Ein Zitat
Foto © Jörg Niederer
"Auf den zweiten Blick aber vermitteln die Aufnahmen von Peter Maurer auch ein Unbehagen - ein vages Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt." Aus dem Vorwort von Peter Pfrunder zum Buch "Terra Deposita" von Peter Maurer
Ein Bibelvers - Sprüche 25,4+5
"Entfernt man die Schlacke aus dem Silber, so gelingt dem Gold- und Silberschmied sein Werk. Entfernt man den Frevler aus der Umgebung des Königs, so wird sein Thron durch Gerechtigkeit gefestigt."
Eine Anregung
Ich habe ein Buch gekauft, das riecht nach dem, was darin auf Fotos dargestellt ist. Es riecht nach Mülldeponie. Ich vermute, das ist so gewollt. Zum Visuellen kommt das Olfaktorische hinzu.
Im Buch "Terra Deposita - Belastetes Land im Zwielicht" von Peter Maurer (ISBN 978-3-03942-269-2) findet man Fotos von Deponien aller Art. Manche sind kaum noch als solche zu erkennen. Andere zeigen auf den ersten Blick ihre belastete Vergangenheit oder Gegenwart. Altlasten werden hier gekonnt ins Bild gesetzt, nach einer ganz besonderen Technik. Die Fotos entstanden bei Dämmerung und in der Nacht mit einer Belichtungszeit von 51 Minuten. Damit erinnert Maurer an die Area 51, ein Sperrgebiet in der Wüste von Nevada. Dort soll es geheime Beweise geben von UFOs. Mülldeponien und Altlasten werden bei uns oft versteckt, geheim gehalten oder deren Gefährlichkeit heruntergespielt.
Heute sind 38'000 Orte in der Schweiz belastet. 4000 sind dringend sanierungsbedürftig. Der Bund will sie allesamt bis ins Jahr 2045 entgiften.
Das Buch enthält wenig Text. Die Fotos sollen für sich sprechen. Wer sich ein eigenes Bild von den Deponien machen möchte, kann diese anhand ihrer geografischen Koordinaten finden. Etwa die Deponie Neudorf, St. Gallen (Auf der linken Seite des Fotos oben): 47°26'34.6"N 9°25'23.5"E (oder: 47.442944°N 9.423189°E). Bei Google ins Suchfeld eingeben, und schon wird Ort und Stelle angezeigt.
Dazu die Beschreibung: "Der Ablagerungsstandort war von 1940-1968 in Betrieb. Der Unterschachenbach wurde in den 1960er Jahren eingedolt, durch die Sanierung hat man ihn wieder freigelegt. Flora und Fauna können sich erneut entfalten, und der Hochwasserschutz wird verstärkt. Für eine Renaturierung war eine temporäre Rodung nötig. Spuren der ehemaligen Deponie sind noch heute gut zu sehen."
Die Sünden von einst sind immer noch zu sehen. So ist das mit Sünden, mit Altlasten. Sie gehen uns Menschen lange nach, manchmal über Generationen hinweg. Eine Sündensanierung ist nicht billig und einfach zu haben. Doch wenn sie gelingt, dann kann nach und nach neues Leben und Frieden entstehen.
Noch besser wäre, gar nicht erst unser Land zu vergiften. Und auch kein anderes Land und auch nicht das eigene oder ein fremdes Leben.
Während ich das schreibe, habe ich den Geruch des Buches in der Nase. Dazu schlage ich ein kleines Experiment vor. Vergrabe einmal in deinem Garten oder an einem anderen Ort eine Baumwollunterhose und eine Kunstfaserunterhose zwei Monate lang im Boden! Danach grabe sie wieder aus, und vergleiche die beiden Kleidungsstücke! Besser für uns ist alles, was stärker und schneller zersetzt wird. Das andere kann zu einer Altlast werden.
Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen
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