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Freitag, 18. April 2025

Kreuzweg der Gegenwart 2025

Ein Zitat

Am letztjährigen Kreuzweg der Gegenwart von Karfreitag in St. Gallen beteiligten sich wie jedes Jahr eine grössere Zahl Menschen.
Foto © Jörg Niederer
"Wir tragen ein Kreuz und erinnern dabei an alle Kreuze, die unsichtbar sind. Sie belasten uns als Einzelne, als Gesellschaft, als Glaubende und Zweifelnde. Täglich nehmen wir solche Kreuze auf, tragen sie, vielleicht unbeachtet, und doch durch sie belastet." Matthias Wenk

Ein Bibelvers - Lukas 23,46

"Und Jesus schrie laut: 'Vater, ich lege mein Leben in deine Hand.' Nach diesen Worten starb er."

Eine Anregung

Heute um 12.00 Uhr machen sich Interessierte bei der Kirche Riethüsli an der Gerhardtstrasse 11 in St. Gallen wieder auf den Weg zu Stationen auf dem Kreuzweg der Gegenwart. Der Anlass findet schon seit fast zwei Jahrzehnten jeweils an den Karfreitagen in St. Gallen statt und wird von vielen Kirchen gemeinsam getragen.

Der diesjährige Weg führt über sieben Stationen zur Kirche St. Otmar. Bei jeder Station wird innegehalten. Es folgen Gedanken zu einem Thema, das mit diesem Ort verbunden ist. Dann wird in das mitgeführte Holzkreuz ein Nagel eingeschlagen. Eine Schweigeminute endet mit einem Taizé-Lied. In diesem Jahr werden zudem Sänger:innen unterwegs drei Choräle aus der Johannespassion singen.

Oft hinterlassen die Texte zu den Stationen nachhaltigen Eindruck. Die ökumenische Gemeinschaft ist gerade in der Passionszeit von besonderer Bedeutung.

Zum Kreuzweg der Gegenwart sind alle herzlich eingeladen. Einzige Voraussetzung: Es gilt einen Weg von ca. 5 Kilometern zu bewältigen, wobei es in diesem Jahr kaum Anstiege zu verzeichnen hat. Der Anlass endet um 14.00 Uhr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 30. März 2024

Tierisches auf dem Kreuzweg

Ein Zitat

Ein Büsi freut sich auf der Treppe des Scheffelsteinwegs in St. Gallen über die vielen Menschen der Kreuzwegsprozession.
Foto © Jörg Niederer
"Aus der Tiefe / meiner Zerrissenheit / reiche ich Dir / meinen kleinen Finger – / – ach nähmest Du doch / meine ganze Hand." Aus dem Gedicht "Eine Leiter" von Jutta Schmidt

Ein Bibelvers - Psalm 104,27-29

"Mensch und Tier halten Ausschau nach dir [Gott], damit du ihnen Essen gibst zur richtigen Zeit. Du gibst es ihnen, sie sammeln es auf. Du öffnest deine Hand, sie essen sich satt an deinen guten Gaben. Wendest du dich ab, erschrecken sie. Nimmst du ihnen den Lebensatem, dann sterben sie und werden zu Staub."

Eine Anregung

Auf dem gestrigen Kreuzweg der Gegenwart in St. Gallen war die Natur meist auf die Vorgärten beschränkt. Überraschend die Katze, welche sich auf der Treppe des Scheffelsteinwegs über die vielen Menschen sichtlich freute und deren Nähe suchte. 

Der nächste Kreuzweghalt am Nestweiter fragte nach der Natur. Mathias Wenk gab zu bedenken:

"Hier oben am Nestweiher scheint die Natur noch natürlich. Organisch geht Stadt in Land über. Natürlich, möchte man meinen. Bei uns in der Schweiz hat es doch so viel schöne Natur!? Sehen wir mal von ein, zwei Gletscherbeerdigungen ab, ist sie immer noch recht gut zu weg.

Der Schein trügt. Der Schlüssel zu einer nachhaltig intakten Natur ist die Vielfalt – Biodiversität. Der Zustand der Biodiversität aber ist schlecht. Auch bei uns. Ein Drittel aller Schweizer Arten sind bedroht und weitere 10% gelten als potenziell bedroht. Dies entspricht dem höchsten Wert aller OECD-Länder. Aber nicht nur die erschreckend grosse Anzahl der bedrohten Arten ist bedenklich, sondern auch die teilweise deutliche Abnahme der Anzahl Individuen. Diese Abnahme ist oft der Einstieg in den sog. 'Aussterbestrudel', der letztendlich zum Verschwinden dieser Arten führt.

Ein guter Zustand der Biodiversität ist aber für alle wichtig. Viele Untersuchungen zeigen auf, dass Ökosysteme mit einer hohen Artenvielfalt produktiver und stabiler sind. Sie reagieren damit resilienter auf Störungen, die mit dem Klimawandel tendenziell zunehmen werden. Biodiversität braucht natürliche Lebensräume. Ohne natürliche Lebensräume: keine Biodiversität. Ohne Vielfalt kein Leben – auch nicht für uns Menschen. Die Natur leidet – unter uns Menschen. An sie wollen wir hier denken. Wir verbinden uns mit ihrem Leid im Gebet."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 29. März 2024

Kreuzweg

Ein Zitat

Schattenwurf an einer Kreuzwegsprozession.
Foto © Jörg Niederer
"Nimm das Dasein als Bewährungsfrist / Ohne Klagen, ohne Fragen. / Schweigend steig hinauf die dunklen Treppen, / Weil es immerhin noch leichter ist, / Sein Kreuz zu tragen, / Als es zu schleppen." Mascha Kaleko (1907-1975)

Ein Bibelvers - 1. Korinther 1,21-23

"Die Weisheit Gottes zeigt sich in dieser Welt. Aber die Welt hat ihn mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat Gott beschlossen, durch eine scheinbar unsinnige Botschaft alle Glaubenden zu retten. Die Juden wollen Zeichen sehen. Die Griechen streben nach Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus, den Gekreuzigten..."

Eine Anregung

Heute um 12.00 Uhr ziehen Menschen wieder los auf den "Kreuzweg der Gegenwart". Von der Evangelisch-methodistischen Kirche, dem Zielort des letztjährigen Kreuzwegs, geht es über mehrere Stationen hinauf zur Kirche Riethüsli. Unterwegs wird an Brennpunkten in der Stadt halt gemacht. Dazu gehört die erste Autogarage in St. Gallen, aber auch die Psychiatrie Nord und der Nestweiher. An jeder der sieben Stationen gibt es eine kurze Meditation. In ein mitgetragenes Kreuz wird ein Nagel eingeschlagen.

Der ökumenische Anlass kann ohne Voranmeldung besucht werden. In diesem Jahr wird der Fernsehsender TVO darüber in seinem Programm berichten.

Am Ausgangsort des Kreuzwegs, in der Methodistenkirche an der Kapellenstrasse 6, findet vorgängig ein Gottesdienst statt. Auch dazu sind alle herzlich eingeladen. Um 10.15 Uhr geht es los. Die Predigt kann ab ca. 10.30 Uhr auch via YouTube angeschaut werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 8. April 2023

Kein Guete!

Ein Zitat

Am Kreuzweg der Gegenwart von Karfreitag 2023 wurde das Kreuz zu Brennpunkten der Stadt St. Gallen getragen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn wir schweigend durch die Strassen unserer Stadt gehen, das grosse Kreuz in unserer Mitte, dann drücken wir dieses Vertrauen aus: Jesus trägt die Not und das Leiden unserer Stadt, unseres Alltags mit." Aus den Eingangsworten zum Kreuzweg der Gegenwart in der Kirche St. Fiden in St. Gallen

Ein Bibelvers - Lukas 9,23

"Dann sagte Jesus zu allen Jüngern: 'Wer zu mir gehören will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen.'"

Eine Anregung

Auch in diesem Jahr wurde an Karfreitag der "Kreuzweg der Gegenwart" in St. Gallen in ökumenischer Verbundenheit durchgeführt. Den Weg von der Kirche St. Fiden zur Evangelisch-methodistischen Kirche nahmen rund 60 Personen schweigend unter die Füsse. Unterwegs hielt die Prozession an sieben Orten: Bei der Pathologie wurde über den Tod nachgedacht, bei der Geriatrie über das hohe Alter, bei der Gassenküche über den Umgang mit Randständigen, bei der Prinz Bar über die Vielfalt, beim Restaurant Drahtseilbähnli über das Beizensterben und beim well come Fit über die Selbstoptimierung. Vertiefend dazu wurde an weiteren Orten die Passionsgeschichte gelesen.

Beispielhaft folgen hier die Gedanken zum Beizensterben. Wobei: Im Kanton St. Gallen gab es 2022 sogar 20 Gaststätten mehr als im Jahr zuvor. Doch in den Quartieren sieht es anders aus. Viele Wirtschaften sind verschwunden. 

Kein Guete

Beiz weg, Stammkneipe zu, Gasthaus geschlossen, Wirtschaft leer... Lokal, Schänke, Besenbeiz, Resti… einige werden das Jahr nicht überleben?

Es gibt viele Namen für den Ort, an dem das Bier gezapft wird und die Speise mundet. In den Quartieren aber verschwinden die Beizen. An der Fassade hängt noch das – vielleicht denkmalgeschützte – Gasthausschild. Aber drinnen hört man kein Lachen, keine sich überlagernden Stimmen; kein Jass wird geklopft. Tristes. In der Früh kein Schoppen. Am Abend kein Mahl.

490 Gastrobetriebe weniger waren es in der Schweiz im vergangenen Jahr. Wie viele müssen in diesem Jahr schliessen?

Wir verbinden uns an diesem Ort im Gebet mit den Menschen im Gastgewerbe.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen