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Samstag, 28. Januar 2023

Lachen über Tiere

Ein Zitat

Graugänse dösen auf einem Bein im Wasser vor sich hin.
Foto © Jörg Niederer
Wer blau ist, steckt meist tief in der Tinte.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 20,9+10

"In der Fensteröffnung saß ein junger Mann namens Eutychus. Als Paulus so lange sprach, wurde er vom Schlaf übermannt. Er stürzte im Schlaf aus dem dritten Stock hinunter. Als man ihn aufhob, war er tot. Paulus ging hinab. Er warf sich über ihn, nahm ihn in die Arme und sagte: 'Beruhigt euch – er lebt noch!'"

Eine Anregung

Die Graugänse haben sich zum Schlafen an einen sicheren Ort neben dem Aarekanal am Neuenburgersee zurückgezogen. Für Betrachtende sieht es lustig aus, wie sie auf einem Bein im Wasser stehend vor sich hindösen. Ob es bei den Gänsen Rechtsfüssler und Linksfüsser gibt? Indem sie ein Bein anziehen und den kälteempfindlichen Kopf unter das Gefieder stecken, halten sie sich warm. 

Aus Sicht von uns Menschen können Tiere recht komisch und lustig wirken. Jährlich beteiligen sich daher Naturfotografinnen und Naturfotografen an einem Wettbewerb: der Comedy Wildlife Photography Awards ist immer wieder Quelle für Freude und Glück. Zu entdecken gibt es Kurioses aus der Tierwelt. 

Mir scheint, eines der stärksten Argumente für einen Schöpfergott ist dessen Schalk, den wir in diese wunderbaren Geschöpfe entdecken können. 

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 27. Januar 2023

Von der Dummheit und dem Verrat

Ein Zitat

Turm des Verrats (ganz rechts) in der Stadtmauer von Estavayer-le-Lac.
Foto © Jörg Niederer
Heere verheeren verheerend.

Ein Bibelvers - 1. Samuel 24,2+3

"Als Saul von der Verfolgung der Philister zurückkam, erreichte ihn die Nachricht: 'Pass auf, David ist jetzt in der Gegend von En-Gedi!' Da nahm Saul 3000 Mann mit sich, es waren die besten Soldaten aus ganz Israel. Mit ihnen machte er sich auf die Suche nach David, der mit seinen Leuten bei den Steinbock-Felsen war."

Eine Anregung

Die Geschichte wiederholt sich. In frühen Zeiten der Eidgenossenschaft verstand man sich gut mit den Burgundern und bezog das lebenswichtige Salz aus deren Salinen von Salins. (Da denke ich doch gleich an das russische Gas!). Noch am am 22. Mai 1467 besiegelten die Eidgenossen mit Herzog Philipp dem Guten und Karl dem Kühnen einen Freundschaftsvertrag. Doch dann verbündete sich der Burgunderherzog Karl am 9. Mai 1469 im Vertrag von Saint-Omer (Da kam ich auf meiner Reise zu Fuss von Frauenfeld nach London vorbei) mit den Österreichern gegen die Eidgenossen. Darauf schlossen die Eidgenossen 1470 mit dem Hauptgegner der Burgunder, dem französischen König Ludwig XI., einen Neutralitätspakt.

Durch die Hinrichtung eines burgundischen Landvogts brach 1474 der Burgunderkrieg im Elsass aus. 1476 belagerten die Burgunder die Stadt Murten. Doch die vereinten Streitkräfte der Eidgenossen bezwangen in der Schlacht zu Murten am 22. Juni 1476 das feindliche Heer. Ein Jahr später endeten dann die Burgunderkriege mit kompromissreichen Friedensschlüssen und Landabtretungen.

In Estavayer-le-Lac am Neuenburgersee erinnert der "Turm des Verrats" an diese Wirren. Auf der Fotografie ist er ganz rechts zu sehen. Jedoch ist es nicht mehr der originale Turm aus dem Jahr 1475, als die Eidgenossen die Stadt eroberten. Dass der Turm so heisst, ist mit einer sagenhaften Überlieferung verbunden. So sollen die Wächter auf dem Turm, mutlos geworden unter den Angriffen der Eidgenossen, panikartig den Turm verlassen haben. Dabei vergassen sie die zur Flucht benutzte Strickleiter einzuholen. Nun hatten die Eidgenossen ein leichtes Spiel, drangen über diesen Turm in die Stadt ein, plünderten sie und besetzten das Schloss. 

Verrat spielt in den biblischen Texten oft eine Rolle. Der berühmteste Verrat ist dabei zweifellos der von Judas Iskariot, der Jesus den jüdischen Behörden auslieferte.

Unser Verständnis von Verrat beinhaltet bewusstes Handeln gegen die Interessen der befreundeten oder verbündeten Menschen. So gesehen war der Verrat von Estavayer-le-Lac wohl eher ein Akt der Feigheit oder Dummheit. 

Nun frage ich mich: Was kommt in meinem Leben und Handeln öfters vor: Feigheit, Dummheit oder Verrat?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 16. Oktober 2022

Die Anasazi vom Valle de Vaux

Ein Zitat

Über den Sandstein-Überhängen, unter denen im Neolothikum und nach der Römerzeit einst Menschen siedelten. Unten: Das Modell der Abri-Siedlung befindet sich im Musée cantonal d'archéologie et d'histoire in Lausanne.
Foto © Jörg Niederer
"Folgten wir nur der Tradition, lebten wir noch immer in Höhlen, folgten wir nur dem Fortschritt, wäre dies bald wieder der Fall." Leszek Kolakowski (1927-2009), polnischer Philosoph

Ein Bibelvers - Psalm 142,1+2

"EIN WEISHEITSLIED, VON DAVID, ALS ER IN DER HÖHLE WAR, EIN GEBET. Aus voller Kehle schreie ich zum Herrn. Laut flehe ich zum Herrn um Gnade."

Ein Anregung

Die Anasazi, das waren Ureinwohner in den US-Bundesstaaten Utah, Colorado, New Mexico und Arizona, welche in den Schluchten des Colorados unter Überhängen schwer zugängliche Siedlungen bauten und bewohnten. 

Nun habe ich neu erfahren, dass zur selben Zeit (vom 4. bis 8. Jahrhundert nach Christus) auch in der Schweiz solche Siedlungen existierten. Konkret fand man im Valle du Vaux (zwischen den waadtländischen Orten Yvonand und Chavannes-le-Chêne gelegen) Siedlungsreste von Menschen, die dort unter den Sandsteinüberhängen in mehrstöckigen Holzhäusern lebten. Wie die Anasazi betrieben sie Landwirtschaft und gingen auf die Jagd. Auch der Vaux-Bach war wohl eine wichtige Lebens- und Nahrungsgrundlage für die dortigen Siedlerinnen und Siedler.

Doch sie waren nicht die ersten. Mit einigen ihrer Pfostenlöcher, die sie in die Felsen meisselten, zerstörten sie Teile einer in den Fels gravierten bronzezeitlichen Jagdszene, bei der Männer auf Pferden Hirschen nachjagten. Auch ein Hund ist auf diesem Bild zu erkennen. 

Weitere Funde belegen, dass in diesem Abri oder Balm, wie man einen solchen Felsüberhang bezeichnet, schon um 4200 vor Christus Menschen wenigsten vorübergehend siedelten. Dafür sprechen Keramikfunde, Schalensteine und geometrische Gravuren. 

Heute führt kein Weg mehr zu den Fundorten. Das Tal des Vaux-Baches ist ein Naturschutzgebiet, und die Felsen sind so richtig nur im Winter einsehbar, wenn die Bäume keine Blätter tragen. So hilft es, die Augen zu schliessen, und sich das einstige Treiben vorzustellen. 

Und dann haben ja auch die Römer ihre Spuren hinterlassen, nördlich und mitten auf den Feldern von Chavannes-le-Chêne. Dort gewannen sie in einem Steinbruch, der besichtigt werden kann, Mühlsteinrohlinge.

Zurück zu den Bewohnerinnen und Bewohner der Höhlenhäuser: Wer weiss, vielleicht erreichte der christliche Glaube noch rechtzeitig die "Anasazi" von Valle du Vaux, bevor sie diese Balmsiedlung wieder aufgeben mussten. Rein zeitlich hätte es gut sein können.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Ein eiskalter Killer

Ein Zitat

Der Eisvogel mit einem gefangenen Fischchen, das er nun gleich durch Schlagen an den Ast töten wird.
Foto © Jörg Niederer
"Wer die Grausamkeit der Natur und der Menschen einmal erkannt hat, der bemüht sich, selbst in kleinen Dingen wie dem Niedertreten des Grases schonungsvoll zu sein." Christian Morgenstern (1871-1914)

Ein Bibelvers - 1. Mose 9,3+4

Gott zu Noah und allen Menschen: "Alles, was sich regt und lebt, soll eure Nahrung sein. Bisher waren es nur Pflanzen, nun gebe ich euch alles zu essen. Nur Fleisch, in dem noch Blut und damit Leben ist, dürft ihr nicht essen!"

Ein Anregung

Gleich noch einmal ein Vogel. Das Lieblingstier vieler Fotografinnen und Fotografen. "Eisi" werden sie verniedlichend von einigen genannt und Geschichten über sie erzählt vom Warten und Hoffen, dass er sich zeigen möge.

Gestern war ich in La Sauge. Zusammen mit dem angrenzenden bernischen Gebiet "Fanel" ist dieser Teil der Grand Cariçaie am südöstlichen Neuenburgersee bei der Mündung des Broyekanals das Nonplusultra der Ornithologinnen und Ornithologen. An keinem anderen Ort in der Schweiz können mehr Vogelarten in freier Natur beobachtet werden.

Dort im BirdLife-Zentrum kann aus einer Beobachtungshütte heraus ganz bequem der Eisvogel bewundert werden. In unserem Fall kam dann auch noch ein Rehbock mit nur einem Geweihende auf Visite. Das war der Moment, als der Eisvogel sich aufs Dach des benachbarten Beobachtungsbaus setzte und wohl die Beobachter beäugte.

Ja, sie sehen wunderschön aus, die Eisvögel. Zugleich sind sie ausgezeichnete Jäger und Fischliebhaber. "Eisi" ist, um es unverblümt zu sagen, ein eiskalter Killer. Nie wird aus diesem Vogel ein Vegetarier oder Veganer. Immer wird er den Fischen und Fröschen und Molchen nachstellen und sie zum Töten an einen Ast schlagen. Danach schlingt er seine Beute kopfüber als Ganzes  hinunter. 

Für den Fisch ist das nicht besonders bekömmlich. Doch Fische sind ja auch keine Engel, haben sie doch selbst wohl manchem Lebewesen ein Ende bereitet. Aber so ist die Natur: Fressen, und gefressen werden.

Ganz ehrlich, ich weiss nicht, wie das gehen soll: Zu leben, ohne anderem Leben das Leben zu nehmen. Aber vielleicht hat jemand, der dies liest, eine Idee?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde