Posts mit dem Label Toggenburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Toggenburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 29. September 2023

Wenn der Weg auf den Magen drückt

Ein Zitat

Viehgangeln nennt man die Spuren, welche Kühe in steile Wiesen treten. Hier zu sehen auf einer Weide nahe der Wilkethöchi im Toggenburg.
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt Leute, die Magengeschwüre haben, und Leute, die Magengeschwüre verursachen." Sprichwort (Und dann gibt es auch die Menschen, die ihre Magengeschwüre selbst verursachen.)

Ein Bibelvers - Jakobus 3,13

"Wer von euch ist weise und klug? Der soll es durch seinen guten Lebenswandel zeigen und in weiser Bescheidenheit handeln."

Eine Anregung

Man müsste meinen, den Kühen würde das Weiden an einer steilen Wiese am Besten beim langsamen Aufwärtsschreiten behagen. Dann müssten sie den Kopf nicht so weit hinunterbeugen, wie in der flachen Steppe.

Doch eigenartigerweise bewegen sich die Kühe beim Fressen parallel dem Hang entlang. Grund ist die Verdauung der Tiere. Als Wiederkäuer besitzen sie mehrere aufeinanderfolgende Mägen. Gehen sie nun aufwärts, drücken die hangaufwärts liegenden Mägen auf die darunter liegenden. Das stört die Verdauung massiv und führt zu Magenschmerzen. Erfahrene Kühe weiden deshalb die Hänge wie auf Höhenlinien ab. Junge Kühe müssen diese Technik erst von den erfahrenen Alttieren lernen, sonst verlieren sie an Gewicht und Kraft. 

Bei diesem Abweiden von steilen Wiesen entstehen die sogenannten Viehgangeln. Je nach dem schützen sie vor Erosion, können diese aber auch beschleunigen, wenn das Vieh bei nassem Wetter auf solche steilen Wiesen gelassen werden.

Wie geht es dir? Was drückt dich auf den Magen? Könnte die Ursache sein, dass du die falschen Wege einschlägst? Welche Spuren zeigen sich in deinem Leben, wenn es dir gut geht? Sind es Spuren, die auch andern gut tun?

Vielleicht sind die Viehgangeln so etwas wie die Labyrinthe der Kühe. Gemächlich meditativ stapfen sie die Spuren ab, steigen dabei im Hin und Her höher und höher. Ihr Ziel mag eine Wiesenkuppe mit Aussicht sein. Dort legen sie sich hin, und sinnieren wiederkäuend über Gott und die Welt.

Donnerstag, 28. September 2023

Pfarrpersonen auf dem Berg

Ein Zitat

Das Gipfelfoto der Beteiligten der Pfarrkleingruppe Thurgau-St. Gallen auf der Wilkethöchi.
Foto © Jörg Niederer
"Wir versprechen, dass unsere Lieferanten, zum Beispiel von Bergweizen und Butter, aus unserer Heimat stammen. Produziert wird zu hundert Prozent hier im Toggenburg. Und chemische Backmittel in der Backstube sind tabu." Richard Kuhn leitet in 5. Generation den zehn Standorte umfassende, 130jährigen Bäckerei-Familienbetrieb aus Brunnadern.

Ein Bibelvers - Lukas 9,33

"Als die beiden [Mose und Elija] sich von Jesus trennen wollten, sagte Petrus zu ihm: 'Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Zelte aufschlagen: eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.' Aber er wusste nicht, was er da sagte."

Eine Anregung

Einmal im Jahr geht die Pfarrkleingruppe Thurgau-St. Gallen auf eine fussgängerische Exkursion. In diesem Jahr führte sie für die drei beteiligten methodistischen Pfarrpersonen von Brunnadern steil hinauf auf die Wilkethöchi, und dann weiter nach Degersheim, um dort bei Gemeindegliedern mit Kuchen, Früchten und Getränken bewirtet zu werden.

Während Esther in Brunnadern aufgewachsen sich in ihrer alten Heimat bewegte und viel über Land und Leute zu erzählen wusste, war Degersheim einst für Rolf ein Jahr lang Wohn- und Wirkort. So kam es auf dem Weg auch zu überraschenden Begegnungen. Etwa als eine mit Stöcken bewaffnete Frau, die erst gerade vor einem Jahr wieder in diese Gegend gezogen war, sich als alte Bekannte aus der Kindheit von Esther herausstellte.

Zwar stand das sportliche Naturerlebnis bei insgesamt 900 Höhenmetern auf 12 Kilometern Weg im Vordergrund, doch gab die Wanderung genug Anlass, auch über die Gemeindearbeit und über Kirchenpolitik zu diskutieren. Ein Thema war etwa die Zukunft von sieben Kirchgemeinden der Region Ostschweiz, die sich aktuell über eine intensivere Zusammenarbeit beraten. Noch gleicht dieses Projekt dem scheuen Grasfrosch, der sich zuoberst auf der Wilkethöchi aus dem Staub zu machen versuchte. Ausgang und Zielpunkt sind noch ziemlich unbekannt.

Das Wetter spielte mit, wenn auch die Sicht auf der Wilkethöchi zu Säntis, Churfirsten und den Glarner Alpen schon klarer war. Aber wer sieht schon ganz klar im kirchlichen Umfeld? Und natürlich fielen unterwegs auch Bibelzitate, etwas das berühmte (siehe oben!) von Petrus auf dem Berg der Verklärung, ausgesprochen beim schönen Aussichtspunkt kurz vor dem Gerensattel, da wo von weither ein Buntspecht herangeflogen kam, um sich die pastorale Wandergruppe genauer anzuschauen. Da er gleich weiterflog, gehe ich davon aus, dass er sich dabei nicht allzu viele Gedanken gemacht haben kann. 

Ebenfalls links liegen liessen wir die "Scherrers Höhle", ein Felsvorsprung, der dem Einsiedler "Böscheli-Scherrer" in den Jahren 1929 bis 1948 Unterschlupf bot. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit der Anfertigung von Holzbündeln, eben den "Böscheli".

Auch eher speziell war die Kuh, die unseren Durchzug durch ihre Weide für einen Fluchtversuch auszunutzen versuchten, was wir schweren Herzens geradeso vereiteln konnten. Nicht unbedingt das, wozu Pfarrpersonen sonst da sind, nämlich mit den Glaubenden einen Weg in die Freiheit der Gotteskindschaft (Römer 8,21) zu gehen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen