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Mittwoch, 20. November 2024

Erster Schnee

Ein Zitat

Frühmorgendliches Schneetreiben in Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Hast du zwei Schneeschaufeln zu Hause stehen, kannst du, wenns schneit, paarschippen gehen." Monika Kühn-Görg

Ein Bibelvers - Sprüche 26,1

"Wie Schnee im Sommer und Regen zur Erntezeit, so wenig passt Ehre zu einem Dummen."

Eine Anregung

Früher, als Kind, war es ein Ereignis, wenn es zum ersten Mal schneite. Noch aus der pflotschigsten Pracht haben wir Schneebälle geformt, und sie auf mehr oder weniger bewegliche Ziele geworfen. 

Heute in der Früh viel in Frauenfeld für diese Wintersaison der erste Schnee. Die Freude darüber hält sich nach über 60 Jahren in Grenzen. Es ist ja schon schön, wenn Land- und Ortschaft in Weiss erstrahlen, selbst unter bleigrauem Wolkenhimmel. Gerade der Kontrast ist besonders reizvoll. Dumm nur, dass Schnee auch rutschig ist. In St. Gallen habe ich beobachtet, wie ein Mann mit Arm- und Körperverrenkungen gerade noch einen Sturz verhindern konnte.

Nun beginnt also erneut mein Versuch, sturzfrei durch den Winter zu kommen. Erinnere ich mich noch an die Stellen, die auf meinen Wegen besonders heimtückisch sind? Wo ich schon am Boden lag, weiss ich noch genau. Aber die Stellen ungewollter Jazztanzeinlagen verdränge ich regelmässig über den Sommer.

Winter ist für mich eine ambivalente Zeit. Und wenn ich es mir genau überlege, freue ich mich mehr über den letzten Schnee, als dass ich mich über den ersten freue. Wie sieht das bei dir aus?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. Dezember 2021

Winterbienen

Ein Zitat

Schwärmende Bienen
Foto © Jörg Niederer
"Es schneielet, es beielet, Es goht en küehle Wind, es schlofed alli Lütli und alli Burgerschind." Kinderlied

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 2,2

"Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten."

Ein Anregung

Woher kommt eigentlich das Wort "beiele" aus dem Winter-Kinderlied: "Es schneielet, es beielet, Es goht en küehle Wind...."?

Das Schweizerische Idiotikon erklärt Dialektworte. Bi(j)ele, beierle oder bäuele meint: "in dünnen, kleinen Flocken schneien oder auch fein regnen". Dabei werden die tanzenden Schneeflocken "mit schwärmenden Bienen verglichen". 

Wer schon einmal schwärmende Bienen gesehen hat, kann die Ähnlichkeit mit leichtem Schneefall nicht leugnen. Und auch wenn ich es nicht gedacht hätte, so hat das Wort "beiele" in diesem Winterkinderlied also tatsächlich etwas mit Bienen und "Beieler" (Bienenzüchter) zu tun. Mitten im Winter lenkt der Reim die Sinne auf die warme Jahreszeit und den Flug der Bienen. Ist das nicht auch ein schönes Advents-Hoffnungsbild? 

Das Idiotikon gibt in diesem Zusammenhang noch eine etwas weniger nette Version des Kinderlieds wieder: "Es schneielet, es beielet dur e holi Tanne, wenn der Burebschisser malt, was der Bur het gwanne." (Es schneit und flöckelt durch die hohle Tanne, wenn der Bauernpreller mahlt, was der Bauer geerntet hat). Manche Müller haben früher bei Bauern wohl wenig Vertrauen genossen. Wie das mit den Imkern war, weiss ich nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde