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Mittwoch, 12. März 2025

Die Beisetzung des Winters

Ein Zitat

Was vom Winter bleibt an einem Funkensonntag in Gossau, ist eine grosse, heisse Glut zum Fasnachtsende.
Foto © Jörg Niederer
"Winter, ade! / Scheiden thut weh. / Gehst du nicht bald nach Haus, / Lacht dich der Kuckuck aus. / Winter, ade! / Scheiden thut weh." 3. Strophe des Lieds von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Ein Bibelvers - 1. Mose 8,22

"Solange die Erde besteht, werden nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."

Eine Anregung

Mit dem Fasnachtsende wird an verschiedenen Orten mit einem grossen Feuer und der Verbrennung des Böggs, einer menschenähnliche Puppe, der Winter vertrieben, und zugleich auch die Intensität des Sommers erfragt. Schweizweit bekannt ist das Zürcher Sechseläuten der Zünfte mit der Verbrennung des Bööggs (dort mit zwei ö geschrieben). Dieser Anlass findet aber erst im April statt. Überall wo es den Brauch gibt, gilt: Je schneller der Böögg explodiert, desto schöner wird der Sommer.

Nun kommen aber Zweifel auf, ob der zürcherische Brauch überhaupt noch aussagekräftige Prognosen des Sommers machen kann, wo doch zum Beispiel im sanktgallischen Gossau schon mehrere Wochen früher ein Ergebnis feststeht. So am vergangenen Sonntag, dem Funkensonntag, als wir bei einem Konzertbesuch zufällig auch in diesen Brauch gerieten. Dem dortige Bögg habe das Feuer innerhalb von zwei Minuten den Garaus gemacht, was auf einen extrem heissen Sommer schliessen lasse. Welcher Böögg hat nun recht?

Hinzu kommt, dass auch andernorts Puppen in Rauch und Lärm aufgehen, so etwa in den ausserrhodischen Orten Waldstatt und Herisau. Dort hat der Bögg einen Namen. Er heisst Gidio Hosenstoss. Die Verbrennung ist in den beiden Orten Abschluss einer gespielten Beisetzung, bei der der Gidio, der je nach dem an einem gestohlenen Läckerli gestorben ist oder an etwas anderem, zu Grabe, oder eben zu Feuer getragen wird.

Damit haben wir nun auch den Bezug zur Kirche. Ein Fasnachtsbrauch als Beisetzungsfeier mit allem Drum und Dran: letztes Geleit, Grabrede und Feuerbestattung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 25. Februar 2023

Abschied voll Hoffnung

Ein Zitat

Die Trauergemeinde auf dem Weg von Peter Freis Urnengrab zur Kirche Oberkirch in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Mein Gott ist langsam zum Zorn, wenn ich in die Irre gehe. Lobe den Herrn, meine Seele." Aus dem Lied "Bless the Lord o my soul"

Ein Bibelvers - Psalm 103,2

"Liebe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!"

Eine Anregung

Es ist noch kein Jahr her, als Peter Frei seine Fotografien in der Methodistenkirche St. Gallen ausstellte und zusammen mit Tochter Sabina Stoller-Frei musikalisch zum Gottesdienst beitrug. Gestern nun war seine Beisetzungsfeier auf dem Friedhof Oberkirch in Frauenfeld. 

Gut 180 Menschen fanden sich ums Grab und in der Kirche ein. Auch ich sass da, hörte zu, war berührt von all den Beiträgen musikalischer und gesprochener Art. Der Lebenslauf ist dabei jeweils ein Höhepunkt. Vorgetragen von Tochter Stephanie und Sohn Pascal wurde ein bewegtes und bewegendes Leben sichtbar. Darin tauchte bei einer für die christliche Sozialisation entscheidenden Situation unvermittelt ein mir sehr bekannter Name auf. Dort in der Kirche erfuhr ich, wie mein Praktikantenvater Robi Frischknecht , Missionar in Südamerika und Methodistenpfarrer, grundlegend dazu beigetragen hatte, dass Peter Frei das Vertrauen in Gott fassen konnte. Das war umso bemerkenswerter, als einige böse Stimmen meinten, Robi Frischknecht würde lieber Häuser bauen als die Gemeinde leiten und errichten.

Was war geschehen: Im Lebenslauf erzählt Peter Frei selbst. Ich übertrage das in Dialekt Geschriebene ins Hochdeutsche. "Damals kannte ich Ruth schon und begleitete sie immer einmal wieder in den Gottesdienst. In einer Predigt erwähnte Robi Frischknecht, er wolle die Fassade am Pfarrhaus machen (...) ob wohl jemand Freude daran hätte, ihm zu helfen. Weil gerade Ferien waren, sind wir ihm zur Hand gegangen. Stundenlang haben wir dabei diskutiert, und er hat mir alles [den Glauben] erklärt, auf so klare und so einfache Weise. In dieser Zeit – das hat wohl so drei bis vier Tage gedauert – kam ich zur Überzeugung, dass das stimmt [mit der Liebe von Gott]."

Wer sagt denn, dass nicht beides zusammen möglich ist: Häuser errichten und Menschen dabei begleiten auf dem Weg zu einem lebenslang tragenden Vertrauen in Christus?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 20. September 2022

Bestattungsfeier mit Milliardenpublikum

Ein Zitat

Der Sarg mit Queen Elisabeth II. wird auf Schloss Windsor in die St. George's Chapel getragen.
Foto © Jörg Niederer (aus der Fernsehübertragung)

"Ich weiß, wie sehr ich mich auf meinen Glauben verlasse, damit er mich durch die guten und schlechten Zeiten trägt."
Queen Elisabeth II. in der Weihnachtsansprache 2002

Ein Bibelvers - Offenbarung 21,5

"Der auf dem Thron saß, sagte: 'Ich mache alles neu.'"

Ein Anregung

Auf 4 Milliarden wurde das Publikum geschätzt, welches gestern die Beisetzungsfeier von Queen Elisabeth II. ganz oder teilweise gesehen hat. Davon sassen unzählige Menschen in Ländern vor den Bildschirmen, die keine Monarchie mehr haben und auch nicht zum einstigen Commonwealth gehörten oder zu einem sogenannt christlichen Land. Das bedeutet, dass wohl die beiden Beisetzungsfeiern in der Westminster Abbey und in der St. George's Chapel auf Schloss Windsor die Gottesdienste mit der weltweit höchsten Beteiligung aller Zeiten waren. Und das für eine Königin, wo man doch immer dachte, dass es die Monarchie sei, die auf kurz oder lang zu Grabe getragen werde. Dazu passt, dass die Queen in einem für diese Tage seit 30 Jahren bereitstehenden Sarg aus amerikanischer Eiche bestattet wurde, der mit Blei luftdicht verschlossen ist. Die sterblichen Überreste der Queen werden folglich noch einige tausend Jahre in guten Zustand der Nachwelt erhalten bleiben. Nun wird auch klar, warum es 8 Sargträger brauchte, welche die an sich leichte Queen in ihrem schweren Sarg mit den Füssen voran ihrer letzten Ruhe entgegentrugen. Eine Ruhe, die möglichst lange wenn nicht ewig dauern sollte.

Eine ewige Königsherrschaft in Ruhe und Frieden, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde