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Samstag, 17. Juni 2023

Dreissig, teils hitzige Sitzungen

Ein Zitat

Mitten in der angespannten Situation der Methodistenkirche in Frankreich ist Cyriane Rohner-Ouvry bereits, sich für den Dienst einer Pfarrerin in der Kirche in Frankreich ordinieren zu lassen.
Foto © Jörg Niederer
"Es hat Zeit gekostet, und manchmal hatten wir das Gefühl, einen Schritt nach vorne und zwei zurück zu machen. Doch genau die Treffen, die diesen Eindruck erweckten, waren oft diejenigen, bei denen wir am weitesten gekommen sind." Marc Berger im seinem Bericht über das Comité Directeur der Methodistenkirche in Frankreich.

Ein Bibelvers - Römer 8,38

"Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine weltlichen Mächte, nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottfeindliche Kraft."

Eine Anregung

Am Freitagvormittag hörten die Delegierten der Jährlichen Konferenz (Synode) der methodistischen Kirche an der Lenk Berichte aus der Arbeit in Frankreich.

Marc Berger, Präsident des Comité Directeur, dem französischen Kirchenvorstand, hielt im Bericht fest, dass in Frankreich die grossen Spannungen über die Haltung zur menschlichen Sexualität und dem Umgang mit der Homosexualität es nötig machten, dass sich das Comité Directeur im vergangenen Jahr dreissigmal zu teils hitzigen Sitzungen treffen musste.

Hintergrund sind die grossen Vorbehalte vieler Gemeinden vor einer Öffnung der weltweiten Methodistenkirche beim Umgang mit Homosexualität, und der Abkehr von den Verboten, Homosexuelle zu ordinieren oder gleichgeschlechtlich zu trauen.

Die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, zu der die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika gehört, hatte in diesem Frühjahr den Weg für alle Länder der Zentralkonferenz freigemacht, damit diese auch in Zukunft ihre je eigenen Haltung zur Homosexualität vertreten können. Aktuell gibt es dazu noch nicht die Möglichkeit, die Kirchenordnung entsprechend abzuändern. Jedoch wird erwartet, dass die Generalversammlung dies an ihrer nächsten Tagung im Mai 2024 so beschliessen wird.

Noch gilt die Kirchenordnung von 2016, welche die umstrittenen Verbote zur menschlichen Sexualität enthält. Falls diese an der Generalkonferenz gestrichen werden sollten, wäre es für Länder in der Zentralkonferenz immer noch möglich, im lokalen Kontext daran festzuhalten.

Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika hat mit der "Kaleidoskop" genannten Übereinkunft die Möglichkeit geschaffen, dass in derselben Konferenz verschiedene Ansichten nebeneinander bestehen können und respektiert werden. Doch für viele Gemeinden in Frankreich ist dies keine praktikable Lösung.

Diese Situation führte dazu, dass an der Generalversammlung vom März 2023 in Frankreich der Antrag vorlag, als französische Methodistenkirche die weltweite methodistische Kirche zu verlassen. Eine andere Gruppe schlug eine etwas anderes Vorgehen vor, bei dem die Gemeinden und Pfarrpersonen je für sich entscheiden sollten, ob sie austreten wollten. Beide Anträge erhielten keine nötige 2/3-Mehrheit.

Nun sollen am 1. Oktober alle Gemeinde in Frankreich je für sich darüber abstimmen, ob sie bleiben oder gehen wollen. Auch bei diesen Abstimmungen braucht es eine 2/3-Mehrheit. Entsprechend der Resultate wird dann die nächste Generalversammlung der Kirche in Frankreich das weitere Vorgehen beschliessen. Sowohl verbleibende Gemeinden sollen in diesem Prozess unterstützt werden wie auch die, welche die Kirche verlassen wollen. Aktuell weiss niemand, was an diesem 1. Oktober herauskommen wird. Angesichts der grossen Spannungen bat Marc Berger um das Gebet.

Bischof Patrick Streiff bemerkte, dass es keine Lösung geben wird, die in Frankreich zu einem gemeinsamen Vorgehen führen würde. Es sei zu erwarten, dass es zu einer Abspaltung eines Teils der französischen Methodistengemeinden kommen wird. Das soll in gegenseitigem Respekt erfolgen können.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 20. Juni 2022

Herausforderndes und Musik vom Feinsten

Ein Zitat

Ein Kind lauscht aufmerksam der irischen Musik von Sam Staufer an der Jährlichen Konferenz 2022 in Schaffhausen
Foto © Jörg Niederer
"Vielleicht ist Ihnen nach dem ersten Teil meiner Predigt auch aufgefallen, dass Paulus hier aufruft, die Einheit zu bewahren und nicht etwa, dass wir sie schaffen müssten. Denn auch hier ist die Gemeinschaft der Kirche schon gegeben, wo immer der Geist Christi am Werk ist." Bischof Patrick Streiff in seiner Konferenzpredigt von 2022 in Schaffhausen

Ein Bibelvers - Epheser 4,3a

"Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die sein Geist euch geschenkt hat."

Ein Anregung

Nein, der Musiker und Fotograf Sam Stauffer hatte nicht nur eine Zuhörerin an seinem Konzert mit irisch-schottischen Folksongs. Der Abschlussanlass der Jährlichen Konferenz (Synode) der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika war an diesem äusserst heissen Tag erstaunlich gut besucht.

Überhaupt lohnte sich die an diesem Tag investierte Zeit. Es begann mit Musik durch die Band "Plug in", sowie einer weiteren Formation aus Musikerinnen und Musiker aus der methodistischen Kirchgemeinde in Schaffhausen, zusätzlich unterstützt durch den argentinischen Bischof Américo Jara Reyes.

In der Anmoderation zum Ordinationsgottesdienst ging es um Zeit. Etwa die, bei der eine zu spät kommende Person zur anderen pünktlichen meinte: "Menschen, die zu spät kommen, sind meist fröhlicher als die, welche auf sie gewartet haben."

In der herausfordernden Predigt von Bischof Patrick Streiff ging es um die Einheit von Christinnen und Christen und deren Bewahrung. Wen wundert gerade dieses Thema, angesichts des nun schon jahrelangen Ringens darum, wie bei verschiedenen Ansichten zur Homosexualität eine Kirchenspaltung verhindert werden könnte. So war erfreulich, das die Mitglieder der Jährlichen Konferenz am Vortag das Szenario "Kaleidoskop" deutlich angenommen hatten und damit für die Einheit der Kirche einen gangbaren Weg ebneten. (Siehe auch Blogbeitrag vom Samstag).

Und dann wäre da noch die Ordination von Sarah Bach und die Beauftragung von Renate Eschbach zum Dienst als Lokalpfarrerin. Für Frankreich wurden Alain und Nicole Deheuvels neu zum pastoralen Dienst beauftragt.

Über den Konferenzsonntag und die vorausgehenden Verhandlungen erfährt man alles wichtige in den EMK-News.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 18. Juni 2022

Methodisten: Zusammenbleiben - um welchen Preis?

Ein Zitat

Bischof Patrick Streiff mit einem Kaleidoskop-Werbegeschenk der Jährlichen Konferenz 1994 in Winterthur.
Foto © Jörg Niederer
"Komm wir malen uns das Leben Bunt und nicht Schwarz-Weiß, denn wir beide wissen was Liebe heißt." Herkunft unbekannt.

Ein Bibelvers - Römer 15,7

"Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird."

Ein Anregung

Heute beschliesst an der Tagung der Jährlichen Konferenz die Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika die Weise, wie sie mit unterschiedlichen Ansichten von Sexualität und Eheverständnis umgehen will. Dabei handelt es sich vorerst um eine Absichtserklärung, welche noch weitere Entscheidungen benötigt auf weltweiter Ebene. Aber es zeichnet sich ab, dass das Szenario "Kaleidoskop – den Missionsauftrag leben" angenommen werden könnte. 

 Das Szenario "Kaleidoskop" beschreibt den Weg, wie bei der Sexualität unterschiedlich denkende Menschen in einer Kirche zusammenbleiben können. Neu wurde dem Szenario, nebst der Forderung auf Streichung aller qualifizierender Aussagen zu Homosexualität in der Kirchenordnung, weitere alternative Möglichkeiten beigefügt. Auch das Adaptionsrecht bei der Kirchenordnung wurde stärker gewichtet. 

Was bedeutet das Szenario Kaleidoskop? Die Kirche, die Bezirke und die Gemeinden konzentrieren sich auf den Missionsauftrag in ihrem und für ihren jeweiligen Kontext. Weil die Bewertung von Homosexualität und Fragen des Umgangs mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen die Methodistinnen und Methodisten in ihrem gemeinsamen Bekenntnis und in ihrer gemeinsamen Mission nicht trennen sollen, befürworten alle, dass verschiedene Überzeugungen rund um Eheschliessung und pastoralen Dienst und die dazugehörige Praxis gleichberechtigt möglich sind.

Bereits am Donnerstag begannen die Beratungen und der Austausch zum Kaleidoskop. Einerseits ging es um eine Positionierung, aber auch um den Austausch zwischen den verschiedenen Positionen. 

Am Freitag formulierten Menschen ihre Grenzen und ihre Bereitschaft, beim Kaleidoskop mitzuwirken. Erwähnt wurden dabei das Schriftverständnis, den besseren Einbezug der traditionell denkenden Menschen, aber auch die Frage, wie Minderheiten ihren gleichberechtigten Raum erhalten. Wie aber kann eine "false balance" verhindert werden, bei der nach Aussen das Bild verzerrt wird zugunsten einer Minderheitenmeinung.

Zuletzt: Dass das Bild vom Kaleidoskop schon eine lange Tradition bei den Methodistinnen und Methodisten kennt, erwähnte der Bischof ganz zu Beginn beim Eintrittsvotum dazu. Dort präsentierte er nämlich ein Kaleidoskop, das an einer Tagung der Jährlichen Konferenz 1994 in Winterthur als Werbegeschenk abgegeben worden war.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Mittwoch, 25. Mai 2022

Die Methodistenkirche – wie weiter nach der Spaltung?

Ein Zitat

Nachdenklicher Bischof Patrick Streiff anlässlich der Jährlichen Konferenz 2021.
Foto © Jörg Niederer
"'Kaleidoskop' ist keine Mogelpackung... Das bedeutet vielleicht, den eigenen Stolz zu überwinden – und demütiger zu werden." aus Newsmeldung

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,14+15

"Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn nun der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib!, gehört er deshalb etwa nicht zum Leib?"

Ein Anregung

Seit dem 1. Mai gibt es die Global Methodist Church, eine konservative Abspaltung von der "The United Methodist Church" (deutsch: Evangelisch-methodistischen Kirche). Damit ist die Kirchenspaltung Realität. Ausschlaggebend wahren und sind die verschiedenen Ansichten zur Homosexualität. Am 29. April hat Radio SRF2 (ab 13:31 Minuten) dazu Bischof Patrick Streiff befragt und die Geschehnisse präzise beschrieben. Erwähnt wurde etwa, dass die bulgarischen und rumänischen Methodistinnen und Methodisten sich der neuen Kirche anschliessen werden. Aber auch gesagt wird, wie in der Schweiz mit diesem Thema umgegangen werden soll. Das entsprechende Konzept heisst "Kaleidoskop". Dazu gibt es ein sehenswertes Video, in dem Stefan Schnegg und Iris Bullinger von unterschiedlichen Ansichten herkommend sich auf einen gemeinsamen Weg machen. Beide gehören dem Vorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika an.

Wer sich darüber informieren will, wie die Methodistenkirche in der Zukunft aussehen könnte, dem empfehle ich diese Ton- und Bildbeiträge.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 20. November 2021

Traditionell denkende Methodistinnen und Methodisten treffen sich in Biel

Ein Zitat

Stefan Schnegg (links) im Gespräch mit Bischof Patrick Streiff
Foto © Sigmar Friedrich
"Denn aus der Sicht der Traditionellen entsteht der Eindruck: Die Kirche wird immer liberaler. Mit jedem Thema machen wir eine Tür mehr auf." Stefan Schnegg, Mitglied der Kirchenleitung und Vertreter vom "Forum Traditionell"

Ein Bibelvers - 1. Korinther 12,13

"Denn als wir getauft wurden, sind wir durch den einen Geist alle Teil eines einzigen Leibes geworden – egal ob wir Juden oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen waren. Und wir sind alle von dem einen Heiligen Geist erfüllt worden."

Ein Anregung

Heute in einer Woche treffen sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Biel traditionell denkende Methodistinnen und Methodisten zum "Forum Traditionell". Hintergrund ist die mögliche Öffnung der weltweiten EMK gegenüber homosexuellen und lesbischen Menschen, und in der Folge die wahrscheinliche Spaltung der Kirche.

Traditionell denkende Personen oder Gemeindevertretungen, die auch dann bei der EMK bleiben und einen gemeinsamen Weg weitergehen möchten, treffen sich am 27. November 2021 von 10-16 Uhr in Biel. Ihre traditionelle Glaubensüberzeugung zur Ehe und anderen ethischen Fragen soll Raum haben in einer Kirche, die sich zu alle Menschen gesandt weiss.

Am "Forum Traditionell" wird Bischof Patrick Streiff und andere Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenleitung anwesend sein. 

Dieser Tag der Vernetzung findet sowohl virtuell wie vor Ort statt. Die Teilnahme in Biel ist nur mit Zertifikat möglich. Anmelden kann man sich hier.

Auch interessant: Interview mit Stefan Schnegg vom Organisationsteam "Forum Traditionell".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 19. Juni 2021

Kirche als Kaleidoskop verschiedener Glaubenshaltungen

Ein Gedanke

Claudia Haslebacher führt ins Gespräch zum Szenario Kaleidoskop ein
Foto © Jörg Niederer
"Unser Leben gleicht einem Kaleidoskop. Immer wieder neue, wechselnde, bunte Bilder. Geschaffen aus unzähligen Scherben." Elvira von Ostheim

Ein Bibelvers - 2. Könige 10,15

"Jehu ... traf Jonadab... Er grüßte ihn freundlich und fragte ihn: 'Wie sieht es in deinem Herzen aus? Kann ich mich so auf dich verlassen, wie du dich auf mich verlassen kannst?' Jonadab antwortete: 'Ja!' Da sprach Jehu: 'Ja? Dann gib mir darauf deine Hand!' Und er gab sie ihm."

Eine Anregung

"Kaleidoskop" nennt sich das Szenario, das eine Arbeitsgruppe der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika vorschlägt, als Antwort auf eine mögliche bevorstehende Trennung wegen unterschiedlicher Ansichten zur Homosexualität.

Ziel dabei ist, dass möglichst viele Menschen in einer zukünftigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) bleiben können. Dies ist nur möglich, wenn die verschiedenen Haltungen eine Heimat finden können innerhalb der Strukturen der EMK. Aus diesem Grund sollen die Ausrichtungen der Gemeinden und der Pfarrpersonen bei den Dienstzuweisungen berücksichtigt werden. Diskriminierende Abschnitte der Kirchenordnung sollen entfernt werden.

Am gestrigen Freitagnachmittag diskutierten die Delegierten den Vorschlag an der Jährlichen Konferenz (Synode). Claudia Haslebacher leitete zum Gespräch an. Noch einmal betonte sie, dass es oberstes Ziel sei, möglichst viele Gemeinden zu einem gemeinsamen Weg zu bewegen.

Hier einige Voten aus dem weiteren Austausch im Plenum:

Heiner Studer vermutet, dass die Entwicklung zu zwei Kirchenteilen "passive Sterbehilfe" bedeute. Die Lebensfähigkeit der EMK sei dann wohl in Frage gestellt. Er sieht im Kaleidoskop eine liberale Ausrichtung.

Bischof Patrick Streiff erklärte darauf noch einmal die Prozesse in der weitweiten Kirche. Die Generalkonferenz 2019 hat einen traditionellen Plan angenommen, bei dem alle nicht gleichdenkenden Menschen und Konferenzen ausgeschlossen würden. Das löste grosses Entsetzen aus und führte zu einer Arbeitsgruppe, bestehend aus allen Lagern, welche einen Antrag formulierten. Das "Protokoll zu Versöhnung und Trennung" sieht vor, dass die EMK als EMK bestehend bleibt, wobei man sich in Fragen der Homosexualität öffnen würde. Alle, die das nicht wollen, können auf versöhnliche Weise und mit den Kirchen-Vermögensanteilen aus der EMK austreten. Das wird vermutlich zu einer neuen konservativen, methodistischen Kirche führen.

Antoine Da Silva sieht einen Paradigmenwechsel bei der Kirche als Leib Christi. "Als Christen sind wir verbunden mit Christus und verantwortlich für die Kirche." Die Anerkennung von LGBTQ würde bedeuten, dass die traditionelle Linie verlassen würde. Das sei gefährlich, und öffnet das Tor für fremde Geister. Er könne es sich nicht vorstellen, lesbische oder homosexuelle Paare zu trauen. Das wäre gegen alles, was er glaube.

Janick Buser berichtet, dass das Kaleidoskop vom Jugendrat einstimmig unterstützt werde. Persönlich sei er für die Öffnung gegenüber den Homosexuellen und möchten die Einheit der schweizerischen EMK bewahren. Zugleich fragt er sich, ob die Spaltung nicht auf die Ebene der Gemeinden und Einzelpersonen verschoben werde.

Johann Wäfler ist besorgt wegen der Extrempositionen auf beiden Seiten. Für die einen scheint das Szenario beschlossen, die andern fühlen sich abgelehnt. Er bittet darum, weiter im Gespräch zu bleiben.

Christian Minder merkt an, dass die Streichung der diskriminierenden Artikel zur Homosexualität aus der Kirchenordnung auch zu einer Liberalisierung führen werde.

Stefan Ilg bittet, dieses ungeliebte Thema weiter zu behandeln, und nicht aus Diskussionsmüdigkeit oder andern Gründen den Dialog abzubrechen. "Warten kann sich lohnen." Das habe er persönlich mit dieser Kirche so erlebt.

Michael Bünger beschäftigt eine Sorge: Dass sich die Kirche nicht verändert. Und er hat die Hoffnung, dass sich die Kirche laufend ändert. Beispielhaft nennt er Themen wie "Kinder beim Abendmahl" oder die Kindertaufe. Er bittet darum, dass die Kirche offen bleibt für alle Menschen.

Théo Paka möchte verstehen, warum es homosexuelle Anziehung gibt. Er unterstützt das Kaleidoskop. "Christus ist nicht nur für mich gestorben, er ist auch für den Freund, Bruder, die Schwester gestorben." An der Generalkonferenz erlebte er den Ausschluss vieler Menschen, und fragt sich: "Wir haben intelligent auf die verschiedenen Taufverständnisse reagiert. Warum geht das nicht auch bei dieser Frage?"

Annemarie Studer wünscht sich wieder andere Diskussionen und Gespräche, z.B. zu den Flüchtlingen.

Etienne George beschäftigt es, warum man nicht mehr mit verschiedenen Meinungen in einer Kirche sein kann. Und er beatwortet diese Frage gleich selbst: "Weil man heute eine Kirche ist, in der man nur noch eine Haltung zulässt".

Esther Wetzel hat die grosse Bitte, trotz Angst und Sorgen im Gespräch zu bleiben. Durch Gespräche sei sie selbst weitergekommen.

Markus Bach möchte in einer Kirche bleiben, aus der niemand ihn wegen abweichender Meinung hinausdrängt. "Das Konferieren ist Teil unseres Kircheseins." Darum unterstütze er Kaleidoskop.

Abschliessend beschreibt Iris Bullinger den weiteren Weg bis 2023 und betont: "Wir haben Zeit, in den Gemeinden/Bezirken aufeinander zu hören, miteinander zu reden, einen Weg zu gehen." Der Bereich Gemeindeentwicklung unterstützt diese Gespräche mit Hilfsmittel und personell. 

Ab Anfang September werden die Texte im Zusammenhang mit dem Szenario Kaleidoskop für die Gemeindeglieder verfügbar sein.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde