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Samstag, 16. März 2024

Dem gemeinsam Methodistischen auf der Spur

Ein Zitat

An der Exekutivtagung der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa wird intensive diskutiert über die Aufgaben der verschiedenen Arbeitsgruppen.
Foto © Jörg Niederer
"Ist mein Christentum stärker als mein Pass?" Aus dem Bericht von Lilla Kardosné Lakatos über den Europäischen Rat methodistischer Kirchen

Ein Bibelvers - Jesaja 11,10-12

"Zu der Zeit erhebt der Herr erneut seine Hand, um den Rest seines Volkes zu befreien. Was davon übrig geblieben ist, holt er aus Assyrien und Ägypten, Patros und Kusch. Aus Elam, Schinar und Hamat kommen sie herbei und auch von den Inseln des Meeres. Er richtet ein Feldzeichen unter den Völkern auf und sammelt die aus Israel Vertriebenen. Auch die Zerstreuten aus Juda bringt er zusammen von den vier Enden der Erde."

Eine Anregung

Noch bis Sonntag tagt die Exekutive der Evangelisch-methodistischen Kirche von Mittel- und Südeuropa unter der Leitung von Bischof Stefan Zürcher in Wien. Zur Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa gehört die Kirche in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Nordafrika, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Polen, Serbien, Nordmazedonien und Albanien. Konferenzsprache ist Englisch.

In diesem Jahr geht es darum, die Aufgaben der Arbeitsgruppen zu klären und entsprechende Aufträge zu erteilen. In einem dynamischen Prozess gelang es bis gestern Abend, wesentliche Arbeitsschwerpunkte zu definieren. 

An diesem Samstag kommt es zu einer Begegnung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den verschiedenen Ländern und den Delegierten. Nach einigen Jahren ohne klare Beauftragung und Führung dieser Arbeit fand im vergangenen Jahr erstmals wieder ein internationales Jugendtreffen in Ungarn statt. Solche Jugendreffen sind besonders wertvoll, weil sie dazu beitragen, Vorurteile und Ängste abzubauen auf der Basis des Glaubens an Jesus Christus. Ganz im Sinn einer Frage aus einem Bericht über die Tagung des Europäischen Rats der methodistischen Kirchen: "Ist mein Christentum stärker als mein Pass?".

Eindrücklich waren bisher auch die Andachten, welche durch die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Liturgie, durch Erika Stalcup gestaltet und geleitet wurden. Dabei bewegten sich die Delegierten in Gedanken in alle Himmelsrichtungen und sangen Lieder in den Sprachen der verschiedenen Ländern.

Die Exekutivtagung wird am Sonntag nach den Gottesdiensten in Wien und Linz enden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufe

Sonntag, 31. Dezember 2023

Stelle mich wohin du willst!

Ein Zitat

Bürostuhl auf der Tannwaldstrasse beim Bahnhof Olten. Leicht verfremdet.
Foto © Jörg Niederer
"Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und Besitzen. Du hast es mir gegeben; dir, Herr, gebe ich es zurück. Alles ist dein, verfüge nach deinem ganzen Willen. Gib mir deine Liebe und Gnade, denn diese genügen mir." Hingabegebet des Ignatius von Loyola (1491-1556)

Ein Bibelvers - Lukas 22,42

"Er [Jesus] sagte: 'Vater, wenn du willst, nimm diesen Becher weg, damit ich ihn nicht trinken muss! Aber nicht, was ich will, soll geschehen, sondern was du willst!'"

Eine Anregung

In methodistischen Kirchen wird oft zum Jahresende die Feier zur Erneuerung des Bundes mit Gott gefeiert. Im deutschsprachigen Raum ist diese Liturgie als Nummer 776 im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche zu finden. Die Texte gehen auf den Gründer der methodistischen Bewegung, auf John Wesley zurück. Zentral ist dabei ein Gebet, das es in eine Sammlung der hundert schönsten Gebete der Weltreligionen geschafft hat: Das Bundeserneuerungsgebet. Darum dreht sich alles. Es lautet: 

"Ich gehöre nicht mehr mir, sondern dir. / Stelle mich, wohin du willst. / Geselle mich, zu wem du willst. / Lass mich wirken, lass mich dulden. / Brauche mich für dich, oder stelle mich für dich beiseite. / Erhöhe mich für dich, / erniedrige mich für dich. / Lass mich erfüllt sein, lass mich leer sein. / Lass mich alles haben, / lass mich nichts haben. / In freier Entscheidung und von ganzem Herzen überlasse ich alles deinem Willen und Wohlgefallen. / Herrlicher und erhabener Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist: Du bist mein, und ich bin dein. So soll es sein. / Bestätige im Himmel den Bund, den ich jetzt auf Erden erneuert habe. Amen."

Ein herausforderndes Gebet, indem man sich ganz in die Hände Gottes legt. Diesen Sonntag werden wir in St. Gallen dieses Gebet beten und dieser Liturgie folgen. Dabeisein kann man entweder um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen, oder dann per Youtube um ca. 10.30 Uhr. Alle sind herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. November 2023

Unausweichlich

Ein Zitat

Trauerstatue in der alten Urnenhalle des Friedhofs Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist unsere Lebensaufgabe, nicht war? Uns auf die Rückkehr zu Gott vorzubereiten." Erika K. R. Stalcup

Ein Bibelvers - Kolosser 2,12

"In der Taufe wurdet ihr mit ihm [Christus] begraben. Mit ihm wurdet ihr auch auferweckt. Denn ihr habt an die Kraft Gottes geglaubt, der Christus von den Toten auferweckt hat."

Eine Anregung

In der aktuellen Theologie für die Praxis (48. Jahrgang 2022), die von der Theologischen Hochschule Reutlingen herausgegeben wird, finden sich auch der Beitrag "Unserer Sterblichkeit ins Auge sehen" meiner Kollegin Erika K. R. Stalcup. Darin geht es um eine gesunde Haltung gegenüber dem Tod in der Liturgie. Hier einige Zitate aus diesem Text, der erstmals im Rahmen des Internationalen Worship Forums der Evangelisch-methodistischen Kirche vom 15. Oktober 2022 als Vortrag gehalten wurde. 

  • "Was ist falsch daran, alt zu sein? Und warum ist der Tod so stigmatisiert?"
  • "Manche befürchten, dass schon die blosse Erwähnung des Todes ihren eigenen Tod herbeiführen wird."
  • "'Haben Sie Angst vor dem Tod?' Ich weiss nicht, ob sie [diese Frage] wirklich als Lackmustest für den christlichen Glauben taugt, aber ich glaube, dass sie eine wesentliche Frage ist, die wir als Teil unserer christlichen Reise verhandeln müssen. Was ist der Sinn des Lebens ohne den Tod?"
  • "Über den Tod zu sprechen ist eines der 'gegenkulturellsten' Dinge, die wir heutzutage tun können."
  • "Was ist falsch daran, vergessen zu werden?"
  • "...im Gespräch mit einem Freund wurde mir plötzlich klar, dass meine Vorstellung vom Himmel aus blondhaarigen, hellhäutigen, Harfe spielenden Engeln bestand. Ich selbst habe weder blondes Haar noch helle Haut. Mein eigenes Bild vom Himmel schloss mich aus, ganz zu schweigen von 98 Prozent der Weltbevölkerung."
  • "Als Lazarus starb, weinte Jesus. Diese Tränen zeugen von einem Gott, der ganz und gar menschlich ist, der die Traurigkeit und den Kummer erlebt hat, die wir alle beim Tod derer empfinden, die wir lieben."
  • "Ich habe einmal ein Gebet gelesen, in dem es in etwa hiess: 'Oh Gott, hilf mir zu lernen, wie ich den Tag beenden kann, sonst weiss ich nicht, wie ich sterben soll.'"
  • "Das ist unsere Lebensaufgabe, nicht war? Uns auf die Rückkehr zu Gott vorzubereiten." 

Freitag, 20. Oktober 2023

Das Öl von Libingen

Ein Zitat

Die heiligen Öle in der Gallus geweihten Kirche in Libingen werden sichtbar nahe beim Taufstein in einer Nische aufbewahrt.
Foto © Jörg Niederer
"Nimm hin das Zeichen deine Erlösers Jesus Christus, zum Zeichen, dass du gesegnet bist von Gott. Geh hin in seinem Frieden. er ist mit dir." Die eine Salbung begleitenden Worte in einem Gottesdienst

Ein Bibelvers - Hebräer 1,8+9

"Aber im Blick auf den Sohn [Christus] sagt er [Gott]: 'Dein Thron, Gott, besteht für immer und ewig. Der Massstab des Rechts ist das Zepter, mit dem du dein Königreich regierst. Du liebst Gerechtigkeit und hasst Verbrechen. Deshalb hat Gott dich gesalbt, dein Gott. Köstliches Öl hat er für dich ausgewählt. Damit zeichnet Gott dich aus vor allen, die zu dir gehören.'"

Eine Anregung

In Libingen, wir kamen vor zwei Tagen in diesem kleinen Ort im Toggenburg vorbei, gibt es eine beachtliche Lourdesgrotte, erbaut vom Kräuterpfarrer Johann Künzle. In Libingen wurde 1865 die erste Ziegenzuchtgenossenschaft der Schweiz gegründet und einige Jahre lang gab es ein 59-teiliges Glockenspiel im Weiler Hofen. Sogar ein Kloster entstand hier, angebaut an die stattliche Kirche. Das geschah am Gallustag 1751. Folglich handelt es sich auch um eine dem Gallus geweihte Kirche. 

Im Innern, wie es in katholischen Kirchen so vorgesehen ist, gibt es eine Nische nahe beim Taufstein, in dem die heiligen Öle ausgestellt werden. Drei an der Zahl sind sie mit Abkürzungen beschriftet: CAT, CHR, INF. Ausserhalb dieses Kontextes hätte ich bei CAT an Auto gedacht, bei INF an Information und bei CHR an Christus. Doch nun weiss ich: CHR steht für Sanctum Chrisma oder auch nur Chrisam und benennt das Öl, das für Firmung, Taufe und Priesterweihe vorgesehen ist. Es handelt sich dabei um geweihtes Olivenöl, das mit weiteren Duftstoffen gemischt wird. CAT bedeutet Oleum Catechumenorum und kommt bei Taufen zum Einsatz. Ebenfalls Olivenöl, wird es gelegentlich mit Grapefruit aromatisiert. INF seinerseits ist die Abkürzung für das Oleum Infirmorum, das Krankenöl. Auch dieses Öl besteht aus Olivenöl, und ist gelegentlich mit Zirbelkiefernöl angereichert. Die Öle wollen im Glaubensvollzug die Menschen mit Christus verbinden. Christus (griechisch) und Messias (hebräisch) können mit "der Gesalbte" übersetzt werden. 

Christus, salbe alle Menschen mit Güte! Salbe sorgsam und sanft die Schmerzen und Verletzungen des Lebens hinweg! Salbe unsere Vernunft, dass wir durch dich eine unzerstörbare Hoffnung denken und bewahren können. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen  

Mittwoch, 21. Juni 2023

Ordinati-was?

Ein Zitat

Über Matthias Gertsch wird das Ordinationsgebet gesprochen, während ihm dabei die Hände aufgelegt werden.
Foto © Jörg Niederer
"Wir danken dir, Herr und Gott, dass du unter uns treue Diener und Dienerinnen für das Ältestenamt in deiner Kirche erweckt hast. Bekleide sie mit deiner Gerechtigkeit, und gewähre, dass wir mit ihnen dich verherrlichen mögen in der Hingabe unserer selbst an andere, durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir lebt und regiert in der Einheit des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar. Amen." Aus der Ordinationsliturgie der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - Ezechiel 33,7a

"Und dich, du Mensch, habe ich für das Haus Israel als Wächter eingesetzt."

Eine Anregung

In einer Wiener Gasse entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift "Ordination". Das verwirrte mich als Schweizer etwas, war mir das Wort doch nur im kirchlichen Zusammenhang geläufig. Bei besagtem Schild war aber weit und breit keine Kirche zu entdecken. Das habe ich dort in der Gasse gelernt: Was in Österreich "Ordination" heissen kann, nennen wir in der Schweiz "Arztpraxis"

Die kirchliche Ordination ist etwas ganz anderes. Sie ist Amtseinsetzung, aber auch Eingliederung in eine jahrhundertelange Tradition. Weiter kann sie als Aufnahmeritual verstanden werden.

Der besondere Moment wird durch die besondere Szenerie auf der Bühne beton. Personen, die ordiniert werden, knien sich nieder. Das ist schon einmal bei den meisten Menschen eine eher selten eingenommene Körperhaltung. Dann wird jeder und jedem einzeln vom Bischof oder der Bischöfin die Hand aufgelegt. Assistiert wird er oder sie dabei vom zuständigen Distriktsvorsteher oder der Distriktsvorsteherin, von der Vorsitzenden des Bundes der Ordinierten und von einer weiteren Pfarrperson des Vertrauens.

Am vergangenen Sonntag liess sich an der Lenk im Konferenzgottesdienst der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika nebst Cyriane Rohner-Ouvry (Siehe Blogbeitrag vom 17. Juni) auch Matthias Gertsch feierlich in das Amt eines Ältesten und aufsichtsführenden Pfarrers einsetzen. Ein besonderer Moment, der bei der Handauflegung mit folgenden Worten begleitet wird: "Matthias Gertsch, empfange die Vollmacht, als ein Ältester/eine Älteste in der Kirche das Wort Gottes zu predigen und die heiligen Sakramente zu verwalten."

Zuvor haben die Pfarrpersonen, welche ordiniert wurden, sich öffentlich zu Christus bekannt, zur Heiligen Schrift und zu einer sorgsamen Begleitung aller Menschen in der kirchlichen Gemeinde, der sie zugewiesen sind. Zugleich werden auch alle Gemeindeglieder angehalten, für diese Pfarrpersonen zu beten.

Da die meisten Pfarrpersonen schon vor der Ordination in einem Gottesdienst eine Bibel erhalten haben, wird ihnen in dieser Feier ein Reise-Abendmahlsgeschirr überreicht.

Die Ordination kann auf Video angeschaut werden. Dieser besondere geistliche Moment beginnt im Video nach etwa einer Stunde und 45 Minuten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen