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Montag, 28. Juli 2025

Natur und Design

Ein Zitat

Die Bruchwasserläufer sind wieder auf dem Zug in den Süden und rasten auch am Ägelsee bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Form folgt Funktion – das ist oft missverstanden worden. Form und Funktion sollten Eins sein, verbunden in einer spirituellen Einheit." Frank Lloyd Wright, Architekt (1867-1959)

Ein Bibelvers - 1. Korinther 2,9

"In der Heiligen Schrift heißt es dazu: 'Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, worauf kein Mensch jemals gekommen ist – all das hält Gott für die bereit, die ihn lieben.'"

Eine Anregung

Vom Bruchwasserläufer habe ich schon einmal geschrieben (Blogbeitrag vom 16. August 2023). Nun konnte ich den eleganten Vogel, zwar durch Schilfrohre hindurch, mit besserem Objektiv und besserer Kamera wieder ablichten. Gerade sind die hübschen Stocherer auf dem Zug vom Sommer- ins Winterquartier.

Was mich an der Natur immer wieder berührt, ist das Design. Diese Kombination von Lebenstauglichkeit und Eleganz (bei manchen Tieren auch die unglaubliche Skurrilität ihres Aussehens z.B. beim Takin mit seiner seltsamen Gesichtsform).

In letzter Zeit tauchen immer wieder kleine Filme und Bilder mit Tieren auf, von denen ich noch nie etwas gehört habe und die ich auch noch nie gesehen habe. Oft sind es dann durch Künstliche Intelligenz erstellte Gebilde. Es gibt sie nicht, und was früher dem Artdirector teurer Filme vorbehalten war, nämlich fantastische Lebensformen oder auch längst ausgestorbene Tiere zum Leben zu erwecken, ist heute mit wenig Computerkenntnis, einem entsprechenden Programm und viel Rechenleistung und Energie auch wenig begabten Menschen möglich.

Während weltweit die Arten in rasantem Tempo aussterben, flüchten wir Menschen uns in eine künstliche Welt. Nur davon kann niemand leben.

Gutes Design bedeutet, dass etwas Sinn macht und schön ist und in ein Ambiente hineinpasst. Diese Welt in der wir leben dürfen, ist äusserst komplex zusammengestellt. Da passt jede Kleinigkeit an den Ort, an dem sie sich befindet. Dass der Bruchwasserläufer am Ägelsee rastet, ist kein Zufall, sondern wesentlich. Oft ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie etwas in die Vielfalt anderer Geschehnisse eingepasst ist. Manchmal scheint das, was wir sehen, auch einfach nur schön oder seltsam zu sein. Und doch ist es tausendmal wesentlicher für unser Leben, als jede erfundene und visuell zum Leben erweckte Fantasie.

Ich bin kein Vertreter des Intelligenten Designs. Ich kann der Evolutionslehre viel Sinn abgewinnen. Ich finde es bewundernswert, dass da eine Dynamik in der Natur ist, die immer wieder Neues, Schönes, Sinnvolles und Passendes entstehen lässt. Dahinter sehe ich eine ordnende, gestaltende Hand. Nennt mich sentimental oder auch leichtgläubig. Aber ich Glaube an einen Gott, der dies alles irgendwie und zielgerichtet entstehen lies und jeden Tag mit einer unglaublichen Lebensenergie erfüllt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 16. August 2023

Im Trüben fischen

Ein Zitat

Der Bruchwasserläufer ist als Zugvogel Gast an unseren Teichen und in unseren Sümpfen. Hier sammelt der kleine Vogel am Ägelsee in Frauenfeld neue Kräfte für die Weiterreise.
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt Menschen, die Fische fangen, und solche die nur das Wasser trüben." Sprichwort

Ein Bibelvers - Johannes 6,68+69

"Simon Petrus antwortete [Jesus]: 'Herr, zu wem sollten wir denn gehen? Du sprichst Worte, die ewiges Leben schenken. Wir glauben und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes!'"

Eine Anregung

Der Bruchwasserläufer ist ein fleissiger Zeitgenosse. Unermüdlich läuft er im seichten Wasser auf und ab, sucht sich im Schlick sein Futter. Bruchwasser, das ist das Wasser, das über Brüchen (Sumpf- und Moorland) steht, also das sumpfige, morastige Wasser. Der Bruchwasserläufer gehört damit zu den Tieren, die im wörtlichen Sinn "im Trüben fischen". Wenn ich das richtig beobachten konnte, schützt der Bruchwasserläufer dabei die Augen beim Eintauchen ins Wasser durch die sogenannte Nickhaut (von lateinisch "nictitans" = blinzeln) vor den aufwirbelnden Sedimenten. Bei uns in der Schweiz ist er auf seinen Reisen zwischen dem Brutgebiet in Nordeuropa und dem Überwinterungsgebiet in Afrika anzutreffen.

Manchmal komme ich mir wie ein im medialen Sumpf suchender Bruchwasserläufer vor. Dann taste ich in der Masse des Geschriebenen, der Fülle des Gesagten, Gesehenen und Gehörten nach dem, was mein Leben nährt. Ich suche nach einem lebendigen Wort, nach einer hoffnungsvollen Sicht, nach einem Freudenklang des Lebens. Ich stochere im Trüben, mehr tastend und mit halb verschlossenen Augen. Meist ist dann nicht das, was viel Staub aufwirbelt, das, was mir gut tut. Doch zwischen aufstiebenden Schlagzeilen findet sich mitunter eine Perle, ein Nährstück, das mir mundet, das mir schmeckt, mich aufbaut und wieder bereit macht für den nächsten Abschnitt meiner Lebensreise. Dafür bin ich dankbar.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen