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Mittwoch, 30. Juli 2025

Borborygmi

Ein Zitat

Die Lampe im Schlafzimmer über meinem Bett. Krankheitsbedingt mein aktueller Anblick.
Foto © Jörg Niederer
"Hilft Cola eigentlich gegen Durchfall? Wenn die Flasche steckenbleibt, ja." 

Ein Bibelvers - 5. Mose 23,13-15a

"Wenn du musst, sollst du aus dem Lager gehen. Dort kannst du dein Geschäft erledigen. Hab immer eine kleine Schaufel dabei. Grab damit ein Loch, bevor du dich hinhockst. Wenn du fertig bist, deck deinen Haufen zu. Denn der Herr, dein Gott, zieht mit euch."

Eine Anregung

Gehabt habe ich es schon des Öfteren. Aber das Wort kannte ich bisher noch nicht. "Borborygmi" bezeichnet dieses Gluckern im Darm, das gleichzeitig zu häufigem Aufsuchen der Toiletten nötigt. Ausgerechnet am schönsten Tag der Woche, also gestern, hat mich die Rache Montezumas lahmgelegt. Für einmal kein Regen, dafür nun dieser Flüssigkeitsverlust an ungewohnter Stelle.

So habe ich zurzeit einen etwas eingeschränkten Horizont. Oft schaue ich hoch zur Lampe in meinem Schlafzimmer. Sie ist mir schon das halbe Leben oder noch länger vertraut. Doch von dort oben naht keine Hilfe. Es heisst abwarten. Aktuell ist es schon etwas besser. Nun überlege ich mir, was die Ursache sein könnte. Die Eier, die ich mir als einziger von der Familie gekocht habe? Die Cornflakes, die ich mir seit vielen Jahren wieder einmal mit Milch genehmigt habe?

Jedenfalls ist es typisch: In den Ferien bin ich krank. Da habe ich Zeit dazu. Brauche ich mehr Erholung. Meine Fitnessuhr sagt ja schon lange, ich würde zu intensiv trainieren, selbst wenn ich nur gerade wieder von einer kleinen Wanderung zurückgekommen bin.

Aber vermutlich interpretiere ich zu viel in diese Unpässlichkeit hinein. Ich bin krank. Na und! Das geschieht. Also mache ich das Beste daraus. Ich ärgere mich nicht darüber. Zur Feier des Tages trinke ich Cola. Dann erzähle ich allen, die es hören wollen (und auch den anderen), dass mein Körper Borborygmi spricht. Es sei eine Art Bauchreden. Mal schauen, wie sie reagieren.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 18. Juli 2025

Was jetzt?!

Ein Zitat

Ferienstimmung an einem Strand auf Kreta.
Foto © Jörg Niederer

"Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer."
Ovid (43 v.Chr. - ca. 17 n. Chr.)

Ein Bibelvers - Kolosser 3,15

"Und der Friede, den Christus schenkt, lenke eure Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Und dafür sollt ihr dankbar sein!"

Eine Anregung

Gelesen habe ich in einem Forum über Fotografie das Wort "Urlaub-Salben", und mich gewundert, was Fotografie und Salben miteinander zu tun haben. Dann wurde mir mein Versehen bewusst. Es sollte "Urlaubs-Alben" heissen. Das nun passte besser, ging es doch um digital erstellte Bücher, Erinnerungen aus gemachten Ferienfotos. Geschrieben war das Wort natürlich so: "Urlaubsalben". In einer Weise, dass diese Doppeldeutigkeit möglich wird. Noch etwas gilt es zu erwähnen. Anders als in Deutschland wird in der Schweiz nicht klar unterschieden zwischen Ferien und Urlaub.

Nun gehören Salben, vor allem Sonnenschutzsalben, ja schon auch zu den Ferien. Salben und Ferien, beides steht dafür, dass man sich etwas Gutes gönnt, geschützte Erholung sucht und findet.

Genau das werde ich nun bald auch erleben dürfen. Ferien, Urlaub, der Geruch nach Sonnencreme, kitschige Erinnerungsfotos, Schweiss und Aussicht, Sonnenauf- und Sonnenuntergänge.

Meine Eltern beteten jeweils vor der Fahrt mit dem Auto in die Ferien nach Holland. Sie wussten, Sonnenschutzmittel reichen nicht aus, um friedliche Ferien zu erleben.

Möge Gott uns alle in den Ferien bewahren. Mögen die Fotos in Urlaubs-Alben nicht nur von brauner Haut und Urlaub-Salben erzählen, sondern auch von Gottes Beistand, von der wunderbaren Welt und von vielen Momenten des Friedens.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 28. April 2025

Überflug

Ein Zitat

Storch über unserer Wohnung in Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Ein Reisender ohne Beobachtungsgabe ist wie ein Vogel ohne Flügel." – Moslih Eddin Saadi (1209-1291)

Ein Bibelvers - Johannes 4,6

"Jesus war müde von dem langen Weg und setzte sich an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde."

Eine Anregung

Es kommt vor, dass der Storch direkt über mein Büro fliegt. Dann stelle ich mir vor, wie ich mich ihm anschliesse. Ich öffne das Bürofenster, hüpfe auf das Fensterbrett, Breite die Arme aus und fliege ihm nach. Im warmen Aufwind steige ich höher und höher. Der Schreibtisch entschwindet meinem Blick. Unter mir nehmen die Häuser und Autos Spielzeuggrösse an. Ich schwebe dahin, immer dem Weissstorch nach. Es ist als hätte ich Ferien.

Da wache ich auf, und stelle fest: Ich habe Ferien.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 29. Juli 2024

Wandern Pro oder Kontra?

Ein Zitat

Eine Familie wandert vom Hörnli hinunter nach Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge... So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt... Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft." Johann Gottfried Seume (1763-1810)

Ein Bibelvers - Amos 3,3

"Gehen etwa zwei miteinander einen Weg, ohne sich vorher begegnet zu sein?"

Eine Anregung

Ich kenne einige Menschen, von denen ich weiss, dass sie die Freude am Wandern in der Kindheit verloren haben. Immer hätten sie mit dem Vater, den Eltern, in den Bergen Ferien verbracht, und immer wollte der Vater, die Eltern, dass sie stundenlang bergauf, bergab durch die Gegend rennen.

Meine Eltern trieb es in den Ferien nicht in die Berge, sondern an die Nordsee. Und mit Wandern hatten sie es auch nicht so. Also blieb ich verschont von negativen, demotivierenden Wandererfahrungen. Vielleicht deshalb liebe ich es schon mein ganzes Leben lang, mich zu Fuss durch die Welt zu bewegen.

In gewisser Weise fühle ich mich dabei Jesus nahe. Er war ein Wanderer, einer, der gelegentlich mal auf einem Esel sass, aber sonst meist auf Sandalen Palästina Hoffnung schenkte.

Hat deine Kindheits- und Familienzeit dich motiviert, eher zu wandern oder eher nicht? Wie beeinflusst das dein Bild von Jesus und dein Verhältnis zu ihm?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Sonntag, 21. Juli 2024

Vollmondnacht

Ein Zitat

Der Vollmond erstrahlt über den Bergen bei Arosa.
Foto © Jörg Niederer
"Das ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nutzen." Kurt Tucholsky (1890-1935)

Ein Bibelvers - 1. Mose 37,18+19

"Die Brüder sahen Josef schon von Weitem kommen. Noch bevor er bei ihnen war, beschlossen sie, ihn zu töten. Sie sagten zueinander: »Seht! Da kommt er ja, der Meisterträumer."

Eine Anregung

Erste Nächte an einem fremden Ort sind immer etwas Besonderes. Einerseits ist da die ungewohnte Umgebung, ein anderes Bett und dann die Geräusche der Nacht. Für manche Touristen werden Kuhglocken oder der Schlag der Kirchturmuhr zu nächtlichen Spielverderbern. Auch schlafen manche Menschen in einer Vollmondnacht bestimmt nicht besser als in anderen Nächten. Doch all das war meinem Schlaf in keinster Weise abträglich. Es war eine andere Sache, die sich regelmässig einstellt, wenn man sich an einem Ort mit vielen Touristen eingefunden hat. Nein Partystimmung gehört wohl eher in die Wintersaison von Bergdestinationen. Aber immer gibt es einige wenige Menschen, die lange in die Nacht hinein sich austauschen, endlich Zeit finden, alles zu besprechen was sie schon immer besprechen wollten und sei es noch so belanglos und unbedeutend. Dagegen ist nichts einzuwenden. Jedoch meine ich eine Gesprächskonstellationen, welche sich bis um drei Uhr morgens hinziehen, geführt in leicht angeheiterter und zu lauter Stimmlange, und das auf dem Balkon des Hotels unserer Wahl. Was vom Gespräch bei mir ankam, war unverständlich, und Verständnis hatte ich dafür auch kaum. Entlastend sei gesagt, dass ich dennoch gut geschlafen habe, weil ich irgendeinmal aufhörte, mit meinen Gedanken um die Impertinenz der anderen Hotelgäste zu kreisen.

Zumindest haben mir diese Männerstimmen in der Nacht auch die Gelegenheit eröffnet, einen Blick auf dem Vollmond über den Bergen Arosas zu werfen. "Es hat halt alles auch seine guten Seiten", wie man fälschlicher Weise so sagt. Denn nicht alles hat seine guten Seiten, wie ich aus Erfahrung weiss.

Was ich wieder einmal mehr erfahren habe: Es lohnt sich nicht, mich aufzuregen über das, was andere nicht so tun, wie ich es für richtig halte. Das führt nur dazu, dass zuerst ich selbst keinen Ruhe finde.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 16. Juli 2024

Endlich erholen

Ein Zitat

Segelboote auf dem Bodensee.
Foto © Jörg Niederer
"Reisen bedeutet herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken." Aldous Huxley (1894-1963)

Ein Bibelvers - Sprüche 15,19

"Faule Menschen sehen überall Dornen auf ihrem Weg. Ehrliche Leute aber finden immer eine Strasse, die sie gehen können."

Eine Anregung

Wenn der Sonntag der Ruhetag der Woche ist, dann sind die Ferien wohl die Ruhezeit des Jahres. Wobei, viele Menschen kennen keine Ferien. Andere machen Ferien nicht um zur Ruhe zu kommen, sondern um aktiv zu werden. Wieder andere wollen endlich einmal nach Paris oder nach Nome. Und noch einmal andere ziehen es vor, einfach am Strand zu liegen, möglichst an einem warmen Ort, also besser nicht in Nome.

Auch organisierte Familienferien sind beliebt, oder Mountainbike in den Alpen und Albanien.

Dann gibt es noch die Bildungsferien. in meinem Fall war das einmal ein vier Wochen dauernder Französisch-Intensivkurs in Neuchâtel. Danach konnte ich noch weniger Französisch.

Ferien sind auch ideal um einmal etwas zu tun, was man sonst nie tut. Wenn ich nur wüsste, was ich tun könnte, das ich noch nie getan habe.

Sehr beliebt ist auch der Tauchkurs. Angesichts von häufigerem Starkregen schadet es ja wirklich nicht, wenn man mit Schnorcheln zurechtkommt.

Abtauchen kann man auch auf christliche Weise. Kontemplativ in einem Kloster, oder auf den Spuren von Jesus und Paulus und Jakobus mit Reisebus oder gar zu Fuss.

In diesen Tagen habe ich Büchergutscheine bekommen, weil ich noch ein Jahr weiter an dem Ort wirke, an dem ich schon die letzten Jahre gewirkt habe. Also ich verspreche, dass ich ein christliches Buch kaufe, und es in den Ferien lesen werde.

Wie auch immer: Ich wünsche uns allen eine gute, erholsame Ferienzeit mit den folgenden Worten aus "Tagträume mit Gott" von Robert Seitz.


Gott der Müden und Entmutigten, 

gib mir Flügel des Adlers, die mich tragen

über dem Abgrund der Zeiten

und über meinen eigenen inneren Tiefen.

Gib mir Flügel der Hoffnung

und lass meine Seele 

den weiten Horizont sehen 

und deine aufgehende Liebe

über den Schatten des Daseins.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen 

Montag, 15. Juli 2024

Montag, es geht wieder los!

Ein Zitat

Eine Katze streckt und dehnt sich nach der Siesta, um sich dann wieder hinzulegen.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn das ganze Jahr über Urlaub wäre, wäre das Vergnügen so langweilig wie die Arbeit." William Shakespeare (1554-1616)

Ein Bibelvers - Sprüche 10,26

"Wie Essig für die Zähne und Rauch für die Augen – so schädlich ist ein fauler Mensch für die, die ihn mit einem Auftrag losschicken."

Eine Anregung

Montag. Es geht wieder los. Müdigkeit abschütteln, einige Dehn- und Streckübungen, und du bist bereit für die neue Woche. Es gibt viel zu tun. Du wirst gebraucht. Also reiss dich zusammen, geh an die Arbeit, auch wenn alle anderen Ferien geniessen, und freue dich an deiner Schaffenskraft. 

Oder vielleicht: Freue dich an deiner Fähigkeit, den Tag zu verschlafen. Wenn du dich gedehnt hast, brauchst du doch bestimmt wieder Erholung. Die Ferien der andern sind Motivation genug, sich wieder hinzulegen, ausgiebig zu Gähnen, und die nächsten paar Stunden auf dem Liegestuhl zu verbringen.

Frage: Ist es eher motivierend für dich, zu arbeiten wenn andere in den Ferien sind, oder macht der weniger hektische Alltag in der Ferienzeit zu Hause dich eher schläfrig und lässt dich demotiviert sein?

(Bitte jetzt nicht aus diesem Text auf meine Arbeitsbereitschaft schliessen. Ich bin gerade voll motiviert, und gleiche in keiner Weise der Katze auf den Fotos.)

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 5. Juli 2023

Mäandern

Ein Zitat

Ein Altarm vielleicht vom Fluss Sebes, gesehen kurz nach dem Start in Cluj-Napoca Rumänien.
Foto © Jörg Niederer
"mit beiden / beinen / auf dem / boden / den himmel / in mir / vorwärts / tragen" Ruth Näf Bernhard in: Meine Seele läuft barfuss dem Wort hinterher, Zürich 2022, Gedanken zu Lukas 17,32

Ein Bibelvers - 1. Mose 18c+19

"Und Gott sah, dass es gut war. Es wurde Abend und wieder Morgen – der vierte Tag."

Eine Anregung

Mäandern. Ausufern. Sich neue Wege suchen. Den Alltagsfluss verlassen. Vom schnellen Weg abweichen. Raus aus dem Trott. Auf einmal innehalten. Sich im Kreis drehen. Raum greifen. Vor sich hin bröseln. Auslatschen. Vorbeistreifen. Morgenmuffeln. Warmsonnen. Horizonteln. Kuhglöckeln. Baumschatteln. Stillstaunen. Augenblicken. Umwegen. Freudeln. Heilanden.

Ferien, das bedeutet, den Hauptfluss verlassen, sich in einem Seitenarm verlieren. Es muss nicht schnell gehen. Auch schmale Wege zielen.

Anfänglich fällt es schwer, dem Gewohnten zu entrinnen. Doch Tag für Tag entferne ich mich von den bekannten Landschaften in mir und um mich herum. Blumen leiten mich der Nase nach. Gedankenläufe von besonderer Schönheit weichen mir nicht mehr aus. Ich komme an. Kehre zurück. Beginne. Lebe. "Und es war Abend. Und es war Morgen. Ein neuer Tag."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Dienstag, 20. Juni 2023

Lenk dänk!

Ein Zitat

Zwei in Gedanken versunkene Teilnehmerinnen an der methodistischen Tagung der Jährlichen Konferenz in der Lenk.
Foto © Jörg Niederer
"Vergiss nie, bei dem was du tust: Die Welt ist schon gerettet." Zitat, vermutlich aus dem Buch "Management for Your Church" von Alvin J. Lindgren und Norman Shawchuck

Ein Bibelvers - Psalm 139,1+2

"Herr, du hast mich erforscht und kennst mich genau. Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es. Meine Absicht erkennst du von fern."

Eine Anregung

Ich weiss, von Slogan "Adelboden-Lenk dänk!" habe ich im Titel den Ski- und Urlaubsort Adelboden unterschlagen. Aber die methodistische Tagung der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika fand eben auch nur an der Lenk statt. Auf diese Tagung will ich in den Mitteilungen der nächsten Tage zurückblicken.

Das Wort Denken hat eine unglaublich grosse Bedeutungsvielfalt. Der Werbeslogan "Adelboden-Lenk dänk!" suggeriert, dass Sporttreibende sowieso auf diese Sommer- und Winterdestination kommen, wenn sie sich durch all die vielen Angebote hindurchwühlt haben. Hier hat Denken mit Erinnern und Wiedererkennen zu tun.

An die Lenk hätten wohl die wenigsten gedacht, um eine Konferenz durchzuführen. Aber die Synode der Evangelisch-methodistischen Kirche hat genau dort stattgefunden, wo andere für gewöhnlich eine Denk- und Ruhepause einlegen, oder sich gedankenlos einen sportbedingten Beinbruch einhandeln.

Ein Ort des Denkens war die Konferenz bestimmt. Ob sie dadurch gleich eine Denkfabrik gewesen ist, also eine innovative Einrichtung, wage ich zu bezweifeln. Doch wie man anhand des Fotos gut sehen kann, war das Sinnieren durchaus Teil dieses Anlasses; für manche sogar sosehr, dass am Abend der Kopf brummte.

Da wurde also am Ferienort Denkarbeit geleistet. Manche versanken geradezu in Gedanken, aus denen sie nur mühsam wieder herausfanden. Wieder andere entzogen sich manchen Anlässen kategorisch. Sie "dachten nicht einmal daran", teilzunehmen. Insgesamt wurde aber durchaus gegrübelt und über Fragen gebrütet. Manchmal war es gut, dass einige schon "vorgedacht" und "angedacht" hatten. Das regte zum "nachdenken", "weiterdenken" und "umdenken" an. So richtig "durchdacht" schien aber nur wenig zu sein. Bei einigen Vorlagen konnte man sich nicht gegen den Gedanken wehren, dass da nur gerade von der "Nasenspitze bis zum Mund gedacht" worden ist. Aber insgesamt führte die geballte Denkleistung von 250 Menschen zu durchaus sinnigen Ergebnissen.

Und dann gab es an der Konferenz auch noch die Gedächtnisfeier, in der das Andenken an Menschen im Zentrum stand, die in guter Weise in dieser Gemeinschaft von Glaubenden gelebt und mitgedacht hatten.

Auch das ist eine Bedeutung von Denken. Zu sagen: "Ich denke" kann auch "ich glaube" bedeuten. Denken und Glauben treffen sich. Das gefällt mir!

Lust aufs Weiterdenken? Der DV-Bericht und die Liste der Dienstzuweisungen sind nun auf der Webseite aufgeschaltet.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Samstag, 8. Oktober 2022

Ferien oder Urlaub?

Ein Zitat

An einem Strand auf Korsika.
Foto © Jörg Niederer
"Urlaub ist für mich stets ohne Risiko, mein Chef sagt wann, meine Frau sagt wo." Herkunft unbekannt

Ein Bibelvers - Kolosser 2,16+17a

"Niemand soll euch danach beurteilen, was ihr esst oder trinkt – oder ob ihr bestimmte Feste, den Neumond oder den Sabbat haltet. Das alles ist doch nur ein Schatten von dem, was kommen wird."

Ein Anregung

"Ferien" ist ein Pluraletantum, ein Wort, das es nur in der Mehrzahl gibt. "Urlaub" dagegen wird meist im Singular gebraucht, auch wenn es den Plural "Urlaube" natürlich auch gibt.

Noch nie habe ich nachgeschaut, woher die Worte "Ferien" und "Urlaub" ursprünglich kommen. Was mir immer schon aufgefallen ist: In der Schweiz werden die Begriffe anders verwendet als in Deutschland und Österreich. Wenn man in Deutschland oder Österreich davon spricht, man fahre in den Urlaub, dann sagen die Schweizerinnen und Schweizer, dass sie in die Ferien gehen. Warum ist das so? Es ist an der Zeit, dieser weltbewegenden Frage auf den Grund zu gehen.

"Urlaub" ist abgeleitet vom Althochdeutschen "Urloup" und bedeutet im Wesentlichen "Erlaubnis". Wikipedia gibt einige Beispiele dazu, wobei das folgende das Erhellendste ist: "Eine weitere Überlieferung ist, wenn die Ernte (aus der Land- oder Weinwirtschaft) eingebracht war, konnten die Knechte und Mägde zum Altbauern, dem 'Ur' gehen und um Er'laub'nis fragen. Gab dieser die Erlaubnis, wurde auch oft zugleich ein 'Trinkgeld' zur Vergnügung mit ausbezahlt." Beim Wort "Urlaub" ist also die "Erlaubnis" und der die Erlaubnis erteilende "Dienstherr" in einem Wort zusammengefasst.

Dagegen ist "Ferien" ein lateinisches Lehnwort von "feriae" und wurde ursprünglich für die religiösen, wiederkehrenden Feiertage gebraucht. Das lateinische "feriae" soll seinerseits eine Zusammensetzung der Begriffen "fanum" (fanatisch) und "festus" (Fest) sein. Wenn das so ist, dann wurde also schon in römischer Zeit die Religion mit Fanatismus verbunden. Aber das ist ein anderes Thema.

Genau diese Unterscheidung von "Urloup" und "feriae" wird nun in Deutschland und Österreich weiterhin gemacht. Dort sind Ferien Tage, an denen die Institutionen wie Parlament, Schule und Universitäten schliessen. Alle Personen in diesen Institutionen haben frei. Und so spricht man im ganzen deutschsprachigen Raum etwa von "Schulferien". "Urlaub" dagegen wird für die Tage verwendet, die man individuell beziehen kann. Also die Zeit, in der eine Person mit Erlaubnis des oder der Vorgesetzten nicht arbeiten muss. Eben deshalb fährt man in Deutschland und Österreich nicht etwa in die Ferien, sondern in den Urlaub. Das kann in den Schulferien geschehen, muss aber nicht.

In der Schweiz wird diese Unterscheidung zwischen Ferien und Urlaub nicht mehr gemacht. Dort hat man "Ferien", genauer: man "geht in die Ferien" und das meist in der Zeit der Schulferien. Nebenbei: Die Deutschen "fahren" in den Urlaub. Die Schweizerinnen und Schweizer "gehen" in die Ferien. Wird da die Autovernarrtheit der deutschen Bürgerinnen und Bürger sprachlich sichtbar?

Nun: Die jährlich wiederkehrenden Feiertage werden heute meist nicht mehr mit dem "Urlaub" in Verbindung gebracht und auch nicht mit Fanatismus. Aber "Frei feiern", das tun wir an Feiertagen immer noch.

Wie auch immer freue ich mit auf die Ferien (oder eben auf den Urlaub), notabene währen der schulfreien Zeit. Ich habe also Ferien und Urlaub auf einmal. Das kann ja nur doppelt gut werden.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Dienstag, 9. August 2022

Schilderwald im Tannenforst

Ein Zitat

Schilderwald am Wanderweg vom Pfänder hinab nach Bregenz und Lochau.
Foto © Jörg Niederer
"Ein Puddingleben ist nicht leicht / weil's meisten nur zum Schwabbeln reicht" Diana Sicher-Fritsch, Expertin für leichtes Leben

Ein Bibelvers - Prediger 1,5

"Die Sonne geht auf und geht unter. Und jedes Mal drängt sie an ihren Ausgangsort zurück, wo sie wieder aufgehen wird."

Ein Anregung

Es ist schon ein lustiger Schilderwald, da wo uns die Österreichische Bundesforste AG "Herzlich willkommen!" heisst, und zugleich dieser Ort als "Privat" ausgewiesen wird und das Betreten verboten ist. Sollte dann doch jemand versuchen, diesen Ort zu begehen, dann, so steht auf einer dritten Tafel, geschieht dies auf eigene Gefahr. 

Vielleicht haben diese drei Schilder aber gar nichts miteinander zu tun. Verwirrlich sind die Anweisungen trotzdem. Am Besten suche jede und jeder sich eine der Anweisungen nach Lust und Laune aus. 

Oder ist dies ein österreichisches Ding mit solch unlogischem Zusammentreffen? Denn heute ist mir noch etwas weiteres Kurioses untergekommen. Wenn ich im Hotel, in dem wir gerade die Ferien geniessen, mit dem Lift in das 4. Untergeschoss fahre, dann lande ich ein halbes Stockwerk höher, als wenn ich im 3. Untergeschoss aussteige.

Ich finde, es sind gerade diese "Überraschungen", die das Leben immer wieder neu leicht und faszinierend machen? Wie langweilig wäre es doch, wenn auf Knopfdruck immer das Erwartete geschieht. Und ist nicht auch Gottes Zuwendung zu uns Menschen so etwas Überraschendes, Unerwartetes?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Freitag, 15. Juli 2022

Reisende Palmen

Ein Zitat

Palmentransport bei Bregenz
Foto © Jörg Niederer
Als die Gletscher gingen, kamen die Palmen.

Ein Bibelvers - Psalm 92,13

"Doch der Gerechte wird wachsen wie eine Palme. Er wird groß werden wie eine Zeder im Libanon."

Ein Anregung

Während in diesen Tagen unüberschaubare Menschenströme in Blechlawinen in den Süden rollen, um dort Fremdkörpern gleich die Meere, Seen und Berge zu belagern, zieht es die Palmen in die andere Richtung, in den Norden. Tatsächlich wachsen sie in immer mehr Gärten auf der Alpennordseite, und sind zwischenzeitlich auch in den Wäldern Basels angekommen. Da gehören sie ja nun wirklich nicht hin. In Basel, da leben Bebbis, aber doch nicht Palmen!

Was sich da so hartnäckig in den Norden aufgemacht hat, nennt die Wissenschaft Trachycarpus fortunei, auch bekannt als Fortune-Palme, Chinesische Hanfpalme, Glückspalme oder Tessinerpalme. Nur Letzteres ist dieser Baum bestimmt nicht. Denn auch im Tessin ist dieser Schopfbaum ein Eindringling, ein Neophyt, eine invasive Art, welche einheimische Pflanzen verdrängt. Sie Tessinerpalme zu nennen ist so unsinnig, wie sie Baslerpalme zu nennen.

Ein Glücksfall ist diese Glückspalme also in der ganzen Schweiz nicht. Frage: Gefallen dir Palmen im Garten? Oder freust du dich mehr über standorttypische Pflanzen?

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde

Sonntag, 18. Juli 2021

Spirituell die Füsse hochlagern

Ein Zitat

Nichtstun am Strand
Foto © Jörg Niederer
"Vielleicht hängt die Wahrheit von einem Spaziergang um den See ab." Wallace Stevens (1879–1955), US-amerikanischer Dichter

Ein Bibelvers - Prediger 2,17

"Da begann ich das Leben zu hassen. So übel erschien mir das Tun, das unter der Sonne getan wird: Alles ist Windhauch und vergebliche Mühe!"

Ein Anregung

Nichts tun ist nicht immer falsch. Ausruhen gehört zum Leben. Ferien vom Leistungsdruck können sehr gut tun. Genau davon handelt die heutige Predigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen.

Es ist ein Plädoyer für ein zweckfreies, in Gott geborgenes Sein. Warum immer unter Strom stehen. Nimm dir doch einmal Zeit für den Stillstand. Versuche den Wind zu fangen. Das Leben, so der Prediger sei ja sowieso ein "Haschen nach Wind".

Andere Möglichkeiten: Sammle Licht ein oder Sterne, folge den Wolken, schlendere durch den Regen zum Anfang des Regenbogens, ordne die Reiskörner nach einem Muster oder untersuche, ob in der Buchstabensuppe das ganze Alphabet vorkommt.

Still halten ist nicht nur dann sinnvoll, wenn man muss. Es ist auch dann oft erhellend, wenn man darf.

Der Gottesdienst zum Thema "Müssiggang und Gvätterle" am Sonntag um 10.15 Uhr in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen kann live per Zoom (oder vor Ort) miterlebt werden. Dabei nehmen wir uns aber auch Zeit, um für die Opfer der Unwetter zu beten.

Die Predigt anhören!

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde