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Samstag, 30. August 2025

Runde Spitzen

Ein Zitat

Das Licht wirft durch einen gläserner Dessertteller kronenförmig spitze Strahlen auf den den Tisch.
Foto © Jörg Niederer
"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen." Leo Tolstoi (1828-1910)

Ein Bibelvers - Psalm 36,10

"Denn bei dir ist die Quelle des Lebens. In deinem Licht sehen wir das Licht."

Eine Anregung

Es sind diese gewöhnlichen kleinen gläsernen Dessertteller. Sie haben regelmässige runde Erhebungen und Vertiefungen auf der Aussenseite, und wirken so besonders dekorativ. Ein bisschen Old Style sind sie schon, auch etwas aus der Mode gekommen. So ein Desserttellerchen steht vor mir. Das Licht dringt durch das Glas hindurch und bricht sich an den weichen Formen. Eine Krone aus Lichtspitzen erscheint auf der Tischoberfläche.

Wunderschön. Warum ist mir das noch nie aufgefallen, wie dieser Teller auf seinem Lichtmuster zu schweben beginnt. Das Licht zaubert das Beste aus dem Glas. Gott, das Licht der Welt, kann dein Bestes in dir und durch dich zum Leuchten bringen.


Ab dem 1. September wird es keine Blogs mehr geben unter dieser Adresse oder per Mailingliste. Ich werde aber auch weiterhin Blogs schreiben und Fotos posten auf der neuen Seite "NNN - Nicht Nur Natur". Aktuell ist dort noch nicht viel zu sehen. Aber man kann diesen Blog schon einmal abonnieren, oder die Seite anderweitig vormerken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 8. Mai 2023

Kronenkult

Ein Zitat

Englische Briefmarke von 1999 mit King James I. (1566-1625) und der nach ihm benannten Bibel von 1611
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung." Stanislaw Jerzy Lec (1909-1966)

Ein Bibelvers - 1. Petrus 5,4

"Wenn dann der oberste Hirte erscheint, werdet ihr den Siegeskranz empfangen, dessen Herrlichkeit unvergänglich ist."

Eine Anregung

So ganz komme ich in diesem Blog an der Krönungsfeier von King Charles nicht vorbei.

Da steht also wieder einmal ein König im Zentrum. Dem Mann wird feierlich eine Kopfbedeckung aus wertvollen Steinen, Gold und Hermelin aufgesetzt. Für mich sieht das so was von aus der modernen Welt gefallen aus. Ein Anachronismus. Eine Show wohl gerade deswegen. Wo sonst sieht man heute vernünftige Menschen in einer goldenen Kutsche durch die Strassen fahren?

Die Krone ist gerade in christlichen Kreisen immer wieder ein beliebtes Thema und Symbol. In Liedern wird Gott als König besungen, Krone inklusive. Dabei kommt sie in der Form und Bedeutung, wie wir sie heute kennen, in der Bibel gar nicht vor. Im Alten Testament wird das Wort für Krone als Kranz übersetzt. Und im Neuen Testament gibt es zwar die Krone als Wort (griechisch: "stephanos") aber es ist eher ein Zeichen des Sieges als ein Zeichen des Königtums. Könige im Altertum trugen nicht Kronen, sondern Diademe. Dieses Wort findet sich auch einmal in der Bibel.

Wie seltsam unklar die Vorstellungen von der Krone sind, zeigt die Luther-2017-Übersetzung der Stelle in 1. Petrus 5,4: Da steht: "So werdet ihr ... die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen." Kronen sind immer unverwelklich. Vielleicht können sie rosten. Das Bild wird erst klar, wenn wir realisieren, dass hier ein Siegeskranz aus Lorbeerblättern gemeint ist.

Es fällt mir schwer, mir Gott oder Jesus Christus wie King Charles im Krönungs-Outfit vorzustellen. Ein Gott, der so daherkommt und am Ende noch in einer goldenen Kutsche vorfährt, könnte ich nicht ernst nehmen. Mein Bild von Gott ist das des Gekreuzigten mit der Dornenkrone. Da ist mir Gott viel näher, als es je ein König wie King Charles sein könnte.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 6. Januar 2023

Drei-Weisen-Kuchen

Ein Zitat

Krönungsmaterial am Dreikönigstag.
Foto © Jörg Niederer
"Weisheit ist eine goldige Krone." Sprichwort

Ein Bibelvers - Sprüche 4,8+9

"Schätze die Weisheit hoch, sie verleiht dir Ansehen. Sie bringt dich zu Ehren, wenn du sie umarmst. Sie setzt dir einen Lorbeerkranz auf den Kopf und schmückt dich mit einer prächtigen Krone."

Eine Anregung

Nein, es waren keine Könige. Nein, auch Kronen trugen sie nicht. Nein es waren auch nicht sicher drei; es könnten auch fünf oder zwanzig gewesen sein. Nein, sie trugen kein Kreuz mit sich (wie der kleine weisse König auf dem Foto). Nein, auch die Fleur-de-lis, die heraldische Lilie, hätte die Kronen nicht geziert, selbst wenn es diesen Kopfschmuck gegeben hätte. Aber Ja: Gestern in Weinfelden beim Kaffeetreff fand sich in meinem Dreikönigskuchenstück der kleine Mann, und so wurde ich für kurze Zeit zum Papierkronenkönig befördert.

Es wahren Wissenschaftler, Sternkundige, die sich auf die Suche nach dem neuen König machten. Aber es klänge halt nicht so gut, wenn wir sagen würden: "Drei-Wissenschaftler-Kuchen", oder "Drei-Astrologen-Kuchen". Ein schöner Brauch ist der Dreikönigskuchen so oder so. Seit 1561 wurde das Fest Epiphanias mit Kuchen gefeiert. Also ein süsses Fest. Die Fleur-de-lis hat dann wenigstens indirekt doch noch etwas zu tun mit der Geburt von Jesus; sie wird als Symbol der Muttergottes, also der Maria zugewiesen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde