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Freitag, 20. Juni 2025

Vertrauensbeweis

Ein Zitat

Pfarrer Klaus Fietkau spielt an der Jährlichen Konferenz 2025 in Langenthal die Leadgitarre im Musikteam der Methodistenkirche Belp.
Foto © Jörg Niederer
"Lege deine Sorgen nieder, / leg sie ab in meiner Hand. / Du brauchst mir nichts zu erklären / denn ich hab dich längst erkannt." Sefora Nelson

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 15,37-39

"Barnabas wollte auch Johannes Markus dabeihaben. Aber Paulus lehnte es ab, ihn noch einmal mitzunehmen. Er hatte sie ja in Pamphylien im Stich gelassen und nicht weiter bei ihrer Arbeit unterstützt. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Schließlich trennten sich Paulus und Barnabas. Barnabas nahm Markus mit und segelte nach Zypern."

Eine Anregung

Der Donnerstag an der Jährlichen Konferenz der Methodistenkirche in der Schweiz war so vielfältig, dass es gar nicht einfach ist eine Auswahl zu treffen für diesen Blog. Ich habe mich entschieden, eine Geschichte wiederzugeben die am Abend Pfarrer Klaus Fietkau erzählte. Der ausgezeichnete Gitarrist trat zusammen mit der Band der Evangelisch-methodistischen Kirche Belp im Gottesdienst auf und predigte dann auch noch.

An einer Stelle wurde er sehr persönlich. Er wäre wohl nie Pfarrer geworden, wenn es da im schwäbischen Dorf nicht eine Pfarrer gegeben hätte, der ihm mehr Vertrauen entgegenbrachte als etwa der Jugendleiter. Für letzteren war Klaus Fietkau zu wenig fromm, kam nicht aus einer christlichen Familie und liebte Rockmusik. Alles Gründe, ihn nicht für Andachten in der Jugendgruppe vorzusehen. 

Doch Klaus Fietkau hatte damals als einziger einen Zweitschlüssel zur - wie er sagte - "zweitschönsten Kirche" im Schwabenland. Der dortige Pfarrer hatte ihm diesen gegeben, damit er in der Kirche auf der Gitarre üben und mit der dortigen Verstärkeranlage Musik machen konnte. Dieses Vertrauen des Pfarrers sei der Schlüssel gewesen zu seinem heutigen Beruf und seiner Berufung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 1. Januar 2025

Vertrauensvolle Ruhe

Ein Zitat

Ein Grünfink hat sich zum Schlafen ins Efeu gesetzt.
Foto © Jörg Niederer
"Wer spät zu Bett geht und früh heraus muss, weiß, woher das Wort Morgengrauen kommt." Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - Psalm 62,6+7

"Bei Gott schweigt meine Seele still. Von ihm kommt die Hilfe, die ich nötig habe! Nur er ist mein Fels und meine Rettung – eine feste Burg, sodass ich nicht wanke."

Eine Anregung

Nein, mit dem kleinen schlafenden Grünfink will ich nicht sagen, dass man das nun anbrechende Jahr verschlafen soll. Es ist ganz anders. 

Als ich das Vögelchen fotografierte, stand ich nur etwa 1,5 Meter von ihm entfernt. Ein vorsichtiger Schritt, und ich hätte es ohne Anstrengung ergreifen können. Mitten am Tag schlief es seelenruhig, als könne ihm nichts geschehen, während ich dastand und staunte. Zwei, dreimal öffnete der Grünfink kurz die Augen, schaute mich an, und schlief weiter.

Dieses Vertrauen rührt mich sehr. So vertrauensvoll möchte ich ins neue Jahr gehen. Ob es wohl gelingt? Vielleicht helfen dazu die diesem Text vorangestellten Psalmworte.

Vertrauensvolle Ruhe, das wünsche ich euch und mir für das Jahr 2025.

Herzlich, Jörg Niederer

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 14. Oktober 2024

Vertrauensvolle Sicherheit

Ein Zitat

An der provisorischen Bushaltestelle in Sorengo bei Lugano wurden die Haltestellentafel und der Sitzbank mit einem Strick aneinander gebunden.
Foto © Jörg Niederer
"Wer andern gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken." Wilhelm Busch (1832-1908)

Ein Bibelvers - Psalm 118,8

"Es ist besser, beim Herrn Zuflucht zu suchen, als sich auf Menschen zu verlassen."

Eine Anregung

Sorengo ist eine ruhige Nachbarsgemeinde von Lugano. Dort kamen wir an einer provisorischen Bushaltestelle vorbei. Eine ebenfalls provisorische Haltestellentafel informiert darüber. Daneben steht eine einfache Sitzbank, wie man sie oft bei Festanlässen im Freien aufstellt. Auffällig daran ist das blaue Seil, mit dem die Bank an die Stange gebunden ist. Oder ist die Stange an die Bank gebunden?

Nun bietet das Seil keinen grossen Schutz davor, dass jemand die Bank losbinden und davontragen könnte. Der Knoten garantiert nicht sonderlich grosse Diebstahlsicherheit. Soll das Seil also lediglich dafür sorgen, dass die Bank weder von Wassermassen noch von heftigem Sturmwind weggeweht oder davongeschwemmt wird? Will man die Schilderstange und die Bank auf diese Weise sanft aneinanderbinden, wie das doch auch bei Beziehungen ungleicher Paare versucht wird? War da einfach ein blaues kurzes Seil zu viel im Lager, und statt es wegzuwerfen hat man für das verschupfte Ding einen sinnvollen Einsatzzweck gesucht?

Man kann die so vorliegende provisorische Bushaltestelle drehen und wenden wie man will. Eines bleibt: Das alles ist eine sehr vertrauensvolle Weise, für Sicherheit zu sorgen. Sympathisch, dass für einmal keine Ketten zum Einsatz kommen und auch sonst der Bevölkerung zugetraut wird, dass sie mit dieser Situation umzugehen weiss. 

In Sorengo gilt: Lasst Seile des Vertrauens und der Hoffnung sprechen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 23. August 2024

Kein irischer Segen

Ein Zitat

Der Orbiter auf Stelzen, ein Werk von Robert Indermaur, das leihweise auf dem Postplatz von Chur steht.
Foto © Jörg Niederer
"Der Misserfolg hat einen Segen, / der mir verklärt den trübsten Tag: / Er macht uns beliebter bei den Kollegen, / als ein Erfolg es je vermag." Oskar Blumenthal (1852-1917)

Ein Bibelvers - Sprüche 16,3

"Lass den Herrn dein Tun bestimmen! So werden deine Pläne gelingen."

Eine Anregung

Mögen deine Schritte heute weit und bestimmt sein, voll Freude, auf das, was der Tag bringen wird.

Möge dein Blick die Stolpersteine auf dem Weg rechtzeitig erkennen, So dass deine Füsse sicheren Halt finden.

Möge über dir der Himmel lachen, so dass dir das Herz aufgeht für die Freuden und Sorgen der andern.

Möge dein Weg dich dahin führen, wo Frieden und Hoffnung dich erwarten.

Und möge dir bei all dem Gott erfrischend näher sein als an jedem Tag zuvor.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 30. Januar 2024

Falsches Vertrauen

Ein Zitat

Skizze, wohl aus dem Warschauer Ghetto, ausgestellt im Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN in Warschau.
Foto © Jörg Niederer
"Was ist Krieg? Das Schlimmste, dann kommt das ganze Volk ins Elend. Die einen haben Nutzen vom Krieg, und die anderen sterben." Aus dem Bericht von Zanwel Krigman, Bewohner des Warschauer Ghettos

Ein Bibelvers - Esther 3,7

"Es kam das zwölfte Regierungsjahr von König Xerxes. Gleich im ersten Monat, im Nisan, warf man für Haman Lose, die 'Pur' hießen. So wollte er Tag und Monat feststellen, an dem er Mordechai und sein Volk [Israel] vernichten könnte. Das Los fiel auf den 13. Tag im 12. Monat, dem Adar."

Eine Anregung

Vor 91 Jahren, am 30. Januar 1933, wurde Adolf Hitler Reichskanzler von Deutschland, ganz legal, getragen vom Frust im Land und seiner Propaganda. Vier Wochen später stand das erste Konzentrationslager. Sieben Wochen später war das Parlament entmachtet. Sechs Jahre später begann der 2. Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen. 1942, also 9 Jahre später kam es zu den Deportationen von Juden aus dem Warschauer Ghetto ins Vernichtungslager nach Treblinka. Ein weiteres Jahr später folgte der jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto, der vom 19. April bis 16. Mai 1943 dauerte. Am Ende des ersten Weltkriegs, 12 Jahre später, waren 6 Millionen Juden tot. Der 2. Weltkrieg kostete insgesamt 70 Millionen Menschen das Leben.

Warum konnte dies alles geschehen? Ich glaube, weil viele Menschen sich einen Aufstieg erhofften durch die Versprechungen der neuen Machthaber, ein Leben, in dem sie mächtig, und nicht nur gewöhnlich sind. Sie hofften, dass da einer kommt, der sie wieder gross macht, ihnen wieder Stolz und Selbstachtung zurückgibt. Doch wer viel verspricht und zugleich Menschengruppen ausgrenzt, wie das aktuell besonders im Asylbereich Gang und Gäbe ist, dem sollte mit aller Macht misstraut werden. Nur wer liebevoll mit den Schwächsten der Gesellschaft umgeht, und niemand zum Sündenbock stempelt, verdient Vertrauen und Unterstützung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 30. Dezember 2023

Zukunftsaussichten

Ein Zitat

Rotmilan
Foto © Jörg Niederer
"Das Beste an der Zukunft ist, dass sie uns immer einen Tag nach dem anderen serviert wird." Abraham Lincoln (1809-1865)

Ein Bibelvers - Psalm 31,15+16

"Ich aber vertraute auf dich, Herr. Ich bekannte: Du bist mein Gott! Meine Zukunft liegt in deiner Hand. Rette mich aus der Gewalt meiner Feinde und lass mich meinen Verfolgern entkommen!"

Eine Anregung

Möchtest du wissen, was die Zukunft bringt?

Es wäre ja schon interessant, wenn wir, wie der Rotmilan von hoher Warte auf die Welt schaut, von oben herab das Kommende wie eine sich ausbreitende Landschaft überblicken könnten. Aber abgesehen von ein paar nahen Zukunftserwartungen liegt die Zukunft nicht in unseren Händen. Das gilt unabhängig von unserem Alter. Zwar sprechen einige von der Jugend als unserer Zukunft, aber auch die Jugend kann nicht sehen, was zukünftig auf sie zukommen wird. Zumindest kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich in Zukunft unweigerlich noch älter werde. So gesehen steht mir die Zukunft nicht offen, sondern schliesst sich langsam aber sicher. Macht nichts, solange ich mit der Gegenwart zufrieden bin. Und sonst? Sonst ist guter Rat teuer. Denn ich kann ja schon sagen, dass es im Himmel dann mal viel besser sein wird. Nur könnte mir das den Vorwurf der Jenseitsvertröstung einbringen. Zudem hilft es für den Moment wenig bis nichts.

Ich für meinen Teil lege meine Zukunft in Gottes Hände, und vertraue, dass mich das für einige Zeit lebenstüchtig genug werden und sein lässt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 5. Dezember 2023

Was Gott bäckt, das ist wohlgetan...

Ein Zitat

Schottische Hochlandrinder beim Wiederkäuen in der Allmend Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt." Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

Ein Bibelvers - Psalm 100,5

"Der Herr ist gut, für immer bleibt seine Güte und seine Treue von Generation zu Generation."

Eine Anregung

Die Geschichte ist von einem gewissen Cory Sayer. Gelesen habe ich sie vor einiger Zeit in einem weitergeleiteten Beitrag eines US-amerikanischen Kollegen. 

"Ein Pfarrer bat einen älteren Bauern in Latzhose, das Morgengebet für das Frühstück zu sprechen. 'Herr, ich hasse Buttermilch', begann der Bauer. Der Pfarrer öffnete ein Auge, um den Bauern anzusehen und sich zu fragen, worauf das hinauslaufen würde.
Der Bauer betete laut weiter: 'Gott, ich verabscheue Schweineschmalz.' Nun wurde der Pfarrer zunehmend besorgter.
Ohne eine Pause zu machen, fuhr der Bauer fort: 'Und guter Gott, du weisst, dass ich mit Weissmehl nicht viel anfangen kann'. Der Pastor schaute sich im Raum um, und sah, dass er nicht der Einzige war, der sich ob diesem Gebet unwohl zu fühlen begann.
Dann fügte der Bauer hinzu: 'Aber Herr, wenn meine Frau Buttermilch, Schweineschmalz und Mehl zusammenmischt und backt, dann liebe ich die warmen, frische Kekse, die sie aus dem Ofen zieht. Also, guter Gott, wenn Dinge auftauchen, die uns nicht gefallen, wenn das Leben schwer wird, wenn wir nicht verstehen, was du uns sagen willst, dann schenke uns Geduld, bis du mit dem Mischen fertig bist. Was dabei für unser Leben durch dich herauskommt, wird mit Sicherheit sogar besser werden als die sonst unübertrefflichen Kekse meiner Frau. Amen.'"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 16. Oktober 2023

Helle und finstere Wege

Ein Zitat

Nicht überall ist die Rheinschlucht bei Ilanz sonnenbeschienen und weit.
Foto © Jörg Niederer
"Fürchte Dich nicht vor einem großen Schritt, wenn dieser nötig sein sollte. Eine Schlucht kannst Du auch nicht mit zwei kleinen Schritten überwinden." David Lloyd George (1863-1945)

Ein Bibelvers - Psalm 23,1+4

"Der Herr ist mein Hirte... Und muss ich durch ein finsteres Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich."

Eine Anregung

Die Rheinschlucht ist eine der bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Schweiz. Nachdem vor 9500 Jahren der gewaltigen Flimser Bergsturz den Vorderrhein aufstaute und den 25 Kilometer langen Ilanzer See bildete, grub sich der Rhein nach und nach einen Abfluss durch die Schuttmassen hindurch. Den See gibt es so nicht mehr, er ist abgeflossen. Heute ist es die Schlucht, welche die Menschen in ihren Bann schlägt. Dabei geht es nicht überall und zu jeder Zeit durch ein weites Kiesbett hindurch. Da gibt es auch dunkle Engstellen, die nur mühsam überwunden werden können. Immer einmal führt der Alpenfluss bedrohliches Hochwasser. Doch dann zeigt er sich wieder von seiner malerischen Seite.

In meinem Leben ist es nicht anders. Dunkle und helle Zeiten wechseln sich ab. Da folgen Abschnitte voller Sonnenschein, und dann wieder düstere und beschwerliche Lebensstrecken. Zeiten möchte ich festhalten, konservieren in bleibenden Erinnerungen, anderes dagegen möglichst schnell wieder vergessen.

Für diesen Tag wünsche ich uns allen helle, lichte Wegstrecken, in denen wir getragen sind vom Vertrauen in Gottes Güte. Zugleich weiss ich, dass es für viele genau dies nicht geben. Das ist nicht nur in den Kriegsgebieten der Welt so. Auch hier, unweit der Rheinschlucht, gehen einige von uns durch finstere Täler. Mögen sie dabei Gottes Gegenwart besonders nah und wirklich erfahren.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 17. November 2022

Inspirierend, spielfreudig und nachdenklich

Ein Zitat

Spielerisch finden sich die Delegierten an der Zentralkonferenz von Mittel und Südeuropa zusammen, um nach Gemeinsamkeiten zu suchen.
Foto © Jörg Niederer
"Doch viel wichtiger ist, aus einem Geheimnis keine tote, leere, intellektuelle Lehre zu machen. Denn das Geheimnis Gottes in Christus Jesus will immer neu das Leben bewegen, prägen, verändern." Aus der Eröffnungspredigt von Bischof Patrick Streiff an der Tagung der Zentralkonferenz von Mittel und Südeuropa 2022

Ein Bibelvers - Kolosserbrief 2,2+3

"Es geht mir darum, ihnen im Herzen Mut zu machen. Dann können sie in Liebe zusammenhalten und in allem zu umfassender Einsicht gelangen. Denn sie sollen das Geheimnis Gottes erkennen: Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen."

Eine Anregung

Mit einem eindrücklichen Abendmahls-Gottesdienst nach einer Liturgie von Pfarrerin Erika Stalcup und der Predigt von Bischof Patrick Streiff begann die 19. Tagung der ausserordentlichen Zentralkonferenz von Mittel und Südeuropa. Rund einhundert Teilnehmende aus der Evangelisch-methodistischen Kirche in 14 Ländern Europas und Nordafrikas sowie Gästen aus weiteren Weltteilen feierten gemeinsam.

Angesichts der bevorstehenden Bischofswahl sind auch die Bischöfe David Bard (USA), Christian Alsted (Dänemark), Eduard Khegay (Russland) und Harald Rückert (Deutschland) in Basel eingetroffen. Bischöfin im Ruhestand Rosemarie Wenner (Deutschland) wird ebenfalls noch anreisen, genauso wie Bischof Muyombo Mande (Demokratische Republik Kongo). Von Bischof im Ruhestand Heinrich Bolleter wurden Grüsse überbracht. Aus der Methodistenkirche in Grossbritannien beehrt der Sekretär der Kirche Jonathan Hustler die Zentralkonferenz.

Nebst der Bischofswahl ringt die Kirche um eine möglichst weitgehende Einheit angesichts sehr unterschiedlicher Vorstellungen zur menschlichen Sexualität. Da ist es besonders wichtig, dass die Delegierten einander besser kennenlernen. Das geschah gestern Abend auf unterhaltsame Weise mit Spielen, welche jeweils 4 Personen zufällig zusammenführten. Ihre gemeinsame Aufgabe lautete, Gemeinsames zu benennen und Hoffnungen für diese Tagung zu formulieren.

Auffällig war, wie häufig der Wunsch und die Hoffnung geäussert wurde, dass man nach dieser Tagung gemeinsam weitergehen werde. Aber auch auf "weissen Rauch" wird gehofft, also dass die Wahl einer neuen Bischöfin oder eines neuen Bischof zustande kommt, und dass es dieser Person gelingen möge, verbindend und versöhnend zu wirken.

Das alles geschah nicht in erster Linie auf ernste und sachliche Weise, sondern es wurde viel gelacht und auch gestaunt an diesem Abend.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 12. September 2022

Vertrautheit

Ein Zitat

Ein Paar spaziert Hand-in-Hand über einen Feldweg
Foto © Jörg Niederer
"Nur Vertrauen führt zu Vertrautheit. Beide Wörter haben ein- und dieselbe Wurzel." Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker

Ein Bibelvers - Psalm 139,1+2

"Herr, du hast mich erforscht und kennst mich genau. Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es. Meine Absicht erkennst du von fern."

Ein Anregung

Wer in einer langdauernden Gemeinschaft lebt, kennt es vielleicht auch. Was zu Beginn der Beziehung noch für Drama sorgte und total verunsicherte, das ist mit zunehmender Vertrautheit kein Grund mehr zu Panik und Sorgen. Genau darum wohl finde ich mich in den Worten von Malachy Tallack, wenn er im Buch "Das Tal in der Mitte der Welt" das ältere Ehepaar Mary und David beschreibt: "Mary hatte Jahre gebraucht, um zu verstehen, wie sie mit ihrem Mann umgehen musste, wenn er so war, wenn er auf diese Art in sich selber verschwand, wie eine sich schliessende Muschel, wenn er die Welt aussperrte. Das war so anders als die Offenheit, die sie an ihm liebte, so anders als der David, den alle anderen kannten." (ebd. S. 203) 

Was von Mary gesagt wird, das scheint mir, könnte auch von meiner Frau gesagt werden. Sie hat gelernt mit meinen Macken umzugehen. Ich werfe sie nicht mehr so leicht aus der Bahn. Sie kennt mich. Ich empfinde das als ein grosses Geschenk.

In der Bibel lese ich, dass Gott uns Menschen durch und durch kennt. Und so bin ich sicher, dass Gott durch nichts, was wir Menschen an Macken und Fehlern haben, was wir tun oder lassen, aus der Bahn geworfen wird. Er weiss, wie er uns nehmen muss, lässt uns Zeit, lässt uns im Fallen nicht los, hält uns in seiner Gegenwart. Ich empfinde das als ein grosses Geschenk.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 21. November 2021

Gott - ein Macher?

Ein Zitat

Auf dem Friedhof von Walde
Foto © Jörg Niederer
"Ein Mensch, der für nichts zu sterben gewillt ist, verdient nicht zu leben." Martin Luther King

Ein Bibelvers - Psalm 37,5

"Lass den Herrn deinen Weg bestimmen! Vertrau auf ihn! Er wird es schon machen."

Ein Anregung

König David, ein Macher also, soll den Psalm 37 geschrieben haben. Gerade er soll also gesagt haben: "Gott wird es schon machen." 

Ist Gott ein Macher? Andere Übersetzungen reden von Gott als dem, "der es fügen wird". 

Gilt das auch, wenn wir an den Tod denken? Das ist ja am Ewigkeits- oder Totensonntag üblich und geboten. Und so erinnern sich die Christinnen und Christen heute Sonntag in vielen Kirchen an die im vergangenen Jahr verstorbenen Menschen. Und vielleicht fragen sie sich: Ist Gott auch der Macher, wenn der Tod alles Tun und Wirken beendet?

Über das Vertrauen in Gott den Macher denken wir heute im Gottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen nach. Um 10.15 Uhr geht es an der Kapellenstrasse los, und per Youtube kann man dann ab ca. 10.30 Uhr mit dabei sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 18. Juli 2021

Spirituell die Füsse hochlagern

Ein Zitat

Nichtstun am Strand
Foto © Jörg Niederer
"Vielleicht hängt die Wahrheit von einem Spaziergang um den See ab." Wallace Stevens (1879–1955), US-amerikanischer Dichter

Ein Bibelvers - Prediger 2,17

"Da begann ich das Leben zu hassen. So übel erschien mir das Tun, das unter der Sonne getan wird: Alles ist Windhauch und vergebliche Mühe!"

Ein Anregung

Nichts tun ist nicht immer falsch. Ausruhen gehört zum Leben. Ferien vom Leistungsdruck können sehr gut tun. Genau davon handelt die heutige Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.

Es ist ein Plädoyer für ein zweckfreies, in Gott geborgenes Sein. Warum immer unter Strom stehen. Nimm dir doch einmal Zeit für den Stillstand. Versuche den Wind zu fangen. Das Leben, so der Prediger sei ja sowieso ein "Haschen nach Wind".

Andere Möglichkeiten: Sammle Licht ein oder Sterne, folge den Wolken, schlendere durch den Regen zum Anfang des Regenbogens, ordne die Reiskörner nach einem Muster oder untersuche, ob in der Buchstabensuppe das ganze Alphabet vorkommt.

Still halten ist nicht nur dann sinnvoll, wenn man muss. Es ist auch dann oft erhellend, wenn man darf.

Der Gottesdienst zum Thema "Müssiggang und Gvätterle" am Sonntag um 10.15 Uhr in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen kann live per Zoom (oder vor Ort) miterlebt werden. Dabei nehmen wir uns aber auch Zeit, um für die Opfer der Unwetter zu beten.

Die Predigt anhören!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 4. Juli 2021

geHORCHen

Ein Gedanke

Was bewirkt das hören auf Jesus Christus?
Foto © Jörg Niederer
"Nur der Gehorsam dauert, der freiwillig ist." Niccoló Machiavelli (1469 - 1527), italienischer Staatsmann und Schriftsteller

Ein Bibelvers - Matthäus 17,5b

"Da erklang eine Stimme aus der Wolke: 'Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude. Hört auf ihn!'"

Eine Anregung

Im Neuen Testament findet sich ein häufiges Wort, das "hören und handeln" verbindet, und oft mit "gehorchen" übersetzt wird. Und dann gibt es ein Wort, das "vertrauen und gehorchen" miteinander verknüpft.

Unter einem gehorsamen Menschen versteht die Bibel eine Person, welche aus dem Hören auf eine vertrauenswürdige Person handelt.

Der Gottesdienst heute Sonntag in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen wird das erste Begriffspaar "hören und handeln" genauer betrachten. Die Predigt ist mit "geHORCHen" überschrieben. Das andere Begriffspaar "Vertrauen und Gehorchen" wird dann eine Woche später im Zentrum des sonntäglichen Nachdenkens stehen.

Die Predigt steht auf Youtube als Video zur Verfügung. 

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde