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Montag, 16. Januar 2023

Hart auf hart

Ein Zitat

Zoff auf der Ziegenkoppel beim Kloster Wurmsbach.
Foto © Jörg Niederer
"Vergleiche ich mich in Interlaken mit der Stadt, dann bin ich ganz klein. Aber sehe ich vom Niesen auf Interlaken herab, dann ist die Stadt ganz klein. Es ist eine Frage der Perspektive." Anna Shammas an der Schulung "Missionaler Lebensstil" in Weinfelden.

Ein Bibelvers - Judas 1,2

"Ich wünsche euch Barmherzigkeit, Frieden und Liebe in immer größerem Mass!"

Eine Anregung

Es ging hoch her in der kleinen Zwergziegenkoppel beim Kloster Wurmsbach. Aus irgendeinem Grund war Zank angesagt. Ziegen versuchten einander auf die Hörner zu nehmen, stiessen einander in die Seiten, knurrten sich auf Ziegenart an und immer wieder ging es hart auf hart, prallten Horn auf Horn.

"Hart auf hart", ist eine Redensart, die aus der Zeit stammt, als harte Stahlklingen sich mit harten Stahlklingen kreuzten. Doch sie passt ganz gut auch zu den Hörnern, die dort im Stall mit dumpfem Knall aufeinander trafen.

Auf einer Webseite erklärt ein Ziegenhalter, wie man mit aggressiven Ziegen umgehen soll. So schreibt er: "Einen Bock bei den Hörnern zu packen macht ihn nur noch wilder und Schläge sind für Ziege Kommunikation und nicht per se eine Bestrafung." Mehr Sinn mache ein anderes Vorgehen: Noch einmal der Ziegenhalter: "Sei beim verteidigen deiner Grenzen immer fair. Eine Ziege zu schlagen macht keinen Sinn. Das ist für sie bloss eine Spielaufforderung. Ein Wasserspray, ein Klopfen mit dem Stock auf die Hörner, anblasen oder auf die Nase / Ohren schnippen sind feine aber effektive Methoden, mit denen du deinen persönlichen Raum abgrenzen kannst."

Nun frage ich mich, was wohl ein kluges Vorgehen ist, wenn es zu Konflikten unter Menschen kommt. Wasserspray hilft wohl wenig. Anblasen kann falsch verstanden werden. Hörner haben wir Menschen nicht, um mit einem Stock darauf zu klopfen. Vermutlich ist es auch sinnvoller, beim Herzen anzuklopfen, an die gute Seele zu appellieren. Und noch vorher kann man sich überlegen, ob die Streitsache wirklich so gross ist, wie sie scheint, oder doch eher so, wie Interlaken vom Niesen herunter aussieht: nämlich klein und kaum der Rede wert.

Wie sang doch schon Reinhard Mey: "Über den Wolken / Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein / Alle Ängste, alle Sorgen / Sagt man / Blieben darunter verborgen / Und dann / Würde was uns gross und wichtig erscheint / Plötzlich nichtig und klein".

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Samstag, 3. September 2022

Aus christlicher Verantwortung im Gespräch bleiben

Ein Zitat

Sarah Bach ist Teilnehmerin an der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe.
Foto © Sarah Bach
"Wenn wir alle zusammenkommen und miteinander arbeiten, können wir viel mehr erreichen, als wenn jede Kirche oder Gemeinschaft eigene kleine Projekte hat. Das finde ich super." Sarah Bach, Delegiert an die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe

Ein Bibelvers - 1. Petrus 1,22b

"Hört also nicht auf, einander aus reinem Herzen zu lieben."

Ein Anregung

Seit dem 31. August bis zum 8. September findet in Karlsruhe die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) statt. An diesem Grossanlass treffen sich 4000 Teilnehmende aus der ganzen Welt. Das Thema lautet: "Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt".

Aus der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz ist Sarah Bach delegiert. In einem Beitrag für die Methodistenkirche in der Schweiz erwähnt sie, dass zum ersten Mal das Wort "Liebe" in Thema einer Vollversammlung erscheine. "Und das ist ja auch sehr methodistisch", so Sarah Bach.

Wichtige Themen der ersten Tage war der Klimawandel und die Verantwortung der Kirchen. Besonders Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker haben beton, wie sie am unmittelbarsten betroffen sind von der Erderwärmung. Am Freitag fand in diesem Zusammenhang auch ein Klimastreik statt. Überhaupt ist das Interesse an jungen Menschen einerseits hoch, andererseits wird ihre Redezeit und Einflussmöglichkeit immer wieder stark eingegrenzt.

Besonders interessant war auch, dass trotz heftiger Worte an die Adresse der Russisch-Orthodoxen Kirchenvertreter durch den deutschen Bundeskanzler Frank-Walter Steinmeier, diese die Vollversammlung nicht verliessen. Wörtlich sagte Steinmeier in seiner Rede: "Auf einen schlimmen, ja geradezu glaubensfeindlichen, blasphemischen Irrweg führen zurzeit die Führer der Russisch-Orthodoxen Kirche ihre Gläubigen und ihre ganze Kirche. Sie rechtfertigen einen Angriffskrieg gegen die Ukraine – gegen ihre eigenen, gegen unsere eigenen Brüder und Schwestern im Glauben". Auch nach diesen klaren Worten geht das Gespräch mit der Russisch-Orthodoxen Kirche weiter, und ist gerade jetzt besonders wichtig. Der ÖRK will sich denn auch als einen Ort verstehen, an dem mit allen Beteiligten von Konflikten um Frieden gerungen wird. 

Täglich gibt es neue Videobeiträge, darunter Gottesdienste, Bibelarbeiten, Verhandlungen und Interviews. Es lohnt sich, ab und zu "vorbeizuschauen" oder auch einen Blick auf die vielen offiziellen Fotos zu werfen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde