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Samstag, 12. April 2025

Giftig oder nicht?

Ein Zitat

Huflattich am Wegrand.
Foto © Jörg Niederer
"Wer die Geschichten erzählt, regiert die Welt." Sprichwort der Hopi

Ein Bibelvers - 1. Korinther 8,9

"Gebt aber acht! Die Freiheit, die ihr in Anspruch nehmt, darf die Schwachen nicht zu Fall bringen!"

Eine Anregung

Der Huflattich hat eine Geschichte. Früher wurden seine Blätter geraucht, etwa als Asthmazigaretten. Die Blüten kamen in den Salat oder den Tee. Auch ein Salzersatz kann man aus Huflattich gewinnen. Doch nun haben Forschende herausgefunden, dass der Huflattich Pyrrolizidinalkaloide enthält, die wohl Krebs und Leberschäden verursachen.

Seit jüngster Zeit gilt bei Wein der Hinweis, dass er auch in geringen Mengen schädlich sei.

Und so wird so manches, was man früher für heilsam und gut hielt, heute nicht mehr empfohlen. Vielleicht ist es auch noch komplizierter. Was für die einen giftig ist, ist für die anderen ein Segen, ein Gegengift sozusagen. Auch schon sprichwörtlich ist, dass es auf die Dosis ankomme, ob etwas giftig oder bekömmlich sei.

Wie ist das mit dem Glauben: Kann man sich davon auch eine Überdosis einverleiben? Oder ist die Beziehung zu Gott immer bekömmlich?

Da denke ich an das Buch "Gottesvergiftung", das von Tilmann Moser geschrieben 1976 herausgekommen ist. Darin beschreibt er einen Gottglauben, der in ständige Abhängigkeit und Angst führt. Meine Erfahrung mit Gott ist eine andere: Der Glaube hat mich freier gemacht, hoffnungsvoller und zuversichtlicher. Bei mir stimmt die Dosis "Gott".

Übrigens: Mehr Infos zum Huflattich erhält man in einem umfassenden Beitrag von Buschfunkistan.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 29. Dezember 2023

Glückspilz

Ein Zitat

Fliegenpilz
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt Glückspilze, die fallen hin und finden noch etwas dabei." Redensart aus dem Senegal

Ein Bibelvers - Lukas 11,28

"Aber Jesus antwortete: 'Glückselig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und danach leben.'"

Eine Anregung

Früher wurden Menschen, welche schnell und unerwartet zu Reichtum kamen, abwertend "Glückspilze" genannt, in der Bedeutung von Neureichen mit schlechten Manieren, von Emporkömmlingen. Vermutlich lehnte man sich dabei an das englische "mushroom" an, und das kam aus dem Lateinischen und Französischen, wo es "von obskurer Herkunft" bedeutete. Erst ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor das Wort seine abschätzige Bedeutung. Heute ist ein Glückspilz jemand, der sehr oft oder unerwartet viel Glück hat. 

Der charakteristische Fliegenpilz findet sich in der Zeit des Jahreswechsels auf vielen Torten und Neujahrskarten. Er ist zum Glückspilz par excellence geworden. Und da man sich gerade jetzt besonders gern Glück wünscht, teilt er sich mit Marienkäfern und Hufeisen in die Aufgabe, Glücksbote zu sein.

Beim Fliegenpilz steckt aber noch etwas von der alten Bedeutung drin. Wie sonst ist es zu erklären, dass ausgerechnet ein giftiger Pilz zum Inbegriff des Glücks wird? Schnelles Glück hat halt auch etwas Toxisches.

Wohl dem Menschen, der also sein Glück nicht bei Vergänglichem sucht, sondern immerzu fragt: Was soll ich tun, um selbst zum Glück meiner Mitmenschen zu werden? Und einige kluge Menschen, darunter nicht zuletzt Jesus, würden noch anfügen: "Und dann tue oder sei es!" Sei eine Glücksbringerin, ein Glücksbringer!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen