Samstag, 31. Dezember 2022

Jahreswechsel

Ein Zitat

Raclette ist ein typisches Essen zum Jahreswechsel
Foto © Jörg Niederer
"Die Zukunft hört nicht auf, uns zu faszinieren, besonders am Anfang eines neuen Jahres." Georg Kreisler

Ein Bibelvers - Jesaja 43,18-19

"Denkt nicht mehr an das, was früher geschah. Beschäftigt euch nicht mit der Vergangenheit. Schaut her, ich schaffe etwas Neues! Es beginnt schon zu sprießen – merkt ihr es denn nicht? Ich lege einen Weg durch die Wüste an, im trockenen Land lasse ich Ströme fließen."

Eine Anregung

Es sind die Tage der traditionellen Festtagsgerichte, aufwändig zubereitet oder eher auf Geselligkeit ausgerichtet wie Raclette oder Fondue oder Fondue Bourguignon. Früher waren es Schweinebraten und Linsensuppe. Bei den Römern, welche den Jahreswechsel auf den 1. Januar legten, war damit ein ausschweifendes, fasnachtsähnliches Fest verbunden.

Viel über Silvester und Neujahr erfährt man in einem Artikel eines Immobilienunternehmens (Warum auch immer!).

Wir liessen früher das Neue Jahr mit einem nächtlichen Spaziergang beginnen. Es war die Zeit, als kaum Feuerwerk gezündet wurde und die Nacht noch sternenklar war. Manchmal wünsche ich mir diese Zeit zurück.

Schon jetzt freue ich mich auf den ersten Morgen im Neuen Jahr. Denn dann, wenn ich das Haus verlassen werde, wird es wieder still sein und noch dunkel. Ich werde nur wenigen Menschen begegnen, die meisten davon auf dem Weg nach Hause. Dann wird der Tag anbrechen und ich diesen mit einem Gottesdienst in der Kirche feiern. 

Ich wünsche euch allen ein frohes, neues Jahr. Der Friede Gottes möge diese Welt erfüllen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 30. Dezember 2022

Fischadler mit Mond

Ein Zitat

"Greift der Fischadler zu, taucht er im aufspritzenden Wasser oft völlig unter." aus dem Buch "Rettet die Vögel, wir brauchen sie"

Ein Bibelvers - Psalm 121,5+6

"Der Herr wacht über dich. Der Herr ist dein Schutz, er spendet Schatten an deiner Seite. Am Tag wird dir die Sonne nicht schaden und der Mond nicht in der Nacht."

Eine Anregung

Fischadler am Lake Griffin, Florida sinniert über den Mond.
Foto © Jörg Niederer
Das Foto vom Fischadler entstand vor mehr als 10 Jahren am Lake Griffin in Florida mit einer eher bescheidenen Kamera. Ich wusste bis gestern gar nicht mehr, dass es existiert. Aus dieser Perspektive sieht es so aus, als würde der Fischadler über den Mond sinnierend auf ihn hinunterblicken.

Fischadler rasten auf der Durchreise regelmässig in der Schweiz, so auch im Fanel am Neuenburgersee, wo sich aktuell auch ein Seeadler aufhält. Seeadler werden auf der französischen Seite des Genfersees gezüchtet, um sie dann in Freiheit zu entlassen. Ob das Experiment einer Ansiedlung gelingt, ist noch nicht sicher.

Auch woher der Mond kommt ist bekannt. In der Frühzeit des Sonnensystems sei die damalige Erde mit einem marsgrossen Himmelskörper zusammengestossen. Dabei sei aus dem von der Erde weggeschleuderten Material der Mond entstanden. Sein Einfluss auf die Erde ist beachtlich. So löst er an manchen Orten der Erde (Bay of Fundy, Nordamerika) einen Tidenhub von 13-16 Metern aus. Vor dieser halbtäglichen Wasserstandsänderung wäre unsere Wohnung im dritten Stockwerk noch lange nicht sicher. 

Der Fischadler baut seinen Horst gerne auf der Spitze von Bäumen, hoch über den Wassern. Er muss den Mond nicht fürchten. Schon gar nicht am Neuenburger- oder am Genfersee. Mit dem Mond verbinden viele Menschen Gefühle und Befürchtungen. "Irgendwie spinnen heute alle. Ist wieder Vollmond?"; solche Aussagen höre ich immer einmal wieder.

Bist du mondfühlig. Reagierst du auf den Vollmond? Oder ist er für dich der "gute Mond" aus dem Lied von Matthias Claudius?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Ohne Gospel kein Rock'n'Roll

Ein Zitat

Auf dem Lake Griffin vor dem Warren W. Willis United Methodist Camp in Florida bereitet sich ein Angler aufs Fischen vor.
Foto © Jörg Niederer
"Spirituals sind noch immer lebendig. Die Seele der Spirituals ist zudem in der Gospelmusik, den Freiheitsliedern der Bürgerrechtsbewegung, im Blues, Jazz, Rhythm'n'Blues, Country, Rock'n'Roll und Hip-Hop zu spüren – sie ist der Urgrund all dieser Musik." Richard Koechli im Buch "Holy Blues", S.57

Ein Bibelvers - Offenbarung 2,17

"Wer ein Ohr dafür hat, soll gut zuhören, was der Geist Gottes den Gemeinden sagt: 'Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben. Außerdem gebe ich ihm einen weißen Stein. Auf dem Stein steht ein neuer Name, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt.'"

Eine Anregung

Es ist "die erste Aufnahme eines afroamerikanischen Songs mit Gospel-Charakter", wie Richard Koechli im Buch "Holy Blues" (Seite 68) schreibt. Und das besondere daran: Diese Aufnahme können wir alle uns anhören, weil sie längst schon digitalisiert im Internet zu finden ist. 1902 veröffentlichte die Victor Talking Machine Compagny sechs Gospelsongs des Dinwiddie Colored Quartets. Es bestand aus den afroamerikanischen Musikern J. Mantell Thomas und Harry B. Cruder (beide Bass) und den Tenören Sterling Rex und J. Clarence Meredith.

Besonders hörenswert ist "Down On The Old Camp Ground", "ein wunderschöner afroamerikanischer Song im Stil der alten Spirituals, über die frohe Botschaft jubilierend und gleichzeitig poetisch geschickt mit dem Finger auf verlogene Frömmigkeit zeigend", wie Koechli schreibt (Seite 68f). Hier die Übersetzung des Liedtextes: 

Oh, da ist Jubel, da ist Jubel, da ist Jubel
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Der kleine weiße Stein kam heruntergerollt
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und rollte wie ein Donnerschlag zu Boden
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Du sagst, du strebst nach dem Himmel
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Warum hörst du nicht auf, Lügen zu erzählen?
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz 

Du sagst, dein Jesus hat dich befreit
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Warum lässt du deine Nachbarn nicht in Frieden
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Manche kommen in die Kirche, um zu singen und zu schreien
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und bevor sechs Monate vergangen sind, sind sie wieder weg
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Du kommst zu mir nach Hause und trinkst meinen Tee
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Dann läufst du durch die Stadt und lästerst über mich
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Oh, manche gehen in die Kirche, um ihre Kleider zu zeigen
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und springen schnell hoch und eilen zur Tür hinaus
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Komm in die Scheune auf mein Knie
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Ich dachte, ich hörte das Huhn niesen
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Es nieste so heftig vor Keuchhusten
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz
Und nieste sich um Kopf und Kragen
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Oh, da ist Jubel, da ist Jubel, da ist Jubel
Da unten auf dem alten Missionszeltplatz

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Vogeljäger

Ein Zitat

Sperber im Auenwald bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Das größte Leid ist das, was sich der Mensch selbst antut." Manes Sperber (195-1984) Schriftsteller

Ein Bibelvers - Lukas 12,51

Jesus: "Meint ihr, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Streit."

Eine Anregung

Der Sperber ist ein kleinerer Greifvogel, der ausschliesslich Vögel jagt. Geschickt fliegt er in der Deckung von Hecken im Tiefflug heran, um sich dann gezielt eines der dortigen kleinen Vögelchen zu greifen. 

Ein Vogel, der Vögel frisst, das ist für Ornithologinnen und Ornithologen wohl ein kleiner Alptraum. Wenn Katzen nicht besonders beliebt sind, weil sie auch Vögel fressen, müsste dann diese "fliegende Katze", die nur Vögel frisst, nicht genauso verpönt sein? Aber Sperber sind Vögel, wildlebende, schöne Vögel.

Da gibt es doch diese Redensart: "Der Mensch ist des Menschen Wolf". Will sagen, dass wir Menschen einander gegenseitig am gefährlichsten sind. Wir sind für diese Welt bei weitem das grössere Problem als die Sperber es für die Vogelwelt sind. 

Ich jedenfalls freue mich, dass es diese faszinierenden Tiere gibt. "Sperber" ist übrigens die Zusammensetzung von zwei althochdeutschen Wörtern: "sparo" für Sperling und "aro" für Aar oder Adler. Entweder ist "Sperlingsadler" eine Anspielung auf die geringe Grösse dieses Greifers, oder aber auf seine Hauptbeute, den Sperling. Und noch eines: Die Weibchen sind deutlich grösser als die Männchen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 27. Dezember 2022

Das Los des Weihnachtsgeschenkpapiers

Ein Zitat

Die Überreste einer Weihnachts-Geschenkverpackung.
Foto © Jörg Niederer
"Wunderschöne Geschenke verdienen es, genauso schön verpackt zu werden. Verleih' deinen Aufmerksamkeiten mit hochwertigem, kunstvoll bedrucktem Geschenkpapier das perfekte Finish." Aus der Werbung

Ein Bibelvers - Sprüche 18,16

"Wer Geschenke macht, erweitert seinen Spielraum und verschafft sich Zugang zu wichtigen Leuten."

Eine Anregung

Das Ende allen Feierns ist Müll. Doch zuvor werden die Geschenke ausgepackt. Dies geschieht auf vielfältige Weise.

Als Kind griffen wir schon einmal zur Schere, um die Knoten an den Bändel zu durchtrennen. Doch die Klebestreifen wurden sorgfältig und möglichst ohne das Geschenkpapier zu beschädigen abgelöst. Letzteres konnte so zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwendet werden.

Als ich dann meine Frau kennenlernte, merkte ich bald, dass in ihrer Familie noch strengere Auflagen im Umgang mit Präsenten eingehalten wurden. Geöffnet wurden die Geschenke nacheinander, und auch die Bändel und Schnüre wurden ohne sie zu zertrennen entknotet. So konnte sich die Bescherung schon einmal über mehrere Stunden hinziehen, selten auch über mehrere Tage. Die Wiederverwendung von wenig beschädigtem oder zerknittertem Verpackungsmaterial war selbstverständlich.

Dann wurde die Familie erweitert mit einer Amerikanerin. Und wie es das Klischee so will, entpackten sich bei ihr die Geschenke in sekundenschnelle und ohne Rücksicht auf Papier und Bändel. Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass wir schon seit einigen Jahren in keiner Familientradition die Geschenkpapiere wiederverwenden. Sie landen fast ausschliesslich in der Papiersammlung. Und dies nicht nur, weil in diesem Jahr einige Geschenkeverpackungen fast mehr aus Klebestreifen denn Papier bestanden, sondern weil es einfach nicht mehr zeitgemäss erscheint, schon gebrauchtes Geschenkpapier mit neuem Inhalt weiterzuverschenken.

Wie ist das bei dir? Gibt es da Auspack-Rituale und eine Tradition der Geschenkpapier-Wiederverwendung? Oder läuft gar alles auf die Geschenkvermeidungsstrategie hinaus?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Montag, 26. Dezember 2022

Perfekte Weihnachten

Ein Zitat

Hinter der sich auflösenden luftigen Hülle der gewöhnlichen Blasenkirsche leuchtet die rote, essbare Beere hervor.
Foto © Jörg Niederer
"Man braucht eine Weile um festzustellen, dass die Nonperfektion die eigentliche Perfektion ist." Christian Lenz

Ein Bibelvers - Maleachi 3,20

"Marias Mann Josef lebte nach Gottes Willen, aber er wollte sie nicht bloßstellen. Deshalb wollte er sich von ihr trennen, ohne Aufsehen zu erregen. Dazu war er entschlossen."

Eine Anregung

Hinter vielen von uns liegen eine oder zwei Familienweihnachtsfeiern. Waren es die erwarteten konfliktfreien, ja vielleicht sogar perfekten Festivitäten? Oder war es ein durchlittenes Fest mit Menschen, mit denen man früher oder später Stress bekommt? Der Wunsch nach dem vollkommenen Frieden, der heilen Welt ist an keinem anderen Tagen grösser als an Weihnachten. Die hohen Erwartungen müssen fast schon unausweichlich enttäuscht werden. Tröstlich, dass es selbst bei der Geburt von Jesus nicht besonders harmonisch zu und her ging, auch wenn wir oft daran vorbeischauen auf die jubilierenden Engel. 

Heute um 10.15 Uhr wird es um diese Erwartungen nach Vollkommenheit gehen im weihnachtlichen Gottesdienst in der Methodistenkirche in St. Gallen. Ab 10.30 Uhr wird die Predigt dann auch auf Youtube zu hören sein.

Es wird ein perfekter Gottesdienst – oder auch nicht. Aber schön, wenn du dabei bist auf die eine oder andere Weise.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde


Sonntag, 25. Dezember 2022

Gesegnete Weihnachten

Ein Zitat

Christbaum im Städtchen Zofingen.
Foto © Jörg Niederer
"Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint." Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910)

Ein Bibelvers - Lukas 2,10+11

"Der Engel sagte zu ihnen: 'Fürchtet euch nicht! Hört doch: Ich bringe euch eine gute Nachricht, die dem ganzen Volk große Freude bereiten wird. Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus, der Herr.'"

Eine Anregung

Weihnachten. An diesem Tag sollte alles perfekt sein. Doch oft ist es das Gegenteil von einem friedlichen Fest. Darüber gibt es am Stefanstag (also nicht heute am Weihnachtssonntag!) eine Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen, die auch online übertragen wird um ca. 10.30 Uhr.

Heute werde ich dabei sein am Weihnachts-Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche Weinfelden an der Hermannstrasse 10. Der Gottesdienst beginnt um 10.00 Uhr. Ich freue mich auf diese Zeit mit all den Mitfeiernden.

Für diesen Weihnachtstag wünsche ich allen eine gesegnete und unbelastete Feier.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde 

Samstag, 24. Dezember 2022

Panettone-Wallfahrt

Ein Zitat

Menschen warten vor Weihnachten in einer Reihe, um in der Fabbrica del Panettone von Bäcker Pietro Cappelli in St. Gallen das Mailänder Hefegebäck zu kaufen.
Foto © Jörg Niederer
"Panettoni lösen keine Probleme, aber das tun Äpfel ja auch nicht."

Ein Bibelvers - Matthäus 2,11

"Sie [die Sterndeuter] gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an. Dann holten sie ihre Schätze hervor und gaben ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe."

Eine Anregung

Auch das ist ein Adventsbild, das zur Stadt St.Gallen gehört. Menschen warten in einer Reihe vor der Fabbrica del Panettone, dass sie den Laden betreten können, um das luftige Gebäck von Pietro Cappelli zu kaufen. Seine Kreationen gewinnen regelmässig Gold an der Swiss Bakery Trophy. Das Mailänder Weihnachtsgebäck ist in der Welt so bekannt wie der Schweizer Emmentalerkäse. In der Advents- und Weihnachtszeit ist es heiss begehrt. Aber nur bei Maestro Capelli stehen die Kundinnen und Kunden in diesen Tagen hintereinander aufgereiht, um den Laden zu betreten.

Warten passt ja zum Advent. Warten viele nicht mehr auf die Ankunft von Christus, so warten sie wenigsten auf Capellis Spezialitäten. Ist man dann erst einmal im Laden, kann es geschehen, dass man dort vor leeren Regalen steht. Die Produktion hält kaum Schritt mit der Kauflust der Kundschaft. Trifft Nachschub aus der Fabbrica im improvisierten Landen ein, ist davon in Minutenschnelle schon wieder nichts mehr zu sehen, selbst wenn – wie in der Weihnachtszeit – der Einkauf auf drei Panettoni pro Person beschränkt bleibt. 

In diesen Tagen sind die Sauerteiggebäcke von Capelli nur in St.Gallen selbst erhältlich. Der Online-Verkauf pausiert von November bis Mitte Januar. Gleich den drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem, ziehen also Feinschmeckerinnen und Feinschmecker "notgedrungen" ins Linsenbühlquartier von St.Gallen. Was sie finden, ist sehr fein und besonders. Doch die drei Weisen haben etwas Feineres und Bleibenderes gefunden. Jesus Christus, Gottes Sohn; an Besonderheit nicht zu überbieten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 23. Dezember 2022

Unter Sterndeutern und Astrowissenschaftlern

Ein Zitat

Das Albristhorn von Adelboden aus gesehen leuchtet auf am frühen Morgen.
Foto © Jörg Niederer
"Sehen Sie, ich sehe Gott nicht hinter den Wolken hervorschauen, oder hinter den Sternen. Aber in einer anderen Richtung, in mir selbst, habe ich ein Gefühl. Gott nimmt man mit einem Gefühl wahr... und nicht mit dem Verstand" Arnold Benz, Astrophysiker

Ein Bibelvers - Matthäus 2,1b+2

"Da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. Sie fragten: 'Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.'"

Eine Anregung

Wenn es einen Astrophysiker von Renommee gibt, der auch mit Glauben und Gott etwas anfangen kann, dann wird dieser Mensch früher oder später zu einem Liebling der kirchlichen Kreise und zu so etwas wie einem Vorzeige-Naturwissenschaftler. Folglich gibt es einige Beiträge von christlichen Medien mit dem modernen Sterndeuter Arnold Benz, dem emeritierter Professor für Teilchen- und Astrophysik an der ETH Zürich. Viele dieser Beiträge finden sich auch auf der privaten Webseite von Arnold Benz.

Logisch, dass er sich auch mit den früheren Berufskollegen beschäftigt, mit den drei Sterndeuter aus dem Morgenland, denen wir im Matthäusevangelium in der Weihnachtsgeschichte begegnen. Dazu hat Arnold Benz selbst eine Weihnachtsgeschichte verfasst, die bezeichnender Weise "Die drei Atheisten" heisst. Man kann sie sich von ERF-Moderatorin Tabea Kobel vorlesen lassen oder gleich selbst lesen. In dieser Geschichte ist es dunkel, gefährlich, einsam. Und es ist zugleich auf eine besondere Weise hell und klar, wie der Sternenhimmel zur Zeit, als Jesus geboren wurde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Engelchöre in der Südsee

Ein Zitat

Details an einem Drahtzaun im eisigen Winter.
Foto © Jörg Niederer
"Hört es, freut euch überall: / Gott wird Mensch, ein Kind im Stall." Charles Wesley in: "Hark! The herald-angels sing"

Ein Bibelvers - Mathäus 13,43

"Aber alle, die nach Gottes Willen leben, werden im Reich ihres Vaters strahlen wie die Sonne."

Eine Anregung

Manchmal wollen wir etwas festhalten aus unserer Kindheit. Dazu gehören für viele auch die Verbindung von Schnee, Eis, Kälte und Weihnachten. Weisse Weihnachten ist aber in diesem Jahr im schweizerischen Mittelland sehr unwahrscheinlich. Schon sind letzte Schneeresten abgetaut, das Weiss dem Städtegrau gewichen. Zwölf Grad warm soll es werden am 25. Dezember.

Auf der Südseeinsel Tonga, mitten im Pazifik, ist Schnee sowieso kein Thema. Doch auch da feiern Christinnen und Christen Weihnachten, unter Palmen, und mit Liedern aus dem kühlen England. Hört doch einmal, wie das wohl berühmteste Charles Wesley-Weihnachtslied "Hark! The herald-angels sing" (Hört die Engelchöre singen) in Tongaisch klingt! Kommen da nicht doch auch Weihnachtsstimmung auf, fern dem Stall zu Bethlehem?

Übrigens: Das Wort "Lolotonga", mit dem der tongaischen Liedtext beginnt, hat nach Google in der Maori-Sprache die Bedeutung "Überschwemmung". Hoffentlich eine weihnachtliche Gefühls-Überschwemmung!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Adventskalender mit Buchlesung

Ein Zitat

Winterliches Nebengewässer in den Murgauen von Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Der christliche Glaube ist wie eine großartige Kathedrale mit herrlichen bunten Fenstern. Wer draußen steht, sieht sie nicht. Aber dem, der drinsteht, wird jeder Lichtstrahl zu einem unbeschreiblichen Glanz." Nathaniel Hawthorne (1804-1864), Amerikanischer Schriftsteller

Ein Bibelvers - Jesaja 65,1

"Ich wollte gesucht werden, doch niemand hat nach mir gefragt. Ich wollte gefunden werden, doch niemand hat nach mir gesucht. Ich sagte: 'Ich bin da, ich bin da!' Aber mein Volk rief meinen Namen nicht an."

Eine Anregung

Die Evangelisch-methodistische Kirche Waiblingen in Deutschland hat einen eigenen Adventskalender eingerichtet. Hinter jedem Törchen versteckt sich, vorgelesen von Gemeindegliedern, eine Geschichte aus dem Buch "24 Sternstunden für Himmelssucher" von Claudia Stangl. Die Autorin aus Niederbayern, 1969 geboren, "...ist verheiratet mit einem Landwirt und Mutter von drei Kindern im Teenageralter. Sie bezeichnet sich selbst als 'leidenschaftliche Gottsucherin'. Claudia Stangl schreibt gerne und teilt ihre Gedanken in Predigten und Artikeln. Die gelernte Krankenschwester hat eine weitere Ausbildung in Beratung und Seelsorge absolviert. Als Ausgleich ist sie am liebsten in der Natur unterwegs." (Verlagstext)

Es lohnt, sich für die kurzen, liebevoll vorgelesenen Texte Zeit zu nehmen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 20. Dezember 2022

Äpfel in den Thurgau tragen

Ein Zitat

Waldkauz in der Allmend von Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
Jesus suchen in Bethlehem / wie man Eulen sucht in Athen / da, wo er, wo sie zu finden sind / Bis mir ein alter Mann / einer von hier / zeigt / wo der Waldkauz sitzt / ganz nah, gar nicht fern
Da frag ich mich / ob nicht auch Jesus / ganz nah / zu finden ist / vielleicht sogar / in meinem Herzen

Ein Bibelvers - 5. Mose 14,12.13.15-17

"Alle reinen Vögel dürft ihr essen. Aber diese Vögel dürft ihr nicht essen: ... Nachteule, ..., Kauz, Uhu und Schleiereule, Ohreule, ..."

Eine Anregung

Äpfel in den Thurgau tragen ist so überflüssig, wie Eulen nach Athen. Denn in Athen soll es viele Eulen gegeben haben, die in den Felsen der Akropolis nisteten. Weiter war die Eule das Symbol der Schutzgöttin Athene, nach der die Stadt benannt ist. Und auf dem Athener Drachmen aus der Zeit von 490-202 vor Christus ist die Eule abgebildet.

Vermutlich gebrauchte der Dichter Aristophanes diese Redewendung im Bezug auf diesen Tetradrachmen. Warum auch soll man Reichtümer in eine Stadt bringen, die berühmt war für ihren Reichtum?

Lange schon wusste ich, dass es in der Allmend von Frauenfeld Eulen gibt. Doch sie zu finden ist nicht einfach. Am letzten Samstag nun zeigte mir eine Zufallsbekanntschaft den Ort, an dem ein schöner Waldkauz in stoischer Ruhe den Tag verschläft. Eigenartig berührt haben mich die vielen Fotografinnen und Fotografen vor dem Schlafplatz. Es war wie bei einer Pressekonferenz, nur dass nicht Mikrofone, sondern Teleobjektive auf den Vogel gerichtet waren. 

Meine Bilder des Waldkauzes entstanden gerade einmal in 5 Minuten. Dann ging es weiter zu Reh, Fuchs und anderen Sehenswürdigkeiten der Auenlandschaft.

Der Mann, Paul heisst er, hat mir also den Weg zur Eule gewiesen. So habe ich sie endlich gefunden. Ist das nicht genau das gleiche mit Jesus Christus? Auch da brauchte es Menschen, die mich zu ihm "hinführten". Einmal entdeckt, wurde es ein Leichtes für mich, auch zu glauben.

Die Eule findet sich auch auf meiner Weihnachtskarte, die hier heruntergeladen werden kann!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 19. Dezember 2022

Aus dem erfahrungsreichen Leben von Bischof Patrick Streiff

Ein Zitat

Bischof Patrick Streiff (rechts) spricht an der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa den neugewählten Bischof Stefan Zürcher an.
Foto © Jörg Niederer
"Als die russischen Truppen ins Land [Ukraine] einmarschierten, war ich in Finland in den Ferien. Eine Stunde nach Kriegsausbruch erhielt ich einen Telefonanruf vom leitenden Superintendenten in Polen, der fragt: 'Bischof, was können wir tun? Zu Tausenden treffen sie am Grenzübergang ein'." Aus dem Interview von Livenet mit Bischof Patrick Streiff

Ein Bibelvers - Matthäus 9,10

"Später war Jesus im Haus zum Essen. Viele Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, kamen dazu. Sie aßen mit Jesus und seinen Jüngern."

Eine Anregung

Livenet hat am 15. Dezember mit dem evangelisch-methodistischen Bischof Patrick Streiff ein Gespräch geführt. Dabei erfährt man viel über die kürzliche in Basel erfolgte Tagung der Zentralkonferenz, an der mit Stefan Zürcher auch der Nachfolger im Bischofsamt gewählt wurde. Doch damit nicht genug. Was Methodistinnen und Methodisten auszeichnet, wo der Bischof die fröhlichsten Gottesdienste feiert, wie die vergangenen zwei Jahre mit Corona und Krieg die Schwerpunkte in der Kirche anders gesetzt haben, was es mit dem Schlagerpfarrer auf sich hat, warum die methodistischen Kirchen die Zusammenarbeit in der Allianz und Ökumene bewusst leben, warum es sich lohnt, die Theologie John Wesleys zu kennen, und vieles mehr wird in dem Gespräch angesprochen und vertieft.

Ich finde: Hörens- und sehenswert in jeder Hinsicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 18. Dezember 2022

Zwei beten an

Ein Zitat

Ausschnitt aus dem Holzdruck von Hans Georg Anniès.
Hans Georg Anniès
"Sei still, ängstlicher Geist / Und leg dich hin, kalter Wind / Während Gott mit kindlicher Hand / die Welt bewegt." Aus einem Lied von Lars Busk Sørensen

Ein Bibelvers - Jesaja 6,4

"Verbrannt wird jeder Stiefel, mit dem die Soldaten dröhnend marschierten. Ins Feuer geworfen wird jeder Mantel, der im Krieg mit Blut getränkt wurde."

Eine Anregung

Heute im Gottesdienst in der Methodistenkirche St. Gallen betrachten wir einen Holzdruck von Hans Georg Anniès, einem Künstler aus Ostdeutschland, der 2006 gestorben ist. "Zwei beten an" hat er das Werk benannt. Schuhe und Füsse finden sich in grosser Zahl auf diesem Bild. Sie erzählen Geschichten, vielleicht auch deine Geschichte.

Wer dabei sein möchte bei den Ausführungen, ist um 10.15 Uhr an die Kapellenstrasse 6 in St. Gallen eingeladen. Für die Musik zeigt sich Oliver Kopeinig verantwortlich. Die weihnachtliche Bildbetrachtung kommt von Pfarrer Jörg Niederer. Auch zu entdecken: Ein Charakter-Weihnachtsbaum aus den Hügeln des Appenzellerlands.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 17. Dezember 2022

Der Charakter-Weihnachtsbaum

Ein Zitat

Der geschmückte Charakter-Weihnachtsbaum in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Am Ende eines Tages sollten deine Füße dreckig sein dein Haar zerzaust und deine Augen leuchten vor Freude." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Ezechiel 43,1+2

"Der Mann führte mich zum Tor, das im Osten lag. Dort sah ich den Gott Israels in seiner Herrlichkeit aus dem Osten kommen. Es rauschte wie gewaltige Wassermassen, und die Erde erstrahlte von seiner Herrlichkeit."

Eine Anregung

In diesem Jahr ist es ein richtiger Charakterbaum. Keiner dieser extra für Weihnachten gezüchteten Edel-Tannen oder Laufsteg-Modellfichten. Einer, der im Wettstreit ums Licht Konkurrenz hatte. Das sieht man ihm an, ist doch eine Seite weitgehend astfrei. Als wäre der Baum der Länge nach entzweigeschnitten. Ich mag ihn, gerade weil er Äste lassen musste, weil er nicht abseits, an einem Platz an der Sonne stehen konnte, sondern in Nachbarschaft zu anderen, ihm zu nah gekommenen Hölzern. Nun ist sein neuer Platz also in der Methodistenkirche in St. Gallen. Der Baum ist eine echte Weihnachts-Augenweide geworden. Geschmückt von Nina, Levin, Franziska und Jimmy lässt er den Kirchenraum aufstrahlen.

Jemand hat beim ersten Eindruck gesagt: "Mir gefällt die Tanne nicht". Ich denke mir aber: Endlich einmal ein Weihnachtsbaum, der zu uns als Gemeinde so richtig gut passt. Auch wir sind keine Modell-Gemeinde, sondern eine mit Licht- und Schattenseite, eine, bei der wir zusammenstehen, und alle etwas hergeben (müssen) für die andern. Eine Gemeinde die Luft nach oben hat. Eine Gemeinde, die aufstrahlen kann im Licht der Liebe Gottes. Eine Charaktergemeinde, die nun die Weihnachtszeit mit einem Charakterbaum feiern darf. 

Morgen um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen geht es los mit Musik von Oliver Kopeinig und einer weihnachtlichen Bildbetrachtung von Jörg Niederer. Und es geht los mit diesem ganz besonderen Weihnachtsbaum aus den Hügeln des Appenzellerlands.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 16. Dezember 2022

Bekenntnisse

Ein Zitat

Taufstein in der Paritätischen Kirche St. Bartholomäus in Pfyn.
Foto © Jörg Niederer
"Alle wollen immer in den Himmel, aber keiner hat Bock auf Tod." Nina Hagen

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 8,36-38

"Als sie auf der Straße weiterfuhren, kamen sie an einer Wasserstelle vorbei. Der Eunuch sagte: 'Dort ist eine Wasserstelle. Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?' ... Er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Eunuch, stiegen ins Wasser, und Philippus taufte ihn."

Eine Anregung

Mit der Taufe bekennen sich viele Menschen zum christlichen Glauben. Sie bekennen sich zu dem Christus, um den gerade eine ganze Konsumindustrie Bedürfnisse kreiert. 1978 war ein solches Bedürfnis und Weihnachtsgeschenk wohl auch das erste Album von Nina Hagen mit dem Punk Song: "TV-Glotzer" (Achtung, das ist nicht gerade ein adventliches Konzert!). Kürzlich las ich in einem Interview mit der heute 67 jährigen Sängerin und bekennenden Christin, wie sie auf die Fragen nach der Zuversicht antwortet:

"Als Christin kann ich meine Zuversicht gar nicht verlieren. Ich glaube volles Rohr an die Liebe. Gott ist Liebe ohne jede Finsternis, er ist Quell allen Lebens. Wenn wir uns nur einfach gegenseitig lieb haben könnten, dann würden sich unsere versteinerten Herzen erweichen... 

Christin sein ist eine Lebensschule. Man wird nie ein perfekter Mensch sein, aber man übt sich darin, zu schlichten statt zu richten. Es gibt Leute in meinem Alter, die machen andere immer noch lautstark und cholerisch nieder, sie massregeln und demütigen, und es ist furchtbar mitanzusehen, wie Menschen anderen Menschen Angst einjagen. Dass ich so ein Mensch nicht mehr bin, verdanke ich meinem guten Ratgeber, der Bibel. Ich habe gelernt, Böses nicht mit Bösem, sondern immer nur mit Gutem zu beantworten." (St. Gallen Tagblatt vom 3. Dezember 2022)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Der 50%-Weihnachtsbaum

Ein Zitat

Ein Deko-Weihnachtsbaum ist nur zur Auslage hin mit Lichterkugeln geschmückt.
Foto © Jörg Niederer
"Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern." Jeanne Moreau (1928-2017)

Ein Bibelvers - Matthäus 23,27+28

Jesus: "Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen! Denn ihr seid wie Gräber, die frisch gekalkt sind: Von außen sehen sie gepflegt aus, aber innen sind sie voll von toten Knochen und Unreinem. So seid auch ihr: Von außen seht ihr aus wie Gerechte. Aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet das Gesetz."

Eine Anregung

Dieser Weihnachtsbaum steht in einem Restaurant, in dem ich vor einigen Tagen ausgezeichnet gegessen habe. Er hat eine "Schokoladenseite", man könnte auch sagen, eine "schöne Fassade". Passantinnen und Passanten, die aussen am Restaurant vorüberschlendern, sehen ein hell erleuchtetes Bäumchen. Einmal im Haus, hat die Anziehungskraft des Lichts ihren Dienst getan. Die den Gästen zugewandte Seite bleibt ungeschmückt. Auch so kann man Energie sparen. Statt zwei Lichterketten wird nur eine verwenden. Immerhin eine 50%-Einsparung. Jedoch versichere ich, dass dies nicht aufs Essen abgefärbt hat. Die Speise war gar, durch und durch, und nicht nur zur Hälfte zubereitet.

Mir stellt sich bei diesem halbleuchtenden Baum wieder einmal die Frage: Wo zeige ich eine schöne Fassade? Wo ist bei mir nichts dahinter?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Ganz Nacht

Ein Zitat

Noch leuchten die Sterne nicht in der Zeughausgasse in der St. Galler Altstadt.
Foto © Jörg Niederer
"Nur auf dem Pfad der Nacht erreicht man die Morgenröte." Khalil Gibran (1883-1931)

Ein Bibelvers - Psalm 74,16

"Dir [Gott] gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Eine Anregung

Sie flattern das ganze Jahr ungefragt in unsere Briefkästen, die "Bettelbriefe". In der Advents- und Weihnachtszeit sind es besonders viele. Da ist es gut, wieder einmal auch an Connexio zu erinnern. Seit Connexio aufgeteilt ist in "hope" und "develop", zahlen deutlich mehr Menschen bei "develop" ein. Der Hauptgrund ist wohl, dass die Beiträge an Conexio develop steuerabzugsfähig sind. Und so fehlen aktuell bei Connexio hope, bei dem Partnerkirchen und -Organisationen weltweit in ihren kirchlichen Aktivitäten unterstütz werden, wichtige budgetierte Beträge. "Schade", haben wir in der Methodistenkirche St. Gallen gesagt, und kurzerhand die Einnahmen aus dem Mittagstisch (er findet heute wieder um 12.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 statt) an Connexio hope umgeleitet. 

In seinem jüngsten Beitrag auf der Webseite der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa dankt Bischof Patrick Streiff mit folgenden, eindrücklichen Worten für alle Beiträge an Connexio: 

"Unser Sohn war mit seinem zweijährigen Aaron kürzlich im Papillorama (ein Spezialzoo, der sich besonders auf die Haltung von Schmetterlingen und Faltern konzentriert). Eine der Hallen ist das Nocturama mit nachtaktiven Tieren. Als Tagesrückblick haben wir ein kurzes Video erhalten, in dem Aaron seine Augen zudrückt, die Hände zusammenballt und immer wieder sagt: 'ganz Nacht; ganz Nacht'. Diese Dunkelheit muss ihn sehr beeindruckt haben – mehr noch als die bunten Schmetterlinge im Papillorama.
Ich bin gespannt, ob und wie viel Lichterlöschen es in der Adventszeit in unseren Städten und Einkaufsmeilen wirklich geben wird. Oder bleibt – trotz Stromsparmassnahmen – die Advents- und Weihnachtsbeleuchtung gleich hell, manchmal sogar grell, um den wichtigen Umsatz vor den Festtagen nicht zu gefährden?
Unfreiwilliges Lichterlöschen erleben derzeit aber vor allem die Menschen in vielen Gebieten der Ukraine, weil wichtige Teile der Infrastruktur im Lande von der russischen Armee gezielt zerstört werden. Und neben dem Lichterlöschen löst es einen generellen Stromunterbruch und damit oft eine Lawine von weiteren Ausfällen in Heizung, Wasserversorgung, Kommunikation etc. aus.
Auch wenn die Energie in Westeuropa teurer geworden ist – und wir hoffentlich ein wenig sparsamer im Umgang mit ihr – geht es uns noch immer sehr gut. Ob es uns auch bereit macht, uns die Not anderer zu Herzen zu nehmen und etwas mehr von unserem Reichtum zu teilen?
Von Herzen möchte ich deshalb allen danken, die in unterschiedlichster Weise nicht nur Angehörige und Freunde zu Weihnachten beschenken, sondern auch mit Menschen in Not teilen, ob mit jenen in der direkten Nachbarschaft oder über Netzwerke wie Connexio hope und Connexio develop in anderen Ländern. Vergelt’s Gott!" 

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 13. Dezember 2022

Ei der Tausend!

Ein Zitat

Winter am Hugiweiher bei Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen, Egoismus mit einer einzigen, und die ist erbärmlich." Marie von Ebner-Eschenbach

Ein Bibelvers - Psalm 90,1+4

"Herr, ein Versteck bist du für uns gewesen von Generation zu Generation... Denn tausend Jahre vergehen vor deinen Augen, als wäre es gestern gewesen. Sie gehen so schnell vorbei wie eine Nachtwache."

Eine Anregung

Das ist er also, der 1000. Beitrag. Tausend Tage lang jeden Tag ein Bild, ein Text, ein Bibelvers und ein Zitat. Da will man doch diesen tausendsten Text zu etwas ganz besonderem machen. Das wird doch erwartet, oder? Also bin ich nun ganz schön gefordert. Dass ich mich auch so unter Druck setzten lassen!

Es gäbe zur Zahl Tausend viel zu sagen. Eine Pflanze hat den schönen Namen "Tausendgüldenkraut" und die Stadt Lausanne die Postleitzahl 1000. In Lausanne beginnt also die Postleitzahlzählung der Schweiz. 

Die einzige Strassenbezeichnung, in der das Wort 1000 vorkommt und die ich kenne, ist das Elftausendjungfern-Gässlein in Basel. Es soll der erste gepflasterte Weg in der Stadt am Rheinknie gewesen sein.

Warum man von einem Tausendsassa spricht, habe ich für diesen Text zum ersten Mal recherchiert. Es ist die Verbindung von Tausend mit dem Hirtenruf "Sasa". Sa geht auf das französische Wort "ça" zurück. Ein Tausendsassa ist folglich eine oder einer, die oder der "Tausendmal dies und das" tun kann. 

Auch bekannt ist die Redewendung "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte". Damit komme ich zum heutigen Foto. Ich habe nachgeschaut, wie viele Aufnahmen in meiner Datenbank die Nummer 1000 tragen. Es gibt davon gleich mehrere, und so habe ich das winterlichste Bild ausgesucht, entstanden im vergangenen Jahr an einem Wintertag am Hugiweiher bei Frauenfeld.

Es gäbe ja tausend Möglichkeiten, nun diesen Beitrag zu beschliessen, aber bisher ist das, was da steht, wirklich noch nicht das Gelbe vom Ei. Was mich zur Redensart "Ei der Tausend" führt, eigentlich "Ei der Daus", wobei Daus von "Deux" (franz. "Zwei") kommt und seit dem 16. Jahrhundert die niedrigste Karte in einem Spiel meint. So kann es gehen: aus einer kleinen Zahl wird im Lauf der Zeit eine grosse; die Zwei wird zu Tausend; aus ein, zwei Beiträgen eine vierstellige Serie. 

Fehlt noch ein biblische Bezug? Und schon bin ich beim Tausendjährige Reich, wobei biblische Zahlen oft symbolisch gemeint sind. Beim Tausendjährigen Reich könnte Tausend eine Zeit meinen, die "unermesslich" lange dauern wird in der unglaublich lohnenden Gesellschaft von Jesus Christus.

Zuletzt: Falls ihr bis hierher gelesen habt: Tausend Dank, dass ihr immer wieder bereit gewesen seid, euch auf die Gedanken, Beobachtungen und Anregungen hier einzulassen. Ich mache vorerst mal weiter. Und ich verspreche euch: Auch wenn dieser 1000. Beitrag nichts Besonderes geworden ist, der Zehntausendste wird es dann ganz bestimmt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Montag, 12. Dezember 2022

Ein wenig warten

Ein Zitat

Warten auf den Anschlusszug am Bahnhof Trogen.
Foto © Jörg Niederer
"Die Erwartungen anderer Menschen an uns sind immer die Erwartungen anderer Menschen." Steffen Albers

Ein Bibelvers - Römer 8,19

"Die ganze Schöpfung wartet doch sehnsüchtig darauf, dass Gott die Herrlichkeit seiner Kinder offenbart."

Eine Anregung

Das ist nun der 999. Beitrag in der Reihe der Texte, die zu schreiben ich mit der Corona-Pandemie begonnen habe. Folglich werde ich morgen den 1000. Beitrag veröffentlichen. Das hätte ich nicht erwartet, dass ich diese täglichen Beiträge für die Menschen der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen (und darüber hinaus) so lange durchhalten würde.

Das hätte ich nicht "erwartet". Weil Warten und Erwarten zum Advent passt, und weil Advent auch etwas mit Nostalgie zu tun hat, hier noch einmal ein Beitrag aus der methodistischen Zeitschrift "Der Evangelist". Sie findet sich in der Ausgabe vom 22. Januar 1887 und ist überschrieben mit "Warten in Geduld"

"An meiner Hausthür stand ein Handwerksbursche und bat um eine Gabe. – 'Warten Sie!' sagte ich und ging, ihm ein Almosen zu holen. Als ich wieder an die Thüre kam, war der Handwerksbursche gegangen. Ich war verwundert und fragte ein Mädchen, ob sie den Burschen gesehen. – Er war in das gegenüberliegende Haus gegangen. Ich wartete, bis er zurückkam, und rief ihn, gab ihm etwas und sagte: 'Warum haben Sie nicht gewartet?' – 'Ich dachte sie wollen mir nichts geben,' sagte er, 'da habe ich Sie wohl falsch verstanden.' – Das den Menschen doch das Warten so schwer fällt.
Dem Handwerksburschen gleichen tausend und abertausend Menschen. Die klopfen an die Himmelsthür und erbitten was von Gott. – Und hat Gott der Herr die Gabe nicht gleich bei der Hand, wird ihre Bitte nicht gleich erfüllt, dann gehen sie fort, Groll und Bitterkeit im Herzen. – Und sie haben doch vielleicht auch bloss Gott falsch verstanden – sie sollten nur ein wenig warten."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 11. Dezember 2022

Morgenrot oder Morgengrauen

Ein Zitat

Morgenrot über dem Mittelland bei Olten
Foto © Jörg Niederer
"Wenn alle nichts sehen, nennt man es Nebel, manch einer ist darin aufgewachsen." Rahel Müller (*1964), Kunstschaffende in den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation, Performance, Text, Kunst und Bau.

Ein Bibelvers - Römer 13,12

"Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an. Lasst uns alles ablegen, was die Finsternis mit sich bringt. Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen, die das Licht uns verleiht."

Eine Anregung

Adventszeit ist Zeit der Erwartung. In diesen Tagen erleben wir einmal das Morgengrauen (unter dem Nebel), dann das Morgenrot (über dem Nebel). Mit welchen Bilder verbindest du die adventliche Erwartung? Mit welchen Bilder verbindest du den Jüngsten Tag. Ist es das pure Grauen, oder ist es das Licht einer neuen, hoffnungsvollen Zeit?

Ob du es so oder anders erlebst, hat viel damit zu tun, wie sehr uns die Liebe Gottes erfasst hat und mit Zuversicht und Kraft erfüllt. Diese Liebe überlässt uns nicht dem Grauen.

Mehr dazu gibt es heute um 10.15 Uhr im Gottesdienst zum 3. Advent in der Evangelisch-methodistischen Kirche St.Gallen zu erfahren. Die Predigt wird auch diesmal via Youtube ab 10.30 Uhr übertragen. Herzlich willkommen.

Und danach kann der neue Tag bei Nebel oder im Sonnenschein in der Stadt St.Gallen an der Weihnachtreise fortgesetzt werden. Viel Freude mit Herodes, den Weisen und Hirten, den Engeln und der heiligen Familie.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 10. Dezember 2022

Warten auf das Urteil

Ein Zitat

Der Freiheitsstein am Schlössli in St. Gallen
Foto © Jörg Niederer
"Warten bedeutet, dass das, worauf man wartet, wichtiger ist als das, was jetzt ist." Georg-Wilhelm Exler

Ein Bibelvers - Josua 20,1-3

"Der Herr redete mit Josua und sagte: 'Sag zu den Israeliten: Bestimmt Städte bei euch, in denen Menschen Asyl finden! Die Anweisung dazu habe ich euch durch Mose mitgeteilt: Jeder soll dorthin fliehen können, der ohne Absicht eine Person totgeschlagen hat. Die Städte sollen ihn davor schützen, dass Verwandte des Getöteten an ihm Blutrache üben.'"

Eine Anregung

Warten ist ein Teil des Spiels in der Adventszeit. Warten, dass der Tag der Bescherung kommt. Nicht mehr alle können warten. Doch es gibt auch Situationen, in denen wir keine Wahl haben.

Damit komme ich auf den Freiheitsstein zu sprechen, den man in der Stadt St. Gallen eingemauert am Ostteil des Schlösslis finden kann. Es ist eine Kopie vom einzigen noch vorhanden von insgesamt vier Steinen, die den Freiheitsbezirk zwischen dem Haus "Zur Hofstatt", dem Haus "Hinterm Turm", dem Turm der St. Laurenzen-Kirche, und dem Schlössli am "Spisertor" markierten. 

Erstellt wurde dieser Bezirk, als 1567 die Schiedsmauer zwischen Stiftsbezirk und Stadt vollendet wurde, und so Menschen, die sich vor Blutrache in Sicherheit bringen wollten, die "Klosterfreiheit" auf dem Stiftsbezirk nicht mehr erreichen konnten. Es war Kaiser Rudolf II., welche der Stadt St. Gallen das eigene Asylrecht gab und den Freiheitsbezirk zugestand. Vor allem Personen, welche versehentlich Menschen getötet hatten, flohen in diesen Bereich der Stadt, um sich so vor Blutrache zu schützen. In Asylbereiche Geflüchtete durften weder ausgehungert noch zur Aufgabe des Asyls gezwungen werden. Einmal in der "Freiheit" angekommen, hiess es für die Delinquenten warten, was nicht besonders einfach war. In einem Artikel der St.Galler Nachrichten zum Freiheitsstein schreibt Franz Welte dazu: "Im Freiheits-Bezirk konnten die Täter die Verhaftung hinauszögern, aber nicht für lange Zeit bleiben. Es gab auch kein Haus, in dem sie Unterschlupf fanden. Sie mussten bei hier Wohnenden aufgenommen werden, was schwierig zu erreichen war.".

Nebenbei: Nachdem es Menschen in St.Gallen gibt, die sich wie Wiborada einschliessen lassen, oder wie Gallus in den Wald ziehen, warte ich darauf, dass auch jemand wie ein Todschläger versucht, im Freiheitsbezirk der Stadt Unterschlupf zu finden.

Mir waren diese Asylbereiche auch aus der Bibel bekannt. Dort sind es ganze Städte, in die von Blutrache Verfolgte fliehen konnten. Sie mussten oft ein Leben lang an diesen Orten verbleiben, was einer Art Hausarrest gleichkam. Warten, um zu überleben!

Wir dagegen warten auf das Erscheinen von Gottes Herrlichkeit auf der Erde. Darauf warte ich gerne. Und am Sonntag, 11. Dezember kann dieses Warten in direkter Nachbarschaft zum Freiheitsbezirk von St.Gallen auf besonders eindrückliche Weise bei der Weihnachtreise erlebt werden. Das wäre dann "aktives Warten"!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde