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Donnerstag, 6. April 2023

Küsse oft und herzlich!

Ein Zitat

Flanellbild zur Passionsgeschichte.
Foto © Jörg Niederer
"In meiner Fantasie haben Sarah und Abraham die Sterne nicht nur angeguckt, um zueinander zu sagen: Schau doch, wie gross unser Gott ist! Sondern sie haben sich auch in die Augen geguckt, Händchen gehalten und sich schliesslich geküsst." Kathrin Bolt, Pfarrerin von St. Laurenzen, St. Gallen

Ein Bibelvers - Johannes 13,4+5

"Jesus stand vom Tisch auf, legte den Mantel ab und band sich ein Tuch um. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen."

Eine Anregung

"Sternenglanz" nennt sich der Podcast und Blog von Kathrin Bolt und Carsten Wolfers. Gestern habe ich reingehört; natürlich auch, weil ich Kathrin Bolt persönlich kenne und regelmässig antreffe, zum Beispiel an Karfreitag in St. Gallen anlässlich des Kreuzwegs der Gegenwart

Kathrin Bolt schreibt über sich: "Als Pfarrerin der reformierten Laurenzenkirche St. Gallen bin ich unter dem Sternenhimmel unterwegs. Ich war bereits FM1-Radiopfarrerin und freue mich, nun mit dem Sternenglanz-Podcast etwas Neues ausprobieren zu können!"

Auch Carsten Wolfers formuliert in einem Satz, was ihn als Podcaster auszeichnet: "Ich habe bereits Podcast-Erfahrung mit Soulfood gesammelt. Sternenglanz kommt hinzu, denn als Diakon in der römisch-katholischen Kirche sind mir Alternativen zur klassischen Erwachsenenbildung wichtig."

Aktuell geht es im Sternenglanz-Podcast und -Blog um Berührungen. Carsten Wolfers knüpft am vorausgegangenen Beitrag von Kathrin Bolt über den Kuss an und nimmt Passionsberührungen und Osterberührungen auf: Etwa die Berührungen beim gegenseitigen Waschen der Füsse. Oder Berührungen beim Brechen und Herumreichen von Brot. Oder die Berührungen beim Liegen auf dem Boden.

Es sind berührende Gedanken über das Berühren. Schöne Sätze begleiten mich durch den Tag: "Vielleicht gibt es gerade deswegen so viele und so unterschiedliche Erzählungen in der Bibel über Berührungen. Gott sagt mir damit gleichsam: Ich berühre Dich, ich lasse mich von Dir berühren, um ganz bei Dir zu sein." 

Ich habe mir dann auch noch den Podcast von Kathrin Bolt über das Küssen angehört. Auch das hat sich gelohnt. Kathrin Bolt ist übrigens nominiert für den Dienstagsmail-Award. Ich habe ihr die Stimme gegeben.

Zurück zu Carsten Wolfers. Den Podcast zusammenfassend formuliert er: "Vertrau dich der Erde und dem Himmel an! Breche Brot, reiche Brot rum! Beiss kräftig zu! Küsse oft und herzlich!" Das ist doch mal eine Zielsetzung für Karfreitag und dann besonders für Ostern.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Freitag, 3. Juni 2022

Der orthodoxe Mönch und der Lippenstift

Priester Mihail Adam am Fenster der Rumänisch-orthodoxen Kirche in Abtwil
Foto © Jörg Niederer
Ein Zitat

"Ikonen begleiteten das Christentum seit seinem Aufbruch bis zum heutigen Tage."

Ein Bibelvers - 1. Petrus 5,14

"Grüßt euch untereinander mit dem Kuss, der eure geschwisterliche Liebe zueinander ausdrückt. Friede sei mit euch allen, die ihr zu Christus gehört!"

Ein Anregung

Die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen von Zürich, Winterthur, St.Gallen und beider Appenzell trafen sich zu ihrer jährlich einmal stattfindenden Weiterbildung in St. Gallen.

Auch zu Besuch war man in der Rumänisch-orthodoxen Kirche, welche in einem Industrie- und Gewerbehaus in Abtwil eingemietet ist. Es ging im Wesentlichen um die Sozialarbeit von Kirchen, aber natürlich liessen sich die Gäste auch gerne über die Einrichtung einer orthodoxen Kirche informieren. Dabei stellte jemand fest, dass einige Ikonenbilder von einer Glasscheibe bedeckt wurden. Priester Mihail Adam erklärte, dass die Verehrung der Heiligen das Küssen der ikonischen Bilder beinhaltet. Mit der Zeit würden diese wertvollen Werke durch Lippenstift der Frauen beeinträchtigt. Auf Glas lassen sich die Spuren leicht entfernen, nicht aber auf der Ikone selbst.

Dazu erzählte der Priester eine Anekdote, ob von sich selbst oder von einem andern Priester weiss ich nicht mehr sicher. Auf jeden Fall fragte der Priester seinen Beichtvater, ein Mönch, der zugleich Fachmann für die Restauration von Ikonen war, ob es möglich sei, den Lippenstift von der Ikone zu entfernen, ohne das Kunstwerk zu zerstören. Der Beichtvater wusste es nicht, hatte er doch sonst mit ganz anderen Verunreinigungen und Schäden zu tun. So meinte er: "Ich werde morgen Lippenstift kaufen, und dann ausprobieren, wie man ihn von den Ikonen wegbekommt."

Nun stelle man sich einen orthodoxen Mönch vor, der sich in einem Kosmetikfachgeschäft bei der jungen Verkäuferin nach Lippenstift erkundigt. Da muss man ja auf falsche Gedanken kommen. Verständlich also, dass der Mönch schlussendlich auf einem anderen Weg zum Lippenstift für das Kunstexperiment gekommen ist.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde