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Freitag, 19. Januar 2024

Es war magisch

Ein Zitat

Ein defekter Schirm als Installation auf einem Gehsteig in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Magie ist keine Zauberei. Es sind die wundervollen Momente im Leben die uns geschenkt werden und uns magisch vorkommen." Sylar Wax (Produzent von Zaubertricks)

Ein Bibelvers - 2. Mose 9,23

"Mose reckte seinen Stab zum Himmel empor. Da ließ der Herr es donnern und hageln. Blitze fuhren auf die Erde, und der Herr ließ Hagel auf Ägypten fallen."

Eine Anregung

Von weitem sah es in der Dunkelheit aus, als würde ein zusammengeklappter Schirm mit dem Knauf nach unten wenige Zentimeter über dem Boden schweben. Von weitem nicht zu sehen waren die dünnen Drahtstreben, die den Schirm in dieser Position hielten. Mit jedem Schritt auf die Installation zu schwand aber dieser magisch wirkende Eindruck und machte der schnöden Realität Platz. Beim schwebenden Schirm handelte es sich nicht um Harry-Potter-Zauberei, sondern lediglich um Littering. Am Abend hing dann der defekte Schirm in der Hecke. Nur noch Abfall, ganz sicher nicht mehr Kunst.

Schade, schwebend hat er mir besser gefallen. Die Wirklichkeit ist halt oft banaler, schnöder, langweiliger, hässlicher. Soll ich mir da nicht die Illusion erhalten, statt den Dingen auf den Grund gehen? Mir scheint, dass viele Verschwörungsgläubige genau das tun. Sie wollen nicht richtig hinsehen, weil das dazu führen würde, dass der Zauber des Besonderen schwindet.

Ich habe in meinem Leben erfahren, dass mit dem genauen Hinschauen und in der Folge der End-Täuschung beim vermeintlichen Wunder ein wirkliches Staunen folgt. Gerade auch in der Theologie und bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Bibel habe ich meinen Glauben nicht verloren, sondern neu, tiefer und erfüllender gefunden. Es lohnt sich halt schon, den Kopf nicht in den Sand zu stecken (was übrigens auch Straussenvögel nie tun würden). Allein schon die Vorstellung vom Sand in Mund und Augen... 

Heute will ich mich verzaubern lassen von der wirklichen Welt. Das ist nicht sonderlich schwierig an diesem Tag, sieht doch der frische Schnee, der sich über alles gelegt hat, einfach magisch aus.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 2. Februar 2022

Sonnenzeiten

Ein Zitat

Die Sonne kurz vor Einnachten, aufgenommen am Ägelsee
Foto © Jörg Niederer
"Die Dinosaurier lebten auf der anderen Seite der Milchstrasse" In einem Artikel von Watson

Ein Bibelvers - Jesaja 38,8

Gott lässt König Hiskia durch Jesaja ausrichten: "'Du kennst doch die Treppe, die Ahas gebaut hat. Je nach Sonnenstand fällt Schatten auf ihre Stufen. Den werde ich um zehn Stufen nach oben steigen lassen, obwohl er schon weitergegangen ist.' Da bewegte sich die Sonne zurück, und der Schatten stieg um zehn Stufen nach oben."

Ein Anregung

Die Sonne, der Stern, dem wir alle Energie verdanken, die das Leben auf der Erde möglich macht. Unter Tags so grell, dass wir sie nur mit getönten Schutzbrillen ertragen. Am Morgen aber und am Abend erstrahlt sie, abgeblendet von der Erdatmosphäre, milde und in betörender Farbenpracht.

Ihre Durchmesser zwischen den Polen und am Äquator weichen nur gerade 10 Meter voneinander ab. Damit ist sie mit ihrem Durchmesser von 1,4 Millionen Kilometer die am perfektesten geformte Kugel, die wir kennen. 

Die Sonne vereint 99,86 Prozent der gesamten Masse unseres Sonnensystems auf sich.

Wie sich die Planeten um sie drehen, so dreht sich die Sonne um ein Schwarzes Loch in der Mitte unserer Galaxie. Für die Umkreisung benötigt sie 240 Millionen Jahre. Seit ihrem Bestehen hat sie also kaum mehr als 20 Umrundungen geschafft. Die Zeit der Säugetiere umfasst gerade einmal etwas mehr als die eine, letzte Umkreisung.

Diese und weitere faszinierende Erkenntnisse gibt es auf einer Seite des Nachrichtendienstes Watson.

Die das ganze Sonnensystem dominierende Sonne hat immer wieder dazu geführt, sie mit Gott gleichzusetzten. Darum ist die Sichtweise des ersten biblischen Schöpfungsberichts auf die Sonne im 1. Kapitel des 1. Buch Mose bemerkenswert. Dort wird sie zur Lampe am Himmel degradiert. Ein Werk Gottes, aber nicht Gott selbst.

Die Sicht auf Gott als unfassbares Gegenüber führt zu einer angemesseneren Sicht auf unsern Stern im Sonnensystem. Könnte man sagen, dass am Anfang der Aufklärung und Entmythologisierung die Offenbarung Gottes stand?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde