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Freitag, 28. März 2025

Marc Chagall in Zürich

Ein Zitat

Das Jakobs- Christus- und Zionsfenster von Marc Chagall im Fraumünster Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Dieses Buch (die Bibel) ist Geschichte und gleichzeitig ist es auch ein Roman, an manchen Stellen ist es reine Poesie. Es ist eine Tragödie, aber oft auch sehr komisch. Nimm zum Beispiel diesen David, er ist nicht so ganz anständig. Er hat ja so viele umgebracht." Marc Chagall (1887-1985)

Ein Bibelvers - Lukas 23,47

"Der römische Hauptmann sah genau, was geschah. Da lobte er Gott und sagte: 'Dieser Mensch war wirklich ein Gerechter.'"

Eine Anregung

Heute vor 40 Jahren starb Marc Chagall im Alter von 97 Jahren. Seine Werke sind auf der ganzen Welt zu finden, auch in Zürich. Dort besuchen jährlich um die 150'000 Tourist:innen das Fraumünster, um ein Alterswerk des Künstlers zu bestaunen. Damit sie vor den fünf Glasfenster meditieren können, müssen sie fünf Franken Eintritt hinlegen. Das sind die Glasmalereien allemal wert. Ihre Leuchtkraft, die besondere Farbgebung, die Gestaltung der Motive erfüllen das Innerste der Betrachtenden.

Besonders bewegt hat mich, dass Marc Chagall im gekreuzigten Christus das "Sinnbild für die verfolgten und ermordeten Juden schlechthin" entdeckte. Chagall schuf ab den 1930er Jahren zahlreiche Bilder des Gekreuzigten.

Mehr über Marc Chagall und die berühmten Glasmalereien in Zürich erfährt man in einem heute erschienen Beitrag von Jens Bayer-Gimm auf ref.ch.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 15. Februar 2025

Katharinen-Einkaufstasche

Ein Zitat

Katharinen-Einkaufstasche
Foto © Jörg Niederer
"Bei all der Schwere hoffe ich, dass dabei trotzdem auch Spielfreude, Leichtigkeit und viel Mut zum Träumen da ist. Vielleicht sogar Poesie oder eine gute Portion Humor." Anne Kaestle (*1975), Architektin, Zürich

Ein Bibelvers - Sprüche 24,3

"Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, durch Verstand wird es erhalten."

Eine Anregung

Sie ist eigetroffen. Die Einkaufstasche aus dem Banner mit den 500 Frauennamen, das einige Zeit um den temporären Katharinenturm beim Fraumünster in Zürich zu bewundern war (Siehe dazu den Beitrag vom 28. August 2024). Zur Erinnerung an die vor 500 Jahren wirkende letzte Äbtissin vom Fraumünster in Zürich stand der filigran aufragende Katharinenturm von Debora Burri-Marci für 500 Frauen, die Bedeutendes in der Stadt Zürich geleistet haben oder gewesen sind.

Meine Tasche besteht aus Teilen des Namens der Architektin Anne Kaestle (*1975). Über sie steht auf der Webseite des Katharinenturms: "Ihre Vision von urbaner Dichte manifestiert sich in ausgezeichneten Projekten wie der genossenschaftlichen Siedlung 'Mehr als Wohnen', der 'Siedlung Buchegg', dem Mehrgenerationenprojekt 'Burkwil' oder dem 'Glasi Quartier' in Bülach... Mit dem Fokus auf den Zwischenraum hat Anne Kaestle den Begriff der Relationalen Architektur geprägt, um in einer hyperindividuellen, diversen Gesellschaft für Zusammenhalt zu sorgen und bauliche Dichte auf scheinbar wundersame Weise in menschliche Nähe zu verwandeln." 

Eine weiterer fragmentarischer Frauenname auf der Einkaufstasche ist der von Cleophea Pestalozzi-von Orelli (1750-1820). Sie "...leitete das in der Revolutionszeit in Schwierigkeiten geratene Seiden- und Bankgeschäft weiter und führte es zu neuem Erfolg. Bereits 1802 gewährte sie ihrem Angestellten eine kleine Kapitalbeteiligung. Drei Jahre später machte sie ihn zum Teilhaber... In der Literatur wird Cleophea Pestalozzi als eine herausragende Geschäftsfrau gewürdigt, welche die wenig ertragreiche Firma zum Erfolg zurückgeführt habe." 

Dann gibt es zwei Teile an der Tasche, die ich nicht eindeutig zuordnen kann. Das eine Teil könnte für die Seelsorgerin Amanda Ehrler (*1946), für die Politikerin Jacqueline Fehr (*1963), für die heute selbstständige Unternehmerin Eveline Mettier Wiederkehr oder für Birgit Wehrli-Schindler (*1946), der Gründerin von "Stadtentwicklung Zürich" stehen.

Beim anderen Teil käme Yasmin Habegger, die Gründerin und Geschäftsführerin der "Malen mit Stil GmbH"; Andrea Hardegger, Gründerin und Eigentümerin der Aurum Schule Zürich AG; Cornelia Hesse-Honegger (*1944), Schweizer Künstlerin und naturwissenschaftliche Zeichnerin; Klara Honegger (*1860-1940), Gründungsmitglied im Schweizerischen Verband für Frauenstimmrecht; die Sex- und Partnerschaftsberaterin beim Blick Marta Emmenegger (1923-2001) oder die Anthropologin Elisabeth Langenegger (*1940) in Frage.

Mit diesen vielen Frauen werde ich also in Zukunft einkaufen gehen. Ein faszinierender Gedanke und eine Reminiszenz an die Bedeutung der Frauen in Politik, Kunst, Wirtschaft und Religion.

Nebenbei: Noch können Taschen und Etuis aus dem Banner des Katharinenturms bestellt werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 28. August 2024

In Zürich steht ein neuer Turm

Ein Zitat

Blick durch den Katharinenturm beim Fraumünster hinauf zum Himmel über Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"bin der red und bin den oren bekent man den essel und den toren / item welen frouwen uibell rett, der weist nit was sin muoter tet / man / sol frouwen loben / es sy war oder arlogen." (An der Rede und an den Ohren erkennt man den Esel und den Toren. Auch: Wer schlecht über Frauen redet, der weiss nicht, was seine Mutter tat. Man soll Frauen loben, sei es (nun) wahr oder erlogen." Katharina von Zimmern (1478-1547)

Ein Bibelvers - Richter 4,9

"Darauf sagte sie: 'Ja, ich komme mit dir! Nur sollst du wissen: Du ziehst jetzt in die Schlacht, doch Ruhm wirst du auf diesem Weg nicht ernten. Der Herr wird Sisera in die Hand einer Frau geben.' Dann stand Debora auf und ging mit Barak nach Kedesch."

Eine Anregung

Mit 18 Jahre wird Katharina von Zimmern Äbtissin des Fraumünsters, des Zürcher Stiftsklosters mit den grössten Ländereien. 28 Jahre übte sie dieses Amt aus, zuletzt ganz allein im Kloster in Zürich.

Berühmt ist sie vor allem dadurch, dass sie am 8. Dezember 1524 den Schlüssel des Fraumünsterstifts und damit das Kloster samt Ländereien dem Bürgermeister und dem Rat von Zürich übergab. Damit verhinderte sie in der heissen Phase der Reformation ähnliche Ausschreitungen, wie sie etwa beim Sturm auf das Kloster Ittingen (Siehe Beitrag vom 19. Juli!) geschahen.

Dieser historisch bedeutsame reformatorischer Akt, der vor 500 Jahren geschah, wird aktuell in Zürich vielfältig gefeiert. Am Augenfälligsten ist dabei ein Turm, der sich in Erinnerung an die letzte Äbtissin des Fraumünsters nun wieder bei der einstigen Stiftskirche erhebt. Der filigran aufragende Katharinenturm von Debora Burri-Marci steht vorübergehend an der Stelle, an der einst auch der heute fehlende Südturm stand. Geschmückt ist er mit einem tausend Meter langen grünen Band, auf dem die Namen von 500 bedeutenden Frauen stehen, welche sich seit Katharina von Zimmerns Zeit für Zürich engagiert haben.

Wer mehr über Katharina von Zimmern erfahren möchte, kann sich dazu den Zeitblende-Podcast auf Radio DRS anhören oder das Buch von Irene Gysel über die bedeutende Frau lesen.

Dazu lohnt sich ein Besuch im und beim Fraumünster in Zürich. Nicht nur wegen des vorübergehend dort stehenden Turms, sondern auch wegen der weiteren Sehenswürdigkeiten, darunter Glasfenster von Marc Chagall.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 15. Januar 2022

Das reformierte Gesicht Zürichs

Ein Zitat

Lichtspiel auf der symbolische Darstellung der Gründungslegende des Fraumünsters, im Kreuzgang der Stadtzürcher Kirche.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Christ syn ist nit schwätzen von Cristo, sundern wandlen, wie er gewamdlet hat." Huldrych Zwingli

Ein Bibelvers - Römer 1,20+21a

"Denn sein [Gottes] unsichtbares Wesen ist seit der Erschaffung der Welt erkennbar geworden – und zwar an dem, was er geschaffen hat. Es ist seine ewige Macht und seine Göttlichkeit. Deshalb haben die Menschen keine Entschuldigung. Sie kennen Gott."

Ein Anregung

Die Gründungslegende des Fraumünsters in Zürich erzählt von Hildegard und Bertha, den beiden Töchtern von König Ludwig dem Deutschen, welche auf dem Weg zu ihrem Gebetsplatz von einem Hirsch mit leuchtendem Geweih begleitet wurden. Vom königlichen Vater erbaten sie am Ort ihres Gebets ein Kloster, doch diesem gefiel der Standort im sumpfigen Abflussbereich des Zürichsee nicht. Nach intensivem Beten der Schwestern fiel auf wundersame Weise ein Seil vom Himmel, und umschloss genau die erbetene Stelle, an dem das Kloster daraufhin errichtet wurde. So entstand die Benediktinerinnenabtei Fraumünster in aktuell zentraler Lage des modernen Zürichs.

Heute ist das Fraumünster eine reformierte Kirche. Mit dem Lockdown 2020 begann der Lokalsender TeleZüri mit der reformierten Kirchgemeinde Zürich Gottesdienste zu produzieren und auszustrahlen. Auch in diesem Jahre wird alle zwei Wochen ein Gottesdienst gesendet. Das nächste Mal ist es am 23. Januar wieder soweit.

Vergangene Gottesdienste können auf der Webseite von TeleZüri immer noch angeschaut werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde