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Dienstag, 29. April 2025

Belchenflue

Ein Zitat

Jörg Niederer auf der Belchenfluh bei Olten. (Foto: Sabine Möckli Niederer)
Foto © Sabine Möckli Niederer
"Bereits in der Primarschule erfährt man, dass im Raum Solothurn-Olten-Basel fünf Jura-Ketten hintereinander liegen: Weissenstein-, Farisberg-, Passwang-, Hauenstein- und Blauenkette." Ranger Jura Südfuss

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 2,46

"In den Häusern hielten sie die Feier des Brotbrechens. Voller Freude und in aufrichtiger Herzlichkeit assen sie miteinander das Mahl."

Eine Anregung

Da oben auf fast 1100 Metern blies ein kaltes Lüftchen. Gestern stand ich wieder einmal auf meinem Jura-Hausberg der Kindheit, der Belchenflue ob Olten. Es ist schon faszinierend, nach so vielen Jahren all die vertrauten und bekannten Wege und Landschaftsformen wieder zu erleben. Erinnerungen kommen hoch an ein Schulreise, an die vielen Touren mit dem Mountainbike-Club auf den Hauenstein, an Familienausflüge im Sommer und Winter.

Aber es gibt auch Dinge, die ganz anders geworden sind. So hält seit diesem Jahr in Bärenwil kein Postauto mehr, obwohl in den Onlinekarten die Haltestelle noch eingezeichnet ist. Wir mussten unsere Wanderung also ausweiten, bis nach Langenbruck. So sind wir nicht ganz gewollt vom Unteren zum Oberen Hauenstein gewandert. 

In Bärenwil übrigens gibt es ein Restaurant Chilchli. Nicht dass dieses Haus einst eine Kirche gewesen wäre. Es war lediglich der Ort, an dem die römisch-katholischen Geistlichen in einem Zimmer Gottesdienste abhielten. Genau dieses Haus bekam 1833 einen Dachreiter mit Glocke. Seit dann gleicht es schon irgendwie einer Kirche.

Man isst im Chilchli wohl nicht schlecht, denn allein von den Gästen dieses Dorfes könnte ein Wirt nicht leben. Gottesdienste gibt es dort im Juradorf nur noch an einzelnen Sonntagen im Jahr, und dann wohl im Freien.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 14. Juli 2024

Kapelle mit Blätterdach

Ein Zitat

Baumkapelle im Jurapark Aargau, zwischen Linn und der Staffelegg bei Kilholz.
Foto © Jörg Niederer
"Uf dere Bank gaht's ned um's Gold, mer gseht es Stückli schöni Wällt. 2003" Anschrift an der Bank der Baumkapelle im Jurapark Aargau

Ein Bibelvers - 1. Könige 8,22-23

"Dann trat Salomo vor den Altar des Herrn. Vor der ganzen Versammlung der Israeliten breitete er seine Hände zum Himmel aus und betete: Herr, Gott Israels! Kein Gott ist wie du, weder oben im Himmel noch unten auf der Erde."

Eine Anregung

Nein, das ist kein gewöhnliches Bänkchen unter einigen Bäumen. Das ist eine Baumkapelle. Sie steht im Jurapark Aargau, an der Strecke der 2. Etappe des Jurahöhenwegs. Beschrieben wird sie auf einer Infotafel so: "Sie besteht aus vier Bäumen, die in einem Quadrat angeordnet sind. Ergänzt mit einer Sitzbank ergeben die zusammenwachsenden Kronen einen Rastplatz, der Ihren Aufenthalt noch angenehmer macht, während Sie die Aussicht in die Tafel- und Kettenjuralandschaft geniessen."

Die Kapelle der Methodistenkirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10 kann nicht mit so einem grünen, lebendigen Dach aufwarten. Aber dafür muss sie auch nicht auf einer über 4 Kilometer langen Strecke erwandert werden, sondern ist nur gerade 5 Fussminuten vom Bahnhof Weinfelden entfernt. Morgen um 10.00 Uhr gibt es dort einen anregenden Gottesdienst. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 22. Januar 2024

Wunden können heilen

 in Zitat

Der Wald bei der Rutsche der einstigen Gibsgrube Riepel bei Küttigen ist heute ein Altholzinsel.
Foto © Jörg Niederer
"Altholzinseln sollen die Vernetzung zwischen den grösseren Naturwaldreservaten gewährleisten." Aargauer Zeitung

Ein Bibelvers - Jeremia 33,6

"Siehe, ich bringe ihnen Genesung und Heilung und ich werde sie heilen und ihnen Fülle von Frieden und Treue gewähren."

Eine Anregung

Als wir am Samstag von der Staffelegg über das Benkerjoch nach Küttigen (bei Aarau) hinunter wanderten, standen wir plötzlich unerwartet vor einem eigenartigen Bauwerk, in dessen Inneren man viele Kalksteintrümmer sehen konnte. Auf der Karte ist es als Teil eines Bergwerks ausgewiesen. Das weckte meine Neugier. In der Folge lass ich vom Eisenabbau in dieser Region. Sicher wurde seit 1550 hier Bohnerz gefördert. Vielleicht haben aber auch schon die Römer dort bergmännisch gewirkt.

Bei dem vorliegenden Gebäude handelt es sich aber um eine Rutsche der ehemaligen Gibsgrube Riepel. Dort wirkte einst die Jura Cement Fabrik. Die Rutsche sei ein Industriedenkmal. Mit ihrer Hilfe wurden die abgebauten Steine auf die Lastwagen verladen.

Heute ist der Steinbruch Riepel eine sogenannte Altholzinsel, also ein Waldstück, in dem auf die Nutzung der Bäume zugunsten der Artenvielfalt verzichtet wird. Aus einer industriellen Wunde in der Landschaft wurde im Laufe der Zeit eine wertvolle Naturlandschaft mit einer Vielzahl von Tieren, die es in Wirtschaftswäldern nicht mehr gibt.

Anders gesagt: Wunden können Heilen. Aus Zerstörung kann neues Leben entstehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 21. Oktober 2022

Mönthal und die Schokolade

Ein Zitat

Mönthal mit den herbstlich gefärbten Weinbergen an den Juraflanken.
Foto © Jörg Niederer
"Geld spricht. Schokolade singt." Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Johannes 5,2

"Beim Schaftor in Jerusalem gibt es einen Teich mit fünf Säulenhallen. Auf Hebräisch wird dieser Ort Betesda genannt. In den Hallen lagen viele Kranke, Blinde, Gelähmte und Menschen mit verkrüppelten Gliedern."

Ein Anregung

Mönthal, das ist ein Juradorf unweit von Brugg im Aargau gelegen. Mit 180 Haushalte, 392 Einwohnerinnen und Einwohnern und einem hohen Steuerfuss von 115% liegt es auf 479 m.ü.M., eingebettet zwischen den Hügeln des Tafeljuras. Viel mehr gibt es zu diesem Dorf nicht zu sagen. So betont die Webseite der Gemeinde in einem sehenswerten Video denn auch vor allem die intakte Natur und den familiären Zusammenhalt des Orts. 

Besiedelt ist dieses Gebirgstal am wenig bekannten Jurapass über die Ampferhöhe seit 2500 Jahren. Deutlich kürzer, seit 1994 gibt es in diesem Dorf aber ein Cateringunternehmen, das sich in der Coronapandemie ganz der Schokolade verschrieben hat. Jürg Binder öffnete gestern extra für uns ausserhalb der Ladenöffnungszeiten sein Verkaufs- und Produktionslokal "SchoggiEgge", in dem wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Das Angebot ist wunderschön präsentiert und kann mit den Grossen der Branche geschmacklich problemlos mithalten. Besonderheiten sind zu finden, die es wohl nur in diesem kleinen Laden fast am Ende der Welt gibt. So erstanden wir etwa Glarner Zigerklee Truffes, bestehend aus einer dunklen Truffemasse, umhüllt mit Schabzigerklee. Verkauft wird auch alkoholfreier Schaumwein unter der Marke "Tröpfel".

Auf die Frage, wie er denn so abseits von den Zentren mit einem solch speziellen Sortiment leben könne, verweist Jürg Binder auf die wenigen Mitarbeitenden, auf die Belieferung von Verkaufsläden in der Region und auf die besonderen Schokoladenzeiten wie etwa an Ostern.

Zuhause schaue ich die Liste der Verkaufslokale durch, die Schokolade vom SchoggiEgge anbieten. Und dort entdecke ich ein in methodistischen Kreisen gut bekanntes Unternehmen. Ab November 2022 wird das Bethesda Spital Basel die feinen Süssigkeiten von Jürg Binders SchoggiEgge anbieten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 14. Oktober 2022

Ich war auf der Nummer 3

Ein Zitat

Blick zurück zum Juragipfel Le Chasseron.
Foto © Jörg Niederer
"Willkommen auf dem höchsten Balkon des Waadtländer Juras!" Webseite des Hotels auf Le Chasseron

Ein Bibelvers - Epheser 4,7+8

"Jeder Einzelne von uns hat die Gnade in dem Maß erhalten, wie Christus sie ihm schenkt. Darum heißt es: 'Er ist in die Höhe hinaufgestiegen. Einen Zug von Gefangenen führte er mit sich. Den Menschen brachte er Gaben.'"

Ein Anregung

Gestern stand ich auf dem höchsten Punkt des Juragipfels Le Chasseron. Von den schweizerischen Gipfeln des Juras ist er mit 1607 Metern nach dem Mont Tendre (1679 m) und dem La Dôle (1677 m) die Nummer Drei. Wobei, meist wird auch der Chasseral mit 1607 m angegeben und noch vor Le Chasseron gelistet.

Auf den Karten von Swisstopo ist man beim Chasseron auch nicht ganz eindeutig. Da kann man je nach Kartenmassstab einmal 1608 m lesen und dann wieder 1607 m. Auch mit einer Höhe von 1606,6 m ist der Berg zu finden, so wie der Chasseral mit einer genauen Höhe von 1606,2 m angegeben wird.

Vermutlich wird auf den Karten die Höhe einfach aufgerundet. Verstanden habe ich die unterschiedlichen Höhenangaben beim Le Chasseron nicht. Vielleicht weiss da eine Leserin/ein Leser Rat. Zumindest bin ich mindestens 40 cm höher gestanden, als wenn ich auf den Chasseral gestiegen wäre.

Warum möchten wir nur so gerne höher hinauf als andere? Natürlich, die Weitsicht und die Leistung. Aber fast von jedem Juragipfel sieht man bei besonders klaren Tagen die Alpen von Säntis bis Mont Blanc. 

Überhaupt trübt die Rekordjagd die Tatsache, dass die Franzosen wieder einmal die Nase vorn haben. Wie in den Alpen mit dem Mont Blanc haben sie im Jura mit der Crêt de la Neige (1720 m) den höchsten Gipfel. Insgesamt 6 französische Gipfel überragen zusammen mit zwei schweizerischen Gipfeln den Chasseron.

Oben auf der Nummer Neun jedenfalls war es friedlich. Die Vögel zwitscherten, die Nebel schwaderten, die Winde säuselten, die Stille breitete und der Regen hielt sich zurück bis kurz vor dem Abstiegsziel in Mauborget. Halleluja. Amen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde