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Samstag, 29. März 2025

Abheben

Ein Zitat

Ein Höckerschwan fliegt entlang der Thur bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Droben rudert ein Schwan milchweiß schimmernde Bahn, hell das Gefieder von Sternen, zieht er durch himmlische Fernen, rudert nach Traumland voraus, sucht der Glückseligen Haus." Isolde Kurz (1853-1944)

Ein Bibelvers - Sacharja 5,1-2

"Als ich nochmals aufschaute, sah ich eine fliegende Schriftrolle. Der Engel fragte mich: 'Was siehst du?' Ich antwortete: 'Eine fliegende Schriftrolle. Sie ist zehn Meter lang und fünf Meter breit.'"

Eine Anregung

Ich kenne wenige Vögel, die sich für den Abflug so sehr abmühen müssen, wie die Höckerschwäne. Immerhin müssen sie dabei durchschnittlich um die 12-13 Kilogramm Körpergewicht in die Luft hieven. Dazu gehört die lange Anlaufphase, in der sie erst längere Zeit flügelschlagen über das Wasser laufen. Auch in der Luft gewinnen sie nur langsam an Höhe. Das Ganze geht nicht lautlos vonstatten. Weithin hörbar ist ein rhythmisch zum langsamen Flügelschlag passendes Windgeräusch.

Es kommt vor, dass es mir genauso geht wie einem startenden Schwan. Nur langsam komme ich auf Touren, nur langsam hebe ich ab, nur langsam gewinne ich an Zuversicht, nur langsam komme ich dem Himmel näher. Dann lastet die Trägheit auf mir und jeder reale Schritt, jeder Denkschritt verlangt nahezu übermenschliche Kräfte. 

Zugleich ist es eine Zeit grösserer Veränderungen. Ich werde am Ende dieses "Flugs" nicht mehr am Ausgangspunkt sein. Ich werde Neues sehen. Vielleicht stellt sich dann auch die Zufriedenheit ein, die auf dem Weg dorthin so wenig erfahrbar war. Darum ist es gut, sich abzuheben von der Normalität und dem Aussergewöhnlichen auf die Spur zu kommen.

Dem Schwan gelingt dieser Übergang in den Flug bei aller Schwerfälligkeit zugleich kraftvoll und voller Schönheit. Wie ist das, wenn ich mich aufzuschwingen versuche?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 12. Januar 2022

Keine Angst davor, nicht abzuheben

Ein Zitat

Die Spuren der Flugzeuge über dem Bahnhof Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?" George Bernard Shaw

Ein Bibelvers - Philipper 1,6

"Ich bin ganz sicher: Der das gute Werk bei euch begonnen hat, der wird es auch vollenden – bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt."

Ein Anregung

Das Wolkenfenster ist nur klein. Zu sehen sind darin viele Kondensstreifen von Flugzeugen. Um keine Startfenster zu verlieren, lassen die Fluggesellschaften auch halbleeren Flugzeugen abheben. Und so ist der Himmel voll von ihnen, selbst in diesen Zeiten, in denen tausende das Haus coronabedingt gar nicht verlassen dürfen.

Geflogen wird also, um in Zukunft auch noch fliegen zu können. Was tun wir alles nur deshalb, damit wir es in Zukunft auch noch tun können? Womit wollen wir den Veränderungen widerstehen? Tun wir es für uns, für die Sache, für Gott oder für die Kirche?

Ich wünsche mir einen mit viel Vertrauen gepaarten Realismus. Ich will mich nicht Fürchten vor Veränderungen und den Folgen neuer Umstände.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde