Posts mit dem Label The United Methodist Church werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label The United Methodist Church werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 6. Dezember 2024

Engagiert auf dem Capitol Hill

Ein Zitat

Vor dem United Methodist Building auf dem Capitol Hill versammeln sich 2008 das damalige Board of Directors zu einem Gruppenfoto.
Foto © Jörg Niederer
"Eine Kirche, die zur Strafe eilt, ist nicht offen für Gottes Barmherzigkeit, aber eine Kirche, der der Mut fehlt, in persönlichen und sozialen Fragen entschlossen zu handeln, verliert ihren Anspruch auf moralische Autorität." Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche von 2012

Ein Bibelvers - Psalm 112,5+9

"Gut ist der Mensch, der schenkt und verleiht. Bei seinen Geschäften hält er sich an das Recht... Er verteilt Spenden unter den Armen. Seine Gerechtigkeit steht fest für immer."

Eine Anregung

Im Jahr 2008 war ich zum ersten Mal als Delegierter der methodistischen Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa in das General Board of Church and Society (GBCS) der United Methodist Church delegiert. Damals entstand dieses Foto des gesamten Boards of Directors, direkt vor dem United Methodist Building, dem einzige Nichtregierungsgebäude auf dem Capitol Hill in Washington D.C.. In diesem Jahr schauen wir auf 100 Jahre Wirken in diesem historischen Gebäude zurück. Dazu wurde eine Online-Tour um das Gebäude herum und in seine Räume hinein eingerichtet. Die Tour ist aufschlussreich und anregend gestaltet. Wer Englisch beherrscht, erhält viele Informationen. So entdeckt man etwa einen Friedenspfahl vor dem markanten Gebäude. Ein solcher steht ja auch bei uns vor dem Eingang in die Methodistenkirche St. Gallen (siehe dazu den Beitrag von 18. Februar 2024!). Weiter erfährt man, dass in diesem Gebäude die erste Kantine zu finden war auf dem Capitol Hill, welche nicht rassengetrennt war. Oder man besucht die hauseigene Kapelle und erfährt, dass dort auch schon Coretta Scott King, die Witwe von Martin Luther King, Gottesdienste gefeiert hat.

Ich finde, die Online-Tour lohnt sich gerade in dieser Adventszeit, um zu erfahren, was die Methodistenkirche alles unternimmt, damit Menschen Gottes Liebe in Wort und Tat erfahren können.

Das also ist meine sechste Adventsentdeckung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 20. April 2024

Unser Bekenntnis zur Einheit der Kirche

Ein Zitat

An der Weihe von Bischof Stefan Zürcher im Basler Münster. Darunter die europäischen Bischöfe Christian Alsted, Patrick Streiff, Rosemarie Wenner und Harald Rückert.
Foto © Jörg Niederer
"Während wir uns einer historischen Generalkonferenz nähern, schliessen wir uns mit unserer ganzen Kirche im Gebet zusammen und hoffen, dass die Werte der Einheit, der Gerechtigkeit und des Respekts für unsere missionarischen Kontexte als Ausdruck unserer Liebe füreinander hochgehalten und bekräftigt werden." Aus der Verlautbarung der philippinischen Bischöfe der United Methodist Church vom April 2024

Ein Bibelvers - Epheser 4,3

"Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die sein Geist euch geschenkt hat. Der Frieden ist das Band, das euch alle zusammenhält."

Eine Anregung

Nachdem sich schon vor einiger Zeit die afrikanischen Bischöfe der Evangelisch-methodistischen Kirche (The United Methodist Church - UMC) in einem gemeinsamen Schreiben zur Einheit trotz unterschiedlichen Ansichten in Fragen der menschlichen Sexualität bekannt hatten, haben im Vorfeld zur Generalkonferenz vom 23. April bis 4. Mai in Charlotte, North Carolina die europäischen und die philippinischen Bischöfe Verlautbarungen mit ähnlichem Inhalt veröffentlicht.

Im in englischer Sprache verfassten Schreiben der europäischen Bischöfe heisst es:

"Während wir uns zur Generalkonferenz in Charlotte, North Carolina, versammeln, befinden wir uns in einem entscheidenden Moment im Leben und in der Geschichte der United Methodist Church... Fast fünf Jahrzehnte lang waren sich die United Methodists über das Verständnis der menschlichen Sexualität uneinig, was vielen Menschen immensen Schmerz und Leid zugefügt hat. Unsere Unfähigkeit, die durch unsere Uneinigkeit verursachte Sackgasse zu überwinden, hat zu einer beträchtlichen Anzahl von Abspaltungen in allen Ländern der Welt, auch in Europa, geführt.

United Methodists auf der ganzen Welt sind liturgisch, zeitgenössisch, charismatisch, sozial aktiv, low church, high church, städtisch, vorstädtisch, kleinstädtisch, ländlich und vieles mehr. Wir sind Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene, ältere Erwachsene, neue Christen und reife Christen. Wir sind ein Schmelztiegel verschiedener Ethnien und Kulturen - wir sind auf vier Kontinenten vertreten, in mehr als 45 Ländern, und wir setzen uns aus einer unbekannten Anzahl verschiedener Kulturen und Sprachen zusammen. Dennoch sind wir eine einzige methodistische Kirche, und bei allen Herausforderungen, die dies mit sich bringt, haben wir uns als ihre Bischöfe verpflichtet, Hirten der ganzen Herde zu sein und so dem Ziel der Verständigung, Versöhnung und Einheit im Leib Christi eine führende Rolle zu geben.

Wir fühlen uns der Einheit der United Methodist Church verpflichtet und sehnen uns nach einer United Methodist Church, die sich auf neue verbindliche Formen zubewegt, nach einer Generalkonferenz, die sich auf das Wesentliche in der Welt konzentriert, und nach einer Befähigung der Regionen zu kontextuell relevanten Formen der Umsetzung unseres gemeinsamen Missionsauftrags...

Trotz der Trennung wird die United Methodist Church ein treues Zeugnis der christlichen Botschaft bleiben. Wir sind verpflichtet, der Berufung zu folgen, Menschen in die Nachfolge Christi zu führen, um die Welt zu verändern." 

Unterzeichnet ist das Schreiben von den drei amtierenden Bischöfen Christian Alsted, Harald Rückert und Stefan Zürcher, sowie der Bischöfin und den Bischöfen im Ruhestand Heinrich Bolleter, Walter Klaiber, Øystein Olsen, Patrick Streiff, Hans Växby und Rosemarie Wenner.

Hier geht es zur Verlautbarung der europäischen Bischöfe.

Hier geht es zur Verlautbarung der philippinischen Bischöfe.

Hier geht es zur Verlautbarung der afrikanischen Bischöfe.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Dienstag, 16. April 2024

Regionalisierung

Ein Zitat

Model der einst afroamerikanischen Little-Ebenenzer-Kirche vor der Ebenezer United Methodist Church auf dem Capitol Hill in Washington DC.
Foto © Jörg Niederer
"Es ist einfach kein effektiver Weg, über Leistungsplanänderungen, die nur für die US-Kirche gelten, durch ein internationales Gremium abstimmen zu lassen, von dem die Mehrheit in Zukunft nicht betroffen sein wird oder nichts damit zu tun hat." Dale Jones von Wespath, der Rentenanstalt der United Methodist Church.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 1,7

"Jesus antwortete: 'Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen. Mein Vater allein hat sie in seiner Vollmacht festgelegt. Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr Kraft empfangen. Dann werdet ihr meine Zeugen sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde.'"

Eine Anregung

In der United Methodist Church (der Evangelisch-methodistischen Kirche) der USA gab es einst eine Zentralkonferenz, in der alle afroamerikanischen Gemeinden zusammengefasst waren. Die Erinnerungen daran sind geprägt von rassistischen Verwerfungen. Vermutlich gehörte die Little-Ebenezer-Kirche auf dem Capitol Hill auch zu dieser Zentralkonferenz. Die Bezeichnung "Zentralkonferenz", obwohl sie ausserhalb der USA üblich ist für die dortigen regionalen Strukturen, ist in den USA folglich ungeeignet, um damit eine Entwicklung zu bezeichnen, die für die Zukunft der Kirche wegbereitend sein kann: Die Regionalisierung.

Die Generalkonferenz, welche vom 23. April - 3. Mai in Charlotte, North Carolina stattfinden wird, beschäftigt sich genau damit. Der Regionalisierung. Anders als die Zentralkonferenzen ausserhalb der USA haben die fünf Jurisdiktionalkonferenzen der USA kein Recht, die Kirchenordnung anzupassen oder andere weitgehende Entscheidungen zu tätigen. Darum kommen alle diese Anträge und Gesetzesanpassungen, auch wenn sie nur die USA betreffen, vor die international zusammengesetzte Generalkonferenz, die alle vier Jahre tagt. So kommt es, dass sich die Generalkonferenz über 80% der Zeit mit US-Interna beschäftigt, und europäische, afrikanische und asiatische Delegierte mitentscheiden über z.B. die Pensionskasse der US-Pfarrpersonen. Das macht keinen Sinn, zumal die neusten Entwicklungen in der Zusammensetzung der Generalkonferenz dazu führen können, dass schon bald die Delegierten aus den USA in der Minderheit sein werden.

Nun sollen also die fünf US-amerikanischen Jurisdiktionalkonferenzen zu einer Regionalkonferenz zusammengefasst werden. Die Zentralkonferenzen im Ausland werden umbenannt in Regionalkonferenz. Alle Regionalkonferenzen haben die gleichen Adaptionsrechte und können die für ihre Region wichtigen Entscheide selbstständig fällen. Damit diese neue Struktur Wirklichkeit werden kann, braucht es eine 2/3-Mehrheit der Generalkonferenzdelegierten. Zudem braucht es eine 2/3-Mehrheit aller Delegierten an die Jährlichen Konferenzen weltweit.

Mit dieser strukturellen Anpassung ist es möglich, dass theologischen, ethischen und politischen Unterschieden in den verschiedenen Regionen der Welt Rechnung getragen werden. Die Regionalisierung ist aber keine Aufweichung des weltweiten Charakters der United Methodist Church. Nach wie vor werden sich alle Regionalkonferenzen eine gemeinsame Verfassung teilen, genauso wie weitere wichtige Text, etwa die Sozialen Grundsätze oder die Allgemeinen Regeln und darüber an der Generalkonferenz alle vier Jahre entscheiden.

Diese Entwicklung ist ganz im Sinn von John Wesley, der 1771 schrieb: "Was einen Methodisten kennzeichnet, sind nicht irgendwelche besonderen Ansichten. Ob er dieser oder jener Glaubensweise zustimmt, sich irgendwelche besondere Auffassungen zu eigen macht, die Lehre dieses oder jenes Menschen vertritt, tut nichts zur Sache. Wir glauben, dass die ganze Schrift von Gott eingegeben und das geschriebene Wort Gottes die alleinige und hinreichende Richtschnur des christlichen Glaubens und Lebens ist, und wir glauben, dass Christus ewiger und wahrhaftiger Gott ist. Aber in allen Fragen, die nicht an die Wurzel des christlichen Glaubens gehen, halten wir es mit der Regel: denken und denken lassen."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen