Posts mit dem Label Nahrung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nahrung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 13. Mai 2025

Ein Trank, der heilt

Ein Zitat

Ein Goldstaub-Taggecko labt sich im Gewächshaus des Botanischen Gartens St. Gallen am Nektar einer Dyckia-Blüte.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder braucht Brot, das ihn sättigt; / jeder den Trank, der ihn heilt; / jeder ein Wort, das ihn froh macht; / jeder ein Leben, das bleibt." Hartmut Handt (*1940)

Ein Bibelvers - Sprüche 30,28

"Die Eidechse kann man mit Händen fangen, aber sogar in Königspalästen geht sie ein und aus."

Eine Anregung

Nein, ich war nicht schnell einmal in Madagaskar, und auch nicht im Terrarium eines Zoos. Ich war im Botanischen Garten St. Gallen. Dort gedeihen nicht nur viel Pflanzen, sondern unerwarteter Weise auch einige Tierchen. Dem Goldstaubgecko gefällt es offensichtlich gut. Er findet alles, was es zum Leben braucht. Die bunten kleinen Tierchen huschen überall herum und geniessen die Vielfalt der Pflanzen und das feuchtwarme Klima. Wer weiss, vielleicht finden die Geckos unter dem Glasdach genau den Trank, der sie nicht nur stärkt, sondern auch heilt.

Übrigens: Im Botanischen Garten findet am 2. September 2025 der Eröffnungsanlass zur Schöpfungszeit statt mit einer Flechten-Spezialistin, Führungen durch die Pflanzenwelt, einer gottesdienstlichen Feier und natürlich auch mit "Brot, das ... sättigt" und mehr. Thema: "Konkurrenz und Symbiose". Am Besten reserviert man sich diesen Abend ab 18.00 Uhr schon einmal in der Agenda.

Mittwoch, 16. August 2023

Im Trüben fischen

Ein Zitat

Der Bruchwasserläufer ist als Zugvogel Gast an unseren Teichen und in unseren Sümpfen. Hier sammelt der kleine Vogel am Ägelsee in Frauenfeld neue Kräfte für die Weiterreise.
Foto © Jörg Niederer
"Es gibt Menschen, die Fische fangen, und solche die nur das Wasser trüben." Sprichwort

Ein Bibelvers - Johannes 6,68+69

"Simon Petrus antwortete [Jesus]: 'Herr, zu wem sollten wir denn gehen? Du sprichst Worte, die ewiges Leben schenken. Wir glauben und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes!'"

Eine Anregung

Der Bruchwasserläufer ist ein fleissiger Zeitgenosse. Unermüdlich läuft er im seichten Wasser auf und ab, sucht sich im Schlick sein Futter. Bruchwasser, das ist das Wasser, das über Brüchen (Sumpf- und Moorland) steht, also das sumpfige, morastige Wasser. Der Bruchwasserläufer gehört damit zu den Tieren, die im wörtlichen Sinn "im Trüben fischen". Wenn ich das richtig beobachten konnte, schützt der Bruchwasserläufer dabei die Augen beim Eintauchen ins Wasser durch die sogenannte Nickhaut (von lateinisch "nictitans" = blinzeln) vor den aufwirbelnden Sedimenten. Bei uns in der Schweiz ist er auf seinen Reisen zwischen dem Brutgebiet in Nordeuropa und dem Überwinterungsgebiet in Afrika anzutreffen.

Manchmal komme ich mir wie ein im medialen Sumpf suchender Bruchwasserläufer vor. Dann taste ich in der Masse des Geschriebenen, der Fülle des Gesagten, Gesehenen und Gehörten nach dem, was mein Leben nährt. Ich suche nach einem lebendigen Wort, nach einer hoffnungsvollen Sicht, nach einem Freudenklang des Lebens. Ich stochere im Trüben, mehr tastend und mit halb verschlossenen Augen. Meist ist dann nicht das, was viel Staub aufwirbelt, das, was mir gut tut. Doch zwischen aufstiebenden Schlagzeilen findet sich mitunter eine Perle, ein Nährstück, das mir mundet, das mir schmeckt, mich aufbaut und wieder bereit macht für den nächsten Abschnitt meiner Lebensreise. Dafür bin ich dankbar.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 25. August 2022

Nahrungsmittelüberfluss oder Food Waste?

Ein Zitat

Abgeerntetes Gemüse bei Iznang, Deutschland auf der Hörihalbinsel
Foto © Jörg Niederer
"Food Waste ist eine Begleiterscheinung von Wohlstand. Nur wer Hunger nicht kennt, wirft Lebensmittel weg. In unserem Essen steckt viel Arbeit und Energie. Wir sollten ihm deshalb alle mehr Sorge tragen." Jacques Bourgeois, Ehemaliger Direktor des Schweizerischen Bauernverband

Ein Bibelvers - 2. Mose 16,15c+16

Mose über das Manna: "Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt. Der Herr hat geboten: Sammelt davon so viel, wie jeder zu essen braucht. Einen Krug pro Kopf sollt ihr holen, jeder so viel wie Personen zu seinem Zelt gehören."

Ein Anregung

Herbst ist Erntezeit. Nach dem trockenen Frühjahr und Sommer sind schon viele Felder abgeerntet. Bei den Trauben und dem Getreide rechnet man mit 30% weniger Ertrag. Die Essiggurkenbauern dagegen haben das Problem, dass die Gurken zu schnell wachsen. Über Nacht sind sie zu gross und passen nicht mehr in die Einmachgläser. Vielleicht sind auch die Zucchettis auf dem Foto zu schnell gewachsen. Bei der Ernte wurden sie auf dem Feld zurückgelassen, und werden wohl bald mit den zu unförmigen Tomaten und Peperoni untergepflügt. 

In den Läden gibt es Normgemüse, auf den Feldern Food Waste. Ich habe gelesen, dass Im Schnitt jedes dritte Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren geht oder verschwendet wird. 

Wir leisten uns einen Nahrungsmittelüberfluss. Das ist auch jetzt nicht anders, wo das Klima die Lebensbedingungen stark beeinflusst. Bleibt nun der Dank im Hals stecken oder als unverkäufliches Gemüse auf dem Feld liegen?

Wenn in der Bibel aufgezeigt werden soll, wie gut Gott für uns sorgt, dann zeichnen die dortigen Geschichten ein Bild des Überflusses. Da wird ein Land beschworen, in dem "Milch und Honig" (3. Mose 20,24) fliessen. Das "Brot der Wüste" das Manna (2. Mose 16), ist jeden Tag neu in ausreichender Menge vorhanden. Die wunderbare Brotvermehrung, die mit fünf Broten und zwei Fischen begann, endete damit, dass alle 5000 Männer und ihre Familien satt wurden und immer noch 12 Körbe voller Essen übrigblieben (Markus 6,30-44). Und in Epheser 1,7c+8 heisst es: "So reich ist seine [Gottes] Gnade. Er gewährt sie uns über jedes Maß hinaus und schenkt uns alle Weisheit und Einsicht."

Nicht der Überfluss ist das Problem. Das Problem ist, dass es noch immer Menschen gibt, die nicht genug haben, während andere im Überfluss leben. Dabei ist in Gottes Schöpfung alles darauf ausgelegt, dass sie uns genug, ja mehr als genug zum Leben wachsen und werden lässt.

Es ist so: Zum Erntedank gehört zwingend das Teilen, bis jeder Mensch Grund zur Dankbarkeit hat.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 18. März 2022

Pflanzliches, das nach Fleisch schmeckt

Ein Zitat

Planted-Produkte im Verkaufsregal von Coop
Foto © Jörg Niederer
"Cibi innocentes, unschuldige Speisen, sind Speisen, die ohne Blutvergießen gewonnen werden." Hieronymus (347–420)

Ein Bibelvers - 1. Mose 1,29

"Gott sprach: 'Als Nahrung gebe ich euch [den ersten Menschen] alle Pflanzen auf der Erde, die Samen hervorbringen – dazu alle Bäume mit Früchten und Samen darin.'"

Ein Anregung

Beim heutigen "Photo-a-day"-Wort "gepflanzt" (Englisch: planted) hätte ich vor einigen Monaten an Psalm 1 gedacht und an den Baum, der Frucht bringt, weil er am Bach wurzelt. 

Aber nun gibt es bei uns auch "planted"; das ist eine Label und ein Lebensmittelproduzent mit Sitz im schweizerischen Kempthal. Hergestellt wird dort pflanzliches Fleisch. Also etwas, das nicht vom Tier kommt aber schmeckt und aussieht, als käme es vom Tier. Die Produkte sind deutlich umweltverträglicher als Fleisch. Damit kann viel Wasser und CO2 eingespart werden. 

Allerdings frage ich mich, warum man pflanzliche Nahrung so verarbeiten muss, dass es wie Fleisch schmeckt? Warum darf es nicht nach Gemüse oder Getreide schmecken? Warum braucht es diese Form von Convenience Food, und warum muss alles in Englisch angeschrieben werden wenn es doch aus der Schweiz kommt?

Der gesellschaftliche Wandel ist an diesem Produkten mit Händen zu greifen. Convenience Food, Ersatzfleisch, englischsprachige Vermarktung. Im Gegensatz zu Nahrung aus Insekten bleiben diese "planted"-Produkte in den Regalen der Supermärkte. Es bewegt sich etwas. Unsere Konsumwelt scheint an nicht versiegenden Ideenquellen zu wurzen und wuchert ungebremst in immer neue Dimensionen - vielleicht sogar bis in den Himmel. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "schauen" (looking).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde