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Freitag, 25. Oktober 2024

Wohin geht die Reise?

Ein Zitat

Ein Personenzug hat den Bahnhof Lugano durchfahren in Richtung Norden.
Foto © Jörg Niederer
"Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige." Lucius Annaeus Seneca (gestorben 65 n. Chr.)

Ein Bibelvers - Sprüche 14,15+16

"Unerfahrene Menschen glauben jedes Wort. Ein Kluger aber überlegt jeden seiner Schritte. Der Weise ist vorsichtig und meidet Gefahr. Der Dumme verrennt sich und fühlt sich sicher."

Eine Anregung

Ich setze mich in ein leeres Abteil. Gegenüber, auf der anderen Seite des Mittelgangs, sitzt ein etwas seltsam gekleidete Frau mit einem Einkaufswagen. Sie schaut mich neugierig lachend an, ja mustert mich, und fragt dann: "Sind sie am Wandern?" Meine etwas flapsige Antwort: "Bis jetzt noch nicht. Aber es wird dann schon noch irgendwohin gehen." Darauf meint sie trocken: "Ja, irgendwohin geht es immer!"

Später will sie mich dann noch mit einer hinzugestiegenen älteren Frau verkuppeln. Aber das ist eine andere Geschichte. 

"Ja, irgendwohin geht es immer!" Diese Aussage hat mich bis heute begleitet. "Irgendwohin geht es immer." Aber wohin geht es? Wohin führt mein Lebensweg? Wohin führt der Weg jener Frau? Irgendwohin, das ist ja klar. Aber auch dahin, wo sie und wo ich hin wollen? 

"Irgendwohin geht es immer." Später an diesem Tag bin ich dann an dem Ort vorbeigekommen, an dem meine Vorfahren zuhause waren. Das Woher wäre damit geklärt. Das Wohin ist noch offen. Ich bin gespannt. Ich weiss ja jetzt: "Irgendwohin geht es immer."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 16. Oktober 2023

Helle und finstere Wege

Ein Zitat

Nicht überall ist die Rheinschlucht bei Ilanz sonnenbeschienen und weit.
Foto © Jörg Niederer
"Fürchte Dich nicht vor einem großen Schritt, wenn dieser nötig sein sollte. Eine Schlucht kannst Du auch nicht mit zwei kleinen Schritten überwinden." David Lloyd George (1863-1945)

Ein Bibelvers - Psalm 23,1+4

"Der Herr ist mein Hirte... Und muss ich durch ein finsteres Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich."

Eine Anregung

Die Rheinschlucht ist eine der bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Schweiz. Nachdem vor 9500 Jahren der gewaltigen Flimser Bergsturz den Vorderrhein aufstaute und den 25 Kilometer langen Ilanzer See bildete, grub sich der Rhein nach und nach einen Abfluss durch die Schuttmassen hindurch. Den See gibt es so nicht mehr, er ist abgeflossen. Heute ist es die Schlucht, welche die Menschen in ihren Bann schlägt. Dabei geht es nicht überall und zu jeder Zeit durch ein weites Kiesbett hindurch. Da gibt es auch dunkle Engstellen, die nur mühsam überwunden werden können. Immer einmal führt der Alpenfluss bedrohliches Hochwasser. Doch dann zeigt er sich wieder von seiner malerischen Seite.

In meinem Leben ist es nicht anders. Dunkle und helle Zeiten wechseln sich ab. Da folgen Abschnitte voller Sonnenschein, und dann wieder düstere und beschwerliche Lebensstrecken. Zeiten möchte ich festhalten, konservieren in bleibenden Erinnerungen, anderes dagegen möglichst schnell wieder vergessen.

Für diesen Tag wünsche ich uns allen helle, lichte Wegstrecken, in denen wir getragen sind vom Vertrauen in Gottes Güte. Zugleich weiss ich, dass es für viele genau dies nicht geben. Das ist nicht nur in den Kriegsgebieten der Welt so. Auch hier, unweit der Rheinschlucht, gehen einige von uns durch finstere Täler. Mögen sie dabei Gottes Gegenwart besonders nah und wirklich erfahren.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen