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Sonntag, 10. August 2025

No-Trump-Tag

Ein Zitat

Aufdringliche Stockente in Küssnacht am Rigi.
Foto © Jörg Niederer
"Tierfreunde lesen am liebsten Boulevardzeitungen. Der vielen Enten wegen." Markus M. Ronner (1938–2022) Schweizer Theologe, Publizist und Journalist

Ein Bibelvers - 1.Korinther 15,25+26

"Denn Christus muss so lange herrschen, bis Gott ihm alle seine Feinde zu Füßen gelegt hat. Der letzte Feind, den er vernichten wird, ist der Tod."

Eine Anregung

Sie war richtig aufdringlich, diese Stockente am See in Küssnacht am Rigi. Ständig unterschritt sie die Naheinstellgrenze meines Kamera-Objektivs, ständig kam sie mir zu nahe.

So geht es mir auch mit Donald Trump. Während mir die Trickfilmente Donald Duck noch Freude bereitet, kommt mir dieser andere Donald deutlich zu nahe. Jeden Tag sein Gesicht in der Zeitung, jeden Tag wird über ihn und seine Eskapaden berichtet, Trump hier, Trump dort, Trump überall.

Darum plädiere ich für einen No-Trump-Tag pro Woche. Warum nicht jeden Sonntag? Das würde wohl unserem Seelenheil so richtig gut tun. Wir könnten uns auf einen richtigen Erlöser ausrichten, einen Heiland nicht nur für die Reichen.

Also: Streicht Herrn Trump wenigstens am Sonntag aus allen Medien und bringt uns Gute Nachricht! 

Was ich in jedem Fall tun kann: Ich lasse mich von diesem sogenannt mächtigsten Mann der Welt nicht mehr ärgern oder mir den Tag verderben. Es ist Sonntag. Kein Tag für selbsternannte Götter. Es ist Sonntag. Da soll alles Freude sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 27. Juli 2025

Gute Nachrichten

Ein Zitat

Die zwei Glasfenster von Gian Casty aus dem Jahr 1966 in der Evangelischen Kirche Kurzrickenbach nebeneinandergestellt. Sie stellen die 4 Evangelisten dar.
Foto © Jörg Niederer
"Gesetz ist, was wir tun sollen; Evangelium aber, was Gott geben will." Martin Luther (1483-1546)

Ein Bibelvers - Markus 1,1

"Die Gute Nachricht von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Anfang und Grundlage."

Eine Anregung

Am Freitag fielen mir in der Evangelischen Kirche Kurzrickenbach, da wo heute das Open Place zu finden ist, die beiden Glasfenster auf. Gian Casty hat sie im Jahr 1966 angefertigt.

Dem Bündner Künstler gelang der Durchbruch, als seine Christophorus-Scheibe 1955 vom Bund erworben und dann Papst Pius XII. zum 80. Geburtstag überreicht wurde.

Die abgebildeten Glasfenster stellen die vier Evangelisten dar mit ihren Symbolen: Der Mensch (immer wieder auch als Engel dargestellt) für Matthäus, der Löwe für Markus, der Adler für Johannes und der Stier für Lukas.

Evangelium bedeutet auf Deutsch: Gute Nachricht, frohe Botschaft. Vermutlich wird heute in der Kirche in deiner Nähe aus einem der Evangelien gelesen, ganz egal, ob du da bist oder nicht. Ganz egal, ob du heute die Kirche besuchst oder nicht, die Evangelien sind auch gute Botschaft an dich.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sonntag.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 22. Juli 2025

Sonntagmorgen in Spreitenbach

Ein Zitat

Kaum jemand ist am Sonntagmorgen unterwegs beim Shoppi Tivoli in Spreitenbach
Foto © Jörg Niederer
"Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertigbringt." Marcel Aymé (1902–1967)

Ein Bibelvers - 2. Mose 32,6

"Am nächsten Tag standen sie früh auf und brachten Brandopfer und Schlachtopfer dar. Das Volk setzte sich nieder. Sie aßen und tranken. Dann standen sie auf, um sich zu vergnügen."

Eine Anregung

Sonntagmorgen in Spreitenbach. Die Strassen sind menschenleer vor dem Shoppi Tivoli, da wo sich sonst der Verkehr staut und die Menschenmassen ihre Einkäufe mehr oder weniger lustvoll tätigen. Eine Frau steigt in das leere Tram, Zürich zu. Das sonst quirlige, 1950 als Satellitenstadt für bis zu 35'000 Einwohner:innen geplante Siedlungsgebiet zeigt sich von ungewohnt ruhiger Seite. Später, auf dem Weg zum Heitersberg-Gipfel, wenn Flugzeuge über uns dröhnend Urlauber aus- und einfliegen, wünschen wir uns ironisch in das stille Spreitenbach zurück, dahin wo das ersten Einkaufszentrum der Schweiz entstand. Später fusionierte es mit einem zweiten Einkaufszentrum zum heutigen Shoppi Tivoli.

Anfänglich profitierte die verhinderte Stadt vom Konkubinatsverbot im Kanton Zürich. So zogen viele unverheiratete Paare nach Spreitenbach, das im Kanton Aargau liegt. Dort durfte man ohne Trauschein schon früher zusammen wohnen als ist der nahen Weltstadt Zürich. Während der Ölkrise und der Wirtschaftsflaute der 1970er Jahre brachen die hochfliegenden Ideen der Städteplaner in sich zusammen. So ist Spreitenbach auch heute noch ein Dorf. Ein städtisch wirkendes Dorf mit knapp 12'500 Einwohner:innen.

Etwas später landen wir im alten Bauerndorfkern. Dort herrscht auch kein hektisches Treiben. Aber es ist deutlich mehr los, als vor dem verwaisten Shoppi Tivoli. Uns begegnen viele ältere Menschen. An der alten, paritätischen Kirche führt der Wanderweg hinauf zum Wald. Wir sehen sie nur von aussen. Daneben steht eine viel grössere Kirche direkt angrenzend zum naturnahen Friedhof. Auf ihrer Spitze kräht der protestantische Hahn. Im Innern entpuppt sich diese sogenannt neue, aber auch schon alte Kirche als römisch-katholisches Gotteshaus.

Der Friedhof ist nicht unter den Sehenswürdigkeiten von Spreitenbach gelistet. Das erlaubt die Pietät wohl nicht. Dabei sollte er das. Selten sah ich einen so idyllischen Totenacker, und noch nie in direkter Nachbarschaft zu einem Ortsteil, der mit dem Namen Tivoli an die von Kaiser Hadrian gebaute, etwa 30 Kilometer von Rom entfernte, vergnügliche Sommerresidenz Tibur erinnert.

Den Menschenmassen, welche die Tramlinie 20 wochentags herankarrt, oder die individualverkehrt heranlärmen, bleibt dieser friedliche Ort verborgen. Viele "vergnügen" sie sich lieber mit Einkaufwägelchen. Diese sind im alten Dorfkern nicht erwünscht, wie die überdimensionierten Verbotstafeln, aufgemalt auf den Gehwegen ausgangs des Einkaufstempels, mehr als deutlich signalisieren.

Also: wenn es dich wieder einmal nach Spreitenbach zieht, dann lasse für einmal den Plastik-Einkaufskorb stehen und besuche das alte Spreitenbach mit seinen Kirchen, den alten Bauernhäusern und dem Speicher aus dem 16. Jahrhundert. Auch nicht fehlen darf ein Päuschen auf dem wildromantischen Friedhof. Da ist es fast wie in den Gärten der Villa d’Este oder Villa Gregoriana von Tibur-Tivoli. Man muss ja nicht ewig an diesem friedlichen Ort verweilen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 25. Mai 2025

Ein Tag- und Nachtfalter

Ein Zitat

Ein Ockergelber Blattspanner, gefunden in der Reussebene bei Unterlunkhofen.
Foto © Jörg Niederer
"Erziehung ist alles. Der Pfirsich war einst eine Bittermandel, und der Blumenkohl ist nichts als ein Kohlkopf mit akademischer Bildung." Mark Twain (1835-1910)

Ein Bibelvers - Psalm 66,20

"Gepriesen sei Gott! Er hat mein Gebet nicht abgewiesen und seine Güte nicht von mir genommen."

Eine Anregung

Sonntage erinnern an die Auferstehung. Dafür sind Schmetterlinge oft Symboltiere.

Heute Sonntag grüsse ich mit einem Foto des Ockergelben Blattspanners. Der Nachfalter fliegt auch tagsüber. Sonst gibt es nicht viel Besonderes von ihm zu erzählen. Schön ist er allemal. Grossartig, würde ich sagen, wäre er nicht nur 30 Millimeter gross.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 4. Mai 2025

Perfekte Landung

Ein Zitat

Perfekte Landung eines Höckerschwans bei Romanshorn auf dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Wer immer auch behauptet, Glück komme mit dem Sonnenschein, hat noch nie im Regen getanzt." (Herkunft unbekannt)

Ein Bibelvers - Psalm 74,12+16

"Doch Gott ist mein König seit Urzeiten... Dir gehört der Tag und auch die Nacht. Du hast Mond und Sonne bereitgestellt."

Eine Anregung

Elegant landet ein Höckerschwan auf dem in der Morgensonne flimmernden Bodensee. Sein Tag beginnt voller Licht.

Das wünsche ich auch allen, die heute einen Gottesdienst besuchen oder sich daran beteiligen. Möge das Licht der Auferstehung diesen Sonntag verzaubern und hoffnungsvoll stimmen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 9. März 2025

Krokus am Sonntag

Ein Zitat

Krokusmeer in einem Garten in Rafz.
Foto © Jörg Niederer
"Es blüht, es blüht / kommt alle her, ihr Leute / Der Krokus blüht / so wunderschön / und macht euch / eine Freude.
Der Krokus / läut das Frühjahr ein / in seinen bunten Farben / Er blüht, er blüht / Der Sommer / muss noch warten."
Gerhard Ledwina (*1949)

Ein Bibelvers - Jeremia 17,7

"Segen dagegen für den Menschen, der auf den Herrn vertraut und dessen Zuversicht der Herr ist!"

Eine Anregung

Der Krokus hat, wie viele Pflanzen, auch symbolische Bedeutungsebenen. So wird der Frühlingsblüher, ein Schwertliliengewächs, mit Licht, Liebe, Hoffnung, Tod und Wiedergeburt, sowie Unsterblichkeit und Vergänglichkeit zugleich in Verbindung gebracht.

Wenn ich es mir so überlege, passt diese schöne Blume mit diesen Bedeutungen wunderbar zum Sonntag, dem Tag, an dem wir der Liebe, dem Licht, der Hoffnung und der Ewigkeit Raum geben dürfen. 

Ich wünsche allen einen vom Lebenslicht gesegneten Sonntag.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 2. März 2025

Wanderschuhe am Nagel

Ein Zitat

Vier Paar Schuhe hängen in einem Baum beim Bahnhof Diessenhofen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bete, dass ihr alle eure Schuhe abends weit unter das Bett stellt, damit ihr am nächsten Morgen davor niederknien müsst, um sie zu finden. Und während ihr da so kniet, dankt Gott für seine Gnade und Erbarmen und Verständnis. Wir bleiben alle hinter seinen Erwartungen zurück." Denzel Washington (*1954)

Ein Bibelvers - 2. Mose 3,4+5

"Der Herr sah, dass Mose vom Weg abbog und sich die Erscheinung ansehen wollte. Da rief ihn Gott mitten aus dem Dornbusch: 'Mose, Mose!' Er antwortete: 'Hier bin ich!' Gott sprach: 'Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus! Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.'"

Eine Anregung

Etwas ist zu Ende gegangen. Vier Paar Schuhe hängen im Baum und damit auch am sprichwörtlichen Nagel. Die Anstrengung an den Füssen der einstigen Besitzenden ist den Gehwerkzeugen anzusehen. Sohlen haben sich gelöst, Profile sind abgelaufen. Werktage liegen hinter ihnen, Arbeit, Staub und Schmutz. Nun ruhen sie friedlich. Wind versetzt sie in sanfte Schwingungen. Es ist Schuh-Sonntag geworden. Der Schweiss darf trocknen, das "Gschmäckle" sich verflüchtigen.

Sein wie man ist und sein möchte, auch dafür steht der Sonntag.

Wie sähen Schuh-Gebete aus? Würden sie vom Straucheln erzählen? Von festem Halt auf schlammigem Grund? Von der pflegenden Hand? Wäre die Rede von harten Asphaltabschnitten und federweichen Moorpfaden? Nun da der Schuhsonntag gekommen ist, ist Freiheit und Weitsicht. So ist der Sonntag.

Zuletzt noch dies: Gestern (Siehe Blogbeitrag vom 1. März 2025) erzählte ich vom Abschiedsfest für Matthias Wenk im Domzentrum St. Gallen, und von der Interpretation eines bekannten Werks von Johann Sebastian Bach durch die Cityseelsorgenden Ann-Kathrin Gässlein und Roman Rieger. Mit deren Zustimmung habe ich das Video davon nun auf Youtube stellen dürfen. Viel Freude beim Reinhören.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen


Sonntag, 23. Februar 2025

Was bleibt?

Ein Zitat

Die Lazariterkirche Gfenn bei Dübendorf sieht wie eine Festung aus.
Foto © Jörg Niederer
"Ohne Glauben ist nichts möglich. Mit ihm ist nichts unmöglich." Mary McLeod Bethune (1875-1955)

Ein Bibelvers - Jakobus 2,14

"Meine Brüder und Schwestern! Was nützt es, wenn jemand behauptet zu glauben, sich der Glaube aber nicht in Taten zeigt?"

Eine Anregung

Höchste Zeit, auf meinen Kollegen Pfarrer Stefan Gerber vom gms Studen hinzuweisen. Besonders an einem Sonntag passt das gut. Da kann man sich einen seiner interessanten Podcasts anhören. In seinem neusten Beitrag "Finde deine Wachstumsspur" geht er der Frage nach, was wir in unserem Leben hinterlassen. Ist es nur eine Einstellung, dann bleibt nicht viel. Aber worauf kommt es dann an. Dazu wird von Stefan Gerber der biblische Autor Jakobus hinzugezogen - aber natürlich, wie es sich für einen Methodisten gehört, auch John Wesley. Mehr verrate ich nicht. Unterhaltsam ist seine Rede auf jeden Fall.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 16. Februar 2025

Unterwegs auf einem zauberhaften Weg

Ein Zitat

Fein eingeschneiter Waldweg in der Allmend Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn deine Seele keinen Sonntag hat, dann verdorrt sie." Albert Schweitzer (1875-1965)

Ein Bibelvers - Jesaja 58,13+14

"Geh am Sabbat keine weiten Wege und mach an meinem heiligen Tag keine Geschäfte! Betrachte den Sabbat als ein Vergnügen, und halte den heiligen Tag des Herrn in Ehren. Ehre ihn, indem du nicht auf Reisen gehst, keinen Geschäften nachgehst und keine Verträge schliesst. Dann wirst du am Herrn dein Vergnügen haben... Das hat der Herr selbst gesagt."

Eine Anregung

Ein Sonntag kann wie ein Spaziergang über einen zauberhaften Weg sein. Dazu braucht es das überraschende Element, das, was sonst nicht ist, was fasziniert, vielleicht auch irritiert. Die Begegnungen mit Menschen in diesem 24-stündigen Raum der Liebe Gottes ist ein Geschenk für alle Beteiligten. Ich wünsche uns allen die Neugier und Vorfreude auf das, was uns der Tag bringen wird, an dem Gott von seinen Werken ruhte, dem Tag der Freiheit und der Freude und des Lebens über allen Tod hinaus.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 15. Dezember 2024

Haltestelle Advent

Ein Zitat

Die neu erstellte Postautohaltestelle Illighausen Dorf ist das Adventsfenster vom 13. Dezember 2024.
Foto © Jörg Niederer
"Die Idee ist eine Haltestelle des Gedankens." Henri Bergson (1859-1941), Literaturnobelpreisträger

Ein Bibelvers - Jesaja 51,5

"Meine Gerechtigkeit ist nahe, meine Rettung ist schon auf dem Weg. Mit starker Hand schaffe ich Recht unter den Völkern. Auf mich hoffen die Bewohner der fernsten Inseln. Sie warten darauf, dass ich meine Stärke zeige."

Eine Anregung

Die Postauto-Haltestelle "Dorf" in Illighausen wurde diesen Sommer ganz neu gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes ausgebaut. Sie sieht noch ziemlich jungfräulich aus, womit wir passend bei der Weihnachtsgeschichte angelangt sind. Zudem wurde sie zum Adventsfenster vom 13. Dezember 2024. Für uns war sie am Samstag Adventsentdeckung und Fluchtort vor dem kalten Regen zugleich.

Ein Haltestelle im Verlauf der Woche kann auch der Gottesdienst am Sonntag in der Kirche sein. Heute werde ich in der Methodistenkirche in Weinfelden noch einmal über die Flucht von Lot und seiner Familie predigen. Beginnen wird der Anlass um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10. Dazu sind alle ganz herzlich eingeladen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 11. August 2024

Sonntage sind Schneckentage

Ein Zitat

Schneckenskulptur vom verstorbenen Künstler Bruno Weber (1931-2011) in Dietikon.
Foto © Jörg Niederer
"Ich fragte eine Schnecke, warum sie so langsam wäre. Sie antwortete, dadurch hätte sie mehr Zeit, die Welt zu sehen." Wolfgang J. Reus (1959 - 2006)

Ein Bibelvers - Sprüche 30,29-31

"Drei kommen mit stolzen Schritten daher, und vier haben einen beeindruckenden Gang: der Löwe, der unter den Tieren der Stärkste ist und vor keinem anderen zurückweicht, der Hahn, der unter den Hennen stolziert, der Ziegenbock, der die Herde anführt, und der König, der vor sein Volk hintritt."

Eine Anregung

An Sonntagen eilt nichts. Es kommt nicht darauf an, wie viel du leistest. Sonntage sind Schneckentage. Alles darf ruhig genommen werden. Erholung ist angesagt. Die Musse und Langsamkeit darf auf Besuch kommen, bevor am Montag dann wieder der Stress losgeht. 

Gut, es gibt auch an Sonntagen arbeitende Menschen. Als Pfarrperson gehöre ich dazu. Mein Schneckentag ist halt dann an einem Montag oder an einem Samstag.

Diesen Sonntag ist in Weinfelden aber auch im Gottesdienst ein Schneckentag. Denn wir lernen von den Schnecken, worauf es bei der Christusnachfolge ankommt. Herzliche Einladung dazu um 10.00 Uhr an die Hermannstrasse 10 in Weinfelden. 

Für alle, die sich darauf einstimmen wollen, oder auch als Trostpflaster, weil man nicht dabei sein kann, ein geistlicher Schlager von Andreas Wirth: "Ich danke Gott...".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 27. Mai 2024

Schuhgedanken

Ein Zitat

Baby in Kinderwagen mit schönen, modischen Sonntagsschuhen.
Foto © Jörg Niederer
"Ich könnte es nicht ertragen, wenn jemand auf meine Schuhe schaut und sagt: 'Oh Gott! Sie sehen so bequem aus!'." Christian Louboutin (*1964), Französisch-ägyptischer Schuh- und Taschendesigner

Ein Bibelvers - Psalm 119,133

"Mach meine Schritte fest durch deine Verheissung und gib dem Unrecht keine Macht über mich!"

Eine Anregung

Es gibt sie noch, die Menschen, die am Sonntag besonders herausgeputzt und "gsonntiget" in den Gottesdienst kommen. So wie gestern am ukrainisch-schweizerischen Familiengottesdienst dieses Mädchen in besonders festlichen Schuhen steckte. 

Schuhe. Dem Schuster wird empfohlen, bei seinen Leisten zu bleiben. Seine Kundinnen und Kunden dagegen erobern in von ihm gefertigten Schuhen die Welt. Ich habe gelesen, dass bei jedem Schritt, den wir gehen, das Zwei- bis Dreifache unseres Körpergewichts auf die Füsse wirkt. Kein Wunder, ist da die Schuhwahl von grosser Bedeutung. Nicht immer ist schön auch bequem. Doch es gibt sie, die noch von Hand gefertigten, an den Fuss individuell angepassten, modisch zeitlosen und bequemen Schuhe. Dafür wird oft ein Vermögen ausgegeben. Imelda Marcos, die Frau des einstigen philippinischen Diktators, besass über eintausend Schuhe der Grüsse 39,5. In solchen Zusammenhängen redet man auch von Schuhfetischismus.

Gute Schuhe erleichtern das Leben ungemein. Ich denke jetzt besonders an das Servicepersonal, das oft die ganze Arbeitszeit auf den Beinen verbringt und so in ihren Schuhen lange Strecken zurücklegt.

Leider haben Schuhe auch die Eigenschaft, schmutzig zu werden. Da ich etwas schuhputzfaul bin, sehen meine Schuhe auch nicht immer besonders vorteilhaft aus. (Nach diesem Bekenntnis werden mir wohl die Gemeindeglieder besonders aufmerksam auf die Schuhe schauen.) Acht haben auf Füssen und Schuhen ist ja auch gar nicht so falsch. 

Zuletzt noch einige anregende Fragen rund um die Schuhe: In welchen Schuhen bist du heute unterwegs? Wohin tragen sie dich? Fühlst du dich wohl darin? Verursachen sie dir Schmerzen? (Schönheit, aber auch Dummheit, müsse leiden, sagt man.) Könntest du in den aktuellen Schuhen tanzen? Und warum tust du es dann nicht? Hast du deine Hochzeitsschuhe, deine Taufschuhe noch? Wie sähe ein Dankgebet für deine Schuhe aus?

Mögen deine Schuhe dich heute an segensreiche Orte tragen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 14. April 2024

Geniessen

Ein Zitat

Apfelbaum-Blüten.
Foto © Jörg Niederer
"Hüte dich vor dem Imposanten! Aus der Länge des Stiels kann man nicht auf die Schönheit der Blüte schließen." Peter Altenberg (1859-1919)

Ein Bibelvers - Jesaja 35,1+2a

"Die Wüste und das dürre Land werden fröhlich sein. Die Steppe wird jubeln und blühen wie eine Lilie. Sie steht in voller Blüte und jubelt, sie jubelt und jauchzt vor Freude."

Eine Anregung

Sonntag. Einfach geniessen!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 11. Februar 2024

LAUT-LEISE-STILL

Ein Zitat

Tablett mit Gläser der Appenzeller Goba AG.
Foto © Jörg Niederer
"Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so hat die Liebe eines Menschen ihren rätselhaften Grund in Gottes Licht." Søren Kierkegaard (1813-1855)

Ein Bibelvers - 2. Mose 14,14+15

"Der Herr wird für euch kämpfen. Ihr aber sollt still sein."

Eine Anregung

Das Tablett mit dem Gläsern gehört zum Inventar des Katholischen Pfarreizentrums Weinfelden. Auch wenn ich weiss, dass mit den Bezeichnungen LAUT, LEISE, STILL die Kohlensäure im Appenzeller Mineralwasser beschrieben wird, scheinen mir diese Adjektive auch ganz gut zur Kirche und zum Sonntag zu passen.

In der Kirche oder am Sonntag darf es doch gerne mit uns Menschen von Laut über Leise zu Still gehen. Glauben beruhigt und führt in die Tiefe. Aber auch das gilt: Glaube findet in der Stille die Kraft, sich laut gegen jedes Unrecht zu stellen.

Heute ist Sonntag: Geht es bei dir der Stille entgegen, oder wird es laut in deinem Leben?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 4. Februar 2024

Ruhe

Ein Zitat

Am Mädlestenweiher bei Hettlingen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn die Außenwelt zur Ruhe kommt, kann die Innenwelt ihre Stimme finden." Youri Keifens

Ein Bibelvers - 1. Mose 2,3

"Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte."

Eine Anregung

Erholsame Ruhe. Das wünsche ich mir für die Feiertage. Zur Ruhe kommen an einem Ort, der Ruhe ausstrahlt. So wie der Mädlestenweiher bei Hettlingen. Ein Silberreiher stakst im Schilf herum. Einige Stockenten schnattern leise vor sich hin, gründeln im seichten Wasser. Viel mehr Bewegung ist da nicht. Das helle Licht, Wärmetransport der Sonne. Im leicht gekräuselten Wasser spiegelt sich der Wald.

Aufatmen. Augenweiden. Zu Kräften kommen. Sonntagsemotionen. Möge die Welt heute Ruhe finden!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 21. Januar 2024

Genusstag

Ein Zitat

Ein Mann geniesst die wärmenden Sonnenstrahlen, während er mit seinem Hund vor der Post wartet.
Foto © Jörg Niederer
"Geniesse, was dir Gott beschieden, entbehre gern was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand auch seine Last." Johann Fürchtegott Gellert (1715-1769)

Ein Bibelvers - Prediger 3,11

"Jeder Mensch soll essen, trinken und glücklich sein als Ausgleich für seine ganze Arbeit. Denn auch dies ist eine Gabe Gottes."

Eine Anregung

Sonntage sind da, um das Leben zu geniessen. Sonntage bieten Momente, in denen wir unsere Batterien aufladen können. (Wobei, während ich das schreibe, denke ich mir: Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas je einmal schreiben würde. Welche Batterien? Menschen sind doch keine Taschenlampen oder Mobiltelefone. Menschen haben keine Batterien.)

Zurück zu den Sonntagen. Die sind auch da, um zu essen und zu trinken. Diesen Sonntag werden wir das nach dem Gottesdienst ausgiebig tun. Es gibt Raclette in der Methodistenkirche St. Gallen. Um 10.15 Uhr beginnt der Gottesdienst an der Kapellenstrasse 6 (Es wird um die Freiheit gehen). Das Essen folgt etwa 75 Minuten später. Alle sind herzlich eingeladen. Ich freue mich. Das wird ein richtiges Fest, ein richtiger Genuss. Ein Sonntagsgenuss.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 19. November 2023

Glaubensmittelpunkt

Ein Zitat

Fresken über die Passion und Verherrlichung von Jesus Christus in der Kirche Buch bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Von einem schmiedeeisernen Zaun umgeben steht die St. Sebastianskapelle mitten im Dorf und verleiht der Ortschaft seit je einen besonderen Reiz." Aus Urs Elsner/Hans Peter Mathis: St. Sebastianskapelle in Buch bei Frauenfeld, Bern 1993

Ein Bibelvers - Johannes 11,25+26

"Da sagte Jesus zu ihr: 'Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht von Gott getrennt'."

Eine Anregung

Das Dorf Buch, südlich des Hüttwilersees in einer sanften Mulde gelegen, ist klein und unscheinbar. Wer von Aussen an die dortige St. Sebastianskapelle tritt, ahnt nichts von den Schätzen, die sich in diesem Gotteshaus befinden. Es sind Wandmalereien, die um 1320 entstanden sind, in der sogenannten Manessezeit, aber erst 1938 wiederentdeckt wurden.

Tritt man durch die Seitentür ein, steht man gegenüber einem wandfüllenden, mehrteiligen Fresko der Passion und Verherrlichung Christi. Zwei Dinge, die mir auffallen. Juden sind auf diesen Gemälden leicht an spitzen, trichterförmigen Hüten zu erkennen. Und dann werden die Misshandlungen von Jesus besonders hässlich und brutal dargestellt.

Kreuz und Auferstehung sind die identitätsstiftenden Merkmale des Christentums. Daran kommt man an keinem Sonntag und in keiner Kirche vorbei. Auch heute nicht.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 1. Oktober 2023

Lobtag

Ein Zitat

Wegkreuz bei Wertbühl im Kanton Thurgau.
Foto © Jörg Niederer
"Gib der Seele einen Sonntag und dem Sonntag eine Seele." Peter Rosegger (1843-1918)

Ein Bibelvers - Psalm 66,3+4

"Sagt zu Gott: 'Wie gewaltig sind deine Werke. Wie groß und mächtig bist du doch, auch deine Feinde schmeicheln dir!' Alle Länder sollen dich anbeten und dich preisen, sie sollen deinen Namen preisen. – Sela."

Eine Anregung

Sonntag. Passend dazu Christus, der Gekreuzigte. Und passend auch der Bibelvers, der auf dem Sockel des Wegkreuzes steht: "Alles Land betet dich an und lobsingt dir".

Loben und Anbeten werde ich an der Weinfelder Gewerbeausstellung, im Gottesdienst um 10.00 Uhr auf der TKB-Bühne, zusammen mit Menschen aus den fünf Kirchen vor Ort.

Gott loben kann man überall und immer. Aber gemeinsam mit anderen Menschen macht es deutlich mehr Sinn, besonders an einem Sonntag, dem Auferstehungstag.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 10. September 2023

Sonntag mit oder ohne

Ein Zitat

Anna Shammas ist Pfarrerin in der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Foto © Jörg Niederer
"Gottes Stimme ist immer eine warme Stimme, die Sicherheit gibt." Anna Shammas im Interview des Senders ERF

Ein Bibelvers - Johannes 15,15

Jesus: "Ich bezeichne euch nicht mehr als Diener. Ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr nenne ich euch Freunde. Denn ich habe euch alles anvertraut, was ich von meinem Vater gehört habe."

Eine Anregung

Wirst du heute einen Gottesdienst besuchen? Nur eine kleine Minderheit in der Schweiz wird das tun. Die Alternativen sind vielfältig und oft attraktiver, die Erwartungen an einen Gottesdienst dagegen minim. Personen, welche noch in die Kirche gehen, heben häufig die Gemeinschaft mit anderen Gleichgesinnten hervor und nicht etwa die Predigt. Gestern erst habe ich überraschend eine Bekannte aus meiner früheren Zeit als Pfarrer im Aargau und Solothurn getroffen. Sie sei immer noch voller Glauben an Gott, aber in die Kirche gehe sie eher nicht mehr.

Solltest du es heute wieder einmal versuchen wollen, dann wäre natürlich der Gottesdienst bei den Methodisten in St. Gallen eine Möglichkeit. Um 10.15 Uhr geht es an der Kapellenstrasse 6 los. Thema ist die "Freundschaft".

Falls du lieber zu Hause bleibst, hätte ich einen anderen Vorschlag. Vor einiger Zeit, im Mai, erzählte Anna Shammas im Sender ERF über ihr Leben. Dieses Video ist immer noch verfügbar. Beim Anschauen erfährt man, wie Anna Shammas gegen den Willen der Eltern heiratete, dann aus Syrien in die Schweiz emigrierte und hier neun Jahre ohne Aufenthaltsbewilligung lebte. Dann flatterte der Ausweisungsbescheid ins Haus. Doch es kommt anders, weil Anna in der Zwischenzeit Freudinnen und Freunde gefunden hat aus der Methodistenkirche Aarau, und die sich sehr für die Frau und ihre Familie eingesetzt haben.

Sehr berührend sind auch ihre Aussagen über den Glauben. 

Dieser Videobeitrag ist absolut sehens- und hörenswert und unglaublich mutmachend. Eine richtiggehende Sonntagserfrischung.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 13. August 2023

Sonntagsschnecken

Ein Zitat

Weisse Heideschnecken auf einem Grashalm versammelt verbringen die heissen Tage in der Trockenruhe.
Foto © Jörg Niederer
"Ruhe zieht das Leben an, Unruhe verscheucht es." Gottfried Keller (1819–1890)

Ein Bibelvers - 3. Mose 23,2c+3

"Ruft zuerst zum wöchentlichen Feiertag auf: Jeder siebte Tag ist ein Sabbat. Das ist ein Feiertag, an dem ihr nicht arbeiten sollt. Sechs Tage dürft ihr arbeiten. Der siebte Tag aber ist ein Ruhetag zu Ehren des Herrn. Das gilt überall, egal wo ihr wohnt."

Eine Anregung

Das Foto von den Weissen Heideschnecken in der Trockenruhe auf einem Grashalm zeigt schön die Bedeutung des Sonntags auf.

Zuerst ist der Sonntag ein Ruhetag. Die Heideschnecken sind Spezialistinnen im Ruhen. Sie ziehen sich in besonders heissen Zeiten in die sogenannte Trockenruhe zurück. Damit überdauern sie monatelang ohne Feuchtigkeit und Nahrung. Ruhen hilft, die schwierigen Zeiten zu überstehen.

Dann ist der Sonntag eine Zeit für das Zusammensein. So wie diese Schnecken miteinander ruhen, so können auch wir uns miteinander erholen und dankbar das Leben feiern.

Dann tragen Schnecken mit dem Spiralhäuschen die Ewigkeit auf sich. Entsprechend ist der Sonntag ein Tag, an dem wir uns ins Zentrum des Lebens aufmachen. Wir versuchen, Gott ganz nahe zu kommen, also wie die Schnecken so hoch hinauf und Gott entgegen.

Das werde ich heute in der Evangelisch-methodistischen Kirche Weinfelden tun zusammen mit der dortigen Gemeinde. Wer will, darf gerne um 10.00 Uhr an der Hermannstrasse 10 zu uns stossen für eine Zeit der Ruhe, der Gemeinschaft und der Besinnung auf Gott. (Kaffee wird es dann schon auch noch geben!)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen