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Dienstag, 7. Januar 2025

Die drei Könige und der Gekreuzigte

Ein Zitat

Die drei Königen aus der Weihnachtskrippe vor dem Gekreuzigten in der Wallfahrtskapelle Klingenzell.
Foto © Jörg Niederer
"Die Kreuzigung Jesu Christi ist der zwingendste Beweis dafür, dass Gottes Liebe allen Zeiten gleich nah und gleich fern ist." Dietrich Bonhoeffer (1906-1946)

Ein Bibelvers - Matthäus 2,1+2

"Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren. Zu dieser Zeit war Herodes König. Da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. Sie fragten: 'Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.'"

Eine Anregung

Nachdem der gestrige Dreikönigstag im Zeichen des Hirtenbriefs der Bischöfinnen und Bischöfe der Evangelisch-methodistischen Kirche stand, komme ich halt heute erst auf die drei Könige zu sprechen.

Da gibt es ja die Erzählung von einem vierten König, der - von den andern drei abgehängt - erst Jahre später nach Jerusalem fand, just an dem Tag, als Jesus gekreuzigt worden war. 

Nun kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass die anderen drei Könige nicht nur dem neugeborenen Heiland begegnet sind, sondern ganz offensichtlich auch dem Gekreuzigten. Das wird uns, wie man auf dem Foto sehen kann, in der Wallfahrtskapelle Klingenzell vor Augen geführt. Was hätte die drei auch daran hindern sollen, Jahre nach Christi Geburt in Jerusalem nachschauen zu gehen, was aus dem Baby von Bethlehem geworden war.

Es wäre interessant, zu sehen, wie sie auf die Kreuzigung von Jesus reagiert hätten. Einfach ist es, die Hoffnung nicht zu verlieren beim Anblick eines neugeborenen Kindes. Viel schwieriger ist es, angesichts des Gekreuzigten die Hoffnung zu behalten. Genau das aber wird uns Christ:innen zugemutet.

Nun, angesichts der vielen aktuell in Spitzenpositionen gewählten Rassisten, Lügnern, und Kriegsgurgeln schein mir der Glaube an einen hingerichteten Heiland gar nicht sonderlich dumm und abwegig.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 28. Dezember 2024

Weihnachts-Kitsch

Ein Zitat

Tannenbäume und eine Weihnachtsmannzipfelmütze singen Weihnachtslieder und wackeln dazu auf dem Christkindlmarkt in Strasbourg.
Foto © Jörg Niederer
"Die Stille offenbart uns mehr, als der Verstand uns sagen kann." Otto Pötter (*1948), Dichter und Autor

Ein Bibelvers - Sprüche 17,28

"Auch einen Dummen kann man für klug halten, solange er schweigt. Hält er seinen Mund, gilt er als schlau."

Eine Anregung

Nun, einige Tage nach den heiligen Nächten darf man es wohl sagen: Die Weihnachtszeit verkommt in manchen Bereichen zu Phantasie und Kitsch.

Das wurde mir wieder bewusst, als ich kürzlich über den Christkindlmarkt in Strasbourg schlenderte, und die Szene mit den tanzenden Weihnachtsbäumen und der wackelnden Weihnachtszipfelmütze entdeckte. Mir kamen die auf Brettern an der Wand hängenden Fischimitate in den Sinn, denen ich vor etwa 5 Jahren an einer Weihnachtfeier in der Wohnung eines Bekannten ausgesetzt war. Sie plärrten Weihnachtlieder zum Besten und wackelten dabei mit Kopf und Schwanz. Oder ich denke an die übergross aufgeblasenen Weihnachtmänner und an die Rentier-Geweihe aus Stoff, die sich manche beim Weihnachtsbesuch am eigenen Kopf anbringen.

Erst beim Anschauen des Videos von diesen Zipfeldingern wurde mir noch etwas bewusst: Der unglaubliche Lärm, dieses gleichzeitige sinnlose Tönen und Plappern.

Insofern wünscht man sich eine stille Nacht, in der für einmal weder Fische, noch Tannenbäume, noch Weihnachtshüte und auch keine realen Personen das Lied "Stille Nacht" in unterschiedlicher Virtuosität von sich geben. Ich jedenfalls wünsche mir aktuell einfach mehr Ruhe und Stille.

Natürlich hoffe ich, dass ihr euch nun trotzdem den 15 Sekunden Skurrilität aussetzt und euch mein kurzes Beleg-Video zum Geschriebenen anschaut. Danach gönne ich euch gerne auch die euch nötige Zeit der Stille.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Donnerstag, 26. Dezember 2024

Ochsentour

Ein Zitat

Ochsen auf der Weide bei der Waldegg in Teufen.
Foto © Jörg Niederer
"Doch über Ochs und Esel schweigt es sich aus, und trotzdem fliegen sie aus der Krippe nicht raus." Aus: "Ich Esel! Du Ochse..." von Carsten Dahmann

Ein Bibelvers - Sprüche 14,4

"Wo keine Rinder vorhanden sind, gibt es auch kein Getreide. Wo man über starke Ochsen verfügt, bringen die Felder reichen Ertrag."

Eine Anregung

Auf meiner Weihnachtskarte (Siehe mein Beitrag vom 24. Dezember) sind auch Ochse und Esel zu finden. Beide Tiere haben nicht den besten Ruf, wobei das mehr über Menschen aussagt als über die zwei Arten von Vierbeinern. Jedenfalls haben sie ihren Platz an der Krippe. Da viele heute nicht mehr wissen, wie Ochsen aussehen, habe ich dieses Foto von zwei der Kraftprotzen gewählt. Die Eunuchen unter den Vierbeinern sind aus der Mode gekommen, seit es sie nicht mehr zum Pflügen braucht, und der Schwertransport auf den Strassen auf Rädern und nicht mehr per Ochsenkarren erfolgt.

Carsten Dahmann, Spoken Word Artist und Musiker nennt in einem Reim, den er schon vor sechs Jahren geschrieben hat, Ochs und Esel "die zwei letzten treudoofen Seelen" im Weihnachtszenario. Und mit schrägem Lächeln schreibt er dazu: "Ich wünsche allen Ochsen und Eseln da draussen gesegnete Weihnachten!" Doch es lohnt sich, für vier Minuten dem begabten Texter und seiner gereimten Ansprache zu folgen.

Heute feiere ich noch einen verspäteten Weihnachtsgottesdienst in St. Gallen. Das Thema lautet wie gestern: "Gott in unserer Mitte". Wer dabei sein möchte, kann das heute um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen tun. Es gibt Weihnachtslieder, Gedanken, Wärme, Gemeinschaft und auch noch etwas Kaffee und Weihnachtsgebäck. Also gerne vorbeischauen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Fuchsia-Weihnachtsbaum im Alpenraum

Ein Zitat

Per KI auf der Webseite der Reformierten Kirche Luzern erzeugte Weihnachtskarte.
Foto © KI auf Webseite der reformierten Kirche Luzern
"An Weihnachten verbringe ich Zeit mit meiner Familie." Jael auf der Webseite der reformierten Kirche Luzern

Ein Bibelvers - Ezechiel 37,26

"Dann schließe ich einen Bund des Friedens mit ihnen. Dieser Bund wird für alle Zeit gelten. Ich gebe ihnen das Land und sorge dafür, dass sie sich vermehren. Für immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein."

Eine Anregung

Ich habe es getan. Ich habe auf der Webseite der reformierten Kirche meine persönliche Weihnachtskarte durch eine Künstliche Intelligenz (KI) erstellen lassen. Ich habe mich für eine Berglandschaft entschieden und mir einen Fuchsia-Weihnachtsbaum gewünscht, und die KI hat das doch richtig toll hingekriegt. Sogar das Matterhorn ist darauf; es hätte aber auch ein anderer Berg sein dürfen.

Heute feiere ich einen Weihnachtsgottesdienst in Weinfelden. Darauf freue ich mich. Das Thema lautet wenig überraschend: "Gott in unserer Mitte". Da weiss man ja schon, was kommt, oder? Viele Weihnachtslieder!

Wer dabei sein möchte, kann das heute um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10 in Weinfelden oder am morgigen Stefanstag um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen tun. Einen Fuchsia-Tannenbaum gibt es an beiden Orten leider nicht, dafür aber Wärme, Gemeinschaft und auch noch etwas Kaffee.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 24. Dezember 2024

Weihnachtsgruss

Ein Zitat

Heilige Familie mit geigendem Engel. Fresco in Morcote.
Foto © Jörg Niederer
"Der Himmel hängt voller Geigen." Redensart

Ein Bibelvers - Lukas 2,7

"Maria brachte ihren ersten Sohn zur Welt. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe. Denn sie hatten in der Herberge keinen Platz gefunden."

Eine Anregung

Es war auf einer Herbstwanderung, als ich in Morcote auf dieses Weihnachtsbild stiess. Überraschend daran ist der weibliche Engel mit Geige. Ein Anachronismus, da es zur Zeit von Maria und Josef dieses Instrument noch gar nicht gab.

Die Geburt Jesu hätte es verdient, dass der Himmel voller Geigen hängt. Streichmusik ist ja auch heute Bestandteil festlicher Musik. 

Auch wenn es nur eine Geigerin gibt auf diesem Fresko, so spielt doch nicht sie die erste Geige. Die erste Geige spielt das Jesuskind, das freudig intensiv zu uns Betrachtenden blickt, während es sich in den Schoss von Maria schmiegt.

Mit der Geige verbunden sind viele Redensarten. So sagte man von einem Menschen, der fundamentale Dinge nicht gelernt hat: "Es ist ihm nicht an der Wiege gegeigt worden." Sagt jemand: "Dir werde ich es schon geigen", dann geht es um die ungeschminkte Wahrheit. Auch Jesus spricht im Verlauf seine Lebens von Wahrheit: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich." (Johannes 14,6) 

Eine andere Redensart lautet: "Was die Fürsten geigen, das müssen die Untertanen tanzen." Was negativ gemeint ist, bekommt beim "Fürsten" Jesus eine neue Bedeutung: "Was Christus geigt, das dürfen wir tanzen." Das ist ganz im Sinn einer Aussage von Jesus, die mir beim Ochsen auf dem Bild einfällt: "Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab." (Matthäus 11,29)

Gott meint es gut mit uns. Darum wurde er in Jesus Mensch. Grund, unsere Geigen nach seiner zu stimmen. 

Ich wünsche uns allen Christi Gegenwart, Sanftmut und Augenblicke voller Freude.

Gesegnete Weihnachten und ein hoffnungsreiches Neues Jahr.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 7. September 2024

Bald ist Weihnachten

Ein Zitat

Eine grosse Weihnachtskerze vor einem Haus in Frauenfelder Ortsteil Osterhalden.
Foto © Jörg Niederer
"Ich wünsche dir Zeit, um in Erinnerungen von gestern zu schwelgen; Zeit, um hier und heute zur Ruhe zu kommen und Zeit, um neue Pläne für morgen zu schmieden." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 119,130

"Das Tor zu deinen [Gottes]Worten leuchtet hell. Hindurchzugehen bringt Unerfahrene zur Einsicht."

Eine Anregung

Vor zwei Tagen sah ich erstmals in diesem zweiten Halbjahr einen Eisvogel, einen Dunkelwasserläufer und eine dekorative Weihnachtskerze im Überformat. Alles an einem einzigen Tag. Am exotischsten, so kam es mir vor, war die Weihnachtskerze. Sie passte einfach noch nicht in die Jahreszeit.

In 109 Tagen ist Weihnachten. Hast du die Geschenke schon gekauft? In meinem Bekanntenkreis beginnen manche damit in den Sommerferien.

Für alle, welche sich schon auf Weihnachten freuen, hier ein (un)passendes Gedicht von Theodor Fontane: 

"Noch ist Herbst nicht ganz entflohn, / aber als Knecht Ruprecht schon / kommt der Winter hergeschritten, / und alsbald aus Schnees Mitten / klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah, / bunt auf uns herniedersah, / weiß sind Türme, Dächer, Zweige, / und das Jahr geht auf die Neige, / und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn, / heute bist du uns noch fern, / aber Tannen, Engel, Fahnen / lassen uns den Tag schon ahnen, / und wir sehen schon den Stern."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Montag, 8. Januar 2024

Noch ein letztes Mal Weihnachten

Ein Zitat

Ausschnitt aus dem Glasfenster von August Wanner in der Pfarrkirche St. Pankratius in Bolligen zur Geburts- und Jugendgeschichte von Jesus: Die heilige Familie.
Foto © Jörg Niederer
"Auf der ganzen Welt feiern Orthodoxe Christen Weihnachten. Ihr 25. Dezember, berechnet nach dem dem julianischen Kalender, beginnt mit der Mitternacht vom 6. auf den 7. Januar des allgemein benutzten gregorianischen Kalenders." Quelle: Euronews

Ein Bibelvers - Jesaja 1,3

"Ein Ochse kennt seinen Besitzer und ein Esel die Futterkrippe seines Herrn."

Eine Anregung

Gestern feierte ein Teil der orthodoxen Welt das Weihnachtsfest. Bei uns wartet immer noch ein angebrochener Dreikönigskuchen auf den dazugehörigen König oder die dazugehörige Königin. Untrügliche Zeichen, dass die Weihnachtszeit nun wieder für ein Jahr ein Ende finden wird. Das Foto von der Heiligen Familie aus der Kirche St. Pankratius in Bolligen will noch einmal an die Geburt des Erlösers erinnern.

Zum Dreikönigskuchen folgen hier einige Gedanken von einer Berufskollegin, der Pfarrerin Nicole Becher. Ihr fiel in der Bahn ein weggeworfener kleiner Plastikkönig auf, wie er in die Dreikönigskuchen gesteckt wird. Dazu schreibt sie auf Facebook:

"Auch in diesem Jahr Gedanken aus der SBB: ein einsamer König auf dem Weg nach...? Wer ist nicht vielleicht alles auf dem Weg heute und ich sehe in dieser Person nur jemanden, der alleine irgendwo hinreist? Dabei handelt es sich um einen König, eine Königin - einen Menschen, der die für andere Verantwortung übernimmt, sich einsetzt und zurücknimmt, immer wissend, dass auch er sie lebt aus der Liebe Gottes. Den einsamen König habe ich vom Boden genommen und so gelegt, dass er nicht mit Füssen getreten wird. Das ist das mindeste, was ich tun kann."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 25. Dezember 2023

Weihnachtsgruss

Ein Zitat

Kommerzielle Plakatwand in Affeltrangen.
Foto © Jörg Niederer
"Die Botschaft von Weihnachten: Es gibt keine größere Kraft als die Liebe. Sie überwindet den Hass wie das Licht die Finsternis." Martin Luther King (1929-1968)

Ein Bibelvers - Lukas 2,11

"Der Retter ist geboren, Es ist Christus, der Herr."

Eine Anregung

Friede sei mit euch!

Gerade wieder gestalten wir Weihnachtszeit und Jahreswechsel. Wie jedes Jahr mache ich mit, bin Teil davon. Wie immer frage ich mich, mit welchen lichtvollen Bildern will ich andere beglücken.

In diesem Jahr ist es eine dieser unsäglichen Plakatwände in der Provinz. Eine dieser Flächen, auf denen alles zusammenkommt, von Kaninchenzüchterverein bis Comedy, von Hühneraugensalbe bis Metzgete. Da, zwischen Second-Hand und Oropax, auf blauer Fläche und in gelb leuchtenden Buchstaben, lese ich die Botschaft der Engel an die Hirten: "Der Retter ist geboren, Es ist Christus, der Herr" (Lukas 2,11)

So lautet die Weihnachtsbotschaft in Kürzestform. Damit ist alles gesagt. Es mag eisig kalt sein, ein Tag, an dem Raureif sich auf die Seele legt. Durch diese Botschaft wird es mir wieder warm ums Herz. 

So wünsche ich uns allen, dass Gottes Werbebotschaft nicht nur ein Wort aus Engelsmund ist, auch nicht nur ein kalter Plakataushang. Ich wünsche, dass uns Christus und seine Hoffnungsbotschaft erfüllt und Kraft gibt für die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Die Weihnachtsgruss-Karte ist auch als PDF-Datei verfügbar.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 24. Dezember 2023

Auch eine Gewalt- und Fluchtgeschichte

Ein Zitat

Ausschnitt aus dem Glasfenster von August Wanner in der Pfarrkirche St. Pankratius in Bolligen zur Geburts- und Jugendgeschichte von Jesus: Die Flucht nach Ägypten.
Foto © Jörg Niederer
"Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte." Selma Lagerlöf (1858-1940)

Ein Bibelvers - Matthäus 2,14

"Daraufhin stand Josef mitten in der Nacht auf. Er nahm das Kind und seine Mutter und zog mit ihnen nach Ägypten."

Eine Anregung

In den Evangelien geht es Schlag auf Schlag. Nach der Geburt und der Anbetung der Könige folgt die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. So erzählt es jedenfalls Matthäus. Damit ist Jesus schon als Kind auf das Wohlwollen von anderen Menschen angewiesen.

Wie zeigt man der Menschheit, dass auch mit der Geburt von Jesus nicht einfach heile Welt ist? Man kann es so tun wie auf dem Glasfenster, indem man Maria mit dem Jesuskind auf einem Esel reitend darstellt, geführt von Josef. Ein idyllisches Bild der Flucht. Zu Fliehen ist aber gefährlich, das wissen wir heute sehr gut.

Gar nicht indirekt erzählt der Kindermord in Bethlehem davon, dass nicht heile Welt geworden ist, als Jesus geboren wurde. Ein Kindermord, das ist ganz sicher kein idyllisches Bild. Und doch ist es auch Teil der Weihnachtsbotschaft der Bibel.

Es ist eben so: Gott kommt in die Welt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass die Welt das gar nicht besonders gut findet, wenn Gott sich einmischt. Ja, manche wollten ihn liebend gern loswerden. Gott aber will uns liebend gerne nahe sein und bleiben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 23. Dezember 2023

Weihnachten mit Bischof Stefan Zürcher

Ein Zitat

Fotomontage: Bischof Stefan Zürcher vor einem Glasfenster des Casinos in Lausanne.
Foto © Jörg Niederer
"War die Botschaft der Engel nicht 'Good News' sondern 'Fake News'?", fragt Bischof Stefan Zürcher in seiner aktuellen Weihnachtsbotschaft 2024

Ein Bibelvers - Lukas 2,13+14

"Plötzlich war der Engel umgeben vom ganzen himmlischen Heer der Engel. Die lobten Gott und riefen: 'Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!'"

Eine Anregung

Da ich ja angekündigt habe, bis Weihnachten Bilder von Glasfenstern zu zeigen, musste ich für heute zu einem Trick greifen. So habe ich den Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, Stefan Zürcher, kurzerhand per Photoshop vor ein Glasfenster des Lausanner Casinos gestellt. Denn ich möchte euch mit diesem Beitrag herzlich einladen, die Video-Weihnachtsbotschaft von Bischof Stefan Zürcher anzuhören. Ich finde, es lohnt sich.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 22. Dezember 2023

Advent mit Johannes

Ein Zitat

Glasfenster von Hermann Meyer, Ausgeführt von Hans Drenckhahn (1878-1953) in der Reformierten Kirche Degersheim.
Foto © Jörg Niederer
"Die Stille der Heiligen Nacht, die das wohl bekannteste Weihnachtslied besingt – wie verträgt sie sich mit der Weihnachtsbotschaft aus dem Prolog des Johannes-Evangeliums, das die Menschwerdung, ja Fleischwerdung des göttlichen Wortes ansagt?" Prof. Dr. Eberhard Jüngel (1934-2021). 2009 in der NZZ

Ein Bibelvers - Johannes 1,4+5

"Er, das Wort, war zugleich das Leben in Person. Und das Leben war das Licht für die Menschen. Das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht angenommen."

Eine Anregung

Hast du dir den Evangelienschreiber Johannes so vorgestellt? Dunkle Haut, fast schwarzes Haar! Aber vielleicht ist ja der Täufer Johannes auf dem Glasfenster von Hermann Meyer (1878-1961) in der Reformierten Kirche Degersheim abgebildet. Nun, das Aussehen ist nicht so wichtig, und die dunklen Haare und die braungebrannte Haut passen ja gut zu einem Menschen aus dem Nahen Osten.

Der Evangelienschreiber Johannes hat, wie schon Markus, einen speziellen Zugang zur Geburtsgeschichte von Jesus. Wie bei Markus gibt es sie beim ihm nicht. Dafür spricht er auf ganz eigene Weise von Jesus. Vom Wort Gottes, das von Anfang an war, das alles geschaffen habe, was auf Erden ist, und (so übersetzt die Lutherbibel), dieses Wort wurde Fleisch beziehungsweise diese Wort wurde Mensch (Basisbibel). Aber nicht nur dieses Bild von Jesus wird durch Johannes gezeichnet. Im gleichen Atemzug spricht er auch vom Wort Gottes, von Christus, als vom Licht das in die Finsternis leuchtet.

Auch ohne Maria, Josef, Engel und Jungfrauengeburt gelingt es dem Evangelisten mit den ersten Zeilen seines Evangeliums, das ganz Besondere von Jesus herauszustreichen. Gott wird Mensch, Wort wird Fleisch. Im Leben von Jesus sieht Johannes Gottes Licht in der Dunkelheit aufleuchten. Genau das ist doch die Botschaft von Weihnachten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Mittwoch, 20. Dezember 2023

Natur und Kultur feiern Weihnachten

Ein Zitat

Pflänchen in der Winterwiese, mit Eiskristallen bedeckt.
Foto © Jörg Niederer
"Hörst du den Engel? / Er verkündet die Freude / allen Menschen, / den alten und jungen, / den reichen und armen, / den kranken und schwachen, / den guten und bösen, / den klugen und dummen. / Höre ihm zu! Er meint auch dich!" Regina Hesse (*1933)

Ein Bibelvers - 1. Korinther 15,41

"Die Sonne leuchtet anders als der Mond, der Mond wieder anders als die Sterne. Und kein Stern leuchtet wie ein anderer."

Eine Anregung

Zweimal Christbaum, in gewisser Weise.

Den traditionellen, in einer Stube, mit Glitzer, Kerzen und Kugeln, raumhoch, dazu das Konzert von vier flötenden Frauen, dem "Woodpeckers Recorder Quartet". Sie interpretieren Bachs "Die Kunst der Fuge". Kultur, wie man sie erwartet an Weihnachten.

Den natürlichen Christbaum mimt ein Pflänzlein auf einer Wiese, mitten im kalten Winter. Klein, unscheinbar. Nahe heran müssen wir, um es zu sehen in seiner Pracht. Dann glitzern die Eiskristalle der Raureifnacht schöner und kräftiger und intensiver.

Kultur und Natur, beide beten das Kind in der Krippe an. Ich kann mich nicht entscheiden, was mir mehr gefällt. Ich muss mich nicht entscheiden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 17. Dezember 2023

Die Friedenskerze am Adventskranz

Ein Zitat

Weihnachtsschmuck in der Evangelischen Kirche von Bussnang.
Foto © Jörg Niederer
"Wir zünden Kerzen der Hoffnung, der Freude und der Liebe an, während wir uns auf das Anzünden der Christuskerze vorbereiten, die den Höhepunkt unserer jährlichen Reise bildet. Jedes Jahr zünden wir auch eine Kerze des Friedens an. Doch in diesem Jahr ist es viel schwieriger, diese Kerze anzuzünden." Bischof Thomas J. Bickerton

Ein Bibelvers - Kolosser 3,15

"Und der Friede, den Christus schenkt, lenke eure Herzen."

Eine Anregung

Für alle, welche sich am vergangenen Sonntag über den Beitrag zur zweiten Adventskerze geärgert haben, sei eine deutsch untertitelte Ansprache zu Advent und Weihnachten empfohlen von Bischof Thomas J. Bickerton. Er ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche. Sehenswert und feinfühlig nimmt er sich der Frage des Friedens an. Auch er entzündet vorerst die zweite Kerze nicht, die sogenannte Friedenkerze. Doch am Ende brennen dann nicht nur drei Kerzen, sondern gar fünf an seinem Adventskranz.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 11. Dezember 2023

Advent mit Markus

Ein Zitat

Das Markusfenster von Albin Engeler in der katholischen St. Markus-Kirche in Schönholzerswilen.
Foto © Jörg Niederer
"Act Now – 'Handelt jetzt': Mit einem sofortigen Umsteuern in der Klimapolitik soll der Ausstoß sämtlicher fossiler Treibhausgase beendet sowie weitere Emissionen massiv reduziert werden." Zweites Ziel der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion

Ein Bibelvers - Markus 1,2+3

"Schon im Buch des Propheten Jesaja steht: 'Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her. Der wird dir den Weg bereiten. Eine Stimme ruft in der Wüste: Macht den Weg bereit für den Herrn, ebnet ihm die Straße."

Eine Anregung

Das Evangelium nach Markus gilt als ältestes Evangelium. Wenn es um Advent und Weihnachten geht, spielt sein Bericht über Jesus keine Rolle. Da gibt es weder Weise noch Könige, weder Hirten noch Engel, weder Krippe noch Stall, weder Josef noch Maria, auch nicht Herodes oder die Jungfrauengeburt. Die adventlichsten Worte bei Markus beziehen sich auf den Täufer Johannes und seine Rolle bei der Ankündigung einer kommenden Zeit der Erlösung.

Wer mit Markus Advent feiert, taucht in die Welt eines Asketen ein, der in der Wüste lebt, sich von Heuschrecken und Honig ernährt und dessen frohe Botschaft die ist, dass man umkehren und dies besiegeln könne durch die Taufe. Dann, nach Einführung des Täufers, erscheint im Markusevangelium der erwachsene Jesus wie aus dem Nichts, lässt sich von Johannes taufen und von einer Stimme aus dem Himmel als "geliebten Sohn" Gottes benennen, wird dabei vom Heiligen Geist erfüllt und in die Wüste geführt um dort 40 Tage den teuflischen Versuchungen zu widerstehen; und als Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen wird, tritt Jesus in dessen Fussstapfen und verkündet: "Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich kommt jetzt den Menschen nahe. Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht." (Markus 1,15) 

Advent, das bedeutet nach dem Evangelium von Markus Sinnes- und Lebensveränderung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Dienstag, 3. Januar 2023

Schon wieder Frühling im Winter

Ein Zitat

Weidenkätzchen am 2. Januar beim Ringwiler Weiher
Foto © Jörg Niederer
"Ich glaube an das Gute im Menschen, sowie ich an den Frühling glaube, wenn ich die Weidenkätzchen blühen sehe." Phil Bosmans (1922-2012) belgischer, katholischer Ordensgeistlicher

Ein Bibelvers - Psalm 72,7

"Die Gerechtigkeit soll aufblühen in seinen Tagen. Und Frieden soll herrschen weit und breit, so lange, bis es den Mond nicht mehr gibt."

Eine Anregung

Gestern flogen die Bienen zu den wenigen Blüten, die schon lockten. Gestern, entdeckten wir die ersten Weidenkätzchen. Gestern war ein Tag, an dem ich ohne Jacke unterwegs sein konnte. Gestern raschelte das alte Laub auf den Wanderwegen. Gestern gab es Vogelkonzerte, als hätte die Balz begonnen. Gestern war Winter.

Da kommt mir unweigerlich das Weihnachtslied in den Sinn: "Es ist ein Ros entsprungen...". Darin heisst es: "...und hat ein Blümlein bracht, mitten im kalten Winter". 

Weihnachten, Frühling, Herbst und Winter in einem. Fehlt nur noch der Sommer. Den Sonnenschutz jedenfalls hatten wir dabei. Ich bin gespannt, ab wann der Osterhase in diesem Jahr durch die Einkaufszentren hoppelt und der Ausverkauf der Sommermode beginnt. Oder ist es etwa schon wieder soweit?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 26. Dezember 2022

Perfekte Weihnachten

Ein Zitat

Hinter der sich auflösenden luftigen Hülle der gewöhnlichen Blasenkirsche leuchtet die rote, essbare Beere hervor.
Foto © Jörg Niederer
"Man braucht eine Weile um festzustellen, dass die Nonperfektion die eigentliche Perfektion ist." Christian Lenz

Ein Bibelvers - Maleachi 3,20

"Marias Mann Josef lebte nach Gottes Willen, aber er wollte sie nicht bloßstellen. Deshalb wollte er sich von ihr trennen, ohne Aufsehen zu erregen. Dazu war er entschlossen."

Eine Anregung

Hinter vielen von uns liegen eine oder zwei Familienweihnachtsfeiern. Waren es die erwarteten konfliktfreien, ja vielleicht sogar perfekten Festivitäten? Oder war es ein durchlittenes Fest mit Menschen, mit denen man früher oder später Stress bekommt? Der Wunsch nach dem vollkommenen Frieden, der heilen Welt ist an keinem anderen Tagen grösser als an Weihnachten. Die hohen Erwartungen müssen fast schon unausweichlich enttäuscht werden. Tröstlich, dass es selbst bei der Geburt von Jesus nicht besonders harmonisch zu und her ging, auch wenn wir oft daran vorbeischauen auf die jubilierenden Engel. 

Heute um 10.15 Uhr wird es um diese Erwartungen nach Vollkommenheit gehen im weihnachtlichen Gottesdienst in der Methodistenkirche in St. Gallen. Ab 10.30 Uhr wird die Predigt dann auch auf Youtube zu hören sein.

Es wird ein perfekter Gottesdienst – oder auch nicht. Aber schön, wenn du dabei bist auf die eine oder andere Weise.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Sonntag, 25. Dezember 2022

Gesegnete Weihnachten

Ein Zitat

Christbaum im Städtchen Zofingen.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Lukas 2,10+11

"Der Engel sagte zu ihnen: 'Fürchtet euch nicht! Hört doch: Ich bringe euch eine gute Nachricht, die dem ganzen Volk große Freude bereiten wird. Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus, der Herr.'"

Eine Anregung

Weihnachten. An diesem Tag sollte alles perfekt sein. Doch oft ist es das Gegenteil von einem friedlichen Fest. Darüber gibt es am Stefanstag (also nicht heute am Weihnachtssonntag!) eine Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen, die auch online übertragen wird um ca. 10.30 Uhr.

Heute werde ich dabei sein am Weihnachts-Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10. Der Gottesdienst beginnt um 10.00 Uhr. Ich freue mich auf diese Zeit mit all den Mitfeiernden.

Für diesen Weihnachtstag wünsche ich allen eine gesegnete und unbelastete Feier.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde 

Samstag, 24. Dezember 2022

Panettone-Wallfahrt

Ein Zitat

Menschen warten vor Weihnachten in einer Reihe, um in der Fabbrica del Panettone von Bäcker Pietro Cappelli in St. Gallen das Mailänder Hefegebäck zu kaufen.
Foto © Jörg Niederer
"Panettoni lösen keine Probleme, aber das tun Äpfel ja auch nicht."

Ein Bibelvers - Matthäus 2,11

"Sie [die Sterndeuter] gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe."

Eine Anregung

Auch das ist ein Adventsbild, das zur Stadt St.Gallen gehört. Menschen warten in einer Reihe vor der Fabbrica del Panettone, dass sie den Laden betreten können, um das luftige Gebäck von Pietro Cappelli zu kaufen. Seine Kreationen gewinnen regelmässig Gold an der Swiss Bakery Trophy. Das Mailänder Weihnachtsgebäck ist in der Welt so bekannt wie der Schweizer Emmentalerkäse. In der Advents- und Weihnachtszeit ist es heiss begehrt. Aber nur bei Maestro Capelli stehen die Kundinnen und Kunden in diesen Tagen hintereinander aufgereiht, um den Laden zu betreten.

Warten passt ja zum Advent. Warten viele nicht mehr auf die Ankunft von Christus, so warten sie wenigsten auf Capellis Spezialitäten. Ist man dann erst einmal im Laden, kann es geschehen, dass man dort vor leeren Regalen steht. Die Produktion hält kaum Schritt mit der Kauflust der Kundschaft. Trifft Nachschub aus der Fabbrica im improvisierten Landen ein, ist davon in Minutenschnelle schon wieder nichts mehr zu sehen, selbst wenn – wie in der Weihnachtszeit – der Einkauf auf drei Panettoni pro Person beschränkt bleibt. 

In diesen Tagen sind die Sauerteiggebäcke von Capelli nur in St.Gallen selbst erhältlich. Der Online-Verkauf pausiert von November bis Mitte Januar. Gleich den drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem, ziehen also Feinschmeckerinnen und Feinschmecker "notgedrungen" ins Linsenbühlquartier von St.Gallen. Was sie finden, ist sehr fein und besonders. Doch die drei Weisen haben etwas Feineres und Bleibenderes gefunden. Jesus Christus, Gottes Sohn; an Besonderheit nicht zu überbieten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Engelchöre in der Südsee

Ein Zitat

Details an einem Drahtzaun im eisigen Winter.
Foto © Jörg Niederer
"Hört es, freut euch überall: / Gott wird Mensch, ein Kind im Stall." Charles Wesley in: "Hark! The herald-angels sing"

Ein Bibelvers - Mathäus 13,43

"Aber alle, die nach Gottes Willen leben, werden im Reich ihres Vaters strahlen wie die Sonne."

Eine Anregung

Manchmal wollen wir etwas festhalten aus unserer Kindheit. Dazu gehören für viele auch die Verbindung von Schnee, Eis, Kälte und Weihnachten. Weisse Weihnachten ist aber in diesem Jahr im schweizerischen Mittelland sehr unwahrscheinlich. Schon sind letzte Schneeresten abgetaut, das Weiss dem Städtegrau gewichen. Zwölf Grad warm soll es werden am 25. Dezember.

Auf der Südseeinsel Tonga, mitten im Pazifik, ist Schnee sowieso kein Thema. Doch auch da feiern Christinnen und Christen Weihnachten, unter Palmen, und mit Liedern aus dem kühlen England. Hört doch einmal, wie das wohl berühmteste Charles Wesley-Weihnachtslied "Hark! The herald-angels sing" (Hört die Engelchöre singen) in Tongaisch klingt! Kommen da nicht doch auch Weihnachtsstimmung auf, fern dem Stall zu Bethlehem?

Übrigens: Das Wort "Lolotonga", mit dem der tongaischen Liedtext beginnt, hat nach Google in der Maori-Sprache die Bedeutung "Überschwemmung". Hoffentlich eine weihnachtliche Gefühls-Überschwemmung!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 17. Dezember 2022

Der Charakter-Weihnachtsbaum

Ein Zitat

Der geschmückte Charakter-Weihnachtsbaum in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Am Ende eines Tages sollten deine Füße dreckig sein dein Haar zerzaust und deine Augen leuchten vor Freude." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Ezechiel 43,1+2

"Der Mann führte mich zum Tor, das im Osten lag. Dort sah ich den Gott Israels in seiner Herrlichkeit aus dem Osten kommen. Es rauschte wie gewaltige Wassermassen, und die Erde erstrahlte von seiner Herrlichkeit."

Eine Anregung

In diesem Jahr ist es ein richtiger Charakterbaum. Keiner dieser extra für Weihnachten gezüchteten Edel-Tannen oder Laufsteg-Modellfichten. Einer, der im Wettstreit ums Licht Konkurrenz hatte. Das sieht man ihm an, ist doch eine Seite weitgehend astfrei. Als wäre der Baum der Länge nach entzweigeschnitten. Ich mag ihn, gerade weil er Äste lassen musste, weil er nicht abseits, an einem Platz an der Sonne stehen konnte, sondern in Nachbarschaft zu anderen, ihm zu nah gekommenen Hölzern. Nun ist sein neuer Platz also in der Methodistenkirche in St. Gallen. Der Baum ist eine echte Weihnachts-Augenweide geworden. Geschmückt von Nina, Levin, Franziska und Jimmy lässt er den Kirchenraum aufstrahlen.

Jemand hat beim ersten Eindruck gesagt: "Mir gefällt die Tanne nicht". Ich denke mir aber: Endlich einmal ein Weihnachtsbaum, der zu uns als Gemeinde so richtig gut passt. Auch wir sind keine Modell-Gemeinde, sondern eine mit Licht- und Schattenseite, eine, bei der wir zusammenstehen, und alle etwas hergeben (müssen) für die andern. Eine Gemeinde die Luft nach oben hat. Eine Gemeinde, die aufstrahlen kann im Licht der Liebe Gottes. Eine Charaktergemeinde, die nun die Weihnachtszeit mit einem Charakterbaum feiern darf. 

Morgen um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen geht es los mit Musik von Oliver Kopeinig und einer weihnachtlichen Bildbetrachtung von Jörg Niederer. Und es geht los mit diesem ganz besonderen Weihnachtsbaum aus den Hügeln des Appenzellerlands.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde