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Dienstag, 26. Dezember 2023

Ausschlächte und Schröpfgade

Ein Zitat

Beim Haus "Drei Eidgenossen, wo einst der Schröpfgaden von Baden stand.
Foto © Jörg Niederer
"Jemanden schröpfen." Redensart mit der Bedeutung, einen Menschen um sein Geld zu bringen.

Ein Bibelvers - 3. Mose 13,18-20

"Auch ein Geschwür kann zu Aussatz führen: Jemand hatte ein Geschwür auf der Haut, das wieder geheilt ist. An der Stelle, wo das Geschwür war, bildet sich eine weiße Schwellung oder ein hellroter Fleck. Dann soll er sich vom Priester untersuchen lassen. Der Priester soll den Fleck untersuchen."

Eine Anregung

Wenn man im Zusammenhang mit einem Thermalbad-Aufenthalt im aargauischen Baden auf das Wort "Ausschlächte" stösst und auch vom "Schröpfgaden" liest, dann wird man neugierig. Nun könnte man in finanzieller Hinsicht bei den Eintrittspreisen in die Badetempel und den Kosten von Wellness-Behandlungen schon von Schlachten und Schröpfen sprechen. Das aber ist hier nicht gemeint.

Fangen wir beim Schröpfen und den Schröpfgaden an. In Baden und Ennetbaden, dies- und jenseits der Limmat, standen einst gleich zwei Gebäude, welche als Schröpfgaden bekannt waren. Auf Badener Seite wich das so bezeichnete Gebäude aus dem Jahr 1399 dem Neubau des Hauses "Drei Eidgenossen" aus dem Jahr 1826. Auf der Ennetbadener Seite nannte man die Liegenschaft Traube im 17. und 18. Jahrhundert Schröpfgaden. Heute steht dort das Wohn- und Geschäftshaus Blueside. Über diesen Schröpfgaden heisst es in der Ennetbadener Post 5/2008 auf Seite 4: "Je nach Kalendertag wurde den Badegästen gegen Bezahlung das 'schwarze Blut' aus dem Körper gezogen. Das gehörte zur Badekur und wurde als gesundheitsfördernd erachtet."

Schröpfen war wohl lange Zeit so eine Art medizinische Grundbehandlung gegen allerlei Krankheiten. Vorgenommen wurde es vom "Bader", einem Arzt für ärmere Leute. In diesem Zusammenhang taucht nun in medizinischen Abhandlungen zum Schröpfgaden von Baden das Wort "Ausschlächte" auf. Damit wurde damals eine Hauterkrankung bezeichnet. Wir würden wohl heute von Hautausschlag spreche.

Als ich am vergangenen Samstag also das neue Badener Thermalbad "Fortyseven", entworfen vom Architekten Mario Botta, besuchte, war ich schon froh über den Erkenntnisgewinn der Medizin seit der Zeit des Schröpfens und Aderlasses. So konnte ich ganz beruhigt den Besuch in den Badewelten geniessen, ohne an Ausschlächte, Schröpfkuren und schwarzes Blut denken zu müssen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 23. November 2021

Bäderstadt Baden und chinesische Löwen

Ein Zitat

Schildhalterlöwen am Haus der Stadkanzlei Baden Tags: #emkstgallen #Methodisten
Foto © Jörg Niederer
"Seit jeher wurde mit den Thermalquellen der Glaube und die Hoffnung auf Transformation verbunden." Carol Nater Cartier, Leiterin des Historischen Museums in Baden

Ein Bibelvers - Stücke zu Daniel 1,15

"Und als sie [zwei lüsterne Richter] auf einen günstigen Tag lauerten, kam Susanna wie an den Tagen davor nur mit zwei Mägden in den Garten und wollte baden; denn es war sehr heiß."

Ein Anregung

Ich kann nicht anders. Mich erinnern die beiden Schildhalterlöwen auf dem Haus der Stadtkanzlei Baden an chinesische Drachen. Die Wappenpyramide wurde 1969 nach dem Vorbild des stark beschädigten Originals neu erstellt. Ob dabei Chinesen unter den Steinmetzen waren, weiss ich nicht. Jedenfalls wirken die beiden Löwen alles andere als in sich ruhend und erholt. 

Der Slogan von Baden ist übrigens "Baden ist.". Das stimmt. Baden ist. Und so schräg die chinesischen Löwen in die Gegend schauen, so schräg ist auch die Diskussion um diesen Slogan. So solle man besser "Baden wird." schreiben, meinte einer. Das sei dynamischer. "Baden ist." ist jedenfalls seit 2007 Slogen. 

Davor war Baden auch schon. Baden ist stolz auf seine 2000-jährige Bäderkultur. Da heisst es dann nicht "Baden ist.", sondern "bäderbaden.ch". 

Gerade wurde das neue Thermalbad von Mario Botta mit seinem Infinity-Pool eröffnet. Nun heisst es erneut anders: Das Badener Tagblatt titelte: "Das Thermalbad in Baden heisst nun 'Fortyseven' – 'Der neue Name wird viele Menschen nach Baden locken'". Fortyseven, Siebenundvierzig - so heiss ist das Wasser. Ein gewisser Nektarios Thanasis von der fachwerk Kommunikation AG meint dazu: "Fortyseven ist zweifellos ein Lifestyle-Brand". Lifestyle ist Wellness. Geschäftsführerin Nina Suma: "Wir setzen ausschliesslich auf Wellness, auf mentale Erholung, im Fortyseven soll man zur Ruhe kommen. Bei uns kommt weniger der Spassfaktor zum Tragen als in anderen Thermalbädern."

All das Gesagte könnte auch für die Kirche gelten. Es geht da auch um Lebensstil, um Wohlbefinden, um geistliche Erholung, um Ruhe, aber nicht um Spassfaktor. Es geht um Glauben, Hoffnung und Transformation. "Kirche ist." genau so. Da könnten sich auch die chinesischen Löwen von Baden entspannen.

 Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde