Posts mit dem Label Evangelisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Evangelisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 5. März 2025

Aschekreuz to go

Ein Zitat

In einem Fass mit Kreuzen brennt ein Feuer über der Asche.
Foto © Jörg Niederer
"Die Narretei ist nun vorbei, der Alltag kehrt mit Stille ein. Ein Aschekreuz, so fein, so sacht, erinnert uns an neue Kraft." Quelle unbekannt

Ein Bibelvers - Hiob 42,6

"Darum bereue ich meine Worte und finde Trost, so wie ich hier in Staub und Asche sitze."

Eine Anregung

Aschermittwoch. An diesem Tag kann man auf den Strassen von St. Gallen ein Aschekreuz empfangen. "Aschekreuz to go" nennt sich dieser Versuch, den christlichen Glauben wieder nahe zu den Menschen zu bringen. Dahinter steht die Römisch-Katholische Kirche. 

Da kommt die Frage auf, wie die Spendung des Aschekreuzes in den evangelischen Kirchen gehandhabt wird. In der protestantischen Kirche war es lange Zeit unüblich, an Aschermittwoch den Glaubenden ein Aschekreuz auf die Stirn zu zeichnen. Wohl aber ist der Aschermittwoch ein Tag der Besinnung mit Busse und Fasten. 

Methodistische Kirchen kommen aus der Tradition der Anglikanischen Kirche. In den USA gehört daher die Spendung des Aschekreuzes zum Kirchenjahr dazu. Ein Zitat dazu: "John Wesley, der Gründer des Methodismus, betonte die Bedeutung von Umkehr und Erneuerung im christlichen Leben. Seine Lehren über die vorbereitende, rechtfertigende und heiligende Gnade stimmen mit den Themen der Fastenzeit überein und machen den Aschermittwoch zu einem kraftvollen Moment, um sich erneut dem Streben nach Heiligkeit zu widmen."

So gibt es denn auch methodistische Liturgien für den Gottesdienst an Aschermittwoch, in denen die Spendung des Aschenkreuzes vorgesehen ist. In einer solchen Liturgie heisst es: 

"Liebe Geschwister in Christus

Die ersten Christen haben mit großer Hingabe die Tage des Leidens und der Auferstehung unseres Herrn begangen. Es wurde zum Brauch in der Kirche, dass vor dem Osterfest eine vierzigtägige Zeit der geistlichen Vorbereitung stattfand. Während dieser Zeit wurden die zum Glauben Bekehrten auf die Heilige Taufe vorbereitet.

Es war auch eine Zeit, in der Personen, die schwere Sünden begangen und sich von der Gemeinschaft des Glaubens getrennt hatten, durch Busse und Vergebung versöhnt und wieder in das Leben der Kirche aufgenommen wurden. Auf diese Weise wurde die ganze Gemeinde an Barmherzigkeit und Vergebung erinnert, die im Evangelium von Jesus Christus verkündet werden und an die Notwendigkeit, dass wir alle unseren Glauben erneuern müssen.

Ich lade dich daher im Namen der Kirche ein, eine heilige Fastenzeit zu halten: durch Selbstprüfung und Reue, durch Gebet, Fasten und Entsagung und durch das Lesen und die Betrachtung des heiligen Wortes Gottes.

Um einen rechten Anfang der Reue zu machen, und als Zeichen für unsere sterbliche Natur, lasst uns jetzt vor unserem Schöpfer und Erlöser niederknien." 

 Es folgt die Danksagung mit Asche:

"Allmächtiger Gott, du hast uns aus dem Staub der Erde erschaffen. Gib, dass diese Asche für uns ein Zeichen unserer Sterblichkeit und Reue ist, damit wir uns daran erinnern, dass uns nur durch deine Gnadengabe das ewige Leben geschenkt wird; durch Jesus Christus, unseren Erlöser. Amen." 

Dann wird die Asche ausgeteilt. Der Pfarrer oder die Pfarrerin und alle anderen Helferinnen und Helfer nehmen vor der Gemeinde Platz und fordern die Gemeinde mit Worten oder Gesten auf, nach vorne zu kommen. Die Gottesdienstleitenden tauchen einen Daumen in die Asche und machen auf der Stirn eines jeden ein Kreuz.

Also auch evangelische Christen zumindest methodistischer Prägung kennen das Aschekreuz auf der Stirn.

Ich wünsche allen einen gesegneten Aschermittwoch.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 1. März 2025

Gehen, um zu bleiben

Ein Zitat

Matthias Wenk mit Zeitschrift bref und in Papier eingepackter Schokoladepfeife.
Foto © Jörg Niederer
"Wie man beten soll, das steht in der Bibel; und was man beten soll, das steht in der Zeitung." Karl Barth (1886-1968)

Ein Bibelvers - Psalm 119,103

"Wie süss schmeckte mir dein Wort, noch süßer als Honig in meinem Mund."

Eine Anregung

Dass Matthias Wenk von der katholischen Cityseelsorge St. Gallen von der katholischen zur reformierten Kirche wechseln wird, davon haben die Medien schon ausführlich berichtet. Der Stadt St. Gallen bleibt Wenk treu. In Zukunft arbeitet er in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Gallen Centrum in einem Teilzeitpensum, und weiterhin in der Cityseelsorge, diesmal aber der evangelischen. 

Gestern fand eine kleine Abschiedsfeier im Domzentrum statt. Die Kolleginnen und Kollegen der Cityseelsorge bereiteten ihm einen berührenden und fröhlichen Abschied mit Würsten aus seiner früheren und aktuellen Heimat, mit Kuchen, Wein und weiteren Getränken, und vor allem mit Worten, Symbolen und Musik. 

Roman Rieger, Erika Miskos-Fritschi, Ann-Kathrin Gässlein, Chika Usor und Oliver Bischof beriefen sich dabei nicht auf die 14 Nothelfer-Heiligen der katholischen Tradition, sondern auf "Heilige" ökumenischer und evangelischer Provenienz.

Als erstes überreichte ihm Chika Usor eine handgefertigte afrikanische Tasche, um all die Abschiedsgaben fassen zu können.

Der Reigen der Heiligen begann mit Dietrich Bonhoeffer, dessen Brautbriefe aus der Zelle 92 Matthias Wenk in Buchform überreicht wurde.

Weiter ging es nicht mit dem evangelischen, aber dem Evangelisten (!) Johannes und einer WortLicht-Kerze.

Unbekannt dagegen ist der Schreiber oder die Schreiberin von Psalm 119. Sein oder ihr Vergleich von Wort Gottes und Honig schaffte die Möglichkeit, Matthias Wenk Honig zu überreichen. In diesem Zusammenhang erfuhr man auch, dass das Lieblingswort des scheidenden Cityseelsorgers "Stille" ist.

Unter den evangelischen Heiligen durfte natürlich auch der pfeifenrauchende Karl Barth nicht fehlen. Die drei Pfeifen, die Matthias Wenk erhielt, sind jedoch aus Schokolade und damit ein andersgearteter Genuss.

Die Pilgerin und Heilige Egeria schrieb über ihre Reise in den Sinai ein Tagebuch. Etwas, das auch Matthias Wenk mit dem Geschenk eines 6-Minuten-Tagebuchs nahegelegt wurde auf seinen kommenden Pilger- und Kirchenreisen.

Der Verweis auf den Bibelübersetzer und Reformatoren Martin Luther erinnerte seinerseits an die Wichtigkeit der griechischen Sprache für das theologische Arbeiten in einer evangelischen Kirche. Passend gab es dazu ein 2-Minuten-Sprachtrainer des biblischen Griechisch.

William Tyndale war in England der erste Bibelübersetzer, eine Guttat, die ihm am 6. Oktober 1536 im Alter von 42 Jahren das Leben kostete. Er wurde hingerichtet. In Erinnerung an ihn erhielt Matthias Wenk eine Tasse mit Stichworten zu wichtigen Bibelstellen und dazu natürlich auch Teebeutel.

An Martin Luther King und seine berühmte Rede vom 28. August 1963 (I have a dream...) erinnert ein Plakat, extra angefertigt für Matthias Wenk.

Als neunter evangelischer Heiliger wurde der unkonventionellen Pfarrer, Autor und Politiker Klaus Schädelin genannt. Sein offenes Haus und mehr wird in einer Ausgabe der nun für Matthias Wenk "verbindlichen" reformierten Zeitschrift bref erinnert.

Mit diesen 9 "Heiligen" ausgestattet folgte der Höhepunkt. Johann Sebastian Bach, zehnter "Heiliger" in dieser Serie, gab Ann-Kathrin Gässlein und Roman Rieger die Möglichkeit, gemeinsam das Stück "Jesus bleibet meine Freude" zu interpretieren. Hier geht es zum Video!

All dies und viele Gespräche an diesem Abend zeigen die Wertschätzung, die Matthias Wenk entgegengebracht wird, genauso wie auch den Respekt für seinen Entscheid, die Kirche zu wechseln. Und immer schwang in den Gesprächen die begründete Hoffnung mit, dass die Zusammenarbeit über Kirchengrenzen hinweg mit dem rührigen Theologen und Praktiker weitergehen darf.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Donnerstag, 4. Juli 2024

Warum Religion, warum nicht Wissenschaft?

Ein Zitat

Pfarrer und Superintendent Stephan Schröckenfuchs anlässlich eines Gottesdienstes in Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Es [das Lesen in der Bibel] regt mich an, selber zu denken, mir eine Meinung zu bilden und ein erwachsener, vernünftiger Mensch zu werden. Und dafür ist die Bibel sehr genial." Stephan Schröckenfuchs im Mitmach-Podcast

Ein Bibelvers - Matthäus 6,9+13

"Unser Vater im Himmel... stell uns nicht auf die Probe, sondern rette uns vor dem Bösen."

Eine Anregung

Stephan Schröckenfuchs ist methodistischer Pfarrer in Wien und Superintendent in der österreichischen Jährlichen Konferenz. Am 14. Juni beantwortete er im Mitmach-Podcast der Evangelischen Kirche A.B. Fragen von Hörerinnen und Hörern. Da wollte man Antworten hören auf Fragen wie: 

  • "Wie soll ich die Bibel verstehen, wenn Teile davon so altmodisch oder gar widersprüchlich sind?"
  • "Wenn Gott so gut ist, warum gibt es dann soviel Leid?" 
  • "Warum sollte man heute noch an Religion glauben, wo doch alles so wissenschaftlich ist?"
  • "'Und führe uns nicht in Versuchung' heisst es in allen christlichen Glaubensgemeinschaften. Führt uns Gott tatsächlich als liebender Gott in Versuchung?" 
  • "Ich bin mir unsicher über meine sexuelle Orientierung. Wir meine Kirche mich trotzdem akzeptieren?" 

Die Antworten von Stephan Schröckenfuchs kommen schnell, sind überlegt und immer wieder auch von einem seelsorglichen Grundton getragen. Es lohnt sich, die 39 Minuten Sendezeit dabeizubleiben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen