Donnerstag, 30. November 2023

Der erste Schnee

Ein Zitat

Raubwürger im Schneetreiben
Foto © Jörg Niederer
"Viel Regen, wenig Schnee, tut Äckern und Bäumen weh." Bauernregel

Ein Bibelvers - Jeremia 18,14+15

"Schmilzt etwa der Schnee auf den Gipfeln des Libanon? Versiegt ein Bach, der aus dem Gebirge gespeist wird? Doch mein Volk handelt verkehrt und vergisst mich."

Eine Anregung

Der erste Schnee. Die ersten Flocken. Nichts Ernstes. Weisse Punkte, vom Wind getragen. Schon sind sie wieder vergangen. Der erste Schnee, er ist zum Schnee von gestern geworden.

Als Jeremia im Namen Gottes sprach, da waren die Gipfel des Libanon noch weiss vom Schnee. Was einst rhetorische Frage war, die es mit "Nein" zu beantworten galt, verlangt heute Zustimmung. Ja, der Schnee schmilzt weg auf dem Libanon. Und nicht nur dort. Selbst Bäche aus dem Gebirge versiegen heutzutage. Klimawandel. Menschgemacht, durch übermässigen Verbrauch fossiler Brennstoffe. 

Könnten da zur Abwechslung die Menschen nicht für einmal umdenken und richtig zu handeln beginnen, sich auf Gott besinnen und seiner Bestimmung als Geschöpfe folgen? Dem schneegleichen Raubwürger würde es gut bekommen, so wie allem Leben auf der Erde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 29. November 2023

Melancholie

Ein Zitat

Morgenstimmung bei der Einmündung der Aare in den Rhein.
Foto © Jörg Niederer
"Ich sass auf einem Steine / und deckte Bein mit Beine, / Den Ellenbogen stützt ich auf / Und schmiegte in die Hand darauf / Das Kinn und eine Wange. / So grübelte ich lange: / Wozu auf Erden dient dies Leben? ..." Walther von der Vogelweide (um 1170-1230)

Ein Bibelvers - 1. Samuel 16,15+16

"Da sprachen Sauls Leute zu ihm: 'Du weisst, dass es ein böser Geist ist, durch den Gott deine Stimmung verfinstert. Unser Herr braucht nur etwas zu sagen, deine Knechte stehen bereit. Wenn du es willst, suchen wir einen Mann, der auf der Harfe spielen kann. Wenn dann der böse Geist Gottes über dich kommt, gleitet seine Hand über die Saiten. Und gleich wird es dir besser gehen.'"

Eine Anregung

Es sei die Krankheit der Mönche, hiess es im Mittelalter. Katholiken sahen darin zur Zeit der Gegenreformation die Krankheit der Protestanten. Luther selbst sei oft in tiefe Depression verfallen. Was die Melancholie mit Humor zu tun hat, erschliesst sich einem erst, wenn man sich bewusst macht, dass Humor im Lateinischen "Feuchtigkeit" bedeutet. Seit den alten Griechen bis zur Entdeckung des Blutkreislaufs im Jahr 1628 glaubten die Menschen, dass das Leben von viererlei Körpersäften, viererlei Humoren bestimmt werde. Ein Körpersaft davon sei die Schwarze Galle. Altgriechisch wird sie "Melancholia" genannt, was wörtlich "Schwarzgalligkeit" bedeutet. Ein Übermass dieses Körpersafts sei dafür verantwortlich, dass Menschen in Trübsal verfallen würden. Das wiederum, so die Gelehrten, habe verschiedene Ursachen. Rufus von Ephesos (80-150 n.Chr.) führte die Melancholie auf das ständige Nachdenken über Geometrie zurück. Auch der islamische Arzt Isḥāq ibn ʿImrān (gestorben um 901 n.Chr.) sah in der übertrieben praktizierten geistigen Arbeit die Ursache dieser Gemütskrankheit.

Theophrast (371-287 v.Chr.) jedoch konnte der Melancholie auch Positives abgewinnen. Sie sei die Voraussetzung für den "göttlichen Wahnsinn". Man könnte in diesem Zusammenhang auch von "göttlicher Genialität" sprechen. Genies müssen folglich irgendwie verrückt sein, melancholisch und depressiv.

Hier schliesst sich der melancholische Kreis. Mit dem "Göttlichen" finden wir uns wieder bei den Genies der Theologie und Kontemplation, bei den Mönchen und den protestantischen Theologen, allen voran Martin Luther.

Mir stellen sich dazu einige Fragen. Ziehen wir uns Melancholikerinnen und Melancholiker heran, wenn wir den Kindern Geometrie beibringen und sie zum Nachdenken motivieren? Muss, wer tiefsinniges Wissen über Gott ergründet, ein wenig wahnsinnig sein? Müsste Gott nicht selbst melancholisch werden ob all der frustrierten und Trübsal blasender Menschen auf der Erde? Ist Melancholie ansteckend oder vom Wetter abhängig?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 28. November 2023

Kann es denn wirklich sein...

Ein Zitat

Sonnenaufgang im Thur-Vorland bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Eine rhetorische Frage ist eine Art von Frage, die keine Antwort erwartet oder verlangt." aus: textcortex.com

Ein Bibelvers - 1. Mose 3,1

"Die Schlange war schlauer als alle anderen Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: 'Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?'"

Eine Anregung

Simon Enzler, der Kabarettist aus dem Appenzell, echauffiert sich in einem seiner Programme über Leserbrieffloskeln. Besonders die oft verwendete einleitende rhetorische Frage: "Ist es denn wirklich möglich, dass..." bringt ihn richtiggehend in Rage. Da werde gefragt, ob es denn wirklich möglich sei, dass einige Jugendliche am Bahnhof herumlärmen würden. Natürlich sei das möglich, der Leserbriefschreiber habe es doch selbst erlebt. Ja, wozu diese Frage? Es komme ja auch keinem in den Sinn, zu fragen: Kann es denn wirklich sein, dass an jedem Morgen die Sonne aufgeht?

Warum eigentlich nicht? Sind wir uns denn so sicher, dass an jedem Morgen die Sonne von neuem aufgehen wird? Weil es in der Vergangenheit mehrere Milliarden Jahre lang so gewesen ist, muss es ja nicht so weitergehen. Es könnte also durchaus sein, ja wissenschaftlich ist es sogar garantiert sicher, dass es zum Tag kommen wird, an dem aus Erdperspektive die Sonne nicht mehr aufgehen wird.

So frage ich: Kann es den wirklich sein, dass an jedem Morgen die Sonne aufgeht? Die Antwort: Nein. Aber vorläufig und auf einige hundert Menschengedenken hinaus ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie es noch tun wird. Es ist eben schon Gnade, dass uns die Sonne in einer lebensförderlichen Weise scheint.

Frage: Kann es denn wirklich sein, dass du dafür Gott heute noch nicht gedankt hast?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 27. November 2023

Hirtenhandwerk

Ein Zitat

Hirtin und Hirte, unterstützt von zwei Hunden, führen eine Schafherde bei der Pferdereitbahn Frauenfeld auf eine neue Weide.
Foto © Jörg Niederer
"Alles übrige Hirtenamt in der Kirche Jesu Christi setzt nicht neben den guten Hirten einen zweiten und dritten, sondern lässt allein Jesus den guten Hirten der Gemeinde sein. Er ist der 'Erzhirte' (1 Petrus 5, 4), es ist sein Hirtenamt, an dem die 'Pastoren' teilnehmen, oder sie verderben das Amt und die Herde." Dietrich Bonhoeffer

Ein Bibelvers - Johannes 10,11

Jesus: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe."

Eine Anregung

Das Bild vom guten Hirten ist eines der eingängigsten der Bibel, und das, obwohl Schafhirtin oder Schafhirte in der Schweiz ein sehr seltener Beruf ist, der meist durch Expads ausgeübt wird, also Fachkräfte aus dem Ausland. Auch die Schäferhunde und die Herdenschutzhunde sind meist fremdländische Errungenschaften. Wenigsten die Schafe sind mehrheitlich einheimische Zuchten.

So kommt es bei Schafherden zu einer Analogie mit der Wirtschaft. Ein einheimischer Wirtschaftszweig wird durch ausländische Chefs geleitet. Der Verdienst mag im Schafbusiness allerdings eher bescheidener ausfallen als bei einer Grossbank oder im Rohstoffhandeln.

Wo verorte ich mich im Bild von der Schäferei? Gehöre ich zu den Tieren, welche die Stimme des Hirten kennen und ihr vertrauen? Als Pfarrer werde ich oft auch in der Rolle eines Hirten (lat. Pastor = Seelenhirt) gedrängt, der sich aufopfernd um seine "Gemeindeschäfchen" kümmert. Da aber Jesus selbst sich nach dem Evangelium des Johannes als der gute Hirte bezeichnet, fällt mir wohl eher die Rolle des Hirtenhundes zu. Solche Hütehunde bei ihrer Arbeit zu beobachten ist überaus faszinierend. Kaum wahrnehmbare Signale des Hirten lassen sie komplexe Aufgaben erledigen. Sie halten die Herde unermüdlich zusammen, sorgen für ein kompaktes und geordnetes Vorangehen, und auf Wunsch nehmen sie sich schon auch einmal einzelner Tiere an. Geht es mit der Herde über eine Strasse, sichern sie den Weg, indem sie so lange dort stehenbleiben, bis auch das letzte Schaf aus der Gefahrenzone ist. Zudem sind sie treu der Hirtin oder dem Hirten ergeben und lieben ihre Arbeit. Müssiggang kennen sie nicht.

Ein Schatten jedoch fällt auf diesen Vergleich zwischen Hirtenhunden und Pfarrpersonen. Als Papst Gregor in den Jahren 1231-1233 den Dominikanerorden beauftragte, die Häresien zu bekämpfen, waren diese als Inquisitoren überaus erfolgreich (wenn man dem so sagen will). Auch stammt das im Mittelalter am weitesten verbreitete antijüdische Werk aus der Feder eines Dominikaners. Diese Verwicklungen in die Verfolgung religiöser Minderheiten brachten den Dominikaner den Titel "Domini canes" ein, "Gottes Hunde". Hinter dieser Verfolgung von Glaubensabtrünnigen steht der Versuch, eine reine christliche Herde zu bewahren oder zu schaffen. Die Abweichler galt es zurückzuholen in den Schoss von Mutter Kirche, was sie oft nicht vor dem Scheiterhaufen bewahrte, wohl aber, nach der Lehre der Kirche, vor der Ewigen Verdammnis.

In dieser Tradition sehe ich mich gar nicht. Mein Ziel ist nicht dir reine Gemeinde. Schwarze Schafe gilt es zu integrieren und nicht auszusondern. Verlorene Schafe verdienen laut Gleichnis von Jesus (Lukas 15) gar eine Vorzugsbehandlung.

Vielleicht bin ich in diesem Bild einer idyllischen Pastorale ein Leithammel. Johann Christoph Adelung schreibt in seinem Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart vom 1811 zum Leithammel: "...in der Landwirthschaft, ein abgerichteter, gemeiniglich mit einer Glocke versehener Hammel, welcher vor der ganzen Herde hergehet, dem Schäfer oder dessen Hunde auf den ersten Wink folget, und dadurch die ganze Herde leitet". Darin finde ich mich als Pfarrer nun auch wieder nicht so recht, vor allem wegen der Glocke um den Hals!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 26. November 2023

Ewigkeitssonntag

Ein Zitat

Plastik von Vater mit Kind auf dem Friedhof Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Mit Gott geht das Leben immer weiter. Egal was kommt." Klaus Seibold

Ein Bibelvers - 1. Johannes 3,2

"Ihr Lieben, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir einmal sein werden, ist noch gar nicht sichtbar. Wir wissen jedoch: Wenn es offenbar wird, werden wir Gott ähnlich sein. Denn dann werden wir ihn sehen, wie er ist."

Eine Anregung

Ein Vater trägt ein Kind auf seinem Arm. Ein schönes Bild. Macht es einen Unterschied, wo diese Skulptur steht? Ich denke schon. Auf einem belebten Platz in der Innenstadt ist die Botschaft eine andere als da, wo ich sie vorgefunden habe: Auf dem Friedhof Meisenhard in Olten, unweit der Urnengräber.

Heute, am letzten Sonntag im Kirchenjahr, denken wir an die Verstorbenen des vergangenen Jahres. Vielleicht besuchen wir deswegen einen Gottesdienst. Oder wir gehen auf den Friedhof, ans Grab. Der Verlust ist noch kaum verarbeitet. Da tut es gut, sich die Verstorbene oder den Verstorbenen in den Armen Gottes vorzustellen. Wie ein Kind liebevoll getragen vom Vaters, oder auch geborgen im Schoss einer Mutter.

Gott, in der Trauer und im Sterben suchen wir deine Nähe. Halte uns fest, ganz nah bei dir. Erleuchte uns in den dunklen Stunden des Lebens. Amen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Samstag, 25. November 2023

Der Lebensfreude auf der Spur

Ein Zitat

Die vom Bildhauer Peter Thommen geschaffene Skulptur aus Laufener Kalkstein auf dem Kirchhof Liestal.
Foto © Jörg Niederer
"Ich suche mit Hilfe von Skulpturen und Bildern organische und architektonische Formen, die an lebende und gelebte Bewegungen erinnern und in ihrer Art überall existieren können, im Kleinen wie im Grossen." Peter Thommen (*1960), Bildhauer und Restaurator

Ein Bibelvers - Prediger 3,18-22

"Ich dachte darüber nach, was mit den Menschen ist: Gott wird mit ihnen ins Gericht gehen. Und dann müssen sie erkennen: Dem Vieh sind sie gleich! Am Ende ergeht es den Menschen wie dem Vieh. Beide trifft ein und dasselbe Geschick. Wie die einen sterben, so sterben auch die anderen. Alle beide haben ein und denselben Atem, durch den Gott sie am Leben erhält. Nichts hat der Mensch dem Vieh voraus. Denn alle beide sind Windhauch! Alle gehen an ein und denselben Ort, von dem es heißt: 'Alle sind aus Staub und kehren zum Staub zurück.' Und was ist mit dem Lebensatem nach ihrem Tod? Wer kann denn wissen, ob er beim Menschen nach oben steigt, bei den Tieren dagegen zur Erde sinkt? Da erkannte ich: Es gibt kein größeres Glück für den Menschen, als dass er sich seines Lebens freut. Ja, das ist sein Anteil."

Eine Anregung

Morgen Sonntag wird in den Kirchen landauf, landab der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedacht.

Auf dem Kirchhof vor der Stadtkirche Liestal steht eine Skulptur des Lausener Künstlers Peter Thommen. Sie erinnert mich an den oben zitierten Bibeltext aus dem Buch Prediger. Der Künstler hat den Kalkstein aus Laufen so bearbeitet, als würde er eine Vielzahl von Fossilien bergen. Doch da gibt es diese Irritation. Nicht nur Tiere und Pflanzen aus einem bestimmten Erdzeitalter sind dargestellt, Fisch, Vögel und anderes, sondern auch versteinerte Skelette von Menschen. Es sieht so aus, als wären die Tiere und Menschen in einem Moment, alle gemeinsam ums Leben gekommen.

Der Bildhauer schreibt über sein Schaffen: "Ich suche mit Hilfe von Skulpturen und Bildern organische und architektonische Formen, die an lebende und gelebte Bewegungen erinnern und in ihrer Art überall existieren können, im Kleinen wie im Grossen. Dadurch stellt sich immer die Frage nach dem wirklichen Sinn des Lebens oder wie wir diesen wahrnehmen." Genau das ist auch die Fragestellung des biblischen Buchs Prediger. Was ist der Sinn des Lebens? Die Antwort: Dass du dich deines Lebens freust, solange es dir geschenkt ist!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 24. November 2023

Kirchliche Ausfahrt

Ein Zitat

Anschrift an Garagentor mit schmiedeeisernem, christlichem Symbol in der Altstadt von Liestal.
Foto © Jörg Niederer
"Bei der nächsten Ausfahrt bitte wenden." Anweisung von Navigationsgeräten

Ein Bibelvers - Lukas 11,24-26

Jesus: "Wenn ein böser Geist einen Menschen verlässt, irrt er in trockenen Steppen umher. Er sucht nach Ruhe, aber er findet sie nicht. Dann sagt er sich: 'Ich will in mein altes Haus zurückkehren, aus dem ich ausgezogen bin.' Er geht zurück und findet es sauber und aufgeräumt vor. Da macht er sich auf und bringt noch sieben weitere böse Geister mit."

Eine Anregung

Das Symbol setzt sich zusammen aus einem Doppelkreuz in der Tradition der Ostkirche mit seinen zwei unterschiedlich langen Querbalken, darauf das Andreaskreuz (der Legende nach sei an einem solchen Kreuz der Jesusjünger Andreas hingerichtet worden) und einer angedeuteten Schlange am Fussende des Kreuzes. Letztere steht dafür, dass Christus die Sünden und das Böse durch den Kreuztod gesühnt hat, dass er der Schlange den Kopf zertreten hat.

Diese spezielle Kombination hängt an einem Garagentor, das gegenüber dem reformierten Kirchgemeindehaus in Liestal zu finden ist. Ein weiteres Indiz, dass das schmiedeeiserne Symbol wohl auf die Kirche und die Christenheit verweist.

Nehmen wir einmal an, wir stehen vor der kirchlichen Garagenausfahrt. Diese soll jederzeit freigehalten werden. So steht es auf einem improvisiert angebrachten Anschlag.

Die Kirche soll die Möglichkeit haben, jederzeit aus sich selbst auszufahren, hinauszugehen, dahin, wo die Menschen strömen. "Auf die Strasse gehen" bedeutet in manchen christlichen Kreisen, die frohe Botschaft den Menschen weitersagen, die nicht mehr in die Kirche kommen, damit sie durch diese Botschaft überzeugt und überführt wieder in die Kirche kommen.

Da ist aber ein Unterschied zwischen dem, was man jederzeit tun können möchte, und dem, was man tut. Dass ich etwas jederzeit tun möchte, bedeutet nicht, dass ich es auch jederzeit tue. Und so wird die Kirche wohl nur selten aus sich ausfahren, und das ist schade. Es ist ein bisschen zum aus der Haut fahren. Denn so ist die Kirche immer weniger bei den Menschen, immer weniger da, wo das Leben den pseudoliturgischen Ritualen der Marktwirtschaft folgt und sich verliert. Stattdessen feiert sie hinter den Kirchmauern. Auch wenn diese Feiern "einfahren" sollten, haben sie ihre Bedeutung für die Gesellschaft weitgehend verloren. Denn auch wenn die Ausfahrt, die jederzeit freigehalten werden soll, auch eine Einfahrt ist, bedeutet das nicht, dass da jederzeit jemand auch in die Kirche einfahren möchte. 

Also, was ist zu tun?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 23. November 2023

Nützlich

Ein Zitat

Rainfarn-Phazelie als Gründüngung auf einem Feld.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn du fleißig bist wie eine Biene, stark wie ein Bär, arbeitest wie ein Pferd, nach Hause kommst und müde bist wie ein Hund, dann solltest du mal zum Tierarzt gehen, vielleicht bist du ja ein Kamel." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - 2. Mose 25,3-7

"Darin besteht die Abgabe, die entrichtet werden soll: Gold, Silber und Bronze, violette, purpurrote und karmesinrote Wolle, feines Leinen und Ziegenhaar, rot gefärbte Widderfelle, festes Leder und Akazienholz, Öl für den Leuchter, Balsam für das Salböl und für duftendes Räucherwerk, Karneolsteine und andere Ziersteine für den Priesterschurz und die Brusttasche."

Eine Anregung

Immer öfters sieht man im Herbst die violetten Felder der Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia). Die Pflanze kommt aus Kalifornien und wird in Europa seit 1832 kultiviert. Sie eignet sich als Bienenweide, Futterpflanze, Schädlingsbekämpfung oder Gründüngung (bzw. Violettdüngung).

Die Rainfarn-Phazelie kann Hautirritationen bei empfindlichen Menschen hervorrufen. Das ist jedoch nun nicht gemeint mit Schädlingsbekämpfung, obwohl der Mensch ja schon auch Schädling im grossen Stil sein kann. Phacelia tanacetifolia zieht Insekten an, welche sich von Blattläusen ernähren. Rainfarn-Phazelien werden daher als Begleitpflanze neben von Blattläusen befallene Kulturen angepflanzt. Flächig gesät unterdrückt sie unerwünschte Begleitvegetation. 

Besonders faszinierend finde ich, dass die Rainfarn-Phazelie, angesät zwischen den Reihen junger Obstbäume, deren Sterblichkeit bei schwerem Frost um die Hälfte verringert. Auch das Wachstum junger Apfelbäume wird durch sie unterstützt.

So wünsche ich uns allen, dass wir ein bisschen werden wie die Rainfarn-Phazelie in einem Obstgarten: Dass wir uns gegenseitig unterstützen in unserem Wachsen, Werden, und Erstarken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 22. November 2023

Unter einem Dach

Ein Zitat

Haus mit zwei Eingangstüren in Endingen.
Foto © Jörg Niederer
"Die wie eine Legende vermittelten Deutungsangebote entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem einzigartigen Symbol. Die Doppeltür wurde so zu einem Sinnbild für das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft." www.doppeltuer.ch

Ein Bibelvers - 5. Mose 21,23b

"Du darfst das Land nicht unrein werden lassen. Der Herr, dein Gott, hat es dir ja gegeben. Es soll dein Erbbesitz sein."

Eine Anregung

Zwei fast identische Türen bilden den Zugang zu einem Haus. Wohlgemerkt: es handelt sich nicht um einen Eingang mit grosser Doppeltür. Zu den beiden Türen führt eine gemeinsame Treppe. Das Haus bräuchte von der Grösse her auch nicht zwei Eingänge, einer würde gut für alle Bewohnenden ausreichen.

Wir befinden uns in Endingen. Das Aargauer Dorf und sein Nachbarsort Lengnau waren lange Zeit die einzigen Orte, an denen sich Jüdinnen und Juden in der Schweiz niederlassen durften. In den beiden Gemeinden lebten aber vor der Zwangsansiedlung der Juden auch schon christliche Bürgerinnen und Bürger. Da liess es sich nicht vermeiden, dass Angehörige beider Religionen unter einem Dach im selben Haus wohnten, was Jüdinnen und Juden durch ihre Religion oder durch die behördliche Gesetzte verboten war. Man behalf sich mit zwei Zugängen zum selben Haus. So nach dem Motto: Wer nicht durch die selbe Tür tritt, befindet sich auch nicht im selben Haus. (Vielleicht war es aber auch ganz anders.)

Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Philosophien kann kompliziert sein. Aber mit Phantasie und etwas gutem Willen finden sich Lösungen, Wege und Türen.

Ewiger, schenke uns Zugänge, die es uns ermöglichen, in aller Verschiedenheit unter einem – unter deinem – Dach zu leben. Amen

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Dienstag, 21. November 2023

EearthKeeper

Ein Zitat

Blick zum Säntis beim Naturschutzgebiet Nussbaumersee.
Foto © Jörg Niederer
"Der Fokus der EarthKeepers auf Umweltrassismus hat mir geholfen, darüber nachzudenken, dass die Kirche auf Land steht, welches den Menschen gestohlen wurde, die hier seit Generationen leben. Viele Menschen wissen das, wollen aber nicht darüber sprechen." Pfarrer Paul Mitchell aus Walla Walla, Washington

Ein Bibelvers - Amos 5,23+24

Gott spricht: "Lasst mich in Ruhe mit dem Lärm eurer Lieder! Auch euer Harfenspiel mag ich nicht hören! Vielmehr soll das Recht wie Wasser strömen und Gerechtigkeit wie ein Bach, der nie versiegt."

Eine Anregung

Das global wirkende Missionswerk (Board of Global Ministries) der Evangelisch-methodistischen Kirche mit Sitz in Atlanta, USA bildet seit 2019 Personen aus zu sogenannten EarthKeepers (Erdbewahrende). In diesem Jahr verzeichnet der Kurs eine Rekordbeteiligung von 57 Frauen und Männer. In den teilweise Online erfolgenden Lektionen wird den Teilnehmenden vermittelt, wie sie sich für die Bewahrung der Schöpfung in ihrem konkreten Lebensumfeld einsetzten können. Weiter werden die EarthKeepers bei der Umsetzung der verschiedenen Projekten unterstützt. Dabei geht es etwa um ökologische Verbesserungen an der kirchlichen Infrastruktur. Nicht selten steht aber auch der Umweltrassismus und die Umweltgerechtigkeit im Zentrum, etwa beim Einsatz für und durch Ureinwohnerinnen und Ureinwohner.

Ein eindrückliches Beispiel dazu gibt es aus Cheswold im Bundesstaat Delaware. In dem Städtchen setzte sich RuthAnn Purchase, die Programmmanagerin für die kulturelle Kartierung des Lenape Stammlands, dafür ein, dass ein alter Friedhof der Lenape-Ureinwohner gereinigt und mit einheimischen Pflanzen versehen wurde. In der Folge wurden mit Hilfe der Pfadfinder und weiteren Freiwilligen auch ein Stück Land, das an den Fluss Leipsic grenzt und den Ureinwohner gehört, nach und nach ökologisch aufgewertet und zugänglich gemacht. Damit erhielten die Lenape erstmals seit langem wieder direkten und eigenen Zugang zum Fluss. Dies ist auch darum bemerkenswert, weil die Lenape einst eng verbunden mit dem Wasser lebten und die nordöstlichen Wasserwege befischten und befuhren. Dem Stamm wurde durch die ökologische Aufwertung nebenbei einen Weg zu seiner Herkunft, Geschichte und Bestimmung eröffnet.

Mehr Informationen zu den EarthKeppers gibt es in einem kirchlichen Bericht und auf einer Kommunikationsplattform zu Creation Care der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 20. November 2023

Umkehrbotschaft und Letzte Generation

Ein Zitat

Im Forenbachtobel hat ein durch Sturmtief Frederico umgeworfener Baum eine Fussgängerbrücke beinahe unpassierbar gemacht.
Foto © Sabine Möckli
"Der gefährlichsten Eingriff in den Strassenverkehr ist der motorisierte Strassenverkehr selbst."

Ein Bibelvers - Markus 1,14+15

"Nachdem Johannes gefangen genommen worden war, ging Jesus nach Galiläa und verkündete dort die Botschaft Gottes. Er sagte: 'Die Zeit ist gekommen, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft!'"

Eine Anregung

Aktuell bemüht sich die Weltgemeinschaft, der sogenannten "Letzten Generation" recht zu geben. Je stärker sich Verantwortliche echauffieren über deren illegalen Protestaktionen und je mehrheitlich sich diese Gesellschaft nur mit Lippenbekenntnissen von den fossile Brennstoffen verabschiedet, desto klarer wird, dass der Moment einer echten Umkehr und damit einer Abkehr von einem global lebensbedrohlichen Zustand zu spät erfolgen könnte.

Als meine Frau dieses Wochenende im Forenbachtobel an diese Brücke (siehe Foto!) kam, welche von einem durch Sturmtief Frederico umgeworfenen massiven Baum schwer beschädigt worden war, dachte ich bei mir: Genauso sieht es im Moment aus. Der Steg ist gerade noch passierbar, wenn man sich den dünn macht oder kriecht. Aber wer will sich schon Einschränken oder gar den Realitäten beugen?

Was die Letzte Generation tut, ist in Wirklichkeit das, was die politischen Verantwortungsträgerinnen und -träger tun sollten. Die Umkehr mit aller Kraft anstreben und diesen unattraktiven Weg aus der Misere dem Stimmvolk plausibel machen. Doch kein Politiker und keine Politikerin kann es sich leisten, der Gesellschaft reinen Wein einzuschenken, wenn dieser sauer und unbekömmlich schmeckt. Schnell würde er oder sie ersetzt durch jene, welche opportunistisch ihr Fähnlein nach dem Wind hängen. Darum malt die Politik den durch fossile Energieträger menschgemachten Klimawandel schön, oder sucht die Sündenböcke bei der Opposition. Echte Umkehr sieht anders aus.

Dabei ist der Moment der Umkehr besonders herausfordernd, um nicht zu sagen: gefährlich. Wie ein riesiger Supertankern ist die Weltgemeinschaft auf dem Weg in eine Richtung. Sie abzubremsen, oder in eine andere Richtung zu bewegen ist nur mit viel Kraft und Willen möglich. Wenn nun aber der Raum, den es für dieses Wendemanöver braucht, schon unterschritten wurde, dann reicht weder Wille noch Kraft aus, und wir enden auf den Klippen, die wir vor 150 Jahren anvisiert haben. Das gilt umso mehr, als der aktuelle Wille moderat und die Kraft bescheiden ist.

"Kehrt um!" das war die entscheidende Botschaft von Jesus Christus. Umkehren bedeutet, sich auf die "Frohe Botschaft", auf eine erfreuliche Zukunft auszurichten. Im Umkehren, in einem totalen Sinnes- und Lebenswandel liegt begründete Hoffnung für diese Welt, in der wir gerade leben. Wer aber nur zögerlich und halbherzig umkehrt, wird der "Letzten Generation" und deren apokalyptischen Befürchtungen recht geben.

Darum: "Kehrt um!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 19. November 2023

Glaubensmittelpunkt

Ein Zitat

Fresken über die Passion und Verherrlichung von Jesus Christus in der Kirche Buch bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Von einem schmiedeeisernen Zaun umgeben steht die St. Sebastianskapelle mitten im Dorf und verleiht der Ortschaft seit je einen besonderen Reiz." Aus Urs Elsner/Hans Peter Mathis: St. Sebastianskapelle in Buch bei Frauenfeld, Bern 1993

Ein Bibelvers - Johannes 11,25+26

"Da sagte Jesus zu ihr: 'Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht von Gott getrennt'."

Eine Anregung

Das Dorf Buch, südlich des Hüttwilersees in einer sanften Mulde gelegen, ist klein und unscheinbar. Wer von Aussen an die dortige St. Sebastianskapelle tritt, ahnt nichts von den Schätzen, die sich in diesem Gotteshaus befinden. Es sind Wandmalereien, die um 1320 entstanden sind, in der sogenannten Manessezeit, aber erst 1938 wiederentdeckt wurden.

Tritt man durch die Seitentür ein, steht man gegenüber einem wandfüllenden, mehrteiligen Fresko der Passion und Verherrlichung Christi. Zwei Dinge, die mir auffallen. Juden sind auf diesen Gemälden leicht an spitzen, trichterförmigen Hüten zu erkennen. Und dann werden die Misshandlungen von Jesus besonders hässlich und brutal dargestellt.

Kreuz und Auferstehung sind die identitätsstiftenden Merkmale des Christentums. Daran kommt man an keinem Sonntag und in keiner Kirche vorbei. Auch heute nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 18. November 2023

Bluegrass in Weinfelden

Ein Zitat

Rosi und Kent Miller spielen Bluegrass-Musik.
Foto © Rosi und Kent Miller
"Da ich aus der Bluegrass-Szene komme, verstehe ich Familienharmonien sehr gut." Marty Stuart, Country-Sänger

Ein Bibelvers - Psalm 150,1+4

"Halleluja. Lobt Gott in seinem Heiligtum! Lobt ihn in seiner starken Himmelsburg! ... Lobt ihn zur Handtrommel und tanzt im Kreis! Lobt ihn mit Saitenspiel und Flötenmusik!"

Eine Anregung

Ein besonderer musikalischer Leckerbissen erwartet die Gäste am Nachmittags-Bluegrasskonzert der Zweierformation "The Millers" am kommenden Dienstag, dem 21. November 2023 um 14.30 Uhr an der Hermannstrasse 10 in Weinfelden. Rosi und Kent Miller gehören zu den Menschen, die sich sehr um diese Musik aus der nordamerikanischen ländlichen Kultur in der Schweiz bemüht haben und regelmässig selbst auftreten. Der Anlass ist öffentlich und geeignet für alle Altersgruppen, richtet sich aber speziell an alle, die schon zu den 55+ gehören. 

Wer gerne einen Augenschein nehmen möchte, was ihn an diesem Nachmittag erwartet, kann sich durch ein eindrückliches Video informieren lassen. Und dann ist auch der Flyer gut für weitere Informationen. Wir freuen uns auf viele Konzertteilnehmende.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 17. November 2023

Corona-Revival

Ein Zitat

Ein positive Corona-Antigen-Schnelltest.
Foto © Jörg Niederer
"Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen." Slavo Zizek, Philosoph

Ein Bibelvers - Jeremia 17,14

"Heile mich, Herr, dann bin ich geheilt! Hilf mir, dann ist mir geholfen! Denn du bist der Grund für mein Lobgebet."

Eine Anregung

All die drei Corona-Pandemiejahre und sicher an die 15 Coronatests lang erlebte ich nie die eigene Erkrankung. Ich gebe zu, den Schnelltests habe ich dabei immer misstraut und nicht mehr recht geglaubt, dass sie auch wirklich die Krankheit anzeigen können. Doch dann kamen heftige Symptome, Hustenreiz, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen. Innerhalb weniger Minuten war klar: Corona ist auf Besuch bei mir und meinem Sohn und hat uns erst einmal ins Bett verbannt. Es ist auch die Wiedergeburt von Isolation, FFP2-Masken und Desinfektionsmittel. Meine Frau geht mir aus dem Weg, ist sie doch die einzige im Haushalt, welche keine Symptome zeigt. Auch werweise ich, wo die Ansteckung geschehen sein könnte. Es dreht sich also gerade alles um die Krankheit. Termine fallen flach, so flach wie ich selbst.

Da greife ich gerne auf einen Ausschnitt eines Coronagebets von Ursula Schumacher zurück: 

"...unsere Befürchtungen, unsere Hoffnungen, unsere Ängste, tragen wir vor dich. Du hast gesagt, dass du unsere Gebete hörst. Du hast gesagt, dass wir unsere Sorgen auf dich werfen dürfen. Du hast gesagt, dass du bei uns bist alle Tage bis ans Ende der Welt – auch in dunklen Zeiten. Wir vertrauen dir. Wir legen die Menschen, die wir lieben, in deine Hand: Segne sie und behüte sie. Und wir bitten dich, schenke uns Kraft und Zuversicht und beschütze uns in dieser Zeit. Amen."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 


Donnerstag, 16. November 2023

Alt und fröhlich werden

Ein Zitat

Ein alter Mann geht einige Schritte zu Fuss. Er tut das, was er noch kann. Das zeichnet die weisen alten Menschen aus.
Foto © Jörg Niederer
"Es widerfuhr mir, dass mich ganz unverhofft ein Gefühl der Gegenwart Gottes überkam, so dass ich in keiner Weise bezweifeln konnte, dass Er in meinem Innern weilte oder ich ganz in Ihm versenkt war." Theresa von Avila (1515-1582)

Ein Bibelvers - Hiob 32,9

"Wer viele Jahre vorzuweisen hat, ist noch lange nicht klug. Wer ein ehrwürdiges Alter erreicht hat, ist noch lange nicht im Recht."

Eine Anregung

Beten sei "das Verweilen bei einem Freund". Das sind die Worte der Theresa von Avila, eine in der katholischen Kirche als bedeutende Heilige verehrte Mystikerin und Karmeliterin.

Folgende Anekdote ist von ihr überliefert: Teresa von Avila beklagte sich einmal im Gebet über all die vielen Drangsale und Widerwärtigkeiten, unter denen sie zu leiden hätte. "So behandele ich meine Freunde", antwortete ihr der Herr. Teresa entgegnete: "Darum hast Du auch nur so wenige."

Die Vollkommenheit schien ihr, wie später dann den ersten methodistischen Christen, am Herzen zu liegen, schrieb sie doch eine Anleitung zur Kontemplation mit dem Titel "Weg der Vollkommenheit". Darin heisst es: "Denn unser Leib hat einmal den Fehler, dass er umso mehr Bedürfnisse entdeckt, je mehr er gepflegt wird."

Über das Älterwerden oder Altsein schreibt sie in ihrem wohl bekanntesten Gebet: 

"O Herr, bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehme zu, und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.
Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen."

Zu dieser tiefsinnigen und zugleich humorvollen Auseinandersetzung mit dem Altern passt auch die folgende Aussage von ihr: "Gott will, dass der Mensch seinen Spass hat."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 15. November 2023

Den Blick nicht abwenden

Ein Zitat

Das Denkmal der Frauen des 2. Weltkriegs in London.
Foto © Jörg Niederer
"Der Segen Gottes-der-Heiligen richte euch auf und mache euch groß. Der Segen Gottes-der-Gerechten mache euer Herz weit, denn ihr seid vor Gott genug." Annette Jantzen

Ein Bibelvers - Jeremia 15,18

"Warum nimmt mein Leiden kein Ende? Warum ist meine Wunde so tief, dass sie nicht heilen kann? Eine Täuschung bist du [Gott] für mich. Du bist wie Wasser, von dem man nicht weiss, ob es da ist oder nicht."

Eine Anregung

Unlängst wurde mir von Maria B. das folgende eindrückliche Gebet der Theologin Dr. Annette Jantzen zugesandt. Dass Gott den Blick nicht abwendet angesichts all des Unrechts und der Gewalt, das lässt hoffen. Möge bald Frieden werden.

Zum Foto: Spät erst wurde den Frauen des 2. Weltkriegs in England ein Erinnerungszeichen gesetzt. Das Denkmal wurde von John W. Mills entworfen und steht in London. Frauen sind immer wieder Leidtragende in Kriegen, dazu viele Kinder. Gott aber war und ist der Gott dieser Frauen. 

"Gott, du meine Gottheit,
wie sollen wir beten?
Du Gottheit Hagars und Saras,
du Gottheit Rebekkas, Leas und Rahels,
wie groß muss deine Trauer sein
deine unendlich große Trauer über das Sterben der Unbewaffneten.
Tut es dir manchmal leid, dass du uns ins Dasein gerufen hast?
Wie kannst du leben mit ihrem Tod?
Wir hingegen, wir können das besser, als uns lieb ist,
der Schmerz ist zu groß für uns.
Aber beim Beten können wir nicht ausweichen,
nicht den Bildern, nicht den Nachrichten deiner vielen Kinder.
Unser Gebet muss sie aushalten können,
doch wie Worte finden für so viel Herzzerreißen?
Wir versuchen, Wort für Wort dir entgegenzubeten,
beten in die Sprachlosigkeit hinein,
Leuchtzeiten der Friedfertigkeit zu entzünden
in den dunklen Ahnungen vor dem, was kommen mag.
Du wachst bei allen, deren Leben so verheert wurde,
du wachst bei den zutiefst Verletzten, du wachst bei den Toten.
Du schläfst nicht, du wendest deinen Blick nicht ab,
und in diesen Blick hinein bekennen wir den Unfrieden unserer Welt,
und bitten dich um Frieden
für heute, für die kommende Nacht und für die Dauer der Tage."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 14. November 2023

Kein Vortritt in die Kirche

Ein Zitat

Strassenszene an der Wassergasse vor der Methodistenkirche St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt zwei Arten von Fussgängern - die schnellen und die toten." Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - 4. Mose 20,14

"Bitte erlaube uns, durch dein Land zu ziehen! Wir werden deine Felder und Weinberge nicht betreten und kein Wasser aus einer deiner Quellen trinken. Wir bleiben auf der königlichen Strasse und verlassen sie nicht, weder nach rechts noch nach links. Wir bleiben auf ihr, bis wir dein Land durchquert haben."

Eine Anregung

Wer die Methodistenkirche in St. Gallen durch den unteren Ausgang an der Wassergasse verlässt, wird wohl gleich die Strasse auf einer flächig farbmarkierten Stelle hinüber zum Trottoire überqueren. Noch nicht lange her befand sich hier ein Fussgängerstreifen. Warum wurde dieser ersetzt durch diese Farbfläche auf der Strasse, und was bedeutet das für die Strassenverkehrsteilnehmenden?

Gelbe oder weisse Fussgängerstreifen bedeuten immer, dass Fussgängerinnen und Fussgänger vortritt haben. Bei den Farbmarkierungen ist das aber nicht mehr so. Diese zeigen lediglich an, wo jemand die Strasse überqueren soll. Die auf dem Foto eingefangene Szene, wo sich eine Frau mit Rollator noch auf der farbig markierten Strasse befindet, während ein Gewerbeauto bereits an ihr vorbeirauscht, zeugt zwar von wenig Rücksicht, ist aber kein Vergehen des Autofahrers. Das wäre es gewesen bei einem Fussgängerstreifen.

Farbmarkierungen wollen einfach die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden erhöhen, da wo sich Fussgänger und Autofahrer kreuzen. Mit anderen Worten: Man hat also uns, die wir zu Fuss in die Kirche gehen, an dieser Stelle vor der Kirche den Vortritt genommen.

Wer Genaueres wissen möchte, wird bei diesem Espresso-Beitrag von Radio SRF gut informiert.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 13. November 2023

Unausweichlich

Ein Zitat

Trauerstatue in der alten Urnenhalle des Friedhofs Meisenhard in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist unsere Lebensaufgabe, nicht war? Uns auf die Rückkehr zu Gott vorzubereiten." Erika K. R. Stalcup

Ein Bibelvers - Kolosser 2,12

"In der Taufe wurdet ihr mit ihm [Christus] begraben. Mit ihm wurdet ihr auch auferweckt. Denn ihr habt an die Kraft Gottes geglaubt, der Christus von den Toten auferweckt hat."

Eine Anregung

In der aktuellen Theologie für die Praxis (48. Jahrgang 2022), die von der Theologischen Hochschule Reutlingen herausgegeben wird, finden sich auch der Beitrag "Unserer Sterblichkeit ins Auge sehen" meiner Kollegin Erika K. R. Stalcup. Darin geht es um eine gesunde Haltung gegenüber dem Tod in der Liturgie. Hier einige Zitate aus diesem Text, der erstmals im Rahmen des Internationalen Worship Forums der Evangelisch-methodistischen Kirche vom 15. Oktober 2022 als Vortrag gehalten wurde. 

  • "Was ist falsch daran, alt zu sein? Und warum ist der Tod so stigmatisiert?"
  • "Manche befürchten, dass schon die blosse Erwähnung des Todes ihren eigenen Tod herbeiführen wird."
  • "'Haben Sie Angst vor dem Tod?' Ich weiss nicht, ob sie [diese Frage] wirklich als Lackmustest für den christlichen Glauben taugt, aber ich glaube, dass sie eine wesentliche Frage ist, die wir als Teil unserer christlichen Reise verhandeln müssen. Was ist der Sinn des Lebens ohne den Tod?"
  • "Über den Tod zu sprechen ist eines der 'gegenkulturellsten' Dinge, die wir heutzutage tun können."
  • "Was ist falsch daran, vergessen zu werden?"
  • "...im Gespräch mit einem Freund wurde mir plötzlich klar, dass meine Vorstellung vom Himmel aus blondhaarigen, hellhäutigen, Harfe spielenden Engeln bestand. Ich selbst habe weder blondes Haar noch helle Haut. Mein eigenes Bild vom Himmel schloss mich aus, ganz zu schweigen von 98 Prozent der Weltbevölkerung."
  • "Als Lazarus starb, weinte Jesus. Diese Tränen zeugen von einem Gott, der ganz und gar menschlich ist, der die Traurigkeit und den Kummer erlebt hat, die wir alle beim Tod derer empfinden, die wir lieben."
  • "Ich habe einmal ein Gebet gelesen, in dem es in etwa hiess: 'Oh Gott, hilf mir zu lernen, wie ich den Tag beenden kann, sonst weiss ich nicht, wie ich sterben soll.'"
  • "Das ist unsere Lebensaufgabe, nicht war? Uns auf die Rückkehr zu Gott vorzubereiten." 

Sonntag, 12. November 2023

Weise sein

Ein Zitat

Griechenland gilt als Ort vieler weiser Menschen. Säulen im Asklepieion auf der Insel Kos.
Foto © Jörg Niederer
"Weisheit ist die Anerkennung der eigenen Grenzen" Paul Tillich (1886-1965)

Ein Bibelvers - Jakobus 3,13

"Wer von euch ist weise und klug? Der soll es durch seinen guten Lebenswandel zeigen und in weiser Bescheidenheit handeln."

Eine Anregung

Heute geht es im Gottesdienst in der Methodistenkirche St. Gallen um die Weisheit. Von manchen Menschen wird ja gesagt, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Oder dann wir sie uns mittels Nürnberger Trichter eingeflösst. Beides ist nicht ernst gemeint. Doch was ist Weisheit, so wie sie die biblischen Schriften beschreiben? Dieser Frage gehen wir an diesem Morgen nach und landen dabei auch beim Stein der Weisen.

Den Ausführungen kann man ab 10.30 Uhr auf Youtube folgen. Wer vor Ort dabei sein will, ist auf 10.15 Uhr an die Kapellenstrasse 6 eingeladen. Wir freuen uns auf alle Begegnungen, auch anschliessend beim Kirchenkaffee.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 11. November 2023

O Jemine

Ein Zitat

Die Grosselterngeneration hatte ihre eigenen christlichen Modeworte.
Foto © Familie Niederer

"Wer gerne mal angerufen werden möchte, braucht nur in die Badewanne zu gehen."
Robert Lembke (1913-1989)

Ein Bibelvers - 2. Mose 20,7

"Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen! Denn wer das tut, den wird der Herr bestrafen."

Eine Anregung

O Jemine, heute beginnt wieder das närrische Treiben. "O Jemine" ein Ausruf, der mir nach vielen Jahren wieder einmal begegnet ist, bei der Vorbereitung einer Sonntagschulstunde über biblische Redensarten und Sprichwörter. O Jemine war ein Ausruf meiner Grossmutter. Nebst "Jegerli, Jegerli" hörte ich sie auch gelegentlich "Herrje" sagen. Alle drei Exklamationen vermeiden es, "Gott" oder "Jesus" auszusprechen. Denn der Name Gottes darf gemäss biblischen Texten nicht missbraucht werden. So behalf man sich mit abgewandelten Ausrufen. "Jesus" wurde zu "Jegerli", etwa in der Bemerkung: "Jegerlis, Jegerlis, b'hüet-is Gott". "Herr Jesus" wandelte sich durch Zusammenzug der beiden Worte zu "Herr-je". "O Je-mine" entstand in gleicher Weise aus der Formel "O Jesus Domine".

In diesen Aussagen begegnet mir eine Frömmigkeit, die achtungsvoll und zugleich verspielt mit den Glaubenssätzen der Bibel umgegangen ist. So möchte ich weiter unterwegs sein. Achtungsvoll und zugleich verspielt, selbst beim närrischen Treiben dieser Tage.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 10. November 2023

Beten für den Frieden

Ein Zitat

Gräber auf dem jüdischen Friedhof im aargauischen Endingen.
Foto © Jörg Niederer
"Möge Gott mit dem Volk und Land Israel auf diesem Weg durch das Tal des Todesschattens sein, wenn es seine Toten betrauert, sich zu schützen sucht und daran arbeitet, die schreckliche Erschütterung des nationalen Lebens zu heilen." Bischof Harald Rückert in der Zeitschrift Unterwegs 23/2023, S. 24

Ein Bibelvers - Johannes 14,27

Jesus: "Zum Abschied schenke ich euch Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden. Ich gebe euch nicht den Frieden, wie ihn diese Welt gibt. Lasst euch im Herzen keine Angst machen und lasst euch nicht entmutigen."

Eine Anregung

In der Nacht von gestern auf heute jährte sich die Reichskristallnacht. Mit diesem Pogrom begann die beispiellose Verfolgung der Jüdinnen und Juden durch den Nationalsozialismus unter Adolf Hitler, die im Holocaust mit 6 Millionen ermordeten jüdischen Menschen gipfelte. 

Seit vor einem Monat die Hamas nach Israel eindrangen und in grausamster Weise über 1400 Zivilisten ermordete und weitere 240 Menschen verschleppten, was zum aktuellen Nahostkrieg führte mit bereits mehreren tausend weiteren Toten im Gazastreifen, hat der Antisemitismus deutlich an Fahrt zugelegt.

Aus diesem Grund empfehle ich, dem Aufruf zum Gebet vom evangelisch-methodistischen Bischof Harald Rückert zu folgen. Er schreibt: 

"Bitte beten Sie mit mir 

  • für die Menschen in Israel, die von diesem Terrorangriff massiv geschockt sind;
  • für alle, die geliebte Menschen verloren haben oder deren Angehörige vermisst werden;
  • für alle, die selbst verletzt wurden oder deren Zuhause zerstört wurde;
  • für diejenigen, die als Geiseln genommen wurden und um ihr Leben fürchten;
  • für die, die politische und militärische Verantwortung tragen, dass ihre Reaktionen nicht weiter eskalieren, sondern dem gerechten Frieden dienen;
  • für die palästinensische Zivilbevölkerung, die selbst furchtbar zu leiden hat;
  • für alle, die Hilfe leisten, trösten, Hoffnung weitergeben und trotzig-unbeirrt Gottes Schalom, den umfassenden Frieden, den nur Gott schenken kann, bezeugen." (aus der Zeitschrift "Unterwegs 23/2023". Seite 24)

Donnerstag, 9. November 2023

Hängend nicht hängen gelassen

Ein Zitat

Zwei an einem Tandem-Gleitschirm fliegt dem Landeplatz von Interlaken entgegen. In der Ferne erkennt man die Niesenkette.
Foto © Jörg Niederer
"Noch nie ist jemand mit dem Himmel zusammengestossen." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Psalm 139,5

"Von hinten und von vorn hast du [Gott] mich umfasst und hast deine Hand auf mich gelegt."

Eine Anregung

Zwischenhoch. Blauer Himmel über Interlaken. Gleitschirmpilotinnen und -piloten verdienen sich den Lebensunterhalt mit Passagierflügen. Im Minutentakt segeln sie dem Harder entlang. Action darf auch sein. Im Spiralflug geht es steil nach unter. Dann wird der wilde Ritt abgefangen, ausgeschaukelt. Ich stelle mir vor, wie den Mitfliegenden das Blut in den Adern stockt.

Interlaken ist ein Gleitschirmmekka. Hier wird der Traum vom Fliegen eine kurze Zeit lang Wirklichkeit. Ich schaue zu. Von unten, vom Balkon im 4. Stock des Hotel Artos'. Dann senken sich plötzlich die elektronisch gesteuerten Fensterstoren hinter mir mit lautem Surren. Schnell wechsle ich ins Haus, will nicht auf den Balkon ausgesperrt werden. Ob ich in dieser Nacht vom Fliegen träume?

Gott, in Gedanken fliege ich mit. Der Wind pfeift mir um die Ohren. Von da oben überschaue ich die kleine Welt. Ich blicke hinab, denke mir, dass auch du hinabsiehst, zu uns. Du lässt uns nicht aus den Augen. Nicht, wenn es rund geht, wenn es steil nach unten geht, wenn wir ausschaukeln. Wohin der Wind uns weht, da bis du schon. Von allen Seiten umgibst du uns. Du lässt keine und keinen von uns allein hängen. Das zu wissen, tut gut. Amen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen