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Donnerstag, 8. Mai 2025

Waffenschweigen

Ein Zitat

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin setzt mit ihrer Turmruine ein ein beeindruckendes Zeichen gegen den Krieg.
Foto © Jörg Niederer
"Friede, Friede, Friede sei mit dir. Nicht jenes Warten wenn die Waffen schweigen, wenn sich noch Furcht mit Hass die Waage hält, wenn sich Verlierer vor den Siegern beugen, nicht der Friede dieser Welt." Manfred Siebald

Ein Bibelvers - Jesaja 32,17+18

"Die Gerechtigkeit sorgt für Frieden, sie bringt Ruhe und Sicherheit für alle Zeiten. Dann wohnt mein Volk an einem Ort des Friedens, es lebt in Sicherheit und sorgloser Ruhe."

Eine Anregung

Es war der 8. Mai vor 80 Jahren, als Deutschland bedingungslos kapitulierte. Doch der 2. Weltkrieg war damit noch nicht zu Ende. Es dauerte in einigen Weltteilen noch weitere Wochen und Monate, bis am 2. September 1945 die Waffen überall schwiegen.

Wobei: Wann sind schon auf der ganzen Welt die Waffen verstummt? Seit dem Ende des 2. Weltkriegs haben unzählige Stellvertreterkriege getobt, und gerade jetzt sind weitere aktuelle Kriege im Bewusstsein der Welt. Am Schlimmsten ist es wohl gerade im Sudan. Uns näher sind die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. in der Demokratischen Republik Kongo sind auch Methodist:innen von den Kämpfen um Macht und Rohstoffe betroffen. Und dann wäre da noch der Zollkrieg, der das gegenwärtige Gefüge der Welt untergräbt. Ein weiterer Krieg, an dem wir im Westen mitwirken, findet gegen flüchtende Menschen statt. Längst schon geht es darum, möglichst zu verhindern, dass die Not der andern uns im wohlhabenden und nun schon 80 Jahre lang sicheren Westen zu nahe kommt.

Der 2. Weltkrieg ist zu Ende. Dafür können wir dankbar sein. Aber Frieden ist noch immer in weiter Ferne. Wie sehr sehnen sich doch viele Menschen danach. Beten wir fürs Waffenschweigen. Beten wir, dass Frieden werde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 16. April 2025

Kreuzrelikt

Ein Zitat

Das Turmkreuz der von der DDR-Regierung gesprengten Versöhnungskirche in Berlin.
Foto © Jörg Niederer
"Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben." Sigmund Freud (1856–1939)

Ein Bibelvers - Lukas 23,26

"Die Soldaten führten Jesus zur Hinrichtung. Unterwegs hielten sie Simon von Kyrene an, der gerade vom Feld zurückkam. Sie luden ihm das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrug."

Eine Anregung

Da, wo einst die Mauer Berlin entzweite, steht heute an der Stelle der einstigen evangelischen Versöhnungskirche die Kapelle der Versöhnung. Davor findet sich dieses verunstaltete Kreuz.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Versöhnungskirche stark beschädigt. Trotzdem wurde sie 1950 wieder aufgebaut und bis 1961 von Gläubigen beider Sektoren zu Gottesdiensten genutzt. Mit dem Mauerbau wurden erst die Westberliner von der im Ostteil befindlichen Kirche ausgeschossen, ab Oktober 1961 dann auch die Gläubigen der DDR. So ungenutzt liess die SED-Regierung 24 Jahre später die Versöhnungskirche am 22. Januar 1985 sprengen. Dabei brach das Kreuz von der Turmspitze ab. Friedhofsarbeiter bargen es heimlich und verwahrten es über das Wendejahr 1989 hinaus. Am Busstag 1995 kam das durch die Sprengung deformierte Kreuz zur Gemeinde zurück. Heute steht es vor der Kapelle der Versöhnung und erinnert an Leiden und Auferstehung, an Untergang und Erneuerung.

(Auf dem Foto wurde aus ästhetischen Gründen die Beschriftungstafel zum Kreuz entfernt.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen