahrt

Ein Zitat

Menschen warten vor Weihnachten in einer Reihe, um in der Fabbrica del Panettone von Bäcker Pietro Cappelli in St. Gallen das Mailänder Hefegebäck zu kaufen.
Foto © Jörg Niederer
"Panettoni lösen keine Probleme, aber das tun Äpfel ja auch nicht."

Ein Bibelvers - Matthäus 2,11

"Sie [die Sterndeuter] gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe."

Eine Anregung

Auch das ist ein Adventsbild, das zur Stadt St.Gallen gehört. Menschen warten in einer Reihe vor der Fabbrica del Panettone, dass sie den Laden betreten können, um das luftige Gebäck von Pietro Cappelli zu kaufen. Seine Kreationen gewinnen regelmässig Gold an der Swiss Bakery Trophy. Das Mailänder Weihnachtsgebäck ist in der Welt so bekannt wie der Schweizer Emmentalerkäse. In der Advents- und Weihnachtszeit ist es heiss begehrt. Aber nur bei Maestro Capelli stehen die Kundinnen und Kunden in diesen Tagen hintereinander aufgereiht, um den Laden zu betreten.

Warten passt ja zum Advent. Warten viele nicht mehr auf die Ankunft von Christus, so warten sie wenigsten auf Capellis Spezialitäten. Ist man dann erst einmal im Laden, kann es geschehen, dass man dort vor leeren Regalen steht. Die Produktion hält kaum Schritt mit der Kauflust der Kundschaft. Trifft Nachschub aus der Fabbrica im improvisierten Landen ein, ist davon in Minutenschnelle schon wieder nichts mehr zu sehen, selbst wenn – wie in der Weihnachtszeit – der Einkauf auf drei Panettoni pro Person beschränkt bleibt. 

In diesen Tagen sind die Sauerteiggebäcke von Capelli nur in St.Gallen selbst erhältlich. Der Online-Verkauf pausiert von November bis Mitte Januar. Gleich den drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem, ziehen also Feinschmeckerinnen und Feinschmecker "notgedrungen" ins Linsenbühlquartier von St.Gallen. Was sie finden, ist sehr fein und besonders. Doch die drei Weisen haben etwas Feineres und Bleibenderes gefunden. Jesus Christus, Gottes Sohn; an Besonderheit nicht zu überbieten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Engelchöre in der Südsee

Ein Zitat

Details an einem Drahtzaun im eisigen Winter.
Foto © Jörg Niederer
"Hört es, freut euch überall: / Gott wird Mensch, ein Kind im Stall." Charles Wesley in: "Hark! The herald-angels sing"

Ein Bibelvers - Mathäus 13,43

"Aber alle, die nach Gottes Willen leben, werden im Reich ihres Vaters strahlen wie die Sonne."

Eine Anregung

Manchmal wollen wir etwas festhalten aus unserer Kindheit. Dazu gehören für viele auch die Verbindung von Schnee, Eis, Kälte und Weihnachten. Weisse Weihnachten ist aber in diesem Jahr im schweizerischen Mittelland sehr unwahrscheinlich. Schon sind letzte Schneeresten abgetaut, das Weiss dem Städtegrau gewichen. Zwölf Grad warm soll es werden am 25. Dezember.

Auf der Südseeinsel Tonga, mitten im Pazifik, ist Schnee sowieso kein Thema. Doch auch da feiern Christinnen und Christen Weihnachten, unter Palmen, und mit Liedern aus dem kühlen England. Hört doch einmal, wie das wohl berühmteste Charles Wesley-Weihnachtslied "Hark! The herald-angels sing" (Hört die Engelchöre singen) in Tongaisch klingt! Kommen da nicht doch auch Weihnachtsstimmung auf, fern dem Stall zu Bethlehem?

Übrigens: Das Wort "Lolotonga", mit dem der tongaischen Liedtext beginnt, hat nach Google in der Maori-Sprache die Bedeutung "Überschwemmung". Hoffentlich eine weihnachtliche Gefühls-Überschwemmung!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Ganz Nacht

Ein Zitat

Noch leuchten die Sterne nicht in der Zeughausgasse in der St. Galler Altstadt.
Foto © Jörg Niederer
"Nur auf dem Pfad der Nacht erreicht man die Morgenröte." Khalil Gibran (1883-1931)

Ein Bibelvers - Psalm 74,16

"Dir [Gott] gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Eine Anregung

Sie flattern das ganze Jahr ungefragt in unsere Briefkästen, die "Bettelbriefe". In der Advents- und Weihnachtszeit sind es besonders viele. Da ist es gut, wieder einmal auch an Connexio zu erinnern. Seit Connexio aufgeteilt ist in "hope" und "develop", zahlen deutlich mehr Menschen bei "develop" ein. Der Hauptgrund ist wohl, dass die Beiträge an Conexio develop steuerabzugsfähig sind. Und so fehlen aktuell bei Connexio hope, bei dem Partnerkirchen und -Organisationen weltweit in ihren kirchlichen Aktivitäten unterstütz werden, wichtige budgetierte Beträge. "Schade", haben wir in der Methodistenkirche St. Gallen gesagt, und kurzerhand die Einnahmen aus dem Mittagstisch (er findet heute wieder um 12.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 statt) an Connexio hope umgeleitet. 

In seinem jüngsten Beitrag auf der Webseite der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa dankt Bischof Patrick Streiff mit folgenden, eindrücklichen Worten für alle Beiträge an Connexio: 

"Unser Sohn war mit seinem zweijährigen Aaron kürzlich im Papillorama (ein Spezialzoo, der sich besonders auf die Haltung von Schmetterlingen und Faltern konzentriert). Eine der Hallen ist das Nocturama mit nachtaktiven Tieren. Als Tagesrückblick haben wir ein kurzes Video erhalten, in dem Aaron seine Augen zudrückt, die Hände zusammenballt und immer wieder sagt: 'ganz Nacht; ganz Nacht'. Diese Dunkelheit muss ihn sehr beeindruckt haben – mehr noch als die bunten Schmetterlinge im Papillorama.
Ich bin gespannt, ob und wie viel Lichterlöschen es in der Adventszeit in unseren Städten und Einkaufsmeilen wirklich geben wird. Oder bleibt – trotz Stromsparmassnahmen – die Advents- und Weihnachtsbeleuchtung gleich hell, manchmal sogar grell, um den wichtigen Umsatz vor den Festtagen nicht zu gefährden?
Unfreiwilliges Lichterlöschen erleben derzeit aber vor allem die Menschen in vielen Gebieten der Ukraine, weil wichtige Teile der Infrastruktur im Lande von der russischen Armee gezielt zerstört werden. Und neben dem Lichterlöschen löst es einen generellen Stromunterbruch und damit oft eine Lawine von weiteren Ausfällen in Heizung, Wasserversorgung, Kommunikation etc. aus.
Auch wenn die Energie in Westeuropa teurer geworden ist – und wir hoffentlich ein wenig sparsamer im Umgang mit ihr – geht es uns noch immer sehr gut. Ob es uns auch bereit macht, uns die Not anderer zu Herzen zu nehmen und etwas mehr von unserem Reichtum zu teilen?
Von Herzen möchte ich deshalb allen danken, die in unterschiedlichster Weise nicht nur Angehörige und Freunde zu Weihnachten beschenken, sondern auch mit Menschen in Not teilen, ob mit jenen in der direkten Nachbarschaft oder über Netzwerke wie Connexio hope und Connexio develop in anderen Ländern. Vergelt’s Gott!" 

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 12. Dezember 2022

Ein wenig warten

Ein Zitat

Warten auf den Anschlusszug am Bahnhof Trogen.
Foto © Jörg Niederer
"Die Erwartungen anderer Menschen an uns sind immer die Erwartungen anderer Menschen." Steffen Albers

Ein Bibelvers - Römer 8,19

"Die ganze Schöpfung wartet doch sehnsüchtig darauf, dass Gott die Herrlichkeit seiner Kinder offenbart."

Eine Anregung

Das ist nun der 999. Beitrag in der Reihe der Texte, die zu schreiben ich mit der Corona-Pandemie begonnen habe. Folglich werde ich morgen den 1000. Beitrag veröffentlichen. Das hätte ich nicht erwartet, dass ich diese täglichen Beiträge für die Menschen der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen (und darüber hinaus) so lange durchhalten würde.

Das hätte ich nicht "erwartet". Weil Warten und Erwarten zum Advent passt, und weil Advent auch etwas mit Nostalgie zu tun hat, hier noch einmal ein Beitrag aus der methodistischen Zeitschrift "Der Evangelist". Sie findet sich in der Ausgabe vom 22. Januar 1887 und ist überschrieben mit "Warten in Geduld"

"An meiner Hausthür stand ein Handwerksbursche und bat um eine Gabe. – 'Warten Sie!' sagte ich und ging, ihm ein Almosen zu holen. Als ich wieder an die Thüre kam, war der Handwerksbursche gegangen. Ich war verwundert und fragte ein Mädchen, ob sie den Burschen gesehen. – Er war in das gegenüberliegende Haus gegangen. Ich wartete, bis er zurückkam, und rief ihn, gab ihm etwas und sagte: 'Warum haben Sie nicht gewartet?' – 'Ich dachte sie wollen mir nichts geben,' sagte er, 'da habe ich Sie wohl falsch verstanden.' – Das den Menschen doch das Warten so schwer fällt.
Dem Handwerksburschen gleichen tausend und abertausend Menschen. Die klopfen an die Himmelsthür und erbitten was von Gott. – Und hat Gott der Herr die Gabe nicht gleich bei der Hand, wird ihre Bitte nicht gleich erfüllt, dann gehen sie fort, Groll und Bitterkeit im Herzen. – Und sie haben doch vielleicht auch bloss Gott falsch verstanden – sie sollten nur ein wenig warten."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde