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Sonntag, 23. Juni 2024

Vom Saulus zum Paulus

Ein Zitat

Flanell-Sonntagschulbild über die Bekehrung des Saulus.
Foto © Jörg Niederer
"Falsch handeln aus Überzeugung ist die verhängnisvollste Form von Lebensfehler."

Ein Bibelvers - Apostelgeschichte 9,9

"Drei Tage lang war Saulus blind. Er ass nichts und trank nichts."

Eine Anregung

Paulus war, als er noch Saulus hiess, ein Überzeugungstäter. Er war sich sicher, das Richtige zu tun, als er die ersten Christen im Auftrag der jüdischen Hohepriester verfolgte. Er war blind für die Wahrheit. Genau dies wurde ihm deutlich gezeigt, in dem er durch Gottes Eingreifen für drei Tag erblindete.

Heute Sonntag steht diese dramatische Bekehrungsgeschichte im Zentrum des gottesdienstlichen Nachdenkens in der Methodistenkirche an der Kapellenstrasse 6 in St. Gallen. Alle sind ab 10.15 Uhr herzlich eingeladen, auch zur Teilnahme am Abendmahl.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Montag, 3. Juli 2023

Stuhlgeschichten

Ein Zitat

Eine Bibel liegt aufgeschlagen auf einem Stuhl im Gottesdienstraum der Methodisten in Cluj-Napoca, Rumänien.
Foto © Jörg Niederer
"Für ein gutes Tischgespräch kommt es nicht so sehr darauf an, was sich auf dem Tisch, sondern was sich auf den Stühlen befindet." Walter Matthau, Schauspieler (1920-2000)

Ein Bibelvers - Psalm 47,8+9

"Denn Gott ist König über die ganze Welt. Singt bei seinem Einzug ein kunstvolles Lied! Gott hat seine Herrschaft über die Völker angetreten. Er hat Platz genommen auf seinem heiligen Thron."

Eine Anregung

Nach langer Zeit zum ersten Mal ging sie wieder einmal in die Kirche und - der Gottesdienst hatte noch nicht begonnen - setzte sich hin. Das war der Fehler. Der Fehler war nicht, dass sie in die Kirche ging, auch nicht, dass sie sich setzte. Was sie falsch gemacht hatte, erfuhr sie erst Wochen später. Sie hatte sich auf den Platz von Jack gesetzt. Jack war ein Gemeindeglied, das vor Monaten schon zum Herrn heimgerufen worden war. Seit dessen Tod lies man Jacks Platz frei. Als würde er eines Tages wieder in den Gottesdienstraum marschieren, so wie er es immer getan hatte, um sich genau dort hinzusetzten, wo nun unsere Gottesdienstbesucherin sass. Auch wenn die Gemeindeglieder sich über dieses geschehene Sakrileg empörten, getraute sich doch niemand etwas zu sagen. Und so verging viel Zeit, bis sie von ihrem Fehler erfuhr. Doch da war es schon nicht mehr so schlimm, dass nun Jacks Stuhl anderweitig belegt war.

Diese von mir etwas ausgeschmückte Geschichte ist der Mutter eines Pfarrkollegen zugestossen. Der gleiche Pfarrkollege erzählte mir auch noch von einem anderen Stuhl. Darauf, so glaubte man an jener Universität in England, sei John Wesley, der Begründer der methodistischen Bewegung, höchst persönlich bei seinen Vorlesungen gesessen. Also wurde der Stuhl in einer Vitrine ausgestellt und entsprechend beschriftet. Bis jemand genauere Nachforschungen anstellte, und feststellte, dass der Möbelschreiner erst nach dem Tod des Kirchenmanns den Stuhl gefertigt hatte. Der Kaufbeleg bewies es eindeutig. Nun, der Stuhl blieb in der Vitrine. Geändert wurde nur die Anschrift. Darauf konnte man nun lesen: "Auf diesem Stuhl ist John Wesley ganz bestimmt nie gesessen."

Auch der neue methodistische Bischof Stefan Zürcher erzählte mir von einem Stuhl. Dem Stuhl seines Vorgängers. Ich kenne diesen Sessel sehr gut aus meiner Zeit als Distriktsvorsteher. Bischof Patrick Streiff sass darauf bei Sitzungen all die 18 Jahre, die er aktiv sein Amt ausübte. Es war ein bisschen so wie bei Jack: Die, welche ihn auf dem Stuhl erlebt hatten, konnten sich nur schwer vorstellen, sich selbst darauf zu setzten. Doch nun stellte sich für Stefan Zürcher die Frage, wie man sich diesen solcher Art langgedienten Stuhl des Vorgängers zu eigen machen könnte, zumal sein Vorgänger ja immer noch einige Amtsgeschäfte inne hatte.

Was denkst du? Was hat der neue Bischof getan? Hier eine Antwort-Auswahl: 

1. Er hat sich bis heute nicht auf den Stuhl gesetzt. 

2. Sein Sohn hat sich auf den Stuhl gesetzt, und so den "Ehrfurchts-Bann" auf diesem Möbelstück gebrochen. 

3. Er konnte es nicht erwarten, sich auf den Stuhl zu setzt. 

4. Patrick Streiff hat Stefan Zürcher diesen Stuhl ganz offiziell hingehalten, so dass nun er darauf sitzt. 

PS: Eine Antwort von meiner Seite gibt es nicht. Da müsst ihr den neuen Bischof schon selbst fragen.

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen

Mittwoch, 25. Januar 2023

Für gute Vorsätze ist es nie zu spät

Ein Zitat

Die Allmend von Frauenfeld
Foto © Jörg Niederer
"Aber ich habe gehört, dass diese Methodisten durch nichts zu halten sind, wenn sie die Grille erst mal im Kopf haben - viele werden ganz und gar verrückt von ihrer Religion." Gasthauswirt Cassons Person in George Eliots Roman "Adam Bede"

Ein Bibelvers - Markus 12,12

"Die führenden Priester, Schriftgelehrten und Ratsältesten hätten Jesus am liebsten verhaften lassen. Aber sie fürchteten sich vor der Menge. Sie hatten verstanden, dass er in dem Gleichnis von ihnen gesprochen hatte. Sie ließen ihn in Ruhe und gingen weg."

Eine Anregung

Gerade sind mir wieder gute Vorsätze in die Hände gekommen, und da das neue Jahr noch jung ist, und eine Sinnes- und Lebensänderung allezeit erfolgen kann, will ich sie gerne hier aus dem Amerikanischen übersetzt wiedergeben: 

"In diesem Jahr werde ich mich bemühen, mehr wie Jesus Christus zu werden. Darum werde ich...  

  • mit Sündern abhängen. 
  • fromme Menschen in Aufregung versetzen. 
  • Geschichten erzählen, die zum Nachdenken anregen. 
  • mich mit unbeliebten Menschen befreunden. 
  • freundlich, liebevoll und barmherzig sein. 
  • kleine Nickerchen auf Booten halten."

Jörg Niederer ist Pfarrer in der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Gallen-Teufen / Koreanische Gemeinde