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Donnerstag, 5. Oktober 2023

Bezugsbereite Wohnung mit 1500jähriger Geschichte

Ein Zitat

Selfie beim Eingang zum Bruderloch von Schönholzerswilen.
Foto © Jörg Niederer
"Bei mir wollte ja mal ein Doktor an die Nebenhöhlen ran, da hab ich gesagt, nee, bloss nichts machen. Mein Sound ist doch Gold wert." Udo Lindenberg im Stern Nr. 13/2008, S.214

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 3,5+6

"Der Gelähmte sah zu ihnen auf und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen. Doch Petrus sagte: 'Gold und Silber habe ich nicht. Aber was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen von Jesus Christus, dem Nazoräer: Steh auf und geh umher!'"

Eine Anregung

Sie hat 4 Zimmer, ein Klo, eine eigene Quelle, diverse Abstellflächen, ist schön kühl und leider auch etwas feucht. Aber sie liegt unverbaubar in einem Wald und ist geschichtlich von gewisser Bedeutung. Ich spreche vom Bruderloch bei Schönholzerswilen.

Auf dem Weg dorthin deutet nichts daraufhin, dass sich irgendwo da im Wald eine Nagelfluhhöhle verbirgt, künstlich angelegt vor Jahrhunderten, und Ursache mancherlei Geschichten. Es sind Geschichten von Habgier und fehlender Wertschätzung. So sollen einst Heinzelmännchen in der Höhle gehaust haben. Den Bauern halfen sie bei der Arbeit, brachten ihnen in goldenem Geschirr Essen und Trinken. Als ein Bauer diese Behältnisse stahl, verschwanden die kleinen Helfer für immer.

Eine andere Sage handelt von einem Waldbruder, der dort in der Höhle gewohnt haben soll. Von diesem soll der Stollen den Namen haben. Als einst eine Frau dem Waldbruder bei schwerer Arbeit half, soll dieser sie mit Steinen "bezahlt" haben. Die Frau fand das nicht sonderlich prickelnd und warf alle Steine weg bis auf einen, der sich über Nacht in Gold verwandelte. Natürlich suchte die Frau daraufhin nach den anderen Steinen, doch diese blieben unauffindbar.

Wie diese beiden Geschichten ist vielleicht auch die vom Einsiedler Bruder Friedrich von Nürnberg erfunden. Er soll als Geächteter in der Höhle gehaust und später auf dem Nollen eine Pfarrei gegründet haben.

Am Wahrscheinlichsten wurde diese Höhle, wie auch weitere in der Region, als Zufluchtsort für die Dorfbevölkerung errichtet. Ein Ort, wo man sich vor marodierenden Horden in Sicherheit bringen konnte. Auch für heidnisch-religiöse Praktiken könnte der 18 Meter lange Gang gegraben worden sein.

All diese Geschichten und Vermutungen bleiben spekulativ. Dass die Dorfbevölkerung von Schönholzerswilen früher jeweils den ersten Maisonntag mit Tanz und Jubel, Gesang und Feuer in der Höhle feierte, kann gut sein. Beim Tanz bin ich mir aber nicht so sicher, war dieser doch in protestantischen Gegenden an Sonntagen lange Zeit verboten.

Immerhin wollen die Sagen über das Bruderloch vielleicht weniger das Loch erklären, als die Menschen davor bewahren, gold- und geldgierig zu werden. Genauso mahnen die Sagen dazu, für alle Geschenke dankbar zu sein, und würden sie noch so sehr als monetär wertlos gelten (wie die Steine). Manch banales Mitbringsel zeigte seinen Wert erst auf den zweiten Blick.

Anders herum gilt auch: Ein gestohlener 300jähriger Grenzstein wird wohl nie zu Gold. Das können sich die Diebe abschminken, welche 2019 zulangten. Aus dieser nebulösen Aktion wird auch in hundert Nächten kein Gold und kein Gewinn.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 12. April 2022

Fundgegenstand

Ein Zitat

R.M. bei den Steinreihen von Affoltern a.A.
Foto © Jörg Niederer
"Ich habe, glaube ich, die Zwischenstufe zwischen Tier und Homo sapiens gefunden. Wir sind es." Konrad Lorenz (1903-1989), Zoologe und Medizin-Nobelpreisträger

Ein Bibelvers - Jesaja 55,6

"Sucht den Herrn, jetzt ist er zu finden! Ruft zu ihm, jetzt ist er nahe!"

Ein Anregung

Das "Photo-a-day"-Wort von heute lautet: "gefunden" (Englisch: found).

Auf einer Wanderung besuchte ich mit einem Grüppchen um den "Schrittler" René Moor die prähistorischen Steinreihen bei Affoltern am Albis. Manche dieser seltsamen Aneinanderreihungen von Steinen waren schwer zu finden im dichten Unterholz. Und so war die Freude gross, als wir auf die erste dieser Hinterlassenschaften einst hier wirkender Menschen stiessen. Wir hatten die Steinreihen entdeckt. 

Derselbe René Moor wie oben erzählt in einem aktuellen Blog ein Geschichtchen über einen Fundgegenstand. Da entdeckte er auf dem Trottoir einen Geldschein, und steckte ihn sich erfreut ein. Doch gerade einmal 30 Schritte weiter landete er vor einer Schaufensterauslage, in der er gewarnt wurde vor dem "Verderben des Reichtums".

Nun frage ich mich, ob da eine Person Sozialstudien betrieben, und den Geldschein gezielt so deponiert hatte, um zu sehen, was ein solches Zusammentreffen von Geld und Moral bewirkt.

Das unterhaltsam geschriebene Originalgeschichtchen von René Moor gibt es hier! 


Morgen folgt ein Bild zum Wort "hier" (!!!) (Englisch: here).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde