Posts mit dem Label Licht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Licht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 30. August 2025

Runde Spitzen

Ein Zitat

Das Licht wirft durch einen gläserner Dessertteller kronenförmig spitze Strahlen auf den den Tisch.
Foto © Jörg Niederer
"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen." Leo Tolstoi (1828-1910)

Ein Bibelvers - Psalm 36,10

"Denn bei dir ist die Quelle des Lebens. In deinem Licht sehen wir das Licht."

Eine Anregung

Es sind diese gewöhnlichen kleinen gläsernen Dessertteller. Sie haben regelmässige runde Erhebungen und Vertiefungen auf der Aussenseite, und wirken so besonders dekorativ. Ein bisschen Old Style sind sie schon, auch etwas aus der Mode gekommen. So ein Desserttellerchen steht vor mir. Das Licht dringt durch das Glas hindurch und bricht sich an den weichen Formen. Eine Krone aus Lichtspitzen erscheint auf der Tischoberfläche.

Wunderschön. Warum ist mir das noch nie aufgefallen, wie dieser Teller auf seinem Lichtmuster zu schweben beginnt. Das Licht zaubert das Beste aus dem Glas. Gott, das Licht der Welt, kann dein Bestes in dir und durch dich zum Leuchten bringen.


Ab dem 1. September wird es keine Blogs mehr geben unter dieser Adresse oder per Mailingliste. Ich werde aber auch weiterhin Blogs schreiben und Fotos posten auf der neuen Seite "NNN - Nicht Nur Natur". Aktuell ist dort noch nicht viel zu sehen. Aber man kann diesen Blog schon einmal abonnieren, oder die Seite anderweitig vormerken.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 20. Juli 2025

Zwei Seiten

Ein Zitat

Glasfenster der Heiligen Cäcilie in der Katholischen Kirche Niederuzwil, von innen und von aussen betrachtet.
Foto © Jörg Niederer
"Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen." Konfuzius (551-479 v.Chr.)

Ein Bibelvers - Matthäus 5,15

Jesus: "Es zündet ja auch niemand eine Öllampe an und stellt sie dann unter einen Tontopf. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, damit sie allen im Haus Licht gibt."

Eine Anregung

Noch einmal ein Glasfenster aus der Katholischen Kirche Niederuzwil. Diesmal ist es das Fenster mit dem Bildnis der Heiligen Cäcilie. Es befindet sich sinniger Weise über der Empore mit der Orgel. Denn die Heilige ist die Schutzpatronin der Kirchenmusik.

Einmal ist das Fenster auf dem Foto von aussen zu sehen, das andere mal von innen. Was auffällt: Das Licht muss von der anderen Seite durch das Fenster einfallen, damit die Farben aufleuchten. Sonst bleibt das Fenster blass und unscheinbar.

Das kann man auch auf uns Meschen übertragen. Erst wenn das Licht von dem, der sich als Licht der Welt bezeichnet hat, durch uns hindurchscheint, werden wir selbst zu einem leuchtenden Zeugnis für andere.

Ich wünsche dir, dass Gottes Licht dein Sein zum Leuchten bringt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 4. Mai 2025

Perfekte Landung

Ein Zitat

Perfekte Landung eines Höckerschwans bei Romanshorn auf dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Wer immer auch behauptet, Glück komme mit dem Sonnenschein, hat noch nie im Regen getanzt." (Herkunft unbekannt)

Ein Bibelvers - Psalm 74,12+16

"Doch Gott ist mein König seit Urzeiten... Dir gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Eine Anregung

Elegant landet ein Höckerschwan auf dem in der Morgensonne flimmernden Bodensee. Sein Tag beginnt voller Licht.

Das wünsche ich auch allen, die heute einen Gottesdienst besuchen oder sich daran beteiligen. Möge das Licht der Auferstehung diesen Sonntag verzaubern und hoffnungsvoll stimmen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 21. Januar 2025

Fiat Libri

Ein Zitat

Die Karosserie eines Fiat Topolino vor einem Bibelvers der Agentur C.
Foto © Jörg Niederer
"Was ist ein FIAT auf einem Berg? Ein Wunder!" Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Genesis 1,3

"Gott sprach: 'Es soll Licht werden!' Und es wurde Licht."

Eine Anregung

Schauen wir die Welt doch einmal auf Lateinisch an. Da wäre die etwas ramponierte Karosserie eines Autos der Marke Fiat. Fiat kommt aus dem Lateinischen und heisst übersetzt: "es geschehe", "es werde". Wahrscheinlich kommt dir jetzt auch die neureligiöse Bewegung "Fiat Lux" von Erika Bertschinger-Eicke alias Uriella in den Sinn. "Es werde Licht" könnte man "Fiat Lux" folglich übersetzten, eine Aussage aus dem ersten Schöpfungsbericht der Bibel. Da steht in 1. Mose 1,3: "dixitque Deus fiat lux et facta est lux". Das versteht man, auch wenn man kein Latein spricht.

In unserem Fall handelt es sich bei der Karosserie um einen Fiat Topolino. In dieser Bezeichnung ist nun Latein mit Italienisch vermischt. "Topolino" ist Italienisch und bedeutet "Mäuschen". "Lass es ein Mäuschen werden" könnte man nun übersetzten. Vielleicht ein Gedanke der Designer dieses Kultautos. Die könnte sich gesagt haben: "Lass es klein werden".

Mir wurde diese Autohülle zu einem "kleinen Lichtanzünder", führte mein Blick doch darüber hinweg zu jenem Bibelspruch an der Mauer des angrenzenden Hauses. "Bibel" ist altgriechisch. Das bedeutet ja bekanntlicherweise auf Deutsch "Buch" oder auf Lateinisch "libri". Damit wären wir also bei der heutigen Überschrift "Fiat Libri". Das ist keine Automarke, sondern der Hinweis: "Es werde Bibel".

Es könnte aber auch ganz anders sein. Der Friedhof von Huttwil ist nur wenige Schritte weg von dieser Strassenrandszene, die auf dem Foto abgebildet ist. Vielleicht habe wir es hier ja mit einem Autofriedhof zu tun. Dazu würden Bibelverse auch passen. In unserem Fall ist die Aussage auf dem Plakat der Agentur C in Römer 5,1 zu finden: "Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus." Da kann man nur sagen: "Lieber Fiat Topolino, ruhe in Frieden!" Vielleicht bis zu einer nicht allzu fernen Auferweckung in der Autowerkstatt.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 20. Dezember 2024

Von Hoffnung erfüllt

Ein Zitat

Bischof Stefan Zürcher anlässlich des Abendmahlsgottesdienstes der Zentralkonferenz-Exekutive 2024 in Wien.
Foto © Jörg Niederer
"Weihnachten erinnert uns daran dass Jesus in diese Welt gekommen ist; er unsere Hoffnung, unsere Freude, unser Licht." Bischof Stefan Zürcher in seiner Weihnachtsbotschaft 2024

Ein Bibelvers - Jesaja 12,2

"Ja, Gott ist meine Rettung. Ich bin voll Vertrauen und fürchte mich nicht. Denn Gott, der Herr, ist meine Zuflucht, von ihm singe ich in meinem Lied. Er hat mir die Rettung gebracht."

Eine Anregung

Die Weihnachtsbotschaft des evangelisch-methodistischen Bischofs Stefan Zürcher geht aus vom bekannten Taizé-Lied: "Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht."

Angehört und angesehen werden kann die knapp 4 Minuten dauernde, mutmachende Botschaft auf Youtube.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 30. November 2024

Wegesleuchten

Ein Zitat

Die Gemeine Wegwarte blüht mitunter bis weit in den Winter hinein.
Foto © Jörg Niederer
"Die Füsschen wurzeln am Boden ein / Zur Blume wurde der Augen Schein. / Sie fühlt’s und fühlt’s wie im Traume, / Sie wartet am Wegessaume." Aus dem Gedicht "Die Wegwarte" von Isolde Kurz (1853-1944)

Ein Bibelvers - Psalm 119,105

"Dein Wort ist eine Leuchte für meinen Fuss und ein helles Licht auf meinem Lebensweg."

Eine Anregung

Das wünsche ich mir an diesem Tag: Das mir am Weg etwas wartet, das Farbe in diese graue, monochronen Zeit bringt. So wie die Gemeine Wegwarte, die mir auch in diesen Tagen noch mit zarten Blüten zuwinkt.

In Schlesien wird diese essbare Pflanze auch "Hundslauf" oder "Wegleuchte" genannt. Schon seltsam, wie diese beiden Benennungen je die Gedanken auf unterschiedliche Wege führen.

Möge uns der Weg auch heute leuchtend hell entgegenkommen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 3. November 2024

Das Leuchten des Herbstes

Ein Zitat

Eine späte, taugenässte Sonnenblume blüht dem Winter entgegen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn es mir schlecht geht, alles scheinbar dunkel um mich herum ist, hilft es mir, an das zu denken, was gut und licht in einem Leben war und ist." Karin Dembek

Ein Bibelvers - Psalm 103,2

"Lobe den Herrn, meine Seele! Und vergiss nicht das Gute, das er für dich getan hat!"

Eine Anregung

Gestern drang vier-, fünfmal das Licht der Sonne durch den Nebel hindurch. Nur kurze Zeit. Nicht da, wo ich meines Weges zog.

Doch dann leuchtete mir eine andere Sonne. Die taunasse Lichtrose, unter dem Strahlen früherer Sternstunden erblüht, lachte über den Nebel, dem es nicht gelingen wollte, sie vor meinen Blicken zu verbergen. Sonnenblumenleuchten.

Da gibt es diese heiteren Momente in unserem Leben. Sie leuchten auch noch Jahr später in unserer Erinnerung auf und tun uns unsäglich gut. Gerade dann, wenn es dunkel geworden ist. Darum: "Vergiss nicht das Gute." Gott hat es für dich getan.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Kerzenleuchten

Ein Zitat

Eine junge Frau zündet in der Kathedrale San Lorenzo in Lugano eine Gebetskerze an.
Foto © Jörg Niederer
"Wie weit die kleine Kerze Schimmer wirft! / So scheint die gute Tat in arger Welt." William Shakespeare (1564–1616)

Ein Bibelvers - 1. Mose 1,3

"Gott sprach: 'Es soll Licht werden!' Und es wurde Licht."

Eine Anregung

Einfache Rituale. Vieles an Kirchen funktioniert nicht mehr. Aber so eine Kerze anzünden, das geht noch. Vielleicht verbunden mit einem Gebet. Vielleicht auch nicht. Ein stilles Tun. Selbst dann, wenn es im Menschen schreien sollte. Wie heissen jene, für die die Kerzen flackern? Was erwarten die, welche so an sie denken? 

Einfache Rituale. Vielleicht verbunden mit einem Versprechen. Vielleicht auch Sinnbild der Leere. Vielleicht ein Dank, der da im Halbdunkel lichtelt.

Ich stelle mir vor: Da kommt einer, und bläst die Kerzen alle aus, als stünden sie auf einer Geburtstagstorte. Sind dann auch die Gebete, Versprechungen und die Leere wie weggeblasen?

Ich stelle mir vor, dass ich sitzen bleibe, bis meine Kerze erlischt. Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Worauf achte ich? Welche Gefühle und Bilder überfallen mich?

Ich kneife die Augen zusammen. Die Flammen werden zu unsteten Sternen. Ich starre durch sie hindurch, bis jedes Licht zweimal leuchtet. Hindurchsehen durch alle Sorgen. Hindurchsehen, durch das Vordergründige. Den Durchblick bekommen, das möchte ich.

Und wieder tritt jemand hinzu, entfacht eine weitere Kerze. Sie leuchtet. Darauf kommt es an. Dass Licht werde. Wie am jüngsten Tag.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 22. Dezember 2023

Advent mit Johannes

Ein Zitat

Glasfenster von Hermann Meyer, Ausgeführt von Hans Drenckhahn (1878-1953) in der Reformierten Kirche Degersheim.
Foto © Jörg Niederer
"Die Stille der Heiligen Nacht, die das wohl bekannteste Weihnachtslied besingt – wie verträgt sie sich mit der Weihnachtsbotschaft aus dem Prolog des Johannes-Evangeliums, das die Menschwerdung, ja Fleischwerdung des göttlichen Wortes ansagt?" Prof. Dr. Eberhard Jüngel (1934-2021). 2009 in der NZZ

Ein Bibelvers - Johannes 1,4+5

"Er, das Wort, war zugleich das Leben in Person. Und das Leben war das Licht für die Menschen. Das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht angenommen."

Eine Anregung

Hast du dir den Evangelienschreiber Johannes so vorgestellt? Dunkle Haut, fast schwarzes Haar! Aber vielleicht ist ja der Täufer Johannes auf dem Glasfenster von Hermann Meyer (1878-1961) in der Reformierten Kirche Degersheim abgebildet. Nun, das Aussehen ist nicht so wichtig, und die dunklen Haare und die braungebrannte Haut passen ja gut zu einem Menschen aus dem Nahen Osten.

Der Evangelienschreiber Johannes hat, wie schon Markus, einen speziellen Zugang zur Geburtsgeschichte von Jesus. Wie bei Markus gibt es sie beim ihm nicht. Dafür spricht er auf ganz eigene Weise von Jesus. Vom Wort Gottes, das von Anfang an war, das alles geschaffen habe, was auf Erden ist, und (so übersetzt die Lutherbibel), dieses Wort wurde Fleisch beziehungsweise diese Wort wurde Mensch (Basisbibel). Aber nicht nur dieses Bild von Jesus wird durch Johannes gezeichnet. Im gleichen Atemzug spricht er auch vom Wort Gottes, von Christus, als vom Licht das in die Finsternis leuchtet.

Auch ohne Maria, Josef, Engel und Jungfrauengeburt gelingt es dem Evangelisten mit den ersten Zeilen seines Evangeliums, das ganz Besondere von Jesus herauszustreichen. Gott wird Mensch, Wort wird Fleisch. Im Leben von Jesus sieht Johannes Gottes Licht in der Dunkelheit aufleuchten. Genau das ist doch die Botschaft von Weihnachten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Dienstag, 28. November 2023

Kann es denn wirklich sein...

Ein Zitat

Sonnenaufgang im Thur-Vorland bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Eine rhetorische Frage ist eine Art von Frage, die keine Antwort erwartet oder verlangt." aus: textcortex.com

Ein Bibelvers - 1. Mose 3,1

"Die Schlange war schlauer als alle anderen Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: 'Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?'"

Eine Anregung

Simon Enzler, der Kabarettist aus dem Appenzell, echauffiert sich in einem seiner Programme über Leserbrieffloskeln. Besonders die oft verwendete einleitende rhetorische Frage: "Ist es denn wirklich möglich, dass..." bringt ihn richtiggehend in Rage. Da werde gefragt, ob es denn wirklich möglich sei, dass einige Jugendliche am Bahnhof herumlärmen würden. Natürlich sei das möglich, der Leserbriefschreiber habe es doch selbst erlebt. Ja, wozu diese Frage? Es komme ja auch keinem in den Sinn, zu fragen: Kann es denn wirklich sein, dass an jedem Morgen die Sonne aufgeht?

Warum eigentlich nicht? Sind wir uns denn so sicher, dass an jedem Morgen die Sonne von neuem aufgehen wird? Weil es in der Vergangenheit mehrere Milliarden Jahre lang so gewesen ist, muss es ja nicht so weitergehen. Es könnte also durchaus sein, ja wissenschaftlich ist es sogar garantiert sicher, dass es zum Tag kommen wird, an dem aus Erdperspektive die Sonne nicht mehr aufgehen wird.

So frage ich: Kann es den wirklich sein, dass an jedem Morgen die Sonne aufgeht? Die Antwort: Nein. Aber vorläufig und auf einige hundert Menschengedenken hinaus ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie es noch tun wird. Es ist eben schon Gnade, dass uns die Sonne in einer lebensförderlichen Weise scheint.

Frage: Kann es denn wirklich sein, dass du dafür Gott heute noch nicht gedankt hast?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 6. Oktober 2023

Lichtblicke

Ein Zitat

Späte Sonnenblumen blühen auf einem Feld bei Wertbühl im Kanton Thurgau.
Foto © Jörg Niederer
"In die kleinen Dinge hat der liebe Gott die großen Freuden hineingelegt." Honoré de Balzac (1977-1850)

Ein Bibelvers - Psalm 16,11

"Du [Gott] zeigst mir den Weg zum Leben. Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer."

Eine Anregung

Es gibt Tage, die plätschern so dahin. Und dann gibt es Tage, an denen die Lichtblicke in grosser Zahl aufeinanderfolgen. Das muss nichts Grossartiges sein. Eine späte Sonnenblume blüht dir entgegen. Eine überraschende und unerwartete Begegnung lässt das Herz höher schlagen. Gestern sah ich auf einem Feld einige Kiebitze auf ihrer Reise rasten, just an der Stelle, an der sie schon vor einem Jahr eine Pause einlegten. Am gleichen Tag bringt jemand Nachdenkenswertes mit in eine Gruppendiskussion. An solchen Zeichen des Himmels halte ich mich fest. Sie helfen mir auch über die Tage, die ohne grosse Höhepunkte so dahinschwinden. Ich nehme sie auf, diese Freudenvorräte, und wieder hervor, in freudarme Zeiten.

Möge der heutige Tag dir vielfältig freudenreich entgegenleuchten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 17. Dezember 2022

Der Charakter-Weihnachtsbaum

Ein Zitat

Der geschmückte Charakter-Weihnachtsbaum in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.
Foto © Jörg Niederer
"Am Ende eines Tages sollten deine Füße dreckig sein dein Haar zerzaust und deine Augen leuchten vor Freude." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Ezechiel 43,1+2

"Der Mann führte mich zum Tor, das im Osten lag. Dort sah ich den Gott Israels in seiner Herrlichkeit aus dem Osten kommen. Es rauschte wie gewaltige Wassermassen, und die Erde erstrahlte von seiner Herrlichkeit."

Eine Anregung

In diesem Jahr ist es ein richtiger Charakterbaum. Keiner dieser extra für Weihnachten gezüchteten Edel-Tannen oder Laufsteg-Modellfichten. Einer, der im Wettstreit ums Licht Konkurrenz hatte. Das sieht man ihm an, ist doch eine Seite weitgehend astfrei. Als wäre der Baum der Länge nach entzweigeschnitten. Ich mag ihn, gerade weil er Äste lassen musste, weil er nicht abseits, an einem Platz an der Sonne stehen konnte, sondern in Nachbarschaft zu anderen, ihm zu nah gekommenen Hölzern. Nun ist sein neuer Platz also in der Methodistenkirche in St. Gallen. Der Baum ist eine echte Weihnachts-Augenweide geworden. Geschmückt von Nina, Levin, Franziska und Jimmy lässt er den Kirchenraum aufstrahlen.

Jemand hat beim ersten Eindruck gesagt: "Mir gefällt die Tanne nicht". Ich denke mir aber: Endlich einmal ein Weihnachtsbaum, der zu uns als Gemeinde so richtig gut passt. Auch wir sind keine Modell-Gemeinde, sondern eine mit Licht- und Schattenseite, eine, bei der wir zusammenstehen, und alle etwas hergeben (müssen) für die andern. Eine Gemeinde die Luft nach oben hat. Eine Gemeinde, die aufstrahlen kann im Licht der Liebe Gottes. Eine Charaktergemeinde, die nun die Weihnachtszeit mit einem Charakterbaum feiern darf. 

Morgen um 10.15 Uhr an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen geht es los mit Musik von Oliver Kopeinig und einer weihnachtlichen Bildbetrachtung von Jörg Niederer. Und es geht los mit diesem ganz besonderen Weihnachtsbaum aus den Hügeln des Appenzellerlands.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Der 50%-Weihnachtsbaum

Ein Zitat

Ein Deko-Weihnachtsbaum ist nur zur Auslage hin mit Lichterkugeln geschmückt.
Foto © Jörg Niederer
"Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern." Jeanne Moreau (1928-2017)

Ein Bibelvers - Matthäus 23,27+28

Jesus: "Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen! Denn ihr seid wie Gräber, die frisch gekalkt sind: Von außen sehen sie gepflegt aus, aber innen sind sie voll von toten Knochen und Unreinem. So seid auch ihr: Von außen seht ihr aus wie Gerechte. Aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet das Gesetz."

Eine Anregung

Dieser Weihnachtsbaum steht in einem Restaurant, in dem ich vor einigen Tagen ausgezeichnet gegessen habe. Er hat eine "Schokoladenseite", man könnte auch sagen, eine "schöne Fassade". Passantinnen und Passanten, die aussen am Restaurant vorüberschlendern, sehen ein hell erleuchtetes Bäumchen. Einmal im Haus, hat die Anziehungskraft des Lichts ihren Dienst getan. Die den Gästen zugewandte Seite bleibt ungeschmückt. Auch so kann man Energie sparen. Statt zwei Lichterketten wird nur eine verwenden. Immerhin eine 50%-Einsparung. Jedoch versichere ich, dass dies nicht aufs Essen abgefärbt hat. Die Speise war gar, durch und durch, und nicht nur zur Hälfte zubereitet.

Mir stellt sich bei diesem halbleuchtenden Baum wieder einmal die Frage: Wo zeige ich eine schöne Fassade? Wo ist bei mir nichts dahinter?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 11. August 2022

Sorghum - das Brot aus der Dürre

Ein Zitat

Sorghum wird auch in Frauenfeld angebaut.
Foto © Jörg Niederer
"Eine harte Hand züchtet dürre Pflanzen." Armenisches Sprichwort

Ein Bibelvers - Johannes 6,35

"Jesus entgegnete: 'Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern. Und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.'"

Ein Anregung

Sorghum wurde einst südlich der Sahara domestiziert aus wilden Süssgräsern. Äthiopien gilt als Ursprungsland der heute landwirtschaftlich bedeutendsten Sorte. Immer noch ist Sorghum das wichtigste Getreide in Afrika. Etwa ab 2000 v. Chr. ist diese Hirseart auch in Indien nachgewiesen. In Ägypten wurde sie in frühislamischer Zeit bedeutsam. 

Erstaunlicher Weise ist aber nicht ein afrikanisches Land Spitzenreiter bei der Produktion, sondern die USA mit 9,5 Mio. Tonnen, gefolgt von Nigeria (6,4 Mio. Tonnen), Äthiopien (5 Mio. Tonnen) sowie Indien und Mexiko (je 4,7 Mio. Tonnen). 

Die Pflanze ist wärme- und lichtliebend. Sie hält Trockenheit gut aus. Wen wundert es, dass das Sorghum auf dem Hof von Anita und Christoph Friedinger in Frauenfeld auch ohne Pestizide und trotz Trockenheit frisch und gesund aussieht.

Sorghum ist eine angemessene Antwort auf das veränderte Klima. Das beweist die Kulturpflanze schon seit vielen tausend Jahren in heissen und trockenen Gebieten. Es ist, als hätte da jemand vor langer Zeit vorgesorgt. Mitten im dürren Land wächst Brot heran. Brot des Lebens.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 7. August 2022

Die Dunkelheit durchschreiten

Ein Zitat

In einem Fussgängertunnel in der George de la Jogne
Foto © Jörg Niederer
"Grabe einen Tunnel der Hoffnung durch einen dunklen Berg der Verzweiflung." Martin Luther King (1929-1968)

Ein Bibelvers - Psalm 23,4

"Und muss ich durch ein finsteres Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich."

Ein Anregung

Licht am Ende des Tunnels hilft bei der Orientierung. Dort ist das leuchtende Ziel eines dunklen Weges. Doch es ist nicht gut, dieses Licht unverwandt zu fixieren. Der Blendeffekt führt dazu, dass die Dunkelheit um einen herum noch dunkler erscheint. Alles ist einfach Schwarz.

Beim Auto-Tunnelbau wird dies berücksichtigt, indem die Tunnelenden in einer Kurve auslaufen. Autofahrerinnen und -fahrer werden so weniger geblendet oder abgelenkt.

Als wir vor einigen Tagen durch Galerien der Georges de la Jogne (Jaunschlucht) wanderten, konzentrierten wir uns auch auf die Dunkelheit, um so die Unebenheiten des Bodens besser erkennen zu können.

Es macht Sinn, der Dunkelheit im Leben Beachtung zu schenken. Schritt für Schritt heisst es sie zu durchtasten, sie zu durchstossen, sie hinter sich zu lassen. So kommt man dem Licht immer näher und steht unvermittelt wieder in der Sonne des Lebens. 

Für heute wünsche ich uns Einsicht und Erhellung, ob nun im finsteren Tal oder im Moment, in dem wir aus der Dunkelheit ans Licht treten.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 27. Mai 2022

Der Hahn und das Licht - eine Morgenfabel

Ein Zitat

Als trüge der Hahn ein Körnchen Licht im Schnabel.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Hahn am Morgen vertreibt Schatten und Sorgen." Sollte jemand behaupten, nicht der Hahn oder das Huhn, sondern der Kaffee bewirke dies, wäre diese Person noch nicht auf dem neusten Stand der Erkenntnisse und sollte unbedingt weiterlesen!

Ein Bibelvers - Epheser 5,14

"Und alles, was vom Licht erleuchtet ist, wird selbst zum Licht. Deswegen heißt es: 'Wach auf, du Schläfer, und steh auf vom Tod! Dann wird Christus dein Licht sein.'"

Ein Anregung

Licht bedeutet Leben. Im Licht der Sonne erstrahlen die Geschöpfe Gottes.

Der Hahn lebt nicht nur vom aufgesammelten Korn allein. Morgens, wenn es noch dunkel ist, pickt er nach dem seltenen Klümpchen Licht, das sich am Tag zuvor im Schmutz des Hühnerhofs verfangen hat, wirft es in die Luft, fängt es gekonnt auf und schluckt es hinunter. Nun leuchtet das Lichtklümpchen aus seinem Inneren, bringt sein Federkleid in schönsten Braun- und Blautönen zum Erstrahlen.

Wenn der Gockel sich aber - noch vor dem ersten Sonnenstrahl - aufstellt, den Kopf in die Höhe reisst und zu einem lauten Kikeriki ansetzt, entsteigt aus seinem Kehlkopf das Licht, und während es hinaufschwebt, verschmilzt es mit den leuchtenden Rufen tausender anderer Hähne (und Hennen, die in ihrem Singen bescheidener, in ihrer Lichtkraft den Hähnen aber ebenbürtig sind). Bald schon ballt sich die Lichtsaat des Hühnervolks zum Sonnenrund zusammen und lässt den Tag von Ost nach West erstrahlen. Das ist, weshalb beim ersten Hahnschrei der Tag anbricht.

Einmal ganz ehrlich: Nicht nur Hühner und Hähne können das. Auch wir Menschen vermögen mit unseren Entdeckungen, Worten und Gesängen den Tag hell und licht werden zu lassen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 1. Mai 2022

Der Auferstandene begleitet uns

Ein Zitat

Wandgemälde in der Kirche St. Pietro in Cadenazzo
Foto © Jörg Niederer
"Wir preisen deinen Tod. Wir glauben, dass du lebst. Wir hoffen, dass du kommst zum Heil der Welt. Komm, o Herr! Bleib bei uns! Komm, o Herr, Leben der Welt!" Christiane Gaud-Descouleurs

Ein Bibelvers - Matthäus 13,43

Jesus: "Aber alle, die nach Gottes Willen leben, werden im Reich ihres Vaters strahlen wie die Sonne."

Ein Anregung

Dieser Tage stand ich im Seitenschiff der Kirche St. Pietro in Cadenazzo vor diesem Bild und musste an die Worte der Liederdichterin und Autorin Christiane Gaud-Descouleurs denken: "Wir glauben, dass du lebst. Wir hoffen, dass du kommst zum Heil der Welt"

Christus, leuchtend wie die Sonne über dem Lago Maggiore. Christus, in den Tod getauft, zu neuem Leben erweckt. Christus, der Strahl Gottes in die Dunkelheit der Welt.

Es geht um das Heil der Welt. Darum: "Komm o Herr! Bleibe bei uns! Komm o Herr, Leben der Welt!"

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 8. März 2022

Licht und Schatten

Ein Zitat

Lichtspiel im Wasser der Thur zwischen Flaach und Ellikon
Foto © Jörg Niederer
"Alle Flüsse, auch die schillerndsten, die, die in ihrem Lauf die Sonne einfangen, alle Flüsse fließen zum Meer hinunter und vergehen. So wartet das Leben auf den Menschen, wie das Meer auf den Fluss wartet." Simone Schwarz-Bart (geb. 1938)

Ein Bibelvers - 1. Könige 11,1+2

"König Salomo hatte neben der Tochter des Pharao viele ausländische Frauen, die er liebte: Frauen aus Moab, Ammon, Edom, Sidon und Hetiterinnen. Sie stammten aus Völkern, vor denen der Herr die Israeliten gewarnt hatte: 'Verbindet euch auf keinen Fall mit ihnen! Sonst wenden sie euer Herz ihren Göttern zu.' Doch Salomo hing an diesen Frauen und liebte sie."

Ein Anregung

Mein "Photo-a-day"-Bild zum heutigen Schlüsselwort "schillernd" (dazzling) zeigt die Spiegelungen der Sonne im Wasser der Thur. Das Wasser, das über die Kieselsteine fliesst, lässt die Schatten wild tanzen und hüpfen.

Schillernde Persönlichkeiten zeichnen sich durch Licht und Schatten aus. Ist da mehr Licht? Ist da mehr Schatten?

Ist bei mir mehr Licht? Ist bei mir mehr Schatten? Das ist die Frage, der ich mich heute stelle. 

Morgen folgt ein Bild zum Wort "Ehre" (glory).


Photo-a-day Lent 2022: Eine methodistische Webseite schlägt für die Fastenzeit vor, jeden Tag ein Foto zu teilen, das von einem bestimmten Wort inspiriert ist. Diese Sache nennt sich "Photo-a-day Lent 2022". So könne man sich der Fastenzeit auf eine neue Weise annähern. Die Bilder soll man mit #rethinkchurch taggen. Weitere Erklärungen zum Bild brauche es nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 26. September 2021

Ein Baum kehrt um

Ein Zitat

Kurios gewachsener Baum an der Lorze bei Unterägeri
Foto © Jörg Niederer
"Der auf halbem Weg umkehrt, irrt nur um die Hälfte." Sprichwort

Ein Bibelvers - Johannes 8,12

"Ein anderes Mal sprach Jesus zu den Leuten. Er sagte: 'Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, irrt nicht mehr in der Finsternis umher. Vielmehr wird er das Licht des Lebens haben.'"

Ein Anregung

Dass Stämme von Bäumen in Hanglagen die typische Alphornform ausbilden, ist an vielen Orten zu beobachten. Doch der fotografierte Baum kehrte ganze 270° um, nachdem er wohl einige Zeit durch äussere Umstände in die falsche Richtung gezwungen wurde. Bäume wachsen, wenn sie können, selbstverständlich dem Licht entgegen, was auch diesem Baum dann schlussendlich gelang.

Umkehren ist immer dann geboten, wenn die Richtung nicht mehr stimmt. Das ist bei Bäumen so wie auch bei Menschen. Wenn Menschen sich nach dem ausrichten, der von sich gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt", dann erfolgt die Umkehr so selbstverständlich wie bei den Bäumen.

Manchmal will man die Notwendigkeit zur Umkehr nicht wahrhaben: "Nur weitergehen, irgendwo gibt es dann schon einen Ausweg". Und so zieht sich die Umkehr dahin, und der Weg zum Licht wird immer länger.

Also wünsche ich euch an diesem Sonntag eine schnelle Einsicht in jede geforderte Umkehr. Verliert das Licht Gottes nicht aus den Augen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Donnerstag, 2. September 2021

Ich vermisse die Nacht meiner Kindheit

Ein Zitat

Bald wird es Nacht über Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ich liebe die Nacht. Ohne die Dunkelheit würden wir die Sterne nie zu sehen bekommen." Stephenie Meyer, Autorin von Twilight

Ein Bibelvers - Psalm 74,12+16

"Doch Gott ist mein König seit Urzeiten. Er vollbringt rettende Taten mitten auf der Erde:... Dir gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Ein Anregung

Ich vermisse die Nacht meiner Kindheit. Damals konnte ich aus meinem Schlafzimmerfenster die Milchstrasse mit ihrem Sternenschweif über unserem Haus entdecken. Nicht irgendwo fernab von den Siedlungen, sondern mitten in der Stadt Olten. Auch damals war es in den Strassen nicht stockfinster. Aber Lichtverschmutzung war noch kein Thema. Und Sputnik zog seine Bahn, beobachtet von meinem Vater und mir.

Ich weiss, Licht in der Nacht gibt auch Sicherheit. Doch es schafft keine Geborgenheit. Das kann die Dunkelheit. In der Nacht legt sich selbst das Meer zur Ruhe. Das wussten auch amerikanischen Ureinwohner und fuhren mit ihren Kanus in der Dunkelheit hinaus.

Die Nacht ist ein Geschenk Gottes. Er schied, so der Schöpfungsbericht, das Licht von der Finsternis. Nicht nur der Tag ist gottgewollt, auch die Nacht, die Dunkelheit.

Heute ist die Kameratechnik so gut, dass sich immer mehr Menschen die Astrofotografie zutrauen. Es häufen sich die Bilder der Milchstrasse über nächtlichen Landschaften.

Ich weiss, es gibt diese Orte, an denen ein Himmel voller Sterne hängt. Aber da wo ich lebe, würde Gott einem Abraham nicht viel versprechen, wenn er ihm so viele Nachfahren verheisst, wie Sterne am Himmel.

Ich vermisse die Nacht meiner Kindheit. Ich vermisse die Stille unter dem glitzernden Himmelszelt.

Wie hast du es mit der Nacht?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde