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Donnerstag, 24. Oktober 2024

Auf dem Kastanien-Kreuzweg

Ein Zitat

Eine kreuzförmig aufgeplatzte Edelkastanie.
Foto © Jörg Niederer
"Wie seltsam kreuzen sich doch die Wege des Lebens!" Hans Christian Andersen (1805-1875)

Ein Bibelvers - Lukas 23,26

"Die Soldaten führten Jesus zur Hinrichtung. Unterwegs hielten sie Simon von Kyrene an, der gerade vom Feld zurückkam. Sie luden ihm das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrug."

Eine Anregung

Wer mit der Absicht hinausgeht, um Kreise zu entdecken, wird nach kurzer Zeit feststellen: Es gibt sie überall. Fenster, Bälle, Kugeln in Skulpturen, Eicheln und ihre Kelche, Kürbisse, Äpfel, die Sonne am Himmel, der Mond, der Buchstabe O, auch Tische in Gaststätten. 

Wer mit der Absicht hinausgeht, um Kreuze zu entdecken, wird nach kurzer Zeit feststellen: Es gibt sie überall. Natürlich Wegkreuze und die Kreuze auf Kirchtürmen; aber auch durch die Anordnung von Fenstern gebildete Kreuze, dann die Kreuze zwischen den Pflastersteinen, der Schlitz der Kreuzschrauben, die Schwerter in den Händen der Helden auf dem Kriegsdenkmal, die Strassenkreuzungen, das Schweizerkreuz auf den Flaggen, die Musterung auf der Kreuzspinne, der kreuzförmige Kreuzkümmel, die Kreuzanhänger um den Hals der Passanten, die Tätowierung am Hinterkopf des Vordermannes. Selbst die Früchte der Edelkastanien zerplatzen kreuzförmig.

Heute lade ich dich ein, einmal aufmerksam durch den Tag zu gehen und nach Sternen zu suchen, ja nach den Sternen zu greifen, dort wo es dir möglich ist.

Ich kann damit zu Hause beginnen. Da stehen die ersten Zimtsterne auf dem Tisch, eingeschlagen in adventlich bedrucktem Cellophan. Nur irgendwie schmecken sie noch nicht so recht nach Weihnachten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 6. März 2023

Himmel auf Erden

Ein Zitat

Sternengarten von Rahel Müller bei der neuen Turnhalle der Primarschule in Wilen bei Wil.
Foto © Jörg Niederer
"Der Achtfachstern ist ein Kompass und erinnert an den Morgenstern am Firmament." Rahel Müller

Ein Bibelvers - Offenbarung 21,3

"Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: 'Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.'"

Eine Anregung

Es ist in gewisser Weise das Gegenstück zur Decke der Reformierten Kirche St. Laurenzen in St. Gallen: Der Sternengarten der Künstlerin Rahel Müller bei der neuen Turnhalle der Primarschule Wilen bei Wil. In St. Laurenzen prangen die fünfstrahligen Sterne an der Decke. In Wilen finden sich die achtarmigen Sterne auf dem Pausenhof. "Der Himmel wird symbolisch auf den Boden geholt", schreibt die Künstlerin auf ihrer Webseite.

Damit hat Rahel Müller das getan, was in gewisser Weise auch Aufgabe der Kirche ist: Den Himmel auf die Erde bringen, den Himmel im Hier und Jetzt verorten. Dass dies an einem Ort des Lernens und Spielens symbolisch umgesetzt wurde, erzählt auch etwas über den Himmel. Und dass die Künstlerin nicht das Pentagramm, den fünfstrahligen Stern gewählt hat wie in St. Laurenzen oder auf dem Walk of Fame in Hollywood, sondern das Oktogramm, also den achtstrahligen, halte ich auch nicht für zufällig. Das Pentagramm mit seiner Nähe zu Aberglauben und Zauberei hat auf einem Pausenhof nichts zu suchen.

Geometrisch sind die beiden Sternformen verwandt. Ihre Eckpunkte lassen sich fortlaufend durch gerade Linien verbinden. Angeordnet sind die Oktogramme im Sternengarten streng geometrisch in 9x17 Reihen. Durch diese linienförmige Ausrichtung passt der Sternengarten auch architektonisch hervorragend zum Turnhallenneubau.

Die Kinder können mit den Sternen spielen, vom einem Stern zu nächsten hüpfen, können dabei das Einmaleins üben, können wie beim Slalom um die Sterne herumkurven, und noch mehr. 

Mir gefällt die gradlinige Art, wie die Künstlerin den Himmel auf die Erde gebracht hat. Das möchte ich auch tun: Gradlinig den Himmel auf die Erde holen, und so zur Orientierung auf das Wesentliche beitragen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 2. September 2022

Die Sterne haben es ihr angetan

Ein Zitat

Der Sternenhimmel in der Kirche St.Laurenzen in St.Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Meine Mutter sagte schon in der Primarschule zu mir: 'Du könntest mal Pfarrerin werden!" Kathrin Bolt im fadegrad-podcast.ch

Ein Bibelvers - Psalm 148,2-5

"Lobt ihn, alle seine Engel! Lobt ihn, alle seine Heere! Lobt ihn, Sonne und Mond! Lobt ihn, alle funkelnden Sterne! Lobt ihn, ihr weiten Himmel und ihr Ozeane über dem Himmel. Sie alle sollen den Namen des Herrn loben."

Ein Anregung

Seit dem 1. September ist sie die neue und erste Pfarrerin der St.Laurenzenkirche. Am Sonntag findet um 10.30 Uhr die feierliche Amtseinsetzung im Festgottesdienst statt von Kathrin Bolt.

Die Pfarrerin ist in St. Gallen stadtbekannt. Neu ist, dass sie nun an der bedeutenden St.Laurenzenkirche wirken wird.

Eine entscheidende Rolle dafür, das Kathrin Bolt sich als Nachfolgerin von Pfarrer Hansruedi Felix auf diese Stelle beworben hat, spielt der Sternenhimmel in St. Laurenzen: Als würde man in den Himmel schauen. Davon und von vielem mehr erzählt Kathrin Bolt in einem Interview auf dem Podcast-Sender "fadegrad".

Wie sehr die Sterne eine Rolle spielen für die neue Pfarrerin, zeigt auch das Thema der Antrittspredigt. "Lobt Gott, all ihr leuchtenden Sterne" sind die Gedanken überschrieben, anknüpfend an Psalm 148. Der Gottesdienst wird per Livestream übertragen.

Doch ihre Themen und fachlichen Fähigkeiten gehen weit über das Predigen hinaus. Kathrin Bolt selbst erzählt im Podcast von der Kontemplation, den Gottesdiensten ohne Predigt, einer zersägten Kanzel, die nun als Tisch verwendet wird. Sie ist als Kabarettistin unterwegs, und schätzt die Vielfalt der kirchlichen Dienstes als Pfarrerin sehr.

So wünschen wir Kathrin Bolt als Methodistinnen und Methodisten von St. Gallen viel Freude und Kraft für diese besondere, lohnende Aufgabe und Berufung. 

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 16. August 2022

Silberdistel

Ein Zitat

Die Grosse Eberwurz oder Silberdistel wächst auch auf dem Zugerberg.
Foto © Jörg Niederer
"Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her? / Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer? / Ohne dich zergehen würde mir im Nu / Glauben, Hoffen, Lieben: Alles, Herr, bist du." Adolf Krummacher (1824-1884)

Ein Bibelvers - Psalm 148,1-3

"Halleluja. Vom Himmel her – lobt den Herrn: Lobt ihn in himmlischen Höhen! Lobt ihn, alle seine Engel! Lobt ihn, alle seine Heere! Lobt ihn, Sonne und Mond! Lobt ihn, alle funkelnden Sterne!"

Ein Anregung

Irgendeinmal auf einer Schulreise im Jura bin ich meiner ersten Silberdistel begegnet. In diesem Jahr sahen wir die in vielen Kantonen der Schweiz geschützte "Grosse Eberwurz" zum ersten Mal auf dem Zugerberg. Wie so oft schien es, als wüchse die Blüte direkt auf dem Boden, geschützt von einer Rosette aus stachligen Blättern. 40 cm hoch kann die Pflanze werden. Doch ihre Pfahlwurzel dringt bis zu einem Meter tief in den Erdboden hinab. Es ist also eine tiefgründende Blume.

Die Silberdistel wird auch Wetterdistel genannt, weil sich bei aufkommender Luftfeuchtigkeit die abgestorbenen Hüllblätter nach oben und innen neigen und so die Röhrenblüten vor möglichem Regen schützen. Bei meiner nächsten Begegnung mit der Silberdistel werde ich mich also tief beugen, und die Blüte einige Male anhauchen. Das soll bereits die Aufrichtbewegung auslösen bei dieser wetterfühligen Pflanze.

Tiefgründig, sensibel für Wetter- bzw. Stimmungsumschwünge, ein leuchtend silberner Stern: Tief verwurzelt wie die Silberdistel möchte ich in Gottes Geborgenheit gründen. Wie die Silberdistel aufs Wetter kann Gott mich auf die guten und schlechten Zeiten vorbereiten und mich dabei schützen. Alles, was es braucht, ist auf diesen "Stern" zu schauen. So wie es im Liedtext von Adolf Krummacher aus dem Jahr 1857 heisst: "Stern, auf den ich schaue, / Fels, auf dem ich steh, / Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh, / Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh, / Ziel, das ich erstrebe: Alles, Herr, bist du."

Hier kann man sich dieses alte Kirchenlied interpretiert von den "Lehmann Schwestern" anhören.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 9. März 2022

Gloria und die Anbetung

Ein Zitat

Auslange in einer Bijouterie in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Eine Träne zu trocknen ist ehrenvoller, als Ströme von Blut zu vergießen." George Gordon Noel Byron, alias Lord Byron (1788-1824), britischer Dichter

Ein Bibelvers - Psalm 24,10

"Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr der himmlischen Heere."

Ein Anregung

Beim "Photo-a-day"-Bild von heute, geht es um die "Ehre", englisch: "glory".

Alles ist im Bild vorhanden. Der Engel, der Stern (Star) und das Gloria, gebettet auf hoffnungsgrünem Samt. Und doch kommt keine Anbetung bei mir auf. Hängt es an der Verbindung von Kommerz und Glaube? Gut, Weihnachten ist auch schon länger vorbei. Singen die Engel in der Fastenzeit weiter ihr "Gloria in excelsis deo"?

Vielleicht bring ja ein alter Song ein bisschen mehr Anbetung und Freude in diesen Tag. Wie wäre es da mit dem Gospel "Over in the Glory Land" von James Waren Acuff (1864-1937), interpretiert von den G-RUNNERS.

Morgen folgt ein Bild zum Wort "erwachen" (awake).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 9. Februar 2022

Mit dem Mond kommen die Träume

Ein Zitat

Zunehmender Mond am Sternenhimmel
Foto © Jörg Niederer
"Für Eskimos, las ich, sei Luna 'die Frau, die keinen Mann nehmen will' – eine Art Radikalfeministin." Kurt Marti (1921-2017), Schweizer Pfarrer, Schriftsteller und Lyriker

Ein Bibelvers - 1. Mose 37,9

"Josef hatte noch einen anderen Traum und erzählte seinen Brüdern davon. Er sagte: 'Hört zu! Ich hatte noch einen Traum. Ich sah, wie sich Sonne, Mond und elf Sterne tief vor mir verneigten.'"

Ein Anregung

Die Nacht auf den Dienstag war so klar, dass ich den Mond und die Sterne von unserem lichtverschmutzten Balkon aus fotografieren konnte. Die Fotos vom Sternenhimmel und vom Mond habe ich dann zum heutigen Bild zusammengefügt.

Der Mond ist durch den Zusammenprall der Erde mit einem anderen Planeten entstanden. Dabei wurde ein Teil der äusseren Erdschicht weggesprengt und ballte sich über die Jahrtausende zum Mond zusammen. Noch ist dieser Prozess nicht zu Ende. Langsam aber sicher löst sich der Mond von der Erde. Jedes Jahr entfernt er sich um 3,8 Zentimeter. Zugleich bremst er die Rotation der Erde mit seiner Anziehungskraft ab. Aus diesem Grund werden die Tage alle 3 Jahre 2 Sekunden länger.

Falls sie einmal nach Australien reisen, achten sie doch darauf: Der "Mann im Mond" steht Kopf. Und die Eselsbrücke "Z wie Zunehmend" und "A wie Abnehmend" führt zu einem total falschen Ergebnis. Down Under ist eben auch der Mond "anders herum" gewickelt.

Wenn Vollmond ist, dann gilt das aber überall auf der Erde gleichzeitig. So kann es auch einmal zu High Noon soweit sein, dass der Mond voll zu sehen (oder nicht zu sehen) ist.

Ich finde den Mond ganz einfach schön. Seine verkraterte Oberfläche hat mich seit der Kindheit fasziniert, und Lieder wie "Fly me to the Moon" von Frank Sinatra oder "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius begleiten mich schon genauso lange.

Welche Lieder kommen dir zum Mond in den Sinn?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 2. Februar 2022

Sonnenzeiten

Ein Zitat

Die Sonne kurz vor Einnachten, aufgenommen am Ägelsee
Foto © Jörg Niederer
"Die Dinosaurier lebten auf der anderen Seite der Milchstrasse" In einem Artikel von Watson

Ein Bibelvers - Jesaja 38,8

Gott lässt König Hiskia durch Jesaja ausrichten: "'Du kennst doch die Treppe, die Ahas gebaut hat. Je nach Sonnenstand fällt Schatten auf ihre Stufen. Den werde ich um zehn Stufen nach oben steigen lassen, obwohl er schon weitergegangen ist.' Da bewegte sich die Sonne zurück, und der Schatten stieg um zehn Stufen nach oben."

Ein Anregung

Die Sonne, der Stern, dem wir alle Energie verdanken, die das Leben auf der Erde möglich macht. Unter Tags so grell, dass wir sie nur mit getönten Schutzbrillen ertragen. Am Morgen aber und am Abend erstrahlt sie, abgeblendet von der Erdatmosphäre, milde und in betörender Farbenpracht.

Ihre Durchmesser zwischen den Polen und am Äquator weichen nur gerade 10 Meter voneinander ab. Damit ist sie mit ihrem Durchmesser von 1,4 Millionen Kilometer die am perfektesten geformte Kugel, die wir kennen. 

Die Sonne vereint 99,86 Prozent der gesamten Masse unseres Sonnensystems auf sich.

Wie sich die Planeten um sie drehen, so dreht sich die Sonne um ein Schwarzes Loch in der Mitte unserer Galaxie. Für die Umkreisung benötigt sie 240 Millionen Jahre. Seit ihrem Bestehen hat sie also kaum mehr als 20 Umrundungen geschafft. Die Zeit der Säugetiere umfasst gerade einmal etwas mehr als die eine, letzte Umkreisung.

Diese und weitere faszinierende Erkenntnisse gibt es auf einer Seite des Nachrichtendienstes Watson.

Die das ganze Sonnensystem dominierende Sonne hat immer wieder dazu geführt, sie mit Gott gleichzusetzten. Darum ist die Sichtweise des ersten biblischen Schöpfungsberichts auf die Sonne im 1. Kapitel des 1. Buch Mose bemerkenswert. Dort wird sie zur Lampe am Himmel degradiert. Ein Werk Gottes, aber nicht Gott selbst.

Die Sicht auf Gott als unfassbares Gegenüber führt zu einer angemesseneren Sicht auf unsern Stern im Sonnensystem. Könnte man sagen, dass am Anfang der Aufklärung und Entmythologisierung die Offenbarung Gottes stand?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 2. September 2021

Ich vermisse die Nacht meiner Kindheit

Ein Zitat

Bald wird es Nacht über Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ich liebe die Nacht. Ohne die Dunkelheit würden wir die Sterne nie zu sehen bekommen." Stephenie Meyer, Autorin von Twilight

Ein Bibelvers - Psalm 74,12+16

"Doch Gott ist mein König seit Urzeiten. Er vollbringt rettende Taten mitten auf der Erde:... Dir gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Ein Anregung

Ich vermisse die Nacht meiner Kindheit. Damals konnte ich aus meinem Schlafzimmerfenster die Milchstrasse mit ihrem Sternenschweif über unserem Haus entdecken. Nicht irgendwo fernab von den Siedlungen, sondern mitten in der Stadt Olten. Auch damals war es in den Strassen nicht stockfinster. Aber Lichtverschmutzung war noch kein Thema. Und Sputnik zog seine Bahn, beobachtet von meinem Vater und mir.

Ich weiss, Licht in der Nacht gibt auch Sicherheit. Doch es schafft keine Geborgenheit. Das kann die Dunkelheit. In der Nacht legt sich selbst das Meer zur Ruhe. Das wussten auch amerikanischen Ureinwohner und fuhren mit ihren Kanus in der Dunkelheit hinaus.

Die Nacht ist ein Geschenk Gottes. Er schied, so der Schöpfungsbericht, das Licht von der Finsternis. Nicht nur der Tag ist gottgewollt, auch die Nacht, die Dunkelheit.

Heute ist die Kameratechnik so gut, dass sich immer mehr Menschen die Astrofotografie zutrauen. Es häufen sich die Bilder der Milchstrasse über nächtlichen Landschaften.

Ich weiss, es gibt diese Orte, an denen ein Himmel voller Sterne hängt. Aber da wo ich lebe, würde Gott einem Abraham nicht viel versprechen, wenn er ihm so viele Nachfahren verheisst, wie Sterne am Himmel.

Ich vermisse die Nacht meiner Kindheit. Ich vermisse die Stille unter dem glitzernden Himmelszelt.

Wie hast du es mit der Nacht?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde