Posts mit dem Label Inklusivität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Inklusivität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 12. Juni 2025

Wink mit dem Wanderpfahl

Ein Zitat

Jemand hat den Wanderwegweiser inklusiver gestaltet und aus einem stilisierten Wandersmann eine Wandersfrau gemacht.
Foto © Jörg Niederer
"Kronen stellen seltsame Dinge mit den Köpfen darunter an." George R. R. Martin (*1948) in "Das Lied von Eis und Feuer"

Ein Bibelvers - 1. Mose 2,22+23

"Aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, bildete Gott der Herr eine Frau. Die brachte er zum Menschen. Da sagte der Mensch: 'Sie ist es! Sie ist von meinem Fleisch und Blut. `Frau` soll sie heißen und ich `Mann`. Von mir ist sie genommen, wir gehören zusammen.'"

Eine Anregung

Oft habe ich sie noch nicht gesehen; die Wanderwegweiser mit einer stilisierten Frau, statt eines stilisierten Mannes auf der Tafel. Auch auf der Webseite der Schweizer Wanderwege findet sich zu diesem neuen Design nichts.

Kein Wunder. Erst zuhause entdecke ich, dass die lustige Frauenfrisur nachträglich täuschend echt aufgemalt wurde. Eigentlich schade, dass es diese inklusivere Version nicht auch offiziell gibt.

Jedoch stellen sich einige Fragen. Warum gibt es nur männliche Wanderer auf den Schweizer Wanderwegweiser? Gibt es im Ausland Beispiele für Frauenfiguren auf Wegweisern? Erfüllt die Abänderung des Wanderwegweisers den Straftatbestand des Vandalismus? Was macht es mit Wanderinnen, wenn sie stehts diesen Männchen auf den Wegweisern nachlaufen?

In der Zeitschrift Bergwelt konnte man im vergangenen Jahr lesen, dass in der Schweiz mehr Frauen als Männer wandern. Auf der Signalisation wird das aber bis heute nicht berücksichtigt.

Wenn das in unserer stärker inklusiven Welt immer noch der Fall ist, wie war das wohl zur Zeit der biblischen Schriften? Gäbe es etwa mehr biblische Frauengestalten und wären mehr von ihnen in der Bibel zu finden, wenn schon damals die Gleichberechtigung stärker im Fokus gestanden hätte?

Geht man nach den biblischen Schöpfungsberichten, kann es nicht an Gott liegen. Er/Sie hat schon von Beginn der Menschheit an den Menschen als Frau und Mann geschaffen. Selbst im zweiten Schöpfungsbericht ist das so. Erst formte Gott den Menschen. Indem er dann aus einem Teil dieses anfänglich geschlechtslosen Wesens die Frau formte, entstand aus dem anderen Teil der Mann. Man könnte also sagen: Erst als Gott den Menschen auseinander nahm, entstanden die Geschlechter. Oder anders gesagt: Erst aus Mangel an "Frau" wurde "Mann".

Sonntag, 6. August 2023

Frauen in der Kirche

Ein Zitat

Die Seite der heiligen Frauen in der Kirche Agarn im Wallis.
Foto © Jörg Niederer
"Die Kirche wird weiter an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn wir nicht zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern kommen." Johanna Rahner, Theologin in Tübingen

Ein Bibelvers - Römer 16,7

"Grüßt Andronikus und Junia, meine Landsleute, die mit mir im Gefängnis waren. Sie nehmen unter den Aposteln eine herausragende Stellung ein. Auch haben sie schon vor mir zu Christus gehört."

Eine Anregung

Zur Seelsorgeeinheit Turtmann im Wallis gehört auch die römisch-katholische Kirche Agarn. Der dortige Kirchenbau ist jung, geht auf das Jahr 1923 (100-Jahr-Jubiläum!) zurück und wurde zu Ehren der Rosenkranzkönigin erstellt.

Auffällig sind die Glasfenster. Auf der einen Seite der Kirche befinden sich lauter heilige Männer, auf der andern Seite nur heilige Frauen. Vielleicht sass man in dieser Kirche einst bei den Gottesdiensten geschlechtergetrennt, die Frauen links unter den Abbilder der heiligen Frauen, die Männer rechts unter den Abbildern der heiligen Männer. Die dargestellten heiligen Frauen sind von links nach rechts Caecilia, Agnes, Clementina, Theresia, Elisabeth, Sophia, Dorothea und Aloisia. Eine ähnliche Parität zwischen Heiligen Frauen und Männern findet sich auch in der Rumänisch-orthodoxen Kirche St. Gallen.

Diese Gleichwertigkeit der Geschlechter in der Kirche gefällt mir. Dazu passt auch, dass heute an den meisten Orten Frauen und Männer gemischt in den Kirchenbänken Platz nehmen. Vor Gott sind ja bekanntlich alle Menschen gleich (oder bezieht sich diese Aussage auf das Gesetz?).

Auf der Suche nach Informationen zur Kirche bin ich auf der Webseite gelandet von der Seelsorgeeinheit Turtmann. Dort ist mir noch etwas aufgefallen. Unter der Rubrik "Team" ist mit dem Genderstern die inklusive Sprache umgesetzt. Es könnte also sein, dass die paritätische Sichtbarkeit von heiligen Frauen und Männern in der Kirche Agarn ihre inklusive Wirkung entsprechend entfaltet hat.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 7. November 2022

Rassismusdiskussion trotz inklusiveren Bischofswahlen

Ein Zitat

Screenshot aus der Pressekonferenz der Louisiana Annual Conference mit dem neuen indigenen US-Bischof David Wilson.
Foto © Louisiana Annual Conference
"Wir werden nie die Kirche sein, die wir sein wollen, wenn wir farbige Menschen wie eine Ware behandeln, die man leicht wegwerfen oder benutzen kann, dann wenn wir Fototermine, Führungsqualitäten und die Stimmen der Farbigen brauchen." Pfarrerin Sharon Austin an den Bischofswahlen der Southeastern Jurisdiction

Ein Bibelvers - 1. Mose 9,18+19

"Noahs Söhne Sem, Ham und Jafet hatten zusammen mit ihm die Arche verlassen. Ham war der Vater von Kanaan. Von diesen drei Söhnen Noahs stammen alle Völker der Erde ab."

Eine Anregung

In der vergangenen Woche wurden an den fünf Juristiktionalkonferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche in den USA 13 neue Bischöfinnen und Bischöfe gewählt. Dabei zeigte sich eine grosse Vielfalt unter den Gewählten. Sieben neue Bischöfinnen stehen sechs neuen Bischöfen gegenüber. In der South Central Jurisdiction wurde erstmals ein Angehöriger der indigenen Bevölkerung zum Bischof gewählt. David Wilson gehört zum Volk der Choctaws von Oklahoma. Die selbe Jurisdiction wählte mit Pfarrerin Delores "Dee" Williamston erstmals eine African American ins Bischofsamt. Die Northeastern Jurisdiction wählte mit Héctor Burgos zum ersten Mal einen Latino zum Bischof. Besonders "divers" wählte die Western Jurisdiction. Mit Carlo A. Rapanut wurde erstmals ein Migrant von den Philippinen als Bischof in den USA gewählt. Weiter wurde die Latina Dottie Escobedo-Frank gewählt. Und als dritten neuen Bischof wählten die Delegierten mit Cedrick D. Bridgeforth zum ersten Mal einen homosexuellen African American ins Bischofsamt. 

Ganz anders in der Southeastern Jurisdiction. Dort traten Personen verschiedenster Volksgruppen und unterschiedlicher Herkunft zur Wahl an. Zuletzt wurden nach zwei Pfarrpersonen aus der "weissen" Bevölkerungsschicht der USA auch noch ein African American zu Bischöfinnen und Bischöfen gewählt. Sowohl in der Southeastern wie auch in der Western Jurisdiction führten rassistische Erfahrungen im Wahlprozess zu Diskussion. In der Western Jurisdiction wurde dies gar hinter verschlossenen Türen in einer sogenannten "Geschlossenen Sitzung" beraten. Verschiedene Frauen und Männer hatten das Wahlverfahren als demütigend und verletzend erlebt. 

Einige erinnerten auch daran, dass das jurisdiktionale System der US-amerikanischen Methodistinnen und Methodisten 1939 eingerichtet wurde, auch um zu verhindern, dass Bischöfe aus dem liberalen Norden Einfluss nehmen könnten auf den segregationistisch geprägte Süden, und anders herum. Damals wurde auch die Central Jurisdiction gebildet, in der alle Kirchgemeinden mit vorwiegend afrikanischstämmigen Gläubigen von den vorwiegend "weissen" Kirchgemeinden separiert wurden. 

Auch wenn es die Central Jurisdiction heute nicht mehr gibt, ist der Rassismus in der Kirche noch nicht überwunden. Insgesamt ist man an diesen Wahlen in den USA aber einen grossen Schritt in Richtung einer inklusiveren und vielfältigeren Kirche gegangen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde