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Mittwoch, 11. Dezember 2024

Lichter für die Religionsfreiheit

Ein Zitat

Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt von Winterthur.
Foto © Jörg Niederer
"Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden." Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 8,1

"An diesem Tag begann für die Gemeinde in Jerusalem eine schwere Verfolgung. Mit Ausnahme der Apostel zerstreuten sich alle über das Gebiet von Judäa und Samarien."

Eine Anregung

Heute ab 18.00 Uhr organisiert die Hilfsorganisation Christian Solidarity International (CSI) an vielen Orten Mahnwachen aus Solidarität für Glaubensverfolgte. Dazu schreibt CSI auf der Webseite: "Weltweit werden Millionen von Menschen wegen ihres Glaubens diskriminiert und verfolgt. viele davon sind Christen. Mit der Mahnwache setzen wir ein Zeichen und beten gleichzeitig an über 60 Orten in der Schweiz für Glaubensverfolgte."

Auch in Winterthur, da wo dieses Foto der Weihnachtsbeleuchtung aufgenommen wurde, findet eine Mahnwache statt, und zwar am Oberen Graben in der Altstadt.

Auch das ist eine Adventsentdeckung, dass Menschen gerade in der Zeit, in der dem Kommerz Lichter entzündet werden, einige Lichter für Menschen angezündet werden, die ihren Glauben nicht offen leben können.

Wer nun in Weinfelden, Frauenfeld, St. Gallen oder anderswo sich der Mahnwache anschliessen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. In Frauenfeld findet die Mahnwache beim Sämannsbrunnen statt, in St. Gallen beim Brunnen in der Marktgasse und in Weinfelden beim Bahnhof/Postpärkli.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Montag, 15. April 2024

Souvenir von Solferino

Ein Zitat

Anschrift in Solferino anlässlich des 110. Jahrestags der Genfer Konvention.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das Leben des Einzelnen heilig ist, ist es auch das Leben der Nation. Wenn der vereinzelte Mord mit Recht vom Weltgewissen verdammt wird, um wieviel mehr müsste von ihm die macht- und verhängnisvolle Organisation des Totschlages, die der Krieg darstellt, verdammt sein." Henry Dunant (1828-1910)

Ein Bibelvers - Jakobus 4,1-3

"Woher kommen die Kämpfe unter euch und woher die Streitigkeiten? Kommen sie nicht aus euren Leidenschaften, die in eurem Innern miteinander streiten? Ihr verlangt alles und bekommt nichts. Ihr geht über Leichen, seid gierig vor Neid, doch ihr erreicht dadurch nichts. Ihr kämpft und führt Kriege. Aber ihr habt nichts, weil ihr Gott nicht bittet."

Eine Anregung

Henry Dunant, das Rote Kreuz und die Genfer Konvention kennt in der Schweiz jedes Kind. Die Versorgung der Verwundeten der Schlacht von Solferino vom 24. Juni 1859 durch die ansässige Bevölkerung wurde zum Beispiel für eine kleine Schrift "Un souvenir de Solferino", und im Gefolge zur Gründung des Internationalen Roten Kreuzes. 

In den Zusatzprotokollen und der Genfer Konvention sind die international geltenden Regeln festgehalten, wie Menschen, die nicht mehr oder nicht an Kriegen teilnehmen, behandelt werden sollen. Auch einschränkende Faktoren der Kriegsführung wurden darin für alle Völker verbindlich reglementiert.

Schaut man aber auf die heutige Kriegsführung, fällt auf, dass nach wie vor die Zivilbevölkerung überproportional Opfer von Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen wird. Krieg führt immer zu Menschenrechtsverletzungen.

In den neuen Sozialen Grundsätzen, die der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (sie beginnt am 23. April), zur Annahme vorgelegt werden, heisst es: "Im Einklang mit internationalen Gesetzen und Verordnungen protestieren wir nachdrücklich gegen den Einsatz von Folter, Sklaverei, Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschheit und Aggressionsverbrechen seitens irgendeiner Regierung, und verlangen, dass die strengsten internationalen Sanktionen in solchen Fällen auferlegt werden."

Weiter steht da: "Die Kirche beklagt den Krieg und alle anderen Formen gewalttätigen Konflikts und drängt auf eine friedliche Beilegung aller Streitigkeiten. Wir sehnen uns nach dem Tag, wann es keinen Krieg mehr geben wird und Menschen gemeinsam in Frieden und Gerechtigkeit leben werden.
Wir bestehen darauf, dass alle friedlichen und diplomatischen Lösungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor es zu bewaffneten Konflikten kommt..."

Ob diese revidierten Sozialen Grundsätze an der Generalkonferenz angenommen werden, wird an der Kriegsführung und den zivilen Opfern leider nichts ändern. Aber es ist eine klare Botschaft an alle Kriegsparteien, dass unsere kirchliche Priorität der Frieden und die Linderung menschlichen Leids sind. Beten wir für Frieden an allen Orten. Suchen wir den Frieden, wo er zu finden ist. (Psalm 34,15)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Donnerstag, 20. April 2023

Konzernverantwortung bleibt ein Thema

Ein Zitat

Die Fahnen zur Konzernverantwortung hängen wieder an Gebäuden in der Schweiz und erinnern Bundesrat und Parlament an ein gegebenes Versprechen.
Foto © Jörg Niederer
"Unser Respekt vor der allen Menschen innewohnenden Würde lässt uns einstehen für die Anerkennung, den Schutz und die Umsetzung der Prinzipien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, so dass Gemeinschaften und Einzelpersonen ihre universalen, unteilbaren und unveräußerlichen Rechte in Anspruch nehmen können." Aus dem Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Bibelvers - 1. Mose 9,6

"Wer das Blut eines Menschen vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden. Denn Gott hat den Menschen als sein Ebenbild gemacht."

Eine Anregung

Sie hängen wieder, die Fahnen zur Konzernverantwortungsinitiative, auch am Gebäude der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen. Die Initiative wurde damals von der Kirche offiziell unterstützt. Sie erhielt 2020 eine Mehrheit der Stimmen, ging aber am fehlenden Ständemehr verloren. Im Vorfeld der Abstimmung versprach Bundesrätin Karin Keller Sutter, sie werde sich für ein "international abgestimmtes" Konzernverantwortungsgesetz und für "gleich lange Spiesse" für Konzerne in der Schweiz und in Europa einzusetzen. In der Zwischenzeit ist die EU in dieser Sache weiter als die Schweiz.

Daher wurde in der Schweiz eine Petition an Bundesrat und Parlament eingereicht. Innerhalb von nur 100 Tagen kamen 217'509 Unterschriften zusammen.

Nach wie vor besteht Handlungsbedarf. Gerade wieder wurde publik, dass durch ein Beauty-Produkt von Nestlé der brasilianische Agrarkonzern Marfrig unterstützt wird, der für Brandrodungen im Amazonas und Völkerrechtsverletzungen an den Indigenen verantwortlich ist. Aber auch die UBS ist verwickelt in illegale Abholzungen im Amazonas.

Es sind immer auch wieder Partnerorganisationen und Teile der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche, die von solchen Machenschaften grosser Konzerne aus der Schweiz mitbetroffen sind. Das ist auch ein Grund, warum das Anliegen nach wie vor unterstützt wird. Entscheidend aber bleibt der Einsatz für die Würde des Menschen. So heisst es in den Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche: "Handel und Investitionen sollten auf Regeln basieren, die die Menschenwürde, eine saubere Umwelt und unser gemeinsames Menschsein achten." (IV. Die wirtschaftliche Gemeinschaft / K) Handel und Investitionen)

Mehr aktuelle Informationen gibt es auf der Seite der Koalition für Konzernverantwortung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 8. Juli 2022

Die zehn Gebote des Jean Ziegler

Ein Zitat

Historisches Flanellbild von Mose und den Gesetzestafeln.
Foto © Archiv EMK

"Solange ich atme, hoffe ich."
Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.)

Ein Bibelvers - 2. Mose 20,1

"Gott sprach alle diese Worte: Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus dem Land Ägypten herausgeführt – aus dem Leben in der Sklaverei."

Ein Anregung

Ein bisschen wie Mose ist der Soziologe und langjährige SP-Nationalrat Jean Ziegler schon. Dem 88-Jährigen Mitglied im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UNO geht es wie einst Mose um die Befreiung geknechteter Menschen. Kein Wunder, gibt es von Jean Ziegler auch eine Version der 10 Gebote. Hier ist sie: 

  1. Höre deinem Gegner zu und respektiere seine Meinung!
  2. Gib nie auf, für deine Überzeugung, für Aufklärung und Freiheit zu kämpfen! 
  3. Vermeide Arroganz und Eifersucht! 
  4. Verletze nie jemanden in seiner Menschenwürde! 
  5. Übe unendliche Geduld in deinem Kampf gegen die kannibalische Ordnung der Welt! 
  6. So wie du behandelt werden möchtest, behandle jeden anderen! 
  7. Was auch immer dir zustösst, lass die Hoffnung nicht sterben! 
  8. In allem, was du tust, denkst, sprichst oder träumst, soll Liebe deine letzte Motivation sein! 
  9. Lebe jeden Tag, als sei er der letzte! 
  10. Sei dankbar für jeden Moment deines Lebens! 

Mir gefällt besonders die Aussage: "Lass die Hoffnung nicht sterben!" Das können wir gut gebrauchen, angesichts pessimistischer Zukunftserwartung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde