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Samstag, 24. Mai 2025

Geisterunterscheidung

Ein Zitat

Am Kormoran scheiden sich die Geister. Bei Romanshorn gibt es um die 130 Brutpaare.
Foto © Jörg Niederer
"Und am 14. Juni 1946 blickte Gott auf sein geplantes Paradies und er sprach: 'Ich brauche einen Bewahrer, einen Hirten.' Also hat Gott Trump geschaffen." Aus einem Wahlkampfvideo, das von Donald Trump selbst geteilt wurde.

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,4+10

"Es gibt zwar verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist... Ein anderer hat die Fähigkeit, Wunder zu tun. Ein anderer kann als Prophet reden. Und wieder ein anderer kann die Geister unterscheiden. Der Nächste redet in verschiedenen unbekannten Sprachen, ein weiterer kann diese Sprachen deuten."

Eine Anregung

Bei Romanshorn ist vielleicht die grösste Kormoran-Brutkolonie auf Schweizer Seite des Bodensees zu bestaunen. Hoch in den Wipfeln brüten an die 130 Brutpaare. Es ist ein Kommen und Gehen. Den einen gefällts, andere störts. An Kormoranen scheiden sich die Geister. Besonders den Berufsfischern sind sie ein Dorn im Auge. Denn Kormorane fressen Fische.

Es gibt noch mehr, an dem sich die Geister scheiden. Etwa Muslimische Gräberfelder auf dem Friedhof, oder Tempo-30-Zonen, Autoposer, die Zeitumstellung, veganes Essen, usw.

Die Redensart von der Unterscheidung der Geister spielt auch in der Bibel eine grosse Rolle. Gemeint ist, dass jemand die Fähigkeit besitzt, zu erkennen, ob etwas von Gott kommt und in christlicher Sicht gewünscht ist, oder eben nicht. In Zeiten von Fake-News und urbanen Legenden ist es von zunehmender Wichtigkeit, genau diese Fähigkeit der Geistesunterscheidung zu haben.

Dass einige der einflussreichste Persönlichkeiten auf Unsinn anspringen, als wäre es die pure Wahrheit, ist ausgesprochen gefährlich. Dass es aber gerade viele Christ:innen sind, welche diese Menschen an die Macht gebracht haben oder bringen, zeugt davon, dass es in den frömmsten Kreisen oft nicht weit her ist mit der Unterscheidung der Geistern.

Notorischen Lügner haben nichts verloren in verantwortungsvollen Positionen, selbst wenn sie dann Gebetskreise im Regierungsgebäude einrichten, gegen die Abtreibung und Wokeness sind, und vieles mehr, was manchen christlichen Kreisen schmeichelt. Denn wie heisst es in der Bibel über die Lüge. "Der Herr verabscheut Lippen, die lügen. Tritt einer für die Wahrheit ein, gefällt es ihm." (Sprüche 12,22) Und Jesus selbst nennt in Johannes 8,44 den Teufel als Vater der Lüge: "Wenn er [der Teufel] lügt, so entspricht das genau seinem Wesen. Denn er ist ein Lügner, und alle Lüge stammt von ihm."

In Sache "Scheiden der Geister" sind Kormorane ein kleines Problem. Es gibt viel Dringlicheres, vor allem, dass christliche Kreise nicht immer wieder auf die Lügen der übelsten Zeitgenossen hereinfallen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 23. April 2025

Bischof auf grossem Fuss?

Ein Zitat

Bischof Patrick Streiff steht auf dem Gehsteig am Strassenrand, dieweil eine Stretchlimousine mit feiernden Menschen wieder Fahrt aufnimmt.
Foto © Jörg Niederer
"Chateauneuf, später Siegelbewahrer von Ludwig XII., ist noch im zarten Alter von neun Jahren, als ihm der Bischof zahlreiche Fragen stellt, auf die der Junge recht flotte Antworten weiss. Schließlich meint der Bischof: Du bekommst eine Orange, wenn du mir sagst, wo Gott ist. Du lieber Himmel, gibt der Junge zurück, Sie bekommen zwei Orangen, wenn Sie mir sagen, wo er nicht ist." Autor:in unbekannt

Ein Bibelvers - Matthäus 5,37

Jesus: "Sagt einfach 'Ja', wenn ihr 'Ja' meint, und 'Nein', wenn ihr 'Nein' meint. Jedes weitere Wort kommt vom Bösen."

Eine Anregung

Heute hätte die Wahl des Römisch-katholischen Bischofs in St. Gallen stattgefunden, wenn sie nicht auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Der Tod des Papstes hat der Kirche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn römisch-katholische Bischöfe müssen immer durch den Papst bestätigt werden. Es könnte also noch etwas dauern, bis eine Wahl wieder möglich wird. Darum gibt es hier eine kleine Geschichte eines anderen Bischofs.

Patrick Streiff ist evangelisch-methodistischer Bischof im Ruhestand. Es war 2018 in Budapest. Gerade ist der Bischof seinem Dienstfahrzeug entstiegen, einer bescheidenen Stretchlimousine, dieweil die anderen Konferenzteilnehmenden wieder aufbrechen, um unter und über dem Autodach noch etwas weiterzufeiern.

So sieht es jedenfalls aus. Nein, natürlich hat ein methodistischer Bischof keine Stretchlimousine als Dienstfahrzeug. Ich weiss nicht einmal, ob je ein Bischof dieser Kirche in Europa ein Dienstfahrzeug hatte. Ob Bischof Patrick Streiff in der Limousine war, weiss ich auch nicht mehr. Es könnte sein. Dass er darin bei Sekt und so gefeiert hätte, glaube ich eher nicht. Es würde nicht zu ihm passen.

Das Foto ist lediglich ein Schnappschuss, ein Bild, das eine Geschichte erzählt, eine Erinnerung bewahrt. Ich betrachte es gerne. Es regt die Fantasie an. Die Wahrheit spielt dabei keine Rolle. Alles könnte ja inszeniert sein. Was ich aber garantieren kann: dieses Bild wurde nicht mit künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet. Es ist somit nicht gefaket, keine Lüge. Es ist - ich weiss nicht was. Es ist eben.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 19. Januar 2024

Es war magisch

Ein Zitat

Ein defekter Schirm als Installation auf einem Gehsteig in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Magie ist keine Zauberei. Es sind die wundervollen Momente im Leben die uns geschenkt werden und uns magisch vorkommen." Sylar Wax (Produzent von Zaubertricks)

Ein Bibelvers - 2. Mose 9,23

"Mose reckte seinen Stab zum Himmel empor. Da ließ der Herr es donnern und hageln. Blitze fuhren auf die Erde, und der Herr ließ Hagel auf Ägypten fallen."

Eine Anregung

Von weitem sah es in der Dunkelheit aus, als würde ein zusammengeklappter Schirm mit dem Knauf nach unten wenige Zentimeter über dem Boden schweben. Von weitem nicht zu sehen waren die dünnen Drahtstreben, die den Schirm in dieser Position hielten. Mit jedem Schritt auf die Installation zu schwand aber dieser magisch wirkende Eindruck und machte der schnöden Realität Platz. Beim schwebenden Schirm handelte es sich nicht um Harry-Potter-Zauberei, sondern lediglich um Littering. Am Abend hing dann der defekte Schirm in der Hecke. Nur noch Abfall, ganz sicher nicht mehr Kunst.

Schade, schwebend hat er mir besser gefallen. Die Wirklichkeit ist halt oft banaler, schnöder, langweiliger, hässlicher. Soll ich mir da nicht die Illusion erhalten, statt den Dingen auf den Grund gehen? Mir scheint, dass viele Verschwörungsgläubige genau das tun. Sie wollen nicht richtig hinsehen, weil das dazu führen würde, dass der Zauber des Besonderen schwindet.

Ich habe in meinem Leben erfahren, dass mit dem genauen Hinschauen und in der Folge der End-Täuschung beim vermeintlichen Wunder ein wirkliches Staunen folgt. Gerade auch in der Theologie und bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Bibel habe ich meinen Glauben nicht verloren, sondern neu, tiefer und erfüllender gefunden. Es lohnt sich halt schon, den Kopf nicht in den Sand zu stecken (was übrigens auch Straussenvögel nie tun würden). Allein schon die Vorstellung vom Sand in Mund und Augen... 

Heute will ich mich verzaubern lassen von der wirklichen Welt. Das ist nicht sonderlich schwierig an diesem Tag, sieht doch der frische Schnee, der sich über alles gelegt hat, einfach magisch aus.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 11. Januar 2024

Schnee und Beckenbauer

Ein Zitat

Schnee auf dem Fensterbrett des Büros in St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Die Jugend will halt stets mit G'walt / in allem glücklich sein; / doch wird man nur ein bisserl alt, / dann find't man sich schon drein." Aus dem Hobellied von Ferdinand Raimund

Ein Bibelvers - 1. Johannes 2,17

"Diese Welt und ihre Gier vergehen. Aber wer tut, was Gott will, bleibt in Ewigkeit mit ihm verbunden."

Eine Anregung

Schneeflocken sind kleine Wunderdinge. Im Kern bestehen sie aus Eiskristallen, die aufgrund von Feuchtigkeit und Temperatur wachsen und sich verbinden. So entstehen diese immer sechseckigen Strukturen, die bis zu einem halben Zentimeter gross werden können. 

Allerdings soll es keine zwei identische Schneeflocken geben. Jede Schneeflocke sei ein Unikat und komme über Zeit und Raum hinweg nur einmal vor auf der Welt.

Da frage ich mich: Mit welcher Sicherheit kann das gesagt werden? Es entstehen und vergehen ja jeden Tag Milliarden von Schneeflocken, und das schon seit Millionen von Jahren. Wer will da mit letzter Sicherheit sagen, dass es nicht irgendeinmal in dieser Abfolge von Zeit und Raum doch zwei identische aussehende Schneeflocken gegeben hat? Dass man bis jetzt diese Schneeflockenzwillinge nicht gefunden hat, könnte ja auch daran liegen, dass man nicht intensiv genug danach geforscht hat.

Eine solche Aussage, dass es etwas nicht gibt, ist ja schon an sich eine Behauptung, die ständig in der Gefahr steht, dass genau das was es nicht geben soll, dann doch irgendwo und irgendeinmal entdeckt wird. Kann man überhaupt guten Gewissens sagen, dass es etwas nicht gibt? Viel einfach ist es, eine Sache, die es gibt, zu konstatieren. Und doch gibt es sogar Menschen, die nicht glauben, was offensichtlich ist: Etwa, dass die Erde eine Kugel ist. Was es nicht alles gibt?

Sind etwa Leugnen und Wissen erkenntnistheoretische Geschwister, Zwillingen, die sich mehr gleichen, als dass sie voneinander abweichen? Wie heisst es doch im berühmten Hobellied (Hier von Peter Alexander gesungen): "Da streiten sich die Leut' herum / oft um den Wert des Glücks; / der Eine heißt den Andern dumm, / am End' weiß keiner nix."

Zurück zu den Schneeflocken. In ihrer einmaligen Feinstruktur existieren sie nur eine kurze Zeit, solange sie sich in der Luft befinden. Doch einmal auf dem Boden angekommen, werden sie wieder zu Wasser, oder verbinden sich mit vielen anderen Schneeflocken zu einer Schneedecke oder zu Eis, verlieren unter dem Druck von Ihresgleichen ihre einmalige Form. Aus Unikaten wird eine Masse, in der nicht mehr die einzelne Schneeflocke zählt, sondern der Verbund tausender und abertausender dieser Eiskristalle. Im Hobellied wird diese Entwicklung (auf die Menschheit bezogen) so beschrieben: "...das Schicksal setzt den Hobel an / und hobelt alle gleich".

Oder noch einmal anders gesagt: Jetzt wo Beckenbauer tot ist, bin ich im Vergleich zu ihm und allein aufgrund der Tatsache, dass ich noch lebe, der bessere Fussballspieler von uns zweien. Individualität, Einmaligkeit zählt halt nur für die kurze Dauer, in der wir uns Schneeflocken gleich durch Zeit und Raum bewegen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 25. Mai 2023

Recht haben

Ein Zitat

Die Bibeln in den Gastzimmern der Propstei Wislikofen sind in den Nachttisch eingelassen.
Foto © Jörg Niederer
"Oft sind die Dinge, die wir nicht hören wollen, genau die Dinge, die wir hören müssen." Debby Schlenther

Ein Bibelvers - Psalm 25,5

"Lass mich nach deiner Wahrheit leben und lehre mich! Denn du bist es, Gott, der mir hilft! Auf dich hoffe ich den ganzen Tag!"

Eine Anregung

Eine der häufigen Fragen bei Interviews: "Welches Buch liegt auf ihrem Nachttisch?" In den letzten Tagen war es im Gastzimmer der Propstei Wislikofen, wo ich zwei Tage verbrachte, die Bibel, die nicht nur auf dem Nachttisch lag, sondern die passgenau direkt in eine Aussparung im Holz des Nachttischchens eingelassen war. Eine katholische Bibel, was in einem katholischen Werk zu erwarten ist. Da, an diesem Ort, haben wieder dann auch diskutiert, welche Bibelübersetzung wohl die Bessere sei. Es gibt ja so viele, und so könnte es sein, dass die eine Bibel präziser, genauer, leichter zu lesen ist als andere Ausgaben.

Dann lass ich die folgende Geschichte: "Ein Mann geht zum Rabbi und trägt ihm seinen Streitfall mit dem Nachbarn vor. 'Du hast recht', sagt ihm der Rabbi. Auch der Nachbar kommt zum Rabbi, auch ihm sagt er: 'Du hast recht.' Schliesslich ruft seine Frau aus der Werkstatt: 'Hör mal, es können doch nicht beide recht haben.' Worauf der Rabbi sagt: 'Und du hast auch recht'."

Ich glaube, mit dem Rechthaben ist es genau so. Meist ist die Wahrheit nicht einseitig zu finden, sondern alle haben in gewisser Weise recht. Denn erst miteinander wir ein Ganzes daraus. Die katholische Bibelübersetzung hat recht, auch die lutherische oder zwinglianische. In der Vielfallt und bei all den möglichen Übersetzungsvarianten wird deutlich, dass wir uns der Wahrheit immer nur ansatzweise annähern können. Erst im Miteinander und im Austausch kommen wir ihr auf die Spur. Denn keiner von uns hat die ganze Wahrheit gepachtet.

In der Geschichte mag die Frau des Rabbis recht haben. Es können nicht beide unabhängig voneinander und in ihrem isolierten Verständnis des Ereignisses recht haben. Aber vielleicht könnten beide in einer gemeinsamen Betrachtung des Sachverhalts recht bekommen. Was in der Konsequenz dazu führt, dass die Frau des Rabbis, auch wenn sie recht hat, zugleich auch nicht recht hat. Logisch ist das nicht, aber wahr kann es trotzdem sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 24. April 2023

Wahrheit oder Lüge

Ein Zitat

Warnung vor dem gefährlichen Huhn.
Foto © Jörg Niederer
"Wer lügt, hat die Wahrheit immerhin gedacht." Oliver Hassencamp (1921-1988), Kabarettist, Schauspieler und Autor

Ein Bibelvers - Matthäus 26,34+35

"Jesus antwortete: 'Amen, das sage ich dir: In dieser Nacht, noch bevor der Hahn kräht, wirst du dreimal abstreiten, mich zu kennen.' Darauf sagte Petrus zu Jesus: 'Sogar wenn ich mit dir sterben muss – ich werde niemals abstreiten, dich zu kennen!' Das Gleiche sagten auch die anderen Jünger."

Eine Anregung

Es war vor Jahren in Indonesien, als unsere ältesten beiden Söhne noch ganz klein waren. Unterwegs im Land Rover, den ein Bekannter unserer Bekannten fuhr, geschah Folgendes. Die Kinder sassen hinten im Wagen neben meiner Frau. Die Fenster des Fahrzeugs waren auf Fahrerinseite und beim Beifahrersitz geöffnet. Da sah ich am linken Strassenrand, wie ein Hahn versuchte, fliegen vor unserem Auto die Strasse zu überqueren. Doch es reichte nur noch, um beim einen offenen Fenster hineinzufliegen. Dann drehte das Federvieh im Auto eine Runde um uns alle herum, um beim anderen offenen Autofenster wieder das Fahrzeug zu verlassen. Das alles ging in rasender Geschwindigkeit vor sich. Zurück blieben lediglich einige kleine Federchen, und total verdutzte Kinder, die von diesem Erlebnis noch heute erzählen.

Nun die Frage: Ist diese Geschichte wahr oder eine Lüge?

Im übertragenen Sinn gefragt: Hat der Hahn gekräht oder nicht?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 26. September 2022

Ein ereignisreicher Sonntag

Ein Zitat

Anlässlich des Bistumsfests lassen sich vier Ordensschwestern fotografieren, beobachtet von drei Jugendlichen.
Foto © Jörg Niederer
"Der heutige Gottesdienst ist in unserer Tradition Michael und allen Engeln gewidmet. Da ist weit und breit kein Daniel, der im Zentrum steht oder stehen sollte." Der christkatholische Pfarrer Daniel Konrad anlässlich seines Abschiedsgottesdienstes am 25. September 2022 in der Christuskirche St. Gallen.

Ein Bibelvers - Sirach 7,13

"Gewöhne dich nicht an die Lüge; denn diese Gewohnheit bringt nichts Gutes."

Ein Anregung

Manche Tage sind voller Eindrücke und Anregungen. So ein Tag war für mich der gestrige Sonntag.

Da war das Bistumsfest zum 175-Jahr-Jubiläum der Römisch-katholischen Kirche St. Gallen. Der Schnappschuss mit der Fotosession der vier Ordensfrauen, beobachtet von drei Jugendlichen, entstand, als ich dort auf die kostenlose Führung durch die Ausstellung im Gewölbekeller der Stiftsbibliothek wartete. Zuvor war ich auch schon in der Stiftsbibliothek.

Dann der Wechsel in die Christkatholischen Kirche, in der nach 12 Jahren Pfarrer Daniel Konrad seine letzte Amtshandlung hielt, ein Festgottesdienst. Diesen Transfer vollzog ich teilweise mit dem Stadtbus, da es heftig regnete. 

Ich war viel zu früh an der Haltestelle. Dort setze ich mich neben einen rauchenden Mann. Ein Bus kam und fuhr wieder ab. Ein zweiter Bus kam, und fuhr wieder ab. Ein dritter Bus kam und fuhr wieder ab. Jetzt schaute der Mann zur Anzeigetafel und realisierte, dass gerade sein Bus abgefahren war. Offensichtlich wurde er erwartet, und so rief er am Zielort an, um seine Verspätung zu erklären. O-Ton: "Sorry du, jetzt ist mir gerade der Bus vor der Nase abgefahren. Ich bin noch zur Tür gerannt, aber der Typ am Steuer hat mich einfach stehen gelassen." Aus dem weiteren Verlauf des Telefonats konnte ich schliessen, dass dem Mann die Ausrede nicht abgenommen worden war. Etwas frustriert und vor sich hingrummelnd blieb er an Ort und Stelle sitzen.

Die Abschiedsfeier des christkatholischen Kollegen war ein Erlebnis. Musikalisch begann es mit Deep Purple auf der Orgel. Ihre berühmte Vertonung des Casinobrands von Montreux im Jahr 1971, "Smoke On The Water" erklang als Auftakt tongewaltig in der Christuskirche St. Gallen. Deep-Purple-Musik kann man durchaus auf einer Orgel interpretieren, und auch Eric Claptons "Tears in Heaven" (In der Predigt ging es um Jakobs Traum von der Himmelsleiter.) oder der Gospelsong "Down by the Riverside". Letzteres passte gut, ist doch der neuen Wirkort von Daniel Konrad topografisch tiefer und mit Olten auch an einem Fluss, der Aare, gelegen.

Als Methodistinnen und Methodisten wünschen wir Daniel Konrad Gottes Segen und immer einen guten Tropfen zur Hand und Hoffnung im Herzen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde